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Wie Fabrice Tourre die IKB abzockte

Die Mails des Goldman-Sachs-Bankers zeigen: Die Bank legte gemeinsam mit einem Hedgefonds faule Papiere auf.
by

Martin Virtel

on 20 April 2010

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Transcript of Wie Fabrice Tourre die IKB abzockte

Wenn sich die schlimmsten Befürchtungen bestätigen, sieht der Skandal um Goldman Sachs so aus: Eine der ältesten Investmentbanken und einer der größten Hedgefonds der Welt werfen absichtlich faule Hypothekenprodukte auf den Markt, pumpen die Immobilienblase noch weiter auf - und räubern gemeinsam Investoren aus. Deshalb hat die US-Börsenaufsicht SEC bei Richter Jones in New York Klage gegen einen Goldman-Sachs-Manager und seine Bank eingereicht. Eine wichtige Unterlage vor Gericht werden die Marketingmaterialien für das CDO "Abacus 2007-AC1" sein. In ihnen wird nirgendwo erwähnt, so schreibt die SEC in ihrer Klageschrift, dass der große Hedgefonds Paulson & Co. bei der Auswahl des Portfolios eine entscheidende Rolle spielte. Dabei wusste Goldman Sachs, dass Paulsons wirtschaftliche Interessen im scharfen Gegensatz zu denen möglicher Investoren standen. Im gesamten Marketingmaterial findet sich kein einziger Hinweis auf die tragende Rolle von Paulson. Goldman hatte den Vermögensverwalter ACA zwischengeschaltet und dessen Name und Reputation für das krisenanfällige Portfolio benutzt. An der Idee zu dem Coup ist Hedgefonds-Gründer John Paulson beteiligt. Er wird zwar juristisch nicht belangt, doch seine Reputation ist dahin. Der ehemalige Bear-Stearns-Banker wurde mehrfacher Milliardär, indem er das Platzen der Immobilienblase voraussah und auf den Crash wettete. Nun müssen die Bücher, die ihn als vorausschauenden Finanzguru preisen, wohl neu geschrieben werden - denn der Goldman-Skandal zeigt: Indem er dem Abacus ein windiges Portfolio verpasste und auf den Ausfall der Kredite wettete, trug Paulson selbst zum Platzen der Blase bei. Einer von Paulsons Angestellten bringt die Ahnungslosigkeit der Investoren in einer Email auf den Punkt: "Obwohl der Subprime-Markt eigentlich tot ist, verdienen Ratingagenturen, CDO-Manager und Emissionsbanken immer noch genug daran, um das Spiel am Laufen zu halten. Die Investoren mit dem "echten Geld" dagegen haben wegen fehlender Informationen keinerlei Chance, rechtzeitig auf drohende Verluste zu reagieren." Auch der Hauptakteur bei Goldman Sachs war sich über die Krisenanfälligkeit des Konstrukts völlig im Klaren. Der beschuldigte Goldman-Sachs-Manager Fabrice Tourre schreibt in einer Mail: "Alles kann jederzeit zusammenstürzen...Nur ein Überlebender, der famose Fab...wird in der Mitte dieser komplexen, völlig fremdfinanzierten Geschäfte bestehen, ohne dass er alle Implikationen dieser Monstrositäten versteht." Am 11. Februar 2007 schreibt er: "Das CDO-Geschäft ist tot. Wir haben nicht mehr sehr viel Zeit." Der ahnungslose Dritte im Bunde, der Vermögensverwalter ACA, wurde ins Boot geholt, um dem Ganzen einen unabhängigen Anstrich zu geben. Die SEC vermutet, dass der Abacus-CDO damit insbesondere für die IKB attraktiv gemacht werden sollte. Den Goldman-Sachs-Leuten war allerdings klar, dass der Vermögensverwalter nicht ohne weiteres ein von Paulson vorgeschlagenes "schwaches Portfolio" akzeptieren und seinen Namen