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Organisation und Herrschaft

Sommersemester 2014, RWTH Aachen
by

daniel houben

on 8 December 2016

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Transcript of Organisation und Herrschaft

Daniel Houben, M.A.
Organisation und Herrschaft
Organisationen
Herrschaft
Konstruktion
sozialer Ordnung
Zweckverbände
Governancemodi
Arbeits- und
Lebenswelten
Agenturen sozialen Wandels
Verteiler von Lebenschancen
Interaktionssysteme
Regeln
Normen
Kognitionen
Symbolische Repräsentationen
bottom-up
freiwilliger Zusammenschluss
Ressourcenzusammenlegung
Synergieeffekte als Motiv
Voraussetzung: institutionalisierte Versammlungsrechte
top-down
Interessenkomplementarität
gewinnorientierte Leistungsproduktion
Austausch als Motiv
Voraussetzung: Kapitalismus und
Abhängigkeit
Interessenorganisation
Arbeitsorganisation
"In der Organisation sind die menschlichen Beziehungen durch den Zweck vermittelt, nicht unmittelbar“ (Adorno 1972: 441).
„Am liebsten kommunizieren Organisationen mit Organisationen.“ (Luhmann 1997: 834)
Korporative
Akteure
„Ihre Bedeutung liegt darin, dass sie es individuellen Akteuren erlauben, sich zu koordinieren, sie liegt in der Kraft, die Gesellschafts- und Wirtschaftstruktur zu prägen. Dabei sind Organisationen Einheiten mittlerer Ebene, verortet zwischen Mikro- und Makrosoziologie. Organisationen sind auch symbolische Orte. In Organisationen und durch sie lassen sich theoretisch und empirisch herausfordernde Fragestellungen nach Herrschaft, Wettbewerb oder Kooperation, sozialem Wandel und nach der Bedeutung von Institutionen präzisieren, anschaulicher und mit neuen Erkenntnismöglichkeiten formulieren und untersuchen“ (Allmendinger/Hinz 2002: 10).
Mayntz klassischer Minimaldefinition von Organisationen:
soziale Gebilde mit angebbaren Mitgliedern und interner Rollendifferenzierung,
bewusst an einem spezifischen Zweck orientiert
in ihrer Zielverfolgung intentional rational (Mayntz 1963: 36)
Was eine Organisation genau ist, hängt maßgeblich von der Perspektive ab und davon, welcher Aspekt betont wird (vgl. Lengfeld 2007: 26).
Zweckrationalität
Beziehungen der Individuen innerhalb der Organisation erst durch deren Rationalität charakterisiert
„[...], in der Organisation sind die menschlichen Beziehungen durch den Zweck vermittelt, nicht unmittelbar“ (Adorno 1972: 441).
Bürokratie gewährleistet aber auch größtmögliche Objektivität im Verfahren
Entfremdung und Verdinglichung
steigern sich mit Ausweitung der Organisation
Organisation wird zum Selbstzweck und deren Logik wird perpetuiert
„Wo man auf organisatorische Gewaltsamkeiten stößt, darf man auf Interessen schließen, die am Ende nicht die eigenen der Zusammengeschlossenen sind.“ (Adorno 1972: 442)
Entfremdung und Verdinglichung hingegen wird als negativ wahrgenommen und verunsichert.
Organisationsgesellschaft
Organisationen aus der modernen Gesellschaft nicht wegzudenken
Rationalität lässt sich in Form emanzipatorischer Reflexion nutzen
„Dass die Objekte der Organisation selber Menschen, also identisch mit den vorgeblichen Subjekten der Organisation sind, die sie zusammenfasst. Indem Gesellschaft in der Beherrschung einzelner Felder immer vernünftiger wird und immer besser funktioniert, kehrt sie immer mehr das Moment ihrer Unvernunft hervor. Sie gefährdet das Ganze, den eigenen Fortbestand“ (Adorno 1953: 445).
Doppelcharakter der Organisation
Ausdruck der Entfremdung von menschlichen Zwecken einerseits wie Ausdruck der Vernunft, die objektiv fair sein will „und die allein das Schlimmste verhindert“ andererseits
„Die Angst vor der verwalteten Welt hätte ihren wahren Gegenstand nicht in der isolierten Kategorie der Organisation, sondern müsste übergehen zur Erkenntnis der Stellung, welche die Organisation im gesellschaftlichen Gesamtprozeß einnimmt.
Organisation als solche ist weder böse noch gut, sie kann beides sein, und ihr Recht und ihr Wesen hängen ab von dem, in dessen Dienst sie steht“ (Adorno 1953: 446).
subjektive Empfindung der Bedrohung speist sich aus der Undurch- und Unübersichtlichkeit, der Anonymität der Organisationen, der zunehmenden Kontrolle
Ohnmacht?
obwohl von Menschen gemacht, steht die Organisation den Menschen auch ganz objektiv gegenüber, ohne dass sie ihnen etwas Wirksames entgegenzusetzen hätten
erschwert Reflexion über die wahren Zusammenhänge
Rationalisierung hat sich derart ausgedehnt, dass sie eine reine Sicht auf die Welt behindert und Menschen hervorbringt, die dieses gar nicht mehr können bzw. wollen
Adorno: Individuum und Organisation
Weber: Bürokratische Herrschaft
Technik
Machtmittel
Relationen &
Positionen
„Die Menschen werden nicht nur objektiv mehr stets zu Bestandstücken der Maschinerie geprägt, sondern sie werden auch für sich selber, ihrem eigenen Bewusstsein nach zu Werkzeugen, zu Mitteln anstatt zu Zwecken. Der Gedanke an die objektive Vernunft des Ganzen entschwindet der zugleich geschärften und resignierten Vernunft aus dem Blickfeld“ (ebd.: 451).
Rationalisierung


