Loading presentation...

Present Remotely

Send the link below via email or IM

Copy

Present to your audience

Start remote presentation

  • Invited audience members will follow you as you navigate and present
  • People invited to a presentation do not need a Prezi account
  • This link expires 10 minutes after you close the presentation
  • A maximum of 30 users can follow your presentation
  • Learn more about this feature in our knowledge base article

Do you really want to delete this prezi?

Neither you, nor the coeditors you shared it with will be able to recover it again.

DeleteCancel

Wohnheime

No description
by

Heiko Koitzsch

on 15 January 2015

Comments (0)

Please log in to add your comment.

Report abuse

Transcript of Wohnheime

Paulihof
Im Paulihof in Schleswig lebten in der Zeit zwischen 1949 bis 1975 schätzungsweise 700.000 bis 800.000 Kinder und Jugendliche. Die Gründe, warum sie in den Heimen unterbracht wurden,sind für die heutige Zeit nicht nachvollziehbar.
Die Kinder und Jugendlichen waren und sind heute als erwachsene Menschen immer noch durch die traumatisierenden Erfahrungen sehr stark belastet. Sie waren körperlicher wie auch seelischer Gewalt ausgesetzt, ebenfalls auch sexuellen Übergriffen. Sie waren den demütigenden und entwürdigenden Strafen, welche an der Tagesordnung standen, restlos ausgeliefert. Die Kinder und Jugendlichen wurden verprügelt und von dem Personal unter der Dusche sexuell missbraucht.
Wertevermittlung/Zielsetzung

Diskrepanz zwischen dem christlichen Gebot der Nächstenliebe und den realen Bedingungen in den konfessionellen Einrichtungen

→ Vorwurf der systematisch erniedrigenden Erziehungspraxis

- traditionelle Ordnungsvorstellungen, einschließlich einer rigiden Sexualmoral sowie die Einstellung zur Arbeit standen im Mittelpunkt

- Anpassung der Bewohner an die gesellschaftlichen Verhältnisse, besonders durch einen engen disziplinarischen Rahmen und Erziehung durch Arbeit




Auch Berichte ehemaliger BewohnerInnen von Behinderteneinrichtungen sprechen für ähnliche schlimme Zustände!

positive Erinnerungen ehemaliger Heimkinder sind z.B. der Einführung eines „Heimparlaments“, Ausbau der Lehr- und Ausbildungsmöglichkeiten und der Zuwendung durch eine „Bezugsperson“ (in einzelnen Einrichtungen!) zu verdanken
Die Heimerziehung in den ersten drei Nachkriegsjahrzehnten

-provisorische Landesregierungen sahen sich einem hohen Maß an sozialer Not gegenüber (Wirtschaft zusammengebrochen, Wohnraummangel, Ernährungslage katastrophal, etc.)

-Familien kriegsbedingt räumlich voneinander getrennt
-Anzahl von Ehescheidungen stieg enorm an

-verwaiste, vernachlässigte, bettelnde und kriminelle Kinder und Jugendliche waren ein wichtiges Nachkriegsthema

-provisorische Herrichtung von Auffanglagern und ähnlichen Einrichtungen

-Initiative Arbeitserziehungsgesetz für arbeitslose junge Menschen bis 30 Jahre

-Politik setzte auf Sparprogramme (Pflegesätze so gering wie möglich)

-In Heimen wurden männliche Jugendliche in kaum noch nachgefragten Berufen ausgebildet und weibliche Jugendliche auf Haushalt und Mutterschaft hin orientiert

-an Modernisierung der Heimerziehung war nicht zu denken, da Politik grundlegende Strukturreformen nicht anging


Heimerziehung in der frühen BRD: Caritas auf Abwegen?
Heimerziehung in der frühen BRD (1945-1968)
(c) Heiko Koitzsch
Gründe für die Unterbringung

durch die Fürsorgeerziehung sollten die (schulentlassenen) Kinder und Jugendlichen vor Verwahrlosung bewahrt oder davon geheilt werden

personelle Situation

Zahl der aus einer Ordensgemeinschaft kommenden Kräfte sank aufgrund des drastischen Nachwuchsmangels bei gleichzeitig wachsendem Bedarf (von fast 60 auf 25%)
→ Überbelastung der Ordensangehörigen (24-Stunden-Schichten)
aufgrund der Unattraktivität des Berufsfeldes kaum „weltliches“ Personal in den Heimen
Probleme zwischen Ordens- und weltlichen Kräften, vermutlich wegen unterschiedlicher pädagogischer Vorstellungen
Großteil des Personals unterqualifiziert
historische (Weiter-)Entwicklung

in den 1950ern (zu Beginn des Wirtschaftswunders) konnten pädagogisch wichtige (Verbesserungs-)Ziele, wie Schaffung von Freizeiträumen, Verkleinerung der Schlafsäle und Reduzierungen von Gruppengrößen, in den

ersten Heimen erreicht werden
erst im Laufe der 60er Jahre wurden in der gesamten BRD kostendeckende Pflegesätze bezahlt

