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Kategorien und politisches Subjekt

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by

Barbara Schodl

on 15 June 2014

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Transcript of Kategorien und politisches Subjekt

One Billion Rising
Vorteile gegenüber Intersektionalitätsbegriff
Subjekt Frau
Der Interdependenz-
Ansatz
SlutWalk
Kategorien und politisches Subjekt
Juliette Brüschweiler, Sophie Hansal, Barbara Schodl und Brigitte Temel
Fazit
Gender als
interdependente Kategorie
Die vorliegende Präsentation beschäftigt sich aus interdependenter Perspektive mit Fragen des New Materialism
Judith Butler
Seyla Benhabib
blabla

Slutwalk
Sexismus
sexualisierte Gewalt
Diskriminierung
Hierachisierung
Abwertung
Beruf
Frau
Körper
Kleidung
Aktivismus
Feminismus
Alter
Täter - opfer - umkehrung
Mitschuld
Empowerment
von opfern
Transsexualität/
Transgender/
Homosexualität
Heteronormativität
weiblich Männlich
Polizist/Retter
Bewegung
(Alltagskleidung?)
Kleidung
"Schlampe"?
Frau
Alter
Opfer
Täter
Teilnehmer*innen
Passiv/aktiv
Sprache/Stimmlage
One Billion Rising
@ 1) Mann - Frau, Täter - Opfer, aktiv - passiv,
Nord - Süd, Stadt - Land, arm - reich, alt - jung,
schwarz - weiß, Schicht
@ 2) an allen zuvor genannten
@ 3) Kleidung, Orte, Körper(srache), Hautfarbe, ...
@ 4) Männer = Täter, Frauen = Opfer;
Empowerment = Solidarität
Aktivität
Diversität wird anhand von Stereotypen dargestellt!

Auf den folgenden beiden Folien sind Ideen zu Materialisierungen von matter des Promo-Videos zum Denver SlutWalk abgebildet.

Diese Vorschläge sind angeleitet durch die unten angeführten Fragen entstanden, an Hand derer das Video untersucht wurde.

Folgende Fragen leiteten die Videoanalyse an:

• Welche Kategorien werden im Video materialisiert?
• An welchen Kategorien machen sich Materialisierungen fest?
• Wie werden Kategorien an matter festgemacht/materialisiert?
• Wo zeigen sich Vernetzungen?

SLUTWALKS
Auf der folgenden Folie sind Ideen zu Materialisierungen von 'matter' des Promo-Videos von "One Billion Rising" abgebildet.

Diese Ideen entstanden, nachdem das Video mittels der unten aufgelisteten Fragen analysiert wurde.

Folgende Fragen leiteten die Videoanalyse an:

Welche Kategorien werden im Video materialisiert?
An welchen Kategorien machen sich Materialisierungen fest?
Wie werden Kategorien an matter festgemacht/materialisiert?
Wo zeigen sich Vernetzungen?

Wie sich in der Analyse gezeigt hat, wird in dem Video von One-Billion Rising vor allem mit Gegensatzpaaren gearbeitet (Mann -– Frau, arm - reich etc.).
Dadurch werden diese Kategorien nicht geöffnet, sondern geradezu "zementiert".
Die ausschließliche Darstellung von Gewalt an Cis-Frauen negiert gewissermaßen die massive Betroffenheit durch Gewalt von transidenten Personen. Intersexuelle Lebenszusammenhänge werden ebenfalls nicht thematisiert.
Auffallend ist zudem, dass neben den Geschlechterkategorien männlich/weiblich auch rassistische Stereotype bedient werden.
So ist im Video etwa jene Frau, die Opfer sexueller Belästigung am Arbeitsplatz wird, weiß, das Vergewaltigungsopfer jedoch schwarz. In beiden Fällen haben die Täter dieselbe Hautfarbe wie ihre Opfer.
Somit materialisieren sich im Video Diskriminierungen im Kontext der Arbeitswelt in Form von Whiteness und Weiblichkeit. Die Materialisierung von sexueller Gewalt erfolgt hingegen in einem privaten Kontext. Diese Darstellung kann als Beispiel für die bereits erwähnte Bildung binärer Gegensatzpaare genannt werden und illustriert anschaulich, wie in analysierten Video der Kampagne One Billion Rising bestimmte Rollenbilder eher festgeschrieben als aufgebrochen werden.