Kultur der Moderne zeichnet sich für Weber durch Rationalisierungen in allen Lebens- und Arbeitsbereichen aus:
Arbeit und Wirtschaft
Politik und Verwaltung
Kunst und Kultur
Wissenschaft und Forschung
...

verschiedene Lebensbereiche sind je unterschiedlich rationalisiert
komplexe Konfiguration ungleichartig institutionalisierter Rationalitätskriterien
jeweiligen institutionalisierten Rationalitätskriterien stehen mitunter in Konflikt zueinander
spezifische Konfiguration der Institutionen bestimmen die jeweilige Sozial- und Kulturordnung einer Gesellschaft
Beispiel:
„Der moderne Kapitalismus ist demgemäß nicht das Produkt eines zu allen Zeiten bestehenden Gewinnstrebens, sondern einer spezifischen Rentabilitätsorientierung des wirtschaftlichen Handelns. Rentabilität aber ist das Ergebnis eines spezifischen Kriteriums für rationales Handeln, die Ausrichtung auf die Kapitalrechnung, den Vergleich einer Abschlussbilanz.
[…]
Das Ausmaß, in dem wirtschaftliches Handeln durch dieses Rationalitätskriterium berechenbar gemacht wird, bestimmt den Grad der Rationalisierung. Diese wird durch einen komplexen Prozeß der Anpassung von Ereignissen und Handlungsstrukturen an die Geltung dieses Rationalitätskriteriums bestimmt, nicht durch das Rationalitätskriterium selbst.
Zwar liegt der Ausgangspunkt der Rationalisierung in der Erfindung von Verfahren, die die Berechenbarkeit wirtschaftlichen Handelns ermöglichen […], doch müssen diese Verfahren, um hinreichende verhaltensorientierte Geltung zu gewinnen, institutionalisiert sein“
(Lepsius 1990: 46).
Webers Herrschaftstypen
charismatische Herrschaft
traditionale Herrschaft
legale Herrschaft
Kennzeichen der Rationalität bei der Herrschaftsausübung
Sachlichkeit
Unpersönlichkeit
Berechenbarkeit
Bürokratie als Entzauberung
Entwicklung der Geldwirtschaft und eines Steuersystems
Ausweitung der Verwaltungsaufgaben
Rationalisierung des Rechts
statt System heiliger Normen nun System berufsorientierter (rationalisierbarer) Normen
Rationale Struktur von Organisationen
legitime Macht als legale Herrschaft durch "Satzung, an deren Legalität geglaubt wird" (Weber 1972: 19)
Bürokratie mit Verwaltungsstab nach den Prinzipien rationaler Herrschaft
regelmäßiger Betrieb der Amtsgeschäfte
klare Zuständigkeiten und Zuordnung von legitimen Sanktionsmöglichkeiten
durch Aufsichtsbehörde kontrollierbare Amtshierarchie
Fachgeschultheit
"sine ira et studio", Sachlichkeit, Ämter- und Aufgabentrennung, Verbeamtung zur Unabhängigkeitssicherung
Dokumentation und Aktenmäßigkeit (Weber 1972: 124ff).
Gefahren: Unbeweglichkeit und Überbetonung interner Ablauflogiken
Maschinenartigkeit der Bürokratie
Minimierung interaktions- bzw. verhandlungsbedinger Reibungsverluste
Spezialisierung und Arbeitsteilung
Kumulation von Fachwissen
formaler Gehorsam
Planbarkeit, Berechenbarkeit und Erwartbarkeit der Arbeitsergebnisse
Bürokratien als „stahlharte Gehäuse“
werden selbstläufig, mutieren von Mitteln zu Zwecken
engen Handlungsspielraum ein
auch Außenstehende geraten in Abhängigkeit
Macht der Bürokraten
„Geronnener Geist […] ist jene Maschine, welche die bürokratische Organisation mit ihrer Spezialisierung der geschulten Facharbeit, ihre Abgrenzung der Kompetenzen, ihren Reglements und hierarchisch abgestuften Gehorsamverhältnissen darstellt. Im Verein mit der toten Maschine ist sie an der Arbeit, das Gehäuse jener Hörigkeit der Zukunft herzustellen, in welche vielleicht dereinst die Menschen sich […] zu fügen gezwungen sein werden, wenn ihnen eine rein technisch gute und das heißt: eine rationale Beamtenverwaltung und -versorgung der letzte und einzige Wert ist, der über die Art der Leistung ihrer Angelegenheit entscheiden soll.“ (Weber 1976)
