Loading presentation...

Present Remotely

Send the link below via email or IM

Copy

Present to your audience

Start remote presentation

  • Invited audience members will follow you as you navigate and present
  • People invited to a presentation do not need a Prezi account
  • This link expires 10 minutes after you close the presentation
  • A maximum of 30 users can follow your presentation
  • Learn more about this feature in our knowledge base article

Do you really want to delete this prezi?

Neither you, nor the coeditors you shared it with will be able to recover it again.

DeleteCancel

Make your likes visible on Facebook?

Connect your Facebook account to Prezi and let your likes appear on your timeline.
You can change this under Settings & Account at any time.

No, thanks

Übung Soziologische Theorien_WiSe11_SoSe12

No description
by

daniel houben

on 22 June 2016

Comments (0)

Please log in to add your comment.

Report abuse

Transcript of Übung Soziologische Theorien_WiSe11_SoSe12

Übung
Soziologische Theorien II

Was behandelt die Soziologie?
Soziologie letztlich als „Wissenschaft von den Institutionen, deren Entstehung und Wirkungsart“ (1976: 100)

Grundsätze:
Soziale Phänomene wie Dinge betrachten!
Soziales nur durch Soziales erklären!
Organische oder psychologische Erklärungen sind grundsätzlich falsch!

Soziale Tatbestände:
äußerlich:
nicht angeboren, sondern anerzogen
zwanghaft
: üben moralischen Druck aus
allgemein
: aber nicht universal, da sie nicht anthropologische Konstante sind
unabhängig
: gehen nicht in Verhalten von Individuen vollends auf; können entsprechend auch nicht von Individuum alleine verändert werden

Beispiele für soziale Tatbestände:
Sprache, Geld, Produktionsmethoden, Recht, Soziale Strömungen oder Moral

Orientierung am Kollektiv:
Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.
bzw.
Das Soziale ist mehr als die Summe seiner Einzelhandlungen. Gesellschaft ist mehr als das Aggregat von Individuen.

Gesellschaft als emergentes Phänomen Realität sui generis
Vorläufer sog. Kollektivismus, Strukturalismus, Holismus
Emile Durkheim
Die Regeln der
soziologischen Methode (1895)
Max Weber
Soziologische Grundbegriffe (1924)
(Wirtschaft und Gesellschaft)
Soziales Handeln:
Handeln, das mit seinem subjektiv gemeinten Sinn auf Handeln anderer ausgerichtet ist oder sich daran orientiert

Bestimmung der Soziologie:
„Wissenschaft, welche soziales Handeln deutend verstehen und dadurch in seinem Ablauf und seinen Wirkungen ursächlich erklären will.“
Streben nach Evidenz
Idealtypenbildung als rationalistische Konstruktion
Das Verstehen der Handlung aufgrund der Rekonstruktion der in ihr enthaltenen Zweck-Mittel-Relationen bildet die Voraussetzung für ihre unrsächliche Erklärung.
Zweck-Mittel-Relationen können rational nachvollzogen, sprich: ursächlich
verstanden
werden.

Handlungstypen
(Idealtypen):
Traditional:
reproduziert tendenziell Vergangenheit
Affektuell:
tendenziell spontan und auf spezifische Ziele gerichtet
Wertrational:
tendenziell an allgemeinem Sinn orientiert
Zweckrational
: variiert ja nach Situation
Mischformen an der Tagesordnung


Soziale Beziehungen:
Reziprozität
konstituiert durch Chance, sprich Wahrscheinlkichkeit, dass sinnhaft reziprokes Handeln sich einstellt


Kollektivbegriffe werden abgelehnt
Vorläufer des sog. methodologischen Individualismus bzw. erklärender Soziologie;
soziale Phänome gehen immer auf individuelles Handeln zurück
[
Kultur:

gesamtes soziales Erbe; geltende und geteilte Werte, Normen, Regeln, Gebräuche und Wissensvorräte; Summe der gültigen Institutionen]
[
Institutionen
:
„Institutions are the rules of the game in a society or, more formally, are the humanly devised constraints that shape human interaction. […] Institutional change shapes the way societies evolve through time…“
(North, Douglass C. 1990: Institutions, Institutional Change and Economic Performance. Cambridge)

„Institutionalisierung steht am Anfang jeder Situation, die ihren eigenen Ursprung überdauert.“
(Berger/Luckmann 2004: 59)

„…die Art und Weise, wie bestimmte Dinge getan werden müssen.“
(König, René, zitiert nach: Esser, Hartmut, 2000: Soziologie. Spezielle Grundlagen. Band 5: Institutionen. Frankfurt/M.: Campus. S. 7) ]
Hartmut Esser
Philosophische Anthropologie
Thomas Luckmann (r.)
und Peter L. Berger
Biologische Sonderstellung des Menschen
Mensch „nicht-festgestellt“ und „stellungnehmend“, er muss sein Leben daher „führen“
Mängelwesen Mensch
: im Vergleich zum Tier instinktarