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Postkoloniale Theorien - eine Einführung

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by

Karen Struve

on 7 November 2012

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Transcript of Postkoloniale Theorien - eine Einführung

"Wann war 'der Postkolonialismus'?"
Einführung in die
Postkoniale Theorie(n) Dr. Karen Struve „Deshalb müssen wir die großen kanonischen Texte, ja vielleicht das ganze Archiv der modernen und vormodernen europäischen und amerikanischen Kultur mit dem Vorsatz lesen, alles, was in solchen Werken stumm, nur marginal präsent oder ideologisch verzerrt dargestellt ist, herauszustellen, zu bezeichnen und ihm Nachdruck und Stimme zu verleihen […]. Praktisch bedeutet ›kontrapunktisches Lesen‹ die Lektüre eines Textes mit wachem Verständnis für das, was im Spiele ist, wenn ein Autor beispielsweise darlegt, daß eine koloniale Zuckerplantage wichtig für die Aufrechterhaltung eines besonderen Lebensstils in England ist […]. Entscheidend ist, daß eine kontrapunktische Lektüre beides in Rechnung stellen muß, den Imperialismus und den Widerstand gegen ihn, und zwar indem wir die Lektüre der Texte so erweitern, daß sie einschließt, was einst gewaltsam ausgeschlossen worden war“ (Said 1994, S. 112)

„Die Lektüre eines Textes muß ihn für das öffnen, was darin Eingang gefunden und für das, wogegen sein Autor ihn abgedichtet hat“ (Said 1994, 113)
  Jean-Léon Gérôme:
Une piscine dans le harem. 1876 Konsequenzen für eine postkoloniale Literaturtheorie/ Textanalyse

Postkoloniale Theorie zwar stark literaturwissenschaftlich geprägt, aber keine eigene genuin literaturwissenschaftliche Methodologie
Nach Ashcroft et al. (1989) vier Varianten postkolonialer Literaturtheorie:
eine regional-nationale Variante
eine »race-basierte« Variante
eine (enge) komparatistische Variante
eine umfassendere komparatistische Variante

Methodologie: eine (relativ unscharf beschriebene) postkoloniale »reading strategy« Glissant: Kreolisierung und Tout-Monde

Édouard Glissant: theoretisches und literarisches Werk
„Le discours antillais“ (1981), „Traité du Tout-Monde“ (1997)

Zentrale Konzepte:
Genese und Digenese
Wurzel-Identität vs. Rhizom-Identität
Chaos-Welt und Tout-Monde
Poetik der Relation Bhabha: Hybridität und Dritter Raum

Homi K. Bhabha:
„The Location of Culture“ (1993) und
Sammelband „DissemiNation“ (1990)
Grundsätzliche Mischung/Hybridisierung von Kulturen innerhalb und an ihren Rändern
Zentrales Konzept: kultureller Differenz zur Dekonstruktion kultureller Entitäten und zur postdialektischen Analyse von kulturellen Repräsentationsformen
auch vermeintlich mächtiger Kolonialdiskurs in sich different und damit brüchig; Hybridisierungsphänomene aufseiten des Kolonisators und des Kolonisierten

Zentrale Konzepte:
Hybridität
Dritter Raum
Mimikry
Übersetzung Postkoloniale Literaturkritik:
The Empire Writes Back (1989)

Gründungstext der postkolonialen Literaturtheorie bzw. Literaturkritik:
„The Empire Writes Back“ (1989)
hg. von Bill Ashcroft, Gareth Griffiths und Helen Tiffin

doppeltes Ziel
 auf der Ebene der literarischen Texte: postkoloniale Ästhetik und Kanonkritik
auf der Ebene der wissenschaftlichen Theorien: Entlarvung von Eurozentrismen und kritische Fortschreibung philosophischer, linguistischer und literaturtheoretischer Prämissen Spivak: Subalterne

Spivak: „Can the subaltern speak?“ (1988)
Zentraler Begriff der Subalternen (nach Gramsci)
Beispiel: Witwenverbrennung in Indien
Doppelte Diskursohnmacht

 Diskursive Machtmechanismen im „Sprechen über“ Edward Said: Orientalismus

Edward Said: „Orientalism“ (1978)
als einer der „Gründungstexte der Postcolonial Studies“

Zentrale These: Orientalismus als Diskurs und als Konstrukt

Orientalismus ist »eine Umgangsweise mit dem Orient, die auf dessen besonderer Stellung in der europäisch-westlichen Erfahrung beruht. Der Orient grenzt nicht nur an Europa, er barg auch seine größten, reichsten und ältesten Kolonien, ist die Quelle seiner Zivilisationen und Sprachen, sein kulturelles Gegenüber und eines seiner ausgeprägtesten und meist variierten Bilder des ‚Anderen’. Überdies hat der Orient dazu beigetragen, Europa (oder den Westen) als sein Gegenbild, seine Gegenidee, Gegenpersönlichkeit und Gegenerfahrung zu definieren.« (Said 2010, 9f.)

