Loading presentation...

Present Remotely

Send the link below via email or IM

Copy

Present to your audience

Start remote presentation

  • Invited audience members will follow you as you navigate and present
  • People invited to a presentation do not need a Prezi account
  • This link expires 10 minutes after you close the presentation
  • A maximum of 30 users can follow your presentation
  • Learn more about this feature in our knowledge base article

Do you really want to delete this prezi?

Neither you, nor the coeditors you shared it with will be able to recover it again.

DeleteCancel

Make your likes visible on Facebook?

Connect your Facebook account to Prezi and let your likes appear on your timeline.
You can change this under Settings & Account at any time.

No, thanks

Halbstarke

No description
by

Fabian Boxheimer

on 16 November 2012

Comments (0)

Please log in to add your comment.

Report abuse

Transcript of Halbstarke

Verhalten in der Öffentlichkeit II. Die Halbstarken Herkunft des Begriffs Nicht von den Jugendlichen selbst ausgewählt Begriff tauchte um 1900 als Bezeichnung für Teile der Arbeiterjugend auf vermittelt abschätziges Urteil
"nicht ganz ernst zu nehmen"
"Noch nicht" Ablehung "Also ich glaube, für uns Halbstarke spielte bloß 'ne Rolle, wie wir am schnellsten an die recht teuren Artikel rankamen, die uns als Halbstarke profilierten: Maschine, James-Dean-Jacke usw. So'n Leder Cowboystiefel war schon 'ne Sache. Ein normaler Schuh kostete zwischen 20 und 30 Mark. Original amerikanische Boots kosteten in den wenigen Western-Shops, die wir schon hatten, um 180 Mark. Das muß man sich mal vorstellen! Das interessierte uns viel mehr, wie wir an diese Dinger herankamen. Das war auf jeden Fall wichtiger als jeder geistige Überbau: so zu sein und so auszusehen wie die anderen Halbstarken" Verweigerung von Mitsprache- und Teilhaberechten typische Kleidung:
Blue Jeans, T-Shirt, kariertes Hemd, Slippers, Lederjacke, etc. Frisur: Elvis-Tolle öffentliche Kulturfrage Machtkampf in der Familie benötigt lange Haare unmännlich http://bilder.bild.de/fotos-skaliert/elvis-presley-on-stage-02-7301341_mbqf-1261075552-10859924/2,h%3D493.bild.jpeg "Das typische Bild: Hände in den Taschen, salopp die Haltung und die Kleidung, onduliert die Haare - nichts Straffes, keine zielbewußte Haltung, weich und schlaksig." Dr. W. Becker, "Weniger von 'Halbstarken' - mehr von ihren Eltern reden", in: Die Welt, 07.07.1956, zitiert nach: Kurme, 2006, S. 193 Rock 'n' Roll im Radio kaum zu hören
Sound der Zeit: Schlager oft mit Jazz gleichgesetzt rassistische Vorurteile und Stereotype
"Urwaldgeheul", "rituelle Musik der Neger Afrikas", etc. Gegenteil männlicher Ideale Zurückhaltung und Selbstbeherrschung
Elvis the Pelvis, Klammertänze, etc. Umkehr der Geschlechterrolle: Mann führt nicht mehr unbedingt die Frau beim Tanz von harmlosen Ansammlungen bis zu Schlägereien und Straßenschlachten Phänomen der Großstadt (vor allem Berlin) häufig nach Veranstaltungen
Rock 'n' Roll-Konzerte, Filmvorführungen, Jahrmärkte, etc. Folge-Krawall:
Verbreitung unter den Halbstarken
viele Schaulustige Äußere Erscheinung Medien Konsumorientierung: Die neue Lebensform war käuflich Halbstarkenkrawalle 1956-58 Irritation über die Spontaneität, Ziellosigkeit und Sinnlosigkeit des Verhaltens der Halbstarken in der Öffentlichkeit breite Gesellschaftliche Debatte über die Halbstarken und ihr Verhalten
