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Symbolische Unabhängigkeit. Das Denken der Geschlechterdifferenz als politische Praxis

Vortrag am 1. Juni 2011 in Hamburg
by

Antje Schrupp

on 14 February 2012

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Transcript of Symbolische Unabhängigkeit. Das Denken der Geschlechterdifferenz als politische Praxis

Symbolische Unabhängigkeit Das Denken der Geschlechterdifferenz als politische Praxis
Vortrag am 1. Juni 2011 in Hamburg „Wir haben nicht gewählt, als Frauen geboren zu werden, und gerade diese Tatsache macht es unabdingbar, das Frausein zu akzeptieren.“
(Luisa Muraro) "Frauen und Männer
sind gleich." "Gleich den Frauen
oder gleich den
Männern?" Der italienische Differenzfeminismus entstand in den 1980er Jahren aus der Kritik am "Gleichheitsfeminismus" im Sinne der Forderung nach Quoten, Frauenförderung, staatlicher Gleichstellung.
Dem setzten die "Italienerinnen" die These entgegen, dass die Freiheit der Frauen nicht von anderen (den Männern, dem Staat) gegeben werden kann, sondern nur durch das politische Handeln der Frauen selbst entsteht.
Gegen eine "Politik der Forderungen"
Es gibt kein gemeinsames "Wir" der Frauen.
Daher: Aufmerksamkeit auf die (konkreten) Beziehungen unter (zwei) Frauen richten ("Affidamento": Sich Anvertrauen).
1989 erschien ihr Buch "Wie weibliche Freiheit entsteht" (Ital. Titel: "Non credere di avere dei diritti") auf Deutsch. Kritik an der Idee der Gleichstellung Das männliche Imaginäre Biologistisch (weil es nicht um Natur geht, sondern um Kultur, nicht um „natürliche“ Weiblichkeit, sondern um weibliche Freiheit)
Essenzialistisch (weil es nicht um „das Wesen“ des Frauseins geht, sondern um eine politische Praxis und um neue Möglichkeiten des Frauseins)
Binäre Geschlechterlogik (weil Frausein nicht im Vergleich zum Mannsein definiert wird)
Differenzfeminismus ist nicht: "Ich bin eine Frau".
Dies ist eine Tatsache.
Keine Identität.
Und erst recht kein Problem. Die wichtige Differenz ist nicht die Differenz zwischen Frauen und Männern.
Sondern die Differenz unter Frauen. Wer sind die "Italienerinnen"?
Libreria delle donne di Milano
Philosophinnengemeinschaft "Diotima" an der Uni Verona
Verschiedene Projekte und Personen auch in Deutschland, Österreich und Schweiz, die diesem Denken verbunden sind. Nicht die Zweigeschlechtlichkeit unserer Kultur ist das Problem, sondern ihre Eingeschlechtlichkeit.
Daher: Nicht das Frausein definieren.
Sondern dem Frausein eine Bedeutung geben.
Matrixfeminismus. Oder wie ich (eher zufällig) Differenzfeministin wurde. "Wir sind keine Gruppe, sondern einzelne Frauen, die sowohl als Einzelne wie auch gemeinsam geprägt sind von einer Geschichte der Beziehungen, angefangen bei der Beziehung zu unserer Mutter, die weitergeführt wird von der Beziehung, die uns untereinander verbindet und die „Diotima“ heißt: Ein gemeinsamer Name für Beziehungen unter Frauen, die Philosophie treiben."
(Selbstbeschreibung von Diotima) „Das Patriarchat ist zu Ende. Die Frauen glauben nicht mehr daran, und damit ist es zu Ende. Es hat so lange angedauert, wie es für das Denken der Frauen etwas bedeuten konnte. Jetzt, da es dazu nicht mehr imstande ist, kann es nicht weiterexistieren.“
Rotes Sottosopra, 1996 Das ist die politische Kultur der Frauen mit der Wiederaufnahme und der Kultivierung der Differenz durch den Feminismus:
Die Aufmerksamkeit für das Andere,
die Wertschätzung des Gesprächs,
das Wissen, das daraus entsteht, dass man sich selbst verändert,
die Schaffung einer Autorität, die von der Macht unabhängig ist,
das Zurückweisen jeder Form von Repräsentanz,
