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Ingrid Babendererde - Sprache, Stil und Erzählform

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Spiel kint

on 5 March 2017

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Transcript of Ingrid Babendererde - Sprache, Stil und Erzählform

Ingrid Babendererde
Sprache, Stil und Erzählform
von Norbert Formans & Jonas Ortmann
Inhalt
Zusammenfassung
Auktoriale Erzählstruktur, die häufig in die Perspektiven der verschiedenen Figuren wechselt → Identifikation mit den Figuren wird erschwert → Leser wird zum Mitdenken aufgefordert
Sprache ist knapp und lakonisch, aber zugleich auch poetisch
Eigenwillige Syntax und Orthografie
Verwendung von Umgangssprache, offiziellen DDR-Sprachjargon und biblischen Anlehnungen
Verwendung von Niederdeutschem Dialekt bei Dialogen zwischen Schülern, Familienmitglieder und Nachbarn → Zeichen von Vertrautheit zwischen den Personen
Dagegen steht Hochdeutsch für Entfremdung und politische Sprachindoktrinierung → Deshalb immer unter Parteimitgliedern und im Schulunterricht gesprochen
Besonderheiten der Sprache
Verwendung des Niederdeutschen
Oftmals gibt der Erzähler auch Dialoge in der indirekten Rede wieder, wenn diese als im Niederdeutsch geführt zu denken sind

DDR-typische Ausdrücke und Wendungen
oftmals mit Ironie angewandt, um eine Distanz zur Parteipolitik zu schaffen



“Bedeutend” und “allseitig”
→ in der offiziellen Sprache der DDR häufige Adjektive
vom Erzähler ironisch gebrochen

Nationalsozialistischer Wortschatz
unterschwellig ironischer Gebrauch des nationalsozialistischen Wortschatzes
→ ebenfalls, um Distanz zu signalisieren
Verwendung um parallelen zwischen NS-Herrschaft und SED-Diktatur zu verdeutlichen



“Ausschluss aus der Schulgemeinschaft”
→ NS-Wendung: “Ausschluss aus der Volksgemeinschaft”
“Schädling” (S.21), “Volksfeind” (S.141)
→ Entstammen den nationals. Sprachgebrauch

“ob sie denn Jürgen nicht das Recht zugestehen wolle etwas zu glauben. - Öwer Se glöben sche ok nich dor an.- Dat`s woll anners bi mi: gab Klaus zu, und sie hatte an seiner Stimme gehört dass er lächelte: Das sei nun sein Recht.” (S.71f)
Niederdeutsch als Alternative zur offiziellen, politisch instrumentalisierten Sprache
Niederdeutsch signalisiert zwischenmenschliche Kommunikation, Nähe und gegenseitiges Verstehen
regionalen Dialekt ebenfalls zur ironischen Distanzierung von Ereignissen, die den Figuren missfallen

“(...) sagte Klaus als sei er vergnügt, - Pius is`n orntlichen Minschen: sagte er nicht ohne begütigendes Grinsen.” (S.149)

“Auf dem Flur waren bedeutende Vorbereitungen getroffen worden anlässlich des Empfangs für den allseitig verehrten Direktor der Gustav Adolf-Oberschule.” (S.137)
Assoziationen mit NS-Wendungen
Erzählformen
Auktoriale Erzählhaltung vs. Passagen personalen Erzählens

vorherrschende auktoriale Erzählform
Unterbrechungen durch Passagen personale Erzählens
Geschehnisse werde aus Sicht von Klaus, seinem Bruder Günter, Ingrid, Jürgen, Dr. Kollmorgen, Sedenbohm, Jürgens Mutter und Frau Petersen wiedergegeben
-> kann im Allgemeinen manchmal zu Verwirrung führen
Ironische Schülerperspektive
Teilweise wirken Textstellen als seien sie von Mitschüler der Hauptfiguren beobachtet und erzählt
-> Es wird Vertrautheit mit der Welt erzeugt
Schülerperspektive wird verwendet um die Welt der Schule bzw. der Erwachsenen kritisch zu betrachten und Verlogenheiten darzustellen
Tonfall ist oft ironisch gemeint
Wechsel von direkter und indirekter Rede
dadurch wird klare Identifikation des Leser mit den Figuren verhindert
Wechsel von direkte in indirekte Rede, auch während eines Dialogs







“Und abermals befand er für unangenehm dass Klaus nerlich Mittag für Mittag in Bedenken versunken nach Hause kam; man hatte garnichts von ihm.” (aus Perspektive von Günter S. 33)

“Ingrid sass an Katinas Schreibtisch und breitete viele Hefte und Bücher aus. So. Jetzt war es achtzehn Uhr dreissig.” (aus Perspektive von Jürgen S. 23)
“Dies und alles tat er auf eine würdige Weise, und solche Würde war lustig anzusehen.” (S.87)

“-Ich finde das sehr unerfreulich: sagte Ingrid, sie sprach plötzlich wieder mit ihrer natürlichen Stimme. -Ach Katina: sagte sie./Katina fragte erstaunt: ob es wegen der Schularbeiten sei?” (S.58)