"Macht bedeutet jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstand durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht."
"Die Kontrolle über Ressourcen und die Bedeutung der Einheit innerhalb der Organisation sind abgeleitet aus der Arbeitsteilung, die einigen Positionen oder Gruppen mehr Kontrolle über kritische Aufgaben und mehr Zugang zu Ressourcen als anderen gewährt. Macht ergibt sich dann aus der Kontrolle über Ressourcen, den Verbindungen zu anderen Mächtigen und der formalen Autorität, die jemand aufgrund seiner Position innerhalb der Hierarchie einnimmt." (Pfeffer 1994: 75)
Institutionalisierung von Organisationsstrukturen durch
Positionen und Hierarchien
Entscheidungs- und Verfügungsrechten
Ressourcenzugang
Privilegien und Pflichten
Verantwortlichkeiten
Grad der Arbeitsautonomie
Entlohnungssystem
Übereinkünfte, Verhandlungen, Satzungen oder Recht
...
(Weber 1972: 28)
„Man kann ferner jedes dieser Gebiete unter höchst verschiedenen letzten Gesichtspunkten und Zielrichtungen rationalisieren und was von einem aus rational ist, kann, vom anderen aus betrachtet, irrational sein. Rationali-sierungen hat es daher auf den verschiedenen Lebens-gebieten in höchst verschiedener Art in als Kulturkreisen gegeben. Charakteristisch für deren kulturellen Unterschied ist erst: welche Sphären und in welcher Richtung sie rationalisiert wurden.“ (Weber 2005: 19)
Herrschaft als Vergesellschaftungsmechanismus
, basierend auf
widerspruchsfreie Befehl-und-Gehorsam-Beziehungen
legitimierter Ordnung
reziproker Erwartungssicherheit und Planbarkeit

Mitbestimmung
ExpertInneninterviews
unpräziser Terminus
Spezifizierung des Verfahrens qua Verweis auf den InterviewpartnerIn sowie spezifische Qualität als vermeintliche ExpertIn
explorativ-felderschließend
im Fokus der eigentlichen Hauptuntersuchung
exklusive Einblicke in Strukturzusammenhänge und Wandlungsprozesse von Handlungssystemen, (z.B. Entscheidungsstrukturen, Problemlösungen von Organisationen)
Formen von Interviews in den Sozialwissenschaften
narratives Interview
teilstandardisiertes Interview
vollstandardisiertes Interview
problemzentrierte Interview
Telefoninterview
Gruppeninterview
etc.
Leitfadengestütztes Experteninterview
eines der in der empirischen Sozialforschung am häufigsten genutzten Verfahren
vermeintlich ‚schmutziges‘ Verfahren
strukturelle Nähe des leitfadengestützten Experteninterviews zur alltäglichen Lebensführung
„Jemanden etwas zu fragen, von dem man sich eine adäquate Antwort erhofft (der einem also im trivialen Sinne ein Experte zu sein dünkt), ist in höchstem Maße Teil der ‚natürlichen‘ lebensweltlichen Einstellung von Menschen zu und in ihrer Welt. Daher scheint ein solches Verfahren des zwar zielgerichteten, gleichwohl aber auch ‚offenen‘ Fragens und Nachhakens, was eben typisch für das Leitfadeninterview ist, auch in der wissenschaftlichen Praxis kaum der Begründung und weiteren Reflexion zu bedürfen.“ (Liebold/Trinczek 2009)
ExpertInnen
stehen lediglich für Strukturzusammenhänge
verkörpern organisationale und institutionelle Entscheidungs-strukturen und Problemlösungen
repräsentieren Wissensbestände im Sinne von Erfahrungsregeln, die Funktionieren von sozialen Systemen bestimmen
haben Einblick in spezifische Wissensbestände
landläufig: Sachverständige, Kenner oder Fachleute

