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Luhmann´s Systemtheorie

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by

Ute Heinemann

on 6 November 2014

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Transcript of Luhmann´s Systemtheorie

Welchen Einfluss haben Massenmedien als soziale Systeme?


Wie sind interaktive neue Medien nach Luhmann zu bewerten?

Ziel
Wer war Niklas Luhmann?
Massenmedien nach der Systemtheorie
Was ist ein System? Systemtheoretische Grundlangen
Das GROSSE und das kleine - Systemtheorie
Niklas Luhmann persönlich
zentrale Begriffe
Was ist ein System?
Differenz von System und Umwelt
Verschiedene Systeme
biologisch
psychisch
Sozial
Was zeichnet diese aus?
Autopoiese
Anschluss-
fähigkeit
Welche sozialen Systeme gibt es in der Gesellschaft?
Welche Begriffe fallen Euch zum Thema System ein?
Welche Systeme kennt Ihr?
Quellenangaben:
Literatur:
Bardmann, Theodor M.; Baecker, Dirk (Hg) (1999): Gibt es eigentlich den Berliner Zoo noch? Erinnerungen an Niklas Luhmann, Konstanz (UVK Universitätsverlag Konstanz GmbH)
Berghaus, Margot (2011): Luhmann leicht gemacht. Eine Einführung in die Systemtheorie. 3., überarb. und erg. Aufl. Köln [u.a.]: Böhlau (UTB, 2360 : Soziologie, Medien- und Kommunikationswissenschaft, Geisteswissenschaft).
Hagen, Wolfgang (Hg) (1997): Was tun, Herr Luhmann? Vorletzte Gespräche mit Niklas Luhmann; Berlin (Kulturverlag Kadmos, Berlin)
Hickethier, Knut (2003): Einführung in die Medienwissenschaft. Stuttgart [u.a.]: Metzler.
Horster, Detlef (1997): Niklas Luhmann, Beck'sche Reihe Denker, München (Beck Verlag)
Leschke, Rainer (2003): Einführung in die Medientheorie. München: Fink (UTB, 2386 : Medien- und Kommunikationswissenschaft).
Luhmann, Niklas: Die Gesellschaft der Gesellschaft. Frankfurt am Main: Suhrkamp (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft, 1360).
Luhmann, Niklas (2009): Die Realität der Massenmedien. 4. Aufl. Wiesbaden: VS, Verl. für Sozialwiss (Neue Bibliothek der Sozialwissenschaften).
Müller-Doohm, Stefan; Neumann-Braun, Klaus (Hg.) (1991): Öffentlichkeit, Kultur, Massenkommunikation. Oldenburg
Sander, Uwe (2008): Handbuch Medienpädagogik. 1. Aufl. Wiesbaden: VS, Verl. für Sozialwiss.
Schanze, Helmut; Pütz, Susanne (2002): Metzler-Lexikon Medientheorie, Medienwissenschaft. Ansätze - Personen - Grundbegriffe. Stuttgart [u.a.]: Metzler.
Sutter, Tilmann (2010): Medienanalyse und Medienkritik. Forschungsfelder einer konstruktivistischen Soziologie der Medien. 1. Aufl. Wiesbaden: VS, Verl. für Sozialwiss.
Weber, Stefan (2003): Theorien der Medien. Von der Kulturkritik bis zum Konstruktivismus. Konstanz: UVK-Verl.-Ges (UTB, 2424 : Medien- und Kommunikationswissenschaft, Literaturwissenschaft).

Youtube:
Niklas Luhmann - Zettelkasten, Link: https: //www.youtube.com/watch?v=7gxXkbEag 6k
08.12.1927
Geburt in Lüneburg

ältester Sohn (zwei jüngere Brüder)
Eltern: Vater Brauereibesitzer, Mutter schweizer Hotelierstochter
Großvater: einer von zwei Senatoren der Stadt Lüneburg
1944
Einzug zum Luftwaffenhelfer (im Alter von 15)
1945
Amerikanische Kriegsgefangenschaft
"Die Behandlung war nicht so, dass man das Gefühl hatte, dass man jetzt in einer Welt lebt, die in Ordnung ist."