Weitere stereotype Darstellungen sind, dass
Frauen aus Asien mit dem Shamanismus assoziiert werden.
in Afrika gerne getanzt wird und die dargestellten Menschen in einem ländlichen Umfeld zu sehen sind (suggeriert mangelnde Urbanisierung).
Personen in Europa hingegen in Städten leben.
Kennzeichen des afrikanische Kontinents Armut und Aggressivität und die Bewohner*innen ungebildet sind.
traditionelle Bekleidung im Globalen Norden nicht getragen wird (z.B. Dirndl), sondern lediglich im Globalen Süden (z.B. Sari).
Durch den Versuch möglichst viele Schicksale von Frauen, die von Gewalt betroffen sind, aufzuzeigen, bedient das Video Ideen homogener - und vor allem relativ eindimensionaler Gruppen. Gleichzeitig zeigt eine interdependente Analyse die Multidimensionalität der bedienten Kategorisierungen auf.
Dieser bilde Fleck wiederum führt dazu, dass seitens der Veranstalter*innen von One Billion Rising in diesem Video
Diskriminierung
betrieben wird.
One Billion Rising
One Billion Rising ist eine Demonstration, die erstmals am 14. Februar 2013 stattfand. Ziel dieser Veranstaltung ist es auf geschlechtsspezifische Gewalt an Frauen hinzuweisen.

Die Idee der Kampagne stammt von der US-amerikanischen Schriftstellerin Eve Ensler, Verfasserin der "Vagina Monologe".

Auf der Homepage von One Billion Rising finden sich sowohl zum Namen, als auch zum Datum Erklärungen. Es
heißt dort:
"Q. Why “One Billion”? A. One in three women on the planet will be raped or beaten in her lifetime. That is one billion women."
http://www.onebillionrising.org/about/faq/
"Q. Why 14 February? A. V-Day was born on 14 February 1998. In the past 16 years, tens of thousands of V-Day events have taken place all over the world, raising funds and awareness for local groups and organizations working to end violence against women and girls. At V-Day we have the outrageous idea that we can end violence against women, and though we have seen many victories over the years, the violence is still prevalent and impunity still reigns. One Billion Rising for Justice is a necessary escalation in our global efforts to end the violence."
http://www.onebillionrising.org/about/faq/
Die Idee der Veranstalter*innen ist es, dass weltweit Frauen* und Männer* an diesem Tag tanzen und auf diese Weise ein Ende der Gewalt an Frauen* fordern.

2013 wurde dafür als Titellied der Kampagne ein Song mit dem Titel "Break The Chain" gewählt.