Bestimmung von Wissensbeständen als ‚Expertenwissen‘ voraussetzungsvoll
basiert wesentlich auf der je gegenstandsspezifischen Differenz von ‚Experte‘ und ‚Laie‘
unterstellte, i.d.R. überlegene Kompetenz der ExpertInnen beruht auf Zugehörigkeit zu entsprechenden Berufen bzw. Professionen
Methodentechnisch prinzipiell zwei Möglichkeiten, ExpertInnenstatus zu bestimmen:
(1) Forschungsinteresse
wer für spezifisches Forschungsthema Relevantes beizutragen verspricht
ExpertInnenstatus dann je nach Forschungsinteresse zugeteilter Status via WissenschaftlerIn
(2) Kontextuell relevantes Wissen
im jeweiligen Kontext vorab erfolgte und institutionell-organisatorisch abgesicherte Zuschreibung
kurz: Personenkreis, der bzgl. der Forschungsfragen ausgewiesenen Wissensvorsprung besitzt
Folge
weder die ExpertInnen als Personen, noch deren Biographie sind erkenntnisrelevant
Fokus wissenschaftlichen Interesses liegt vielmehr auf besonderer Problemsicht der ExpertInnen innerhalb ihres organisatorischen und institutionellen (Funktions-)Zusammenhangs
ExpertInnenwissen ist nicht einfach als ‚Rezeptwissen‘ abfragbar
jeweilige Relevanzsysteme bzw. überindividuelle, handlungs- bzw. funktionsbereichsspezifischen Muster des ExpertInnenwissens werden entdeckt, sprich interpretativ rekonstruiert
letztlich Aufgabe der sozialwissenschaftlichen InterpretInnen, ‚impliziten Hintergrund‘ des Handelns zu rekonstruieren
ExpertIn trägt durch institutionalisierte Kompetenz zur sozialen Konstruktion von Wirklichkeit im forschungsrelevanten Feld bei. (Hitzler et al. 1994)

ExpertInnen repräsentieren mit ihrem in einen Funktionskontext eingebundenen Akteurswissen kollektive Orientierungen und geben Auskunft über ein funktionsbereichsspezifisches Wissen.
Wer sind eigentlich
ExpertInnen?
Grundsätzliches
Leitfadengestützte ExpertInneninterviews sind thematisch strukturierte Interviews
Ziel, Eigenpräsentation durch erzählgenerierende Fragen zu motivieren
um sowohl eine inhaltliche Fokussierung als auch eine selbstläufige Schilderung zu gewährleisten, ist ein offen und unbürokratisch zu handhabender Leitfaden empfehlenswert
hinreichend Raum für freie Erzählpassagen mit eigenen Relevanzsetzungen
ExpertInneninterview als eines der ‚offenen Verfahren‘
Datenerhebung
Datenerhebung im ExpertInneninterview als kommunikativer Akt
Prozesshaftigkeit des Forschungsablaufes wird berücksichtigt
schrittweise Gewinnung und Prüfung von Daten möglich
Zusammenhang und Beschaffenheit der einzelnen Elemente entpuppen sich allmählich in ständigem, reflexivem Bezug
Entdeckungsverfahren zur Überwindung des Vorverständnisses
Gesprächsverlauf ermöglicht reziproken Verstehensprozess
Exploration des Unbekannten
„Mit der relativ weitgehenden Eigenpräsentation der Forschungssubjekte wird ein Oktroyieren künstlicher und für die Eigenperspektive der Informanten irrelevanter Erhebungsschemata weitgehend vermieden und ein notwendiges Maß an Offenheit erreicht. Damit wird es den Forschungssubjekten ermöglicht, andere Dimensionen und Wirklichkeitskonstruktionen zum Ausdruck zu bringen, als die Wissenschaftler erwarten. Für die Interviewpraxis bedeutet dies, Fragen mit narrativer Generierungskraft (vgl. unten) zu stellen und die Erzählsequenzen der Interviewpartner nicht zu beeinflussen.“ (Liebold/Trinczek 2009)
Geschlossene Offenheit
„Zum einen strukturieren konzeptionelle Überlegungen das Feld, zum anderen bleibt durch das Erzählprinzip die Bedeutungsstrukturierung durch die Forschungssubjekte erhalten. Deduktion und Induktion gehen Hand in Hand.“ (Liebold/Trinczek 2009)