"Ich wollte wissen, wie trotz aller Probleme gesellschaftliche Ordnung möglich ist. Mich interessierte das Recht als Ordnungsfaktor, vielleicht aus dem Erleben von Rechtsverletzungen der verschiedensten Art."
1946 - 1950
Studium der Rechtswissenschaften
1. + 2. Staatsexamen
1954 - 1960
Tätigkeit beim Oberverwaltungsgericht Lüneburg als Assistent des
Präsidenten und beim Kultusministerium in Niedersachsen als
Verwaltungsrichter
Aufgabe: Bibliothek aus unveröffentlichten Entscheidungen und Präzedenzfällen zusammenstellen

In diese Zeit fällt der Beginn seines berühmten Zettelkastens (90% der gesamten Fernleihen der Landesbibliothek gingen an ihn)
1960 - 1961
Stipendium für ein Soziologiestudium an der Havard University/USA
bei Talcott Parsons, der ein Vertreter des Systemfunktionalismus und
Strukturfunktionalismus war
1962 - 1965
Referent an der Hochschule für Verwaltungswissenschaften
Speyer. War mittlerweile Oberregierungsrat.
1965
Im Rahmen eines Vortrages lernt er Helmut Schelsky kennen, der mit
der Gründung einer Reformuniversität in Bielefeld befasst war und
hierfür fähige Mitarbeiter suchte
1965 - 1968
Abteilungsleiter bei der Sozialforschungsstelle in Dortmund
1966
Promotion mit seinem bereits 1964 erschienenen Buch "Funktionen
und Folgen formaler Organisationen" bei Helmut Schelsky und
Dieter Claessens (fünf Monate später habilitierte er mit "Recht und
Automation in der öffentlichen Verwaltung")
1969
Ruf an die neu gegründete Reformuniversität Bielefeld
als erster Professor und baute die erste soziologische Fakultät
im deutschsprachigen Raum auf
Luhmanns Werdegang
1993
Emeritierung in Bielefeld
06.11.1998
Verstarb an den Folgen einer
Krebserkrankung (Oerlinghausen) mit
71 Jahren
1964 - 1998
Veröffentlichung zahlreicher Monografien, Aufsätze etc; sieben Ehrendoktorwürden, zahlreiche Preise
Luhmanns Persönlichkeit
Zielsetzung: Theorie der komplexen Gesellschaft der Gegenwart entwickeln mit "nüchterner, unbefangenen Würdigung der Realität"
Antrag seines Forschungsprojektes mit "Theorie der Gesellschaft, Laufzeit: 30 Jahre, Kosten:keine
Verstand sich als Beobachter
Vorwurf: inhumane Theoriegestaltung, da der mensch keine Rolle spielt --> Aura der personifizierten Distanz


Dieses Bild trifft aber nicht ganz zu:
Studenten, Mitarbeiter und Bekannte beschrieben ihn als herzlich, zugewandt, interessiert, bemüht, nahbar und witzig
Er hinterlässt ein gewaltiges Lebenswerk
Mensch mit Polarisierungspotential: war sehr ungewöhnlich, aber nicht unmenschlich
Auszug aus Nachrufen:

"Aber jetzt noch bin ich Niklas Luhmann dankbar für seine Impulse, seine Integrität, vor allem aber für seine Lebendigkeit und menschliche Wärme."

Erfahrungen eines chilenischen Doktoranden: Luhmann besorgte innerhalb eines Tages für ihn eine Wohnung, fuhr ihn dorthin, führte die Verhandlungen.
"Meine Erinnerungen an Niklas Luhmann sind unzählig, und vor allem ist seine Güte und die enorme Fähigkeit, sich in die Lage eines anderen zu versetzen, hervorzuheben."
Exkurs: Kommunikation nach Luhmann
Konventionelle Definitionen von Kommunikation werden auf den Kopf gestellt:

Dominanzgefüge kehrt sich um - Sender (Alter) ist passiv, Empfänger (Ego) aktiv.
Kommunikation wird von "hinten" her ermöglicht, gegenläufig zum Zeitablauf des Prozesses. Verstehen (in Luhmanns Sinn) generiert nachträglich Kommunikation (zwar kommt Alter zuerst, jedoch ermöglicht Ego allein das Zustandekommen von Kommunikation).
Ziel ist nicht das inhaltliche Verstehen einer Mitteilung oder die Mitteilungsabsicht eines Senders, Ziel ist die Interpretation als Mitteilung durch einen Empfänger.
"Kommunikation ist Differenz"
Wie jetzt genau?
K
Information
Mitteilung
Verstehen
K. ist Prozessieren von Selektion
K. will Information mitteilen
Alter kann dabei aus unendlicher Fülle wählen