„ein westlicher Stil, den Orient zu beherrschen“ (Said 2010, 11) Fanon: Schwarze Haut, Weiße Masken

Frantz Fanon
„Peau noire, masques blancs“ (1952)
„Les damnés de la terre“ (1961)
Rassismen und Heterostereotype führen zu rassistischen und sexistischen Autostereotypen und Selbstmarginalisierungen
Verbindung von psychoanalytischen Erkenntnissen und Wirkungsmacht von kolonialistischen Diskursen
»Postcolonialism designates at one and the same time a chronological moment, a political movement, and an intellectual activity, and it is the multiple status that makes exact definition difficult.« (Moore-Gilbert et al. 1997, 1)

Selbsreflexivität:
»The best of postcolonialism is autocritical«(Spivak 2000, XV) schon während der Kolonialzeit Kritik an naturalisierender Differenzlogik des Kolonialismus

1930er: intellektueller, politischer Widerstand

1932: „négritude“ von Césaire, Senghor und Damas

1950er Jahre: Frantz Fanon, Aimé Césaire, Albert Memmi

1960er Jahre: Dekolonisierung

1980er Jahre: Subaltern Studies Group
... Postkoloniale Kritik – postkoloniale Theorien

Ausgangspunkt: „Präfixdebatte“: „Wann war ‚der Postkolonialismus?‘“ (Hall)

Post-kolonial? Postkolonial? Neokolonial? Kolonial?

 keine chronologische, sondern eine epistemologische Kategorie (postcolonial turn nach Bachmann-Medick) Postkoloniale Kritik – postkoloniale Theorien

Kulturtheoretische Blickwinkel als Zugänge zu Literatur und Kunst
anglo-amerikanisch dominiert, allerdings auch franko- und hispanophone Theoriebildung Postkoloniale Kritik – postkoloniale Theorien

Begriffsklärung
Gegenstandsbereiche und zentrale Themen
Historische Entwicklung – Skizze
VertreterInnen und zentrale Begrifflichkeiten
Relevanz für die Literaturwissenschaft
Kritik Konsequenzen für eine postkoloniale Textanalyse

Methoden
postkoloniale Narratologie:
Figurenkonstellationen: Macht-Ohnmacht? Ethnische Zuschreibungen? Stereotypisierungen? Othering/Alteritätskonstruktionen? etc.
Erzählautorität? allwissend bis unzuverlässig? etc.
Zeitkonstruktionen: Linear? Zirkulär? Auslassungen? etc.
Raumanalysen: geographisch? eng-weit? Grenzen? etc.
postkoloniale Schreibweisen und Gattungstheorien
Genre: traditionell? Mischungen? Rekonzeptualisierungen? etc.
Intertextualität
Texte? Form? »Rewriting« oder »Writing back« etc. Konsequenzen für eine postkoloniale Textanalyse

Theoretische Zielsetzungen
grundsätzliche Kanonkritik
Aufspüren von durch den Kolonialdiskurs verstummten Figuren
kritische Revision der Produktionsbedingungen von Literatur
postkoloniale Neubewertung textimmanenter Tropen, Metaphern oder narrativer Strategien wie Ironie

Methoden
postkoloniale Narratologie
postkoloniale Schreibweisen und Gattungstheorien
intertextuelle Formen wie das »Rewriting« oder »Writing back«
Said: „kontrapunktische Lektüre“ Said: Kultur und Imperialismus

Roman hat „hohe Bedeutung bei der Herausbildung imperialer Einstellungen, Referenzen und Erfahrungen“ (Said 1994, 14)
Narratives Element zentral für Beweisführung: Geschichten als Mittel der Selbststabilisierung, -stilisierung, -legitimierung
Nationen selbst sind Erzählungen (vgl. weiterhin Lyotard und Anderson)

„Kultur als Quelle der Identität“ (Said 1994, 15) Postkoloniale Kritik – postkoloniale Theorien


Spannungsfeld:






theoriegeleitete Politik und politisierte Theoriebildung Postkoloniale Kritik – postkoloniale Theorien

Gegenstandsbereiche: literarische Texte, künstlerische Artefakte, historiographische Quellen, Kartographien, politische Reden, Missionarsberichte, philosophische Traktate etc. UND die eigene wissenschaftliche Position
Historisch: Periode des Kolonialismus bis heute
Geographisch: global
Themen: Identität und Alterität, Sklaverei, Rassismus, race-class-gender-Fragen, Diaspora, Hybridität und Multikulturalismus, Globalisierung bzw. Glokalisierung, Religion, Umweltfragen etc.

Zentrale Vertreter/innen (Auswahl)

Frantz Fanon
Edward W. Said
Gayatri C. Spivak
Homi K. Bhabha
Édouard Glissant Kritik

Dekontextualisierung
Metatheoretischer Diskurs
Wiederholung und Bestätigung von Stereotypen und Machtasymmetrien statt Dekonstruktion
Ungebrochener Eurozentrismus
Gender-Blindheit Dr. Karen Struve Geschichte der Postcolonial Studies
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