Sowohl 2013 als auch 2014 wurde die Demonstration auch in Österreich abgehalten. Sie fand in Wien vor dem Parlament statt.
Aufgerufen dazu hatte unter anderem die Plattform 20.000 Frauen. Zahlreiche andere Organisationen und politische Parteien beteiligten sich an der Veranstaltung.
Kritik
One Billion Rising wurde insbesondere auf diversen feministischen Blogs Zielscheibe von Kritik von verschiedenen Feminist*innen:
In dem feministischen Blog Mädchenmannschaft wurde Eve Ensler kritisiert, da sie - so die Verfasserin des Beitrags - Frauen* missbrauche und geltungssüchtig sei.
Ein Posting auf dem Blog Jezebel kritisiert, dass die Veranstaltung ähnlich unwirksam wie jene zu "Kony 2012" (http://invisiblechildren.com/kony/) sei und es besser wäre, gezielt in Projekte zu investieren, anstatt an einem Tag zu tanzen.
In der Huffington Post kritisiert Natalie Gyte, dass One Billion Rising die Wurzel der Unterdrückung von Frauen*, das Patriarchat, nicht thematisiert.
Wissenschaftliche Publikationen, die sich mit der Kampagne beschäftigen, gibt es bisher nicht.
Ich bin ....
Soziologin
chaotisch
kultur-sozialwissenschaftliche Studentin
ich
mutig
feministisch
rücksichtsvoll
on the run
different
vielfältig
in between
veränderlich
Sandra
Ich habe gemischte Gefühle über meine Identität
Obwohl sich der Protest an der Aussage eines Polizisten entzündet hatte (siehe Folie über die Entstehung von SlutWalks) wird ein Polizist in diesem Video quasi als "Retter in der Not" präsentiert, an den frau* sich wenden kann.
Materialisiert wird Geschlecht beispielsweise durch die Stimme des Polizisten und der Anruferin; gleichzeitig wird dadurch die Assoziation einer weiblichen (hilflosen) Schutzsuchenden und eines männlichen 'Retters in der Not' hervorgerufen.
Bei näherer Betrachtung der Demonstrationsteilnehmer*innen, die im Video zu sehen sind, fällt auf, dass es sich vor allem um junge Frauen* handelt, nur vereinzelt nehmen auch Männer* teil.
Während die Frauen* als "Schlampen" "verkleidet" sind, tragen
die Männer* Alltagskleidung und verhalten sich passiv.

Fragwürdig an der Verkleidung - die eine weitere Form der Materialisierung von Geschlecht(erunterschieden in Bezug auf Kleidungsnormen) darstellt - ist, dass nicht hinterfragt wird,
wer bestimmt welche Kleidung sogenannte "Sluts" tragen bzw.
wer in der Position ist, sich diesen Begriff selbstbestimmt anzueignen und wer nicht.
Obwohl zur Bewerbung des SlutWalks zwei männliche Silhouetten mit einer Regenbogen-Krawatte verwendet werden, wird weder Transidentität noch Homosexualität im Video thematisiert. Auch der Protest selbst ist sehr heteronormativ.

Ob es Kontakt zu Transfrauen oder Sexarbeiterinnen* gibt, ist nicht klar und damit auch nicht, ob eine Auseinandersetzung bezüglich des Wortes "Slut" erfolgt ist, oder nicht.
Dies ist insofern von Bedeutung als die Aneignung von "Slut" bzw. "Schlampe" oft mit jener des Begriffs "queer" verglichen wird.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass es eine Frage der Privilegien und von Macht ist, ob Frauen* sich diese Begriffe aneignen können oder nicht.

Vor allem von afroamerikanischen Frauen wurde dies kritisiert.
SlutWalks sind Demonstrationen in denen darauf aufmerksam gemacht werden soll, dass die Wahl der Kleidung einer Frau *nicht dafür verantwortlich gemacht werden kann, dass sie sexuell belästigt oder vergewaltigt wird.

Auslöser des ersten SlutWalks in Toronto war die Aussage eines Polizisten, der behauptete "women should avoid dressing like sluts in order not to be victimized."
http://www.slutwalktoronto.com/about/why
Heather Jarvis und Sonya Barnett organisierten daraufhin am 3. April 2011 den ersten sogenannten SlutWalk in Toronto, an dem ca. 3.000 Personen teilnahmen.

Binnen kürzester Zeit wurden in zahlreichen anderen Ländern und Städten ebenfalls SlutWalks veranstaltet.
Ziel der Organisator*innen von SlutWalks ist es, das sog. 'Victim Blaming', also die Umkehrung des Täter*innen-Opfer-Verhältnisses zu beenden.
SlutWalks zeichnen sich unter anderem dadurch aus, dass zahlreiche Teilnehmer*innen sehr freizügige Kleidung tragen.
Zudem wird versucht sich den Begriff "Slut" politisch anzueignen.