Auswahl aber real durch "Sinn" grenzt. Sinn wird im Kommunikativen Geschehen selbst bestimmt.
2 Akteure / 3 Akte

Akteure:
Alter (Sender), Ego (Empfänger)
Notwendigkeit: mindestens zwei informationsverarbeitende Prozessoren vorhanden (psychische Systeme, Personen, soziale Systeme)

Akte:
1. Selektion der Information (Alter)
2. Selektion der Mitteilung (Alter)
3. Selektion der Annahme des Verstehens (Ego)

= Kommunikation ist ein 3stelliger Selektionsprozess

1. Akt: Selektion der Information

Information ist kein Bündel, sie wird nicht von A nach E übertragen
Information wird vom Beobachter (Alter) kreiert durch selektiven Akt der Aufmerksamkeit
Alter wählt zwischen ihm vorliegenden Informationen aus - Differenz zwischen dem, was er als Information ansieht und dem anderen
Alter überführt etwas in die Realität, macht es zu realer Information

Information = rein systeminternes Produkt
2. Akt: Selektion der Mitteilung

Alter kann aus seinen Informationen nun Mitteilungen machen
trifft Auswahl von Mitteilungen
trifft Entschluss diese nun mitzuteilen oder nicht
Entscheidung:
WAS soll mitgeteilt werden?
WIE soll es mitgeteilt werden (verbal, nonverbal, schriftlich, bildlich, elektronisch, gedruckt)

Mitteilung = Selektion für eine Mitteilung, gegen eine andere
3. Akt: Selektion der Annahme / des Verstehens

Ego kann verstehen oder nicht (dass Mitteilung ankommt)
wichtigster Akt im Kommunikationsprozess (erst im "Verstehen des Erhalts" kommt Kommunikation zustande
"Verstehen" nach Luhmann:
NICHT: Verständigung im Sinne von Konsens oder inhaltlichem Verstehen
SONDERN: verstehen, dass es sich um eine Mitteilung handelt, Interpretation, dass Mitteilung gewollt ist (nicht also nur ein zufälliges Geräusch)

Kommunikation ist Synthese aus Selektionen (Akte 1-3), nicht Summe von Handlungen durch Personen

Es kommt bei Ego IMMER zu einer Irritation: Was hat Alter zur Mitteilung ausgewählt aus welchen Informationen und warum so? --> Irritationspotential stimuliert Anschlusskommunikation!
Irritation

Beispiel:

Kommunikation durch soziale Systeme --------------- verglichen mit --------------- Wahrnehmung (psychische Systeme)




Information Information
Unterscheidung von
einfacher Wahrnehmung
und
Wahrnehmung von
geholt über Kommunikation Mitteilungsverhalten geholt über direkte Wahrnehmung





mitgeteilte Information, gefiltert über Selektion wahrgenommene Information




subjektiv: nicht zweifelsfrei, nicht unbedingt zutreffend vollständig und zutreffend
Kommunikationsprozess im Überblick




"Kommunikation ist immer ein Mißverstehen ohne Verstehen des Miß!"

Inhaltliches Verstehen ist nicht mehr Teil der ersten Kommunikationseinheit --> 1. Akt der Anschlusskommunikation (4. Akt)
Transformation: Kommunikation transformiert Differenz von Information und Mitteilung IN Differenz von Annahme oder Ablehnung

Anschlusskommunikation - Ego wird zu Alter

"Erfolgreiche Kommunikation ist fortgesetzte Kommunikation; Kommunikation ist erfolgreich, wenn sie erfolgt und weiter erfolgt."


"Unwahrscheinlichkeit" von Kommunikation
Kommunikation muss so beschaffen sein, dass sie Anschlusskommunikation provoziert.
Würde sie im Sinne von Sinnverstehen gelingen, würde das den Niedergang des Systems bedeuten.

Warum?
Vollständiges Sinnverstehen kann aus einem Grund niemals passieren --> Bewusstseine nicht koppelbar/verknüpfbar. Niemand kann in den Kopf eines anderen hineinschauen und denken, was der andere gerade denkt (s. Irritation).
Würde das doch gehen, würde Kommunikation so wie sie Luhmann definiert, nicht mehr existieren können, das System hätte sich damit selber abgeschafft!

Unwahrscheinlichkeit von Kommunikation:
"Kommunikation ist unwahrscheinlich. Sie ist unwahrscheinlich, obwohl wir sie jeden Tag erleben, praktizieren und ohne sie nicht leben würden."