dafür hergeben würde. Wie wichtig für Tourre und Paulson der glaubwürdige Name der ACA war, zeigt dieser Mailverkehr. In unzähligen Mails beginnt Tourre, seinem "Portfolio Selection Agent" ACA das Portfolio aufzudrängen, das Paulson haben will. Die Rolle des Hedgefonds wird den ACA-Leuten als "Transaction Sponsor" verkauft. Gegenüber den Investoren wird Paulson gar nicht erwähnt. Hätte die ACA über Paulsons Pläne Bescheid gewusst, hätte sie ihm bei der Auswahl des Portfolios keine Einflussnahme gestattet. Am 2. Februar 2007 treffen sich Paulson, die ACA-Leute und Tourre, um die Portfolio-Auswahl durchzusprechen. Paulson gelingt es dabei, die Auswahl so zu steuern, dass es seinen Interessen entspricht. Dass er auf ein Scheitern des Abacus spekuliert, wissen die ACA-Leute nicht. Tourre plagt offenbar ein wenig das schlechte Gewissen ob dieses Komplotts. Er schreibt eine Mail an einen Kollegen: "Ich bin in diesem ACA-Paulson-Meeting, das ist surreal." Drei Tage später haben Paulson und Tourre ihr Ziel erreicht. Eine interne ACA-Mail lautet: "Angehängt ist die geänderte Portfolio-Liste, auf die wir uns laut Paulson festlegen sollen." Man wundert sich noch über gewisse Streichungen von Paulson, akzeptiert aber die Liste. In den Abacus-Marketingmaterialien werden auf 28 Seiten Geschäftsstrategie, Führungspersonal und Investitionsphilosophie von ACA ausgebreitet. Über Paulson fällt kein Wort. Auf dem Titelblatt des flip books sind prominent nur Goldman Sachs und die ACA angegeben. Explizit wird angegeben, das Portfolio sei "von ACA Management ausgewählt" worden. Ganz wohl ist den ACA-Leuten bei der Sache offenbar nicht. Sie fragen bei einem Meeting nach Paulsons Interessen in der Angelegenheit. In einer weiteren Mail nimmt ein ACA-Mann auf ein offenbar harsches Telefongespräch mit Tourre Bezug. Goldman Sachs und Paulson versicherten ACA offenbar, dass Paulson auf einen Erfolg des Abacus gesetzt habe, dass also seine Interessen und die ihrer zukünftigen Investoren übereinstimmten. Der IKB hatte Tourre über das am 26. April 2007 aufgelegte CDO mehrmals Werbeunterlagen geschickt. Die Bank kaufte Class-A-1-Papiere für 50 Millionen Dollar und Class-A-2-Papiere für 100 Millionen Dollar. Tourre bestätigte der IKB sogar per Mail, dass das Portfolio von ACA zusammengestellt worden war. Nur in internen Nachrichten beschrieb er es als "ausgewählt von ACA/Paulson." Im flip book standen neben den ACA-Leuten nur die Goldman-Sachs-Berater, vom Hedgefonds dagegen kein Wort. Laut SEC hatte die IKB investiert, weil sie ACA als unabhängige Instanz vertraute. Wäre die deutsche Bank über Paulsons Einfluss auf das CDO informiert gewesen, hätte sie nach Einschätzung der SEC den Handel abgelehnt.
Wenige Monate nach dem Kauf waren die Papiere so gut wie wertlos. Die IKB verlor fast ihre gesamte 150-Millionen-Dollar-Investition. Der Großteil dieses Geldes floß nach Erkenntnissen der SEC über Goldman Sachs direkt an Paulson & Co. Hier arbeitete Fabrice Tourre bis vor kurzem:
Goldman Sachs in London. Foto: AFP John Paulson, Foto: Reuters Fabrice Tourre, Screenshot: FTD.de IKB in Düsseldorf, Foto: Bloomberg Die IKB-Abzocker Die Mails von Fabrice Tourre zeigen: Der Goldman-Sachs-Banker und ein Hedgefonds legten absichtlich faule Hypothekenprodukte auf. von Nina Jauker
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