Am 20. Oktober 2011 fand auch in Wien ein SlutWalk statt, an dem ca. 300 Personen teilnahmen.
Kritik
Die SlutWalks wurden aus verschiedenen Gründen kritisiert:

Afroamerikanische Feminist*innen kritisierten, dass es für sie nicht möglich sei - auf Grund der Geschichte schwarzer Frauen - sich "Slut" anzueignen.
In einem Beitrag der Mädchenmannschaft wurde kritisiert, dass es Proteste ausschließlich weißer heterosexueller Frauen seien.
Zudem wurde kritisiert, dass die Mehrzahl sexueller Übergriffe und Vergewaltigungen von einer dem Opfer bekannten Person verübt werden und viele Menschen mit Beeinträchtigungen Opfer solcher Übergriffe werden, was jedoch ebenfalls nicht auf SlutWalks thematisiert wird.
Aus einer Analyseperspektive, in der Gender als interdependente Kategorie gefasst wird, zeigt sich, dass sich in beiden Videos verschiedenste Formen der Materialisierung ebendieser Kategorie finden: in Form von Kleidung (besonders im Rahmen der Slutwalks), Sprache (insbesondere die Stimmlage spielt hier eine grpße Rolle), Bewegung (in diesem Fall Tanz, der in beiden Kampagnen als Symbol für weibliches* Empowerment inszeniert wird), soziale Klasse bzw. Schichtzugehörigkeit (Wer sind Teilnehmer*innen? Wem wird eine aktiver Rolle zugeschrieben?) u.v.m.

Die "innere Architektur" (Walgenbach 2007) der interdependenten Analysekategorie Gender materialisiert sich auf unterschiedlichste
Weise - und wirft damit stets neue Forschungsfragen auf, indem sie unterschiedliche Facetten und Ausformungen von Identitätskategorien aufzeigt. In genau diesem Merkmal zeigt sich die Stärke - aber auch Schwäche einer interdependenten Analayse: Sie öffnet den Blick der Forscher*innen für die hochkomplexe innere Struktur der zu untersuchenden Kategorien, macht damit jedoch ein nahezu unendlich breites Feld auf.


Entstehungskontext
Was meint "Interdependenz"?
strukturelle Probleme &
Herausforderungen (vgl. Walgenbach 2007)
Grundsätzlich kann von einer vielfältigen Entstehungsgeschichte gesprochen werden. Erste Ansätze finden sich schon in den 1920er Jahren – - etwa bei Clara Zetkin, die kritisierte, dass in der damaligen Frauen*bewegung die Verwobenheit von Geschlecht und Klasse nicht genügend bedacht wurde. Traditionellerweise wird der Ursprung der Debatte aber in den USA der 1970er gesehen und zwar im Kontext des Black Feminism. Zentral war also die Forderung schwarzer Feministinnen* nach einer integrierten Analyse von gender, race, class und sexuality. Sie lehnten die „Universalisierung weißer Feministinnen“ (Walgenbach 2007: 28) ab und zeigten auf, dass „geschlechtliche Erfahrungen sich äußerst heterogen gestalten“ (ebd.: 29).

Weitergeführt wurde die Debatte dann in unterschiedlichen Themenkontexten der Frauen*bewegung, u.a. von Frauen* mit Behinderung, in der Migrantinnen*bewegung, in der jüdischen Frauen*bewegung und in der schwarzen Frauen*bewegung.
Ein Fazit der Debatte: „Die“ Frauen*bewegung gibt es in diesem Sinne
nicht.

Der Interdependenz-Begriff „fokussiert […] die gegenseitigen Abhängigkeiten von Kategorien und stellt damit die komplexen Beziehungen und Dominanzverhältnisse in den Vordergrund.“
(Walgenbach 2007: 61)
Der Interdependenz-Ansatz beschäftigt sich mit der Frage: Wie können Kategorien analytisch "zusammen gedacht" werden?

[Begriff: Inter (zwischen) + Dependenz (Abhängigkeit)]

Interdependenz denkt wechselseitige (und multi-, nicht monodirektionale) Abhängigkeiten von Kategorien gemeinsam. Die Idee ist es, nicht Abhängigkeiten zwischen verschiedenen Kategorien zu untersuchen, sondern die Kategorien selbst als interpedendet zu begreifen -Interdependenzen sind somit konstituierender Bestandteil von Kategorien (vgl. Walgenbach 2007).