Versuche, das Ausbildungswesen durch Heimerzieherschulen, Fachschulen und Fachhochschulen auszubauen, liefen Ende der 1950er an, reichten aber nicht aus
→ führten aber zur differenzierenden Professionalisierung des Erziehungspersonals
→ Ergänzung durch PsychologInnen

durch den drängenden Mentalitätswandel in den 1960ern wurde die Heimerziehung, insbesondere die Fürsorgeerziehung, immer mehr zum Auslaufmodell

durch die Heimkampagnen in 1968/1969 kam es zu umfassenden gesellschaftlichen Diskussionen und tiefgreifenden Reformen in den 1970ern
-Allgemeiner Wertewandel (statt Autoritätsglaube, Ordnung und Einordnung in das Kollektiv, Kerntugenden zugunsten der Betonung des Individuums und seiner Entfaltungsmöglichkeiten)

-vorherrschende repressive Erziehungsmethoden unakzeptabel

-Fluchtwellen aus Heimen, Bildung von Selbsthilfe-Kollektiven und Flut von Publikationen stellten System der Heimerziehung in Frage

-Reformen des Heimsystems eingeleitet

-neue Formen der Heimerziehung wie Kleinheime,
Außenwohngruppen und Jugendwohngemeinschaften

-Ausbildung von Erziehern und Sozialarbeitern wurde verbessert und mehr Eigenverantwortung und Mitsprachemöglichkeiten umgesetzt

-Ende 1960 nur noch wenige Anstalten in der ursprünglichen Form, spätestens ab den 1970er Jahren endgültig überholt
Besinnungsraum
Monika Nagel (Kalmenhof)
Volker Spiekler (Kalmenhof)
In der Heimerziehung der 1950er und 60er Jahre ist Kindern und Jugendlichen in unserem damaligen Evangelischen Knabenheim Westuffeln unter Mitverantwortung der von Mellin'schen Stiftung schweres Leid und Unrecht widerfahren. Die damaligen Heimkinder erlitten menschenunwürdige Demütigungen, Misshandlungen, sexuelle Übergriffe, den missbräuchlichen Einsatz von Arbeit sowie andere Hart- und Kaltherzigkeiten. Anstelle von Wertschätzung, Schutz, menschlicher Zuwendung und Wärme gab es Prügel, Angst und Schrecken. Die Folgen waren für ihr weiteres Leben oft prägend und eine schwere Last.
Erziehungshilfe

Gründe für die Unterbringung:
Kindeswohlgefährdung und „unsittliche“ Familienverhältnisse

Personelle Situation
Es herrschte in allen Heimen der Nachkriegszeit eine finanzielle Notlage, dies führte zu Personalmangel in den Einrichtungen. Viele der Betreuer und Betreuerinnen sind vom Krieg gezeichnet worden und litten sehr an dem Erlebten.

Wertevermittlung/ Zielsetzung
Verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche wurden in Form von Züchtigung und Arbeitszwang streng behandelt.
Uneheliche Kinder wurden in Säuglings- und Kinderheimen untergebracht.

Situation der Kinder und Jugendlichen
In vielen Einrichtungen herrschten gefängnisähnliche Zustände, die von sehr viel Gewalt begleitet wurden. Aufgrund der Gewalt haben viele Kinder und Jugendliche seelische Schäden davon getragen.

Wandel der Zeit
Ab ca. den 60er Jahren gab es durch Studenten einen Wandel in der Heimerziehung. Nicht alle Ansätze waren gut und hilfreich, doch mit der Zeit wurde aus dem Befehlston ein Verhandlungston.

→ Schwerpunkt der Erziehung der Mädchen: Rolle der Mutter/ Hausfrau

→ Schwerpunkt der Erziehung der Jungen: Arbeit

(da es zu wenig Ausbildungsplätze gab, oft Ausführung ungelernter Tätigkeiten oder auch Mitwirken in der hauseigenen Landwirtschaft)

- Spannung zwischen Aufforderung zu „verstehender Liebe“ und „nie versiegender Hochschätzung“ und dem (oft zutreffendem) Verhalten des Erziehungspersonals, das sich an den vermeintlichen Defiziten der Schützlinge orientierte
Situation der Jugendlichen

Für viele der 500.000 bis 600.000 Minderjährigen, die während der ersten drei Nachkriegsjahrzehnte mit der konfessionellen Heimerziehung in Berührung kamen, war diese eine „totale Institution“, die durch mangelnde Transparenz, autoritäre Abhängigkeitsverhältnisse, eingeschränkte Rechte und alltägliche Demütigungen/Misshandlungen geprägt war
Full transcript