das anwesend Sein in erster Person,
das von sich selbst Ausgehen...
kurz - das, was wir die Politik des Symbolischen nennen "Von der Abwesenheit profitieren" "Eine Frau, die in Bezug auf ihre Freiheit nicht alle Möglichkeiten ausschöpft, verwechselt ihre persönlichen Probleme mit objektiven Hindernissen." (Luisa Muraro) "Über Frauen und Männer zu sprechen setzt voraus, dass wir Zeuginnen sind für das, was wir sagen, da wir direkt mit dem Gesprochenen verflochten sind. Es erfordert, dass wir in erster Person denken und uns damit angreifbar machen"
(Chiara Zamboni, Unverbrauchte Worte, 2001) Es ist äußerst notwendig, zwischen Relativismus und Relativität zu unterscheiden:
Relativismus bedeutet, die Suche nach dem universalen Wahren und Richtigen aufzugeben, weil man glaubt, alle möglichen Antworten seien abhängig von Kulturen (oder Standpunkten oder Interessen), also historischer Natur und damit veränderbar, und keine könne sich als den anderen überlegen betrachten.
Die Relativität hingegen, als Gedankengebäude und vor allem als geistige Einstellung, kann als ein unvorhergesehener Sieg über den Relativismus betrachtet werden.
Dieser Sieg wird errungen und bildet sich heraus, indem man Vermittlungen sucht, um von dem einen zum anderen Standpunkt zu kommen.
In der Praxis heißt das, Übersetzungen zu suchen zwischen dem, was ich in erster Person lebe, weiß, fühle in etwas, dass der/die andere verstehen kann, weil es dem, was er oder sie weiß, fühlt, lebt ähnlich ist oder darauf eine Antwort bietet, indem ich zugehört habe, als er/sie versucht hat, mir die Bedeutung seiner/ihrer Erfahrungen zu erklären.
(Luisa Muraro) Die Gleichheit der Geschlechter ist heute das Gewand, mit dem sich die Unterordnung der Frau tarnt. Carla Lonzi, 1975. Wichtige Vordenkerinnen:
Hannah Arendt
Simone Weil
Luce Irigaray Es geht nicht um das Verhältnis von Männern und Frauen, sondern um die Welt.
Die Geschlechterdifferenz ist nicht das Objekt, das zu untersuchen wäre, sondern das Subjekt, das Prozesse in Gang bringt. Man kann über die Welt nicht sinnvoll sprechen, ohne die Geschlechterdifferenz zu thematisieren. Begriffe wie Gerechtigkeit, Politik, Liebe, Freiheit und so weiter sind nicht zu verstehen, wenn man nicht auch darüber spricht, wie sie mit Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit verknüpft sind: Arbeit an einer neuen symbolischen Ordnung. "Das Selbstbewusstsein entsteht zusammen mit der Dankbarkeit gegenüber der Frau, die mich zur Welt gebracht hat." (Luisa Muraro) Macht und Politik
sind nicht dasselbe. (Diotima-Buchtitel, 2002) Symbolische Unabhängigkeit.
Gibt es auch für Männer. Über Männer und Frauen zu reden ist nicht dasselbe, wie über DIE Frauen und DIE Männer zu reden. Gemeinsam an einer besseren Welt zu arbeit, setzt voraus, dass man Differenzen akzeptiert und bereit ist, die damit verbundenen Konflikte zu verhandeln. "Notwendig ist ein mutiger Gestus der Übernahme von Verantwortung gegenüber unserer Differenz und gegenüber der Welt, die wir lieben. Damit wir uns endgültig verabschieden von der Glaubwürdigkeit, die viele von uns den Institutionen und den Apparaten der repräsentativen Demokratie immer noch zusprechen, denn es sind Institutionen und Apparate 'die nur für Männer geschrieben wurden'. Es ist notwendig, eine Art und Weise zu finden, die 'Demokratie' mit 'weiblicher Autorität' zu verbinden; darin liegen der Geist und das Fundament der zweiten Revolution der Frauen."

Annarosa Buttarelli: Souveräninnen (in diesem Band). Politik verkörpern statt Stellung beziehen
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