Teil eines natürlichen Lebensabschnittes oder ernsthafte politische Bedrohung hartes Durchgreifen Folgen Teenager kommerzielle Antwort auf den Halbstarken Jugendmarkt durch Kultur- und Freizeitindustrie
neu entdeckt "Wechsel der dominierenden Trägergruppen" (Maase)
erstmals die Möglichkeit junger Frauen zur Eroberung öffentlichen Raums BRAVO Rock 'n' Roll verlor Ende der fünfziger Jahre viel von seinem wilden und rebellischen Impetus 1957 Little Richard wird Priester; 1958 Elvis Presley beginnt Wehrdienst; 1959 Buddy Holly stirbt bei Flugzeugabsturz; etc. weicher Pop-Rock 'n' Roll unter Marketinggesichtspunkten
z.B. Pat Boone oder Peter Kraus last.fm Jugend deutlich eingeschränkte Freizeit
Wochenarbeitszeit teilweise über 60 Stunden schnelles Wachstum der finanziellen Verhältnisse und Möglichkeiten Freizeitnutzung eines durchschnittlichen Jugendlichen unterschied sich kaum von derjenigen eines Erwachsenen
Lesen, Sport, Radio, Kino erst Ende der fünfziger Jahre ein stärkerer Drang nach Aktivität und Erleben
zunehmender Import amerikanischer Alltags- und Populärkultur Politik Jugendlichen seien von Verlockungen der Moderne in besonderem Maße gefährdet Abschottung von den Vergnügungen der Erwachsenenwelt
z.B. Rummelplätze, Nachtclubs, Kaserneneingänge allmähliche Entwicklung "vom elterlichen Verbot zur Begründung" ab Mitte des Jahrzehnts Familienpolitik konservative Familienpolitik zur Stabilisierung der Gesellschaft Erhöhung der Geburtenrate
Bereitstellung zukünftiger Soldaten
Abwehr des Kommunismus "Millionen innerlich gesunder Familien mir rechtschaffen erzogenen Kindern sind als Sicherung gegen die drohende Gefahr der kinderreichen Völker des Ostens mindestens so wichtig wie alle militärische Sicherung. Familienminister Franz-Josef Wuermeling, "Das muss geschehen! Die Familie fordert vom Bundestag", in: Kirchenzeitung, 06.12.1953, zitiert nach: Kurme, 2006, S. 69 "Was wird eine Jugend, die Schund- und Schmutzliteratur liest, die ihre Seelenkräfte in Kinos, Tanzbars, Spielhöllen vergeudet, die künstlich in Unwissenheit gehalten wird und zur Nachahmung ungehemmten Genußstrebens Erwachsener verleitet wird, was wird diese Jugend einer kommunistisch 'klar' ausgerichteten Jugend morgen ideell entgegensetzen können?" Franz-Josef Wuermeling, Lebensstandard – Lebensziel. Wohlstand als Hilfe zur Freiheit und Selbstverantwortung der Jugend durch Selbstzucht und Opfer, in: Bulletin des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung vom 12.10.1960, zitiert nach: Kurme, 2006, S. 106 Jugendschutz Unverständnis über das Fehlen von Anführern Auflehnung gegen ausgewiesene Autoritäten
Polizei, Soldaten, Straßenbahnschaffner, Bademeister, etc. Film Kino:
Abschirmung vor dem kontrollierendem Zudrang der Erwachsenen
Stütze für die kollektive und individuelle Identität Rock 'n' Roll: neue Dimension des Musikerlebens "Remaskulierung Westdeutschlands" Konstruktion einer mit dem Konsum kompatiblen Männlichkeit Konsum als Bürgerpflicht
Wirtschaftswunder
Waffe im Kalten Krieg Problem
unmännlich und sogar feminin westdeutsche cold war liberals Auslöschung der Unterschiede zwischen der BRD und den anderen westlichen Gesellschaften Rock 'n' Roll und Jazz: wichtiger Teil der Entwicklung männlicher Jugendlicher Western: Helfen Jungen ihre Aggressionen auszuleben "Rebellen ohne Anliegen" Konsumverhalten der Jugendlichen als persönliche Stilfrage 'halbstarke' Rebellion von einem politischen zu einem privaten Problem