Interdependent gedacht lassen sich genderspezifische soziale Ungleichheiten nicht eindimensional in Oben - Unten/Täter - Opfer, privilegiert - benachteiligt abbilden, sondern es ergeben sich vielmehr unterschiedlichste Positionierungen in einer multidimensionalen Machtmatrix. Neben der Möglichkeit, komplexe Beziehungen von Dominanz und Subordination zu erfassen, wird mit der Konzeption von Gender als interdependenter Kategorie zudem die Aufzählung von Kategorien obsolet. Diese werden quasi in das Innere der Kategorie verlagert, was die Vorstellung eines ‚genuinen Kerns‘ der Kategorie ad absurdum führt. Die Kategorie erhält damit eine „innere Architektur“ und welche Aspekte dieser Architektur der Kategorie in der Forschung bedeutsam sind, kann daher immer nur für konkrete Kontexte festgelegt werden, da sie abhängig ist vom Erkenntnisinteresse,
vom Material, vom methodischen Vorgehen, etc. (vgl. Walgenbach
2007: 63f).
a) Repräsentation (Wer entscheidet, wann Liste der Kategorien vollständig ist? Herrschaftsverhältnisse und Situiertheit der Forscher*innen)

b) Gewichtung von Kategorien (Gefahren a) der Hierarchisierung, b) der Ausblendung, c) der Abwertung von Kategorien)

c) Probleme bzgl. Epistemologie (Wie können einzelne Kategorien für sich überhaupt definiert werden, wenn sie per se interdependet sind? Und welche Ein- & Ausschlüsse produzieren solche (notwendigen) Definitionen?)

Die Kreuzungsmetapher suggeriert, dass „Machtverhältnisse jenseits der Kreuzung scheinbar unbeeinflusst voneinander existieren“ (Dietze et al. 2007: 8-9). Dem hält der Interdependenz-Ansatz entgegen, dass Kategorien niemals isoliert voneinander betrachtet werden können bzw. als sich gegenseitig ausschließend. Lineaturen-Metaphern sind daher nicht brauchbar!
Im Feminismus war lange Zeit eine bestimmte Vorstellung von Frauen* vertreten, in welcher Frauen* auf zwei Ebenen von Unterdrückung betroffen waren.
Auf einer Handlungsebene durch die Macht der Männer* und auf einer Strukturebene durch das Patriarchat. Aufgrund der geteilten Erfahrung einer universalen Unterdrückung wurden Frauen* als homogene Gruppe verstanden. Charakteristisch ist, dass dieser Universalitätsanspruch als notwendige Basis für politische Handlungsfähigkeit gesehen wurde .

Seit den 1980er Jahren kam es in der feministischen Theorie zu einer Verschiebung des Fokus. Neben der bisherigen Analyse der Geschlechterverhältnisse, der Differenz zwischen Frauen* und Männern* und Formen patriarchaler Herrschaft, traten nun zunehmend die Unterschiede innerhalb der Genusgruppe „Frau“ selbst in den Vordergrund. Ausgangsbasis waren die vor allem in den USA geführten identity-politics (schwarze Frauen, Homosexuelle...) marginaliserter Gruppen, welche um eine politische Stimme und ihre Interessen kämpften.

Es kam also zu einer Auseinandersetzung mit den „Fundamenten“ des Feminismus (oder, wie Butler
sagt: dem Subjekt des Feminismus). Die Konsequenz dieser Auseinandersetzung mit „Differenz(en)“ innerhalb der Kategorie „Frau(en)“ war, dass feministische Theorie „mit ihren eigenen blinden Flecken konfrontiert [wurde], mit unzulässigen Generalisierungen und Unterschlagungen von Differenz und Unterdrückung“ (ebd. : 365).