Erkenntnischancen des Experteninterviews werden durch konzeptionelle Vorüberlegungen
strukturiert
mehr oder minder ausführlicher und flexibel handhabbarer Interviewleitfaden
keine geschlossenen Fragen, also keine vorgegeben Antwortkategorien!
Detaillierungsgrad der Fragen niedrig
angepasst an alltagsweltlichen Gesprächssituation

„Die Leitfragen sind als Gedächtnisstützen gedacht: Sie motivieren den Interviewpartner zu einem Gespräch mit eigenen Relevanzsetzungen, ohne die verschiedenen Dimensionen des Erkenntnisinteresses sowie den interessierenden Problembereich zu vergessen.“ (Liebold/Trinczek 2009)
Datenaufbereitung
bei der Herstellung des Primärmaterials ist durchgängige Tonbandaufzeichnung zwingend
im Idealfall Volltranskript
Transkript muss – jenseits des schieren Textes – all die Informationen umfassen, die bei der Interpretation genutzt werden
Selektionsschritte bei der Paraphrase bzw. der Transkription – sprich der ‚Datenaufbereitung‘ – sind erste Schritte der Interpretation
mit Interviews kann je nach Erkenntnisinteresse im Prozess der Datenaufbereitung und -interpretation ganz Unterschiedliches gemacht werden
Gradwanderung zwischen Strukturierung und Offenheit
„Denn wie es beispielsweise gelingt, trotz leitfadengestützter Interviewführung einen offenen Ablauf des Gesprächs zuzulassen, damit eigene Relevanzsetzungen der Interviewpartner diskursiv entfaltet werden können, ist nicht zuletzt der sozialen Kompetenz der Interviewer geschuldet. Nur dadurch kann sichergestellt werden, dass die Erkenntnischancen einer forschungspragmatischen Fokussierung des Experteninterviews genutzt werden können, ohne der Gefahr aufzusitzen, die Perspektive über Gebühr einzuschränken.“ (Liebold/Trinczek 2009)
Herausforderungen
Inhaltliche, methodische und soziale Kompetenz der Interviewenden

inhaltlich kompetentes Auftreten der ForscherIn im Interview bedeutet Respektsbekundung gegenüber den InterviewpartnerInnen, die ihre Zeit zur Verfügung stellen
Obacht: Im betrieblichen Kontext kann zu ‚offener‘ Fragestil auch als Respektlosigkeit aufgefasst werden, weil unspezifische Fragen zum eigenen Fachgebiet mit Nichtwissen und dieses wiederum mit Interesselosigkeit gleichgesetzt wird.
Literatur
Bohnsack, Ralf (1991): Rekonstruktive Sozialforschung. Einführung in die Methodologie und Praxis qualitativer Forschung, Opladen.
Gläser, Jochen/Grit Laudel (2010): Experteninterviews und qualitative Inhaltsanalyse : als Instrumente rekonstruierender Untersuchungen. Wiesbaden: VS-Verlag.
Hitzler, Ronald (1994): Wissen und Wesen der Experten. Ein Annäherungsversuch – zur Einleitung, in: Ronald Hitzler/Anne Honer/Christian Maeder (Hrsg.), Expertenwissen. Die institutionalisierte Kompetenz zur Konstruktion von Wirklichkeit, Opladen, S. 13–30.
Merton, Robert K./Kendall, Patricia L. (1946): The Focused Interview, in: American Journal of Sociology, 51, S. 541–557.
Meuser, Michael/Nagel, Ulrike (1991): Experteninterviews – vielfach erprobt, wenig bedacht. Ein Beitrag zur qualitativen Methodendiskussion, in: Detlef Garz/Klaus Kraimer (Hrsg.), Qualitativempirische Sozialforschung. Konzepte, Methoden, Analysen, Opladen, S. 441–471.
Sprondel, Walter M. (1979): „Experte“ und „Laie“: Zur Entwicklung von Typenbegriffen in der
Wissenssoziologie, in: Walter M. Sprondel/Richard Grathoff (Hrsg.), Alfred Schütz und die Idee des Alltags in den Sozialwissenschaften, Stuttgart, S. 140–154.
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