1. Unwahrscheinlichkeit:
"dass es gelingt, eine Information über etwas, was außerhalb der Wahrnehmung liegt, verständlich und sinnvoll einem anderen mitzuteilen."
2. Unwahrscheinlichkeit:
"dass es gelingt, Kommunikation von den Bedingungen der Mündlichkeit, der Interaktion unter Anwesenden und von Gedächtnisbindungen zu befreien."
3. Unwahrscheinlichkeit:
"dass es gelingt, zur Annahme des Kommunikationsangebots zu motivieren."


Der Medienbegriff nach Luhmann
Medium
= "erwartungsleitende Wahrscheinlichkeit"
Selektionen von Alter und Ego sollen besser zusammenpassen (z.B. durch "Form")
dadurch Unwahrscheinlichkeitsproblem lösen
breit gefächerter Medienbegriff (Massenmedien nur darin als ein Teil enthalten)
charakterisiert durch Funtion:
begrenzen Selektionsspielraum (z.B. Sprache mit Wortschatz und Grammatik)
ohne Unterbindung von Selektionsmöglichkeiten (Sätze können beliebig formuliert (sinnvoll) werden, genauso wie interpretiert)
Medien werden durch Systeme gemacht
Medien steuern Kommunikation, sind Voraussetzung aber kein Teil von ihr


Universalmedium oder allgemeines Medium: Sinn - universal gültig für psychische und soziale Systeme

Kommunikationsmedien:
1. Sprache:
alle Gesellschaften (oral bis Welt)
2. Verbreitungsmedien:
gelten für alle Gesellschaften seit den Hochkulturen
Schrift
Druck
Elektronische Medien (Massenmedien als gesellschaftliches Funktionssystem)
3. Symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien oder Erfolgsmedien:
sind auf bestimmte Felder und Spezialprobleme in ausdifferenzierten Gesellschaften spezialisiert (z.B. Liebe, Eigentum, Geld, Macht, Recht etc.)


Luhmann unterscheidet folgende Medien:
Medien machen Kommunikation wahrscheinlicher
1. Unwahrscheinlichkeit "Sinnverstehen": Lösung durch Sprache, da sie Information über etwas liefern kann, was außerhalb der Wahrnehmung liegt

2. Unwahrscheinlichkeit "Empfang": Lösung durch Verbreitungsmedien, da sie von Mündlichkeit und Interaktion unter Anwesenden befreien

3. Unwahrscheinlichkeit "Erfolg": Lösung durch Symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien, da sie zur Kommunikation ködern/motivieren
Massenmedien nach Luhmann I
Gehören nicht in die Medienevolution, sie sind nicht die nächste Entwicklungsstufe
tragender Aspekt: gesellschaftliche Funktion
stehen gleichgeberechtigt neben sozialen Subsystemen wie Recht, Wirtschaft, Kunst etc.
stellen Orientierungswissen über die Realität bereit
Unterschiede zu den anderen Medien:
die anderen Medien dienen psychischen und sozialen Systemen und sind Voraussetzungen der Massenmedien
Massenmedien sind Systeme

Definition nach Luhmann: "Mit dem Begriff der Massenmedien sollen alle Einrichtungen der Gesellschaft erfasst werden, die sich zur Verbreitung von Kommunikation technischer Mittel der Vervielfältigung bedienen. [...] Entscheident ist auf alle Fälle, dass keine Interaktion unter Anwesenden zwischen Sender und Empfängern stattfinden kann."
Massenmedien nach Luhmann II
Massencharakter ist entscheident
unbestimmter Adressat - müssen allgemein und öffentlich zugänglich sein
Technik erzeugt Kontaktunterbrechung zwischen Sender und Empfänger
keine direkte Interaktion der Akteure untereinander (Stichwort: Rückkopplung)

Massenkommunikation gelingt nur durch Kontaktunterbrechung
Massenmedien erzeugen Massenkommunikation! (Zweck: Verbreitung von Kommunikation)

Luhmann grenzt Interaktion kategorisch aus --> Kommunikation läuft, aber Interaktion ist abgeschnitten