natürliche Phase des Erwachsenwerdens Bruch Mitte der fünfziger Jahre: Von angepassten, strukturell integrierten Jugendlichen zur 'neuen' Jugend Veränderung der soziokulturellen Rahmenbedingungen der Jugendlichen Aufbegehren gegen die Elterngeneration kommerzielle Marketing und Ausbeutungsstrategien: neue Medienkultur Von Anormalität zu Normalität: Elvis obszön, vulgär
rassische Stereotype der ideale 'Bürger in Uniform"
"King ohne Privilegien", "guter Kamerad" I. Jugend in den 50er Jahren III. Reaktion Männlichkeitsentwürfe in der westdeutschen Nachkriegsjugend der 1950er Jahre Forderung nach Einführung der Wehrpflicht Provokatives Auftreten Hamburger Abendblatt, 16.6.1956 Konsum Beispiel: James Dean
Identität als Jugendlicher durch Rebellion, nicht durch Unterordnung und Gehorsam
Avantgardist eines androgynen Habitus
erweiterte den Spielraum offiziell zugelassener Rollenvorschreibungen männlicher Jugendlicher IV. Fazit große Aufmerksamkeit durch Medien überragte wahres Ausmaß der Erscheinung zunächst Beharren in traditionellen autoritäreren Erziehungsmustern
„…da kam die erste Rock'n'Roll-Musik. Bill Haley. Ach, war das toll! Ich war ja so fasziniert. Während eines Bill Haley-Filmes hatte sich bei dem ganzen Publikum eine Aggression an-gesammelt. Unmittelbar nach der Vorstellung sind wir geschlossen losgezogen. Ach, das war was ganz Tolles! In Gelsenkirchen die Bahnhofstraße: einmal von oben bis unten runter und dann nur ‚Rock around the clock’ – von oben bis unten – und ‚Bill Haley’ und geschrieen. Das war eine Sensation. Die Passanten, die standen mit offenem Mund teilweise an der Straße. Das fing halt schon zu Hause mit Theater an, wenn da Bill Haley im Radio war, dann war ich ganz aus dem Häuschen, da konnte ich nicht stillesitzen. Und da kriegte ich erst links und rechts ein paar um die Ohren, und dann wurde das Radio ausgedreht. Ja, und dann wurde ich halt ein bisschen unruhig, ich nehme an, aus lauter Opposition meinem Vater gegenüber heraus.“ Bericht einer unbekannten Zeitzeugin, zitiert nach: Kaspar Maase „Rock rund um die Uhr? Anfänge einer Jugendkultur“ in: „Rock! Jugend und Musik in Deutschland“, Leipzig 2005, S. 27 Bill Haley & His Comets: Rock Around The Clock, Bandstand 1960
Referent: Fabian Boxheimer Datum: 15. November 2012
HALBSTARK max. 3-5% der Gesamtzahl aller Jugendlichen kaum Mädchenwenn dann in Zuschauer- oder Beobachterpositionen Die 50er Jahre. Kalter Krieg und Wirtschaftswunder, Edgar Wolfrum, Darmstadt 2006, S. 134
Die 50er Jahre. Kalter Krieg und Wirtschaftswunder, Edgar Wolfrum, Darmstadt 2006, S. 129
Die 50er Jahre. Kalter Krieg und Wirtschaftswunder, Edgar Wolfrum, Darmstadt 2006, S. 131 Katja Scherl, Wie Elvis weiß und männlich wurde, S. 72 Katja Scherl, Wie Elvis weiß und männlich wurde, S. 61 Katja Scherl, Wie Elvis weiß und männlich wurde, S. 69 http://theselvedgeyard.blogspot.de/2009/10/rebel-without-cause-curse-curious-cast.html Bericht eines unbekannten Zeitzeugen, zitiert nach: Kurme, 2006, 191 f. Sozialer Protest
Spannungsverhältnis zwischen sozialem Wandel und vorherrschenden gesellschaftlichen Normen
Demonstration einer abweichenden Identität
Verletzung der gesellschaftlichen Normen Anstoß einer nachhaltigen Gesllschaftsveränderung
Halbstarke als Avantgarde
Informalisierungseffekte (N. Elias)
Neue jugendliche Lebenstile für eine wachsende Zahl Jugendlicher Statusverschiebung im Geschlechterverhältnis zugunsten femininer Elemente
Full transcript