Bewusste Aussparung bzw. Nachlieferung von Informationen
Erzähler schafft Leerräume, die der Leser gedanklich ausfüllen muss
gleichzeitig erzeugt er durch direkte Anrede Intimität mit dem Leser
Bewusste Verletzung von Kommunikationsregeln
“Dann fiel ihm auf dass dieser Bleistift jetzt zum - warten Sie mal: achten Male abgebrochen war” (S.19)

“Siehst du: da schwimmen sie (...)” (S.50)

“An seinem Lächeln sahst du dass (...)” (S.152)
Parataktischer Erzählstil
eigenwillige Syntax, Orthographie und Interpunktion
parataktischer Erzählstil, der aus einer Aneinanderreihung selbstständiger Hauptsätze besteht



Oftmals fehlen Kommata und Anführungszeichen
ergänzt werden stattdessen Doppelpunkte



Imitation des Mündlichen
Nahe an der gesprochenen Sprache
Dialoge werden durch bewusste Akzentuierung markiert um Redensart zu verdeutlichen



Wort- und Satzstrukturen
“der Bahnhof Rostock hatte Platzkarten verkauft und in Teterow wurden die Laufgänge mit Koffern und Fahrgästen verstopft vorgefunden.” (S.9)

“Klaus roch den schnellen kühlen Wind, die Wellen lärmten gegen den Bootsleib und die Pfähle des Stegs, das dürre Schilfrohr rieb sich knisternd aneinander.” (S.39)
“- Ja-a: sagte Dieter zögernd. Also du hast sie provoziert: fuhr Jürgen gleichmütig fort.” (S.53)
“Würden Sie bitte. Hierherkommen!” (S.172)

“Und darum sei er. So enttäuscht. Verstehst du. Abgesehen davon. Dass das Ansehen der Partei. Schwer gelitten habe! Dadurch. Dass einer ihrer - aktivsten Vertreter. StichplötzlichgegendieLiniederParteigewendethabe!” (S.221)

“Und - ich - sage - dir (sagte Pius): wenn hinter euch. Etwas steckt -. Sowerdenwiresschonfinden!!” (S.226)

Sprachliche Stilmittel
Hang zum Wortkargen, Lakonischen, Fragmentarischen
kommentarlose Einführung von Hauptcharakteren
bereits der erste Satz beginnt mit “Andererseits”
ohne Umschweife ein direkter Einstieg ins Romangeschehen
wichtige Informationen werden vom Autor oftmals beiläufig geteilt bewusste Aussparung bzw. spätere Nachlieferung von Informationen, sprunghaftes wie auch fragmentarisches Erzählen



Poetische, fast manierierte Prosa
Metaphern und Motive
Durch das Namensschild der Familie Petersen geht ein Riss
→ ein Hinweis auf ein zerrüttetes Verhältnis zwischen Jürgen und seiner Mutter

Song “Going outside” kurz vor der unmittelbare bevorstehenden Flucht

heftiges Gewitter vor der Flucht Ingrids in den Westen

“Der Zug hielt der Polizei wegen zwischen Zäunen in einem weiten nebligen Flachland”,(...),“Wann hat Mecklenburg eigentlich aufgehört?”(S.9f)




“Und jetzt kam die Klingel (...)”(S.23)
“Aber Ingrid kauerte (...)”(S.118)
“Aber Ingrid war schon lange wach.”(S.246)



“Klaus indessen konnte mehr als nur seinen Namen schreiben” (S.9)

Direkter Einstieg ins Geschehen:
→ Der Leser kann erahnen, dass es sich um eine Flucht aus der DDR handelt
Sätze beginnen “mitten im Satz”:
wichtige, beiläufige Information:
→ Hinweis auf Klaus gefälschte Ausreisedokumente
auffallend häufige Personifikationen
“die Guitarre schrie heftig” (S.121)

“die Heizung erbrach ein letztes
Geräusch” (S.172)

“die Klingel räusperte sich heiser” (S.191)
dramatische, expressionistische Formulierungen mit biblischer Anlehnung

“Siehe wie aufrecht sie stand” (S.149)

“Siehe, er sah aus wie blass” (S.235)

Wortneuschöpfungen
oftmals ein Verbund aus Adjektiv und Substantiv

“Über lauter blühenden Obstbäumen türmte sich der Dom grob und trockenrot in die Stille.” (S.230)

“hinter ihnen wiegt sich weisstrahlend die Squit vor dunkelheiterem Baumgrün” (S.50f)

“mit ihrer herzstockenden Ingridschönheit” (S.40)
Abgrenzung von phrasenhafte Sprache der politischen Propaganda
Literatur:
Königs Erläuterungen: Ingrid Babendererde. Reifeprüfung 1953 von Uwe Johnson
1 Erzählformen
2 Wort- und Satzstrukturen
3 Sprachliche Stilmittel
4 Besonderheiten der Sprache
5 Zusammenfassung
6 Quelle
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