Interaktion nach Luhmann: unmittelbarer Kontakt unter Anwesenden
Massenmedien nach Luhmann III
Technik macht Kontaktunterbrechung - Kontaktunterbrechung macht System (weil es sonst nach Luhmanns Definition kein Massenmedium ist)
erst durch Unterbrechung Entwicklung von Funktionssystem der Massenmedien
beide Parteien sind frei in Selektion (Sender/Empfänger) und doch gekoppelt, da beide Interesse am Zustandekommen von Kommunikation haben
viele Interessen auf Nutzerseite, daher breites Angebot auf Anbieterseite
führt zur Ausdifferenzierung und somit zur Fokussierung: System wird leistungsfähiger
"Die Realität der Massenmedien"
Massenmedien sind zwei Realitäten:

1. sie operieren, also existieren sie = Realität erster Ordnung
2. sie beobachten, also konstruieren sie = Realität zweiter Ordnung

Das bedeutet, Medien liefern kein Realitäts-Abbild, denn:
die Welt wird nicht objektiv (wie sie ist) sondern durch Selektion beschrieben.
bedeutet: es ist die Realität der Massenmedien durch die von ihnen getroffenen Unterscheidungen! --> konstruierte Realität wird dem Publikum präsentiert, wir akzeptieren das als d i e Realität

Nach Luhmann besteht unser Gesellschafts- und Weltwissen aus Konstruktionen.

Konstruktionen sind unvermeidbar - das ist aber nicht gleichbedeutend mit Realitätsverzerrung, denn:
Lügen/Unwahrheiten sind inakzeptabel, weil berichtete Elemente im Pool von Selektionsmöglichkeiten der Welt enthalten sein müssen (Lügen sind darin nicht enthalten)
Publikum ist eine Kontrollinstanz durch Heranziehung von Vergleichsmedien oder Anwesenheit beim Geschehen (Bsp.: Fußballspiel)
Codierung / Code der Massenmedien
Massenmedien berichten und beobachten nach einem binären Code: Information/Nicht-Information
Code ist Maßstab für Brauchbarkeit von Selektionen (Sportmagazin berichtet nicht über Häkelmuster, diese wären hier Nicht-Information)

Besonderes Merkmal: Zeit
das System veraltet sich selbst
vernichtet sein eigenes Material und kreiert neuen Bedarf (einmal gesendete Information wird zur Nicht-Information, es entsteht ein Sog)
Temporalisierung erfasst Medien und die Gesellschaft
Programmarten
Code ist nicht konkret genug gefasst, daher selegieren Massenmedien weiter: welche Themen sind wichtig für wen?
es kommt zur Unterscheidung von Programmarten (dienen zum Herausfiltern passender Informationen):

Luhmann unterscheidet drei Programmbereich:

1. Nachrichten/Berichte
2. Werbung
3. Unterhaltung
Makro- und Mikro-Ebene
Massenmedien können nicht ohne Umwelt leben
unterhalten sämtliche strukturelle Kopplungen
Programmbereiche sind nützlich, da viele unterschiedliche Kopplungen dadurch möglich, wodurch verschiedene Umweltbereiche erreicht werden

Strukturelle Kopplung auf Makro-Ebene:
erreicht andere soziale Subsysteme

Strukturelle Kopplung auf Mikro-Ebene:
erreicht die Mediennutzer bzw. deren psychische Systeme

Medien setzen einen standardisierten Nutzertypen voraus:
Vereinfachung auf beiden Seiten (Angebot und Nachfrage)
soziales Gedächtnis
Welche Funktion hat nun eigentlich das Funktionssystem "Massenmedien"?

Es obliegt den Medien, den Nutzer mit Wissen über die Gesellschaft und die Welt zu versorgen.

"Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien"

Massenmedien stellen thematisch strukturierte Aussagen über Realitäten her, die dann als bekannt in der Gesellschaft vorausgesetz werden können
sie erzeugen ein gemeinsames Hintergrundwissen (soziales Gedächtnis), auf das sich die Kommunikation stützen kann
das stellt Sinngefüge her
das wiederum ist die Grundlage für (sinnvolle) Kommunkation, auf der Basis des unterstellten Wissens
Massenmedien: Wissen vs. Überzeugung
Durch die Massenmedien erlischt der Glaube, dass die gesamte Weltbevölkerung eine Realitätsauffassung teilt (Verschiedene Medien berichten über ein identisches Ereignis unterschiedlich)

--> Realität ist nicht mehr konsenspflichtig

Massenmedien erschaffen zwar ein gemeinsames Hintergrundwissen, aber keine einheitliche Hintegrundüberzeugung




"Was wir über unsere Welt wissen, wissen wir durch die Massenmedien."
aber:

"Was wir darüber
meinen
, ist unsere Sache"
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