Diese Selbstkritik/ -reflexion zeigte, „dass in einem Gutteil der theoretischen Ansätze der Frauenforschung, die beanspruchten, die Lebensverhältnisse und Erfahrungen von „Frauen“ zu analysieren, die Erfahrungen bestimmter Gruppen von Frauen (weißer, heterosexueller Frauen der Mittelschicht)) verallgemeinert worden waren. Auch das „Erbe der Väter“ in Gestalt universalisierender, ahistorischer Theorien schlug hier zu Buche“ (S. 365).

In "Der Streit um Differenz" setzt sich Benhabib kritisch mit zentralen Gedanken postmoderner Theorien auseinander. In Anlehnung an Jane Flex formuliert sie drei zentrale Momente: Den Tod des Menschen, den Tod der Geschichte sowie den Tod der Metaphysik. Im Kontext dieser Thematik ist vor allem der Tod des Menschen interessant.

Nach postmoderner Auffassung gilt es, jegliche „essentialistischen Auffassungen des Menschen oder der Natur [zu] zerstören“. Benhabib kann die Notwendigkeit dieser Forderung zwar nachvollziehen, allerdings sieht sie in einer zu starken Betonung von Differenz die Gefahr der Zersplitterung von Frauen*, was ihrer Meinung nach das Ende politischer Handlungsfähigkeit bedeuten würde.
Butlers Zugang zum Subjektbegriff Frau* unterscheidet sich von Benhabibs insofern grundlegend, als dass für sie Identitätspolitik zwangsläufig immer mit einem Prozess der „Ausschließung und Differenzierung“ zu tun hat, welcher „in der Folge durch den Effekt der Autonomie verschleiert und verdeckt wird“. Butler kritisiert somit Benhabibs Annahme, dass ein emanzipatorisches und politisches Projekt, wie es der Feminismus darstellt, auf ein autonomes Subjekt als Grundlage nicht verzichten kann. Gleichzeitig distanziert sie sich von einem bestimmten Verständnis von Postmoderne, welches das Subjekt quasi abschaffen will (Tod des Subjekts).

In Anlehnung an Joan Scott schreibt Butler, dass „sobald wir verstanden haben, daß [sic!] Subjekte durch Ausschließungsverfahren gebildet werden, es politisch notwendig [ist], die Verfahren dieser Konstruktion und Auslöschung nachzuzeichnen“. Sie sieht demnach die Bedingungen für Handlungsfähigkeit als untrennbar mit Herstellungspraktiken von Subjekten verbunden, wobei sie diese Bedingungen nicht „als eine a priori feststehende Garantie für selbstverständlich [nimmt]“.


Sie vertritt die Ansicht, dass die dem Subjekt innewohnenden Attribute der Autonomie, Intentionalität und Selbstreflexion durch eine Aufgabe von Universalitätsansprüchen nicht länger möglich wären.

Diese Attribute sieht sie allerdings als unabdingbare Basiskategorien für das feministische Projekt der Emanzipation und die politische Handlungsfähigkeit von Frauen*. So kommt sie letztlich zu dem Schluss, dass die Ziele der Postmoderne nicht mit den Zielen feministischer Theorie vereinbar sind und diese dementsprechend abzulehnen sei.
Butler bezieht sich in ihrer Position auf Foucault, da sie annimmt, dass es keine Position jenseits der Macht gibt, die es erlauben würde, eine meta-politische Grundlage zu formulieren; vielmehr durchdringt die Macht gleichermaßen den Begriffsapparat wie die Subjektposition des Kritikers*/der Kritikerin*, der*/die* versucht, über die Macht zu verhandeln.

Butler geht also davon aus, dass Subjekte konstitutiert sind, was jedoch nicht heißt, dass sie determiniert sind. Sie sieht in der Konstituiertheit von Subjekten vielmehr erst die Vorbedingung ihrer Handlungsfähigkeit/agency. Es geht Butler gerade darum, nach den Bedingungen der Möglichkeit politischen Handlungsvermögens zu fragen und es nicht als a priori gegeben vorauszusetzen. Das heißt aber auch, dass das Subjekt (das durch die Macht-Diskurs-Matrix konstituiert ist) niemals vollständig bestimmt ist und immer wieder neu konstituiert werden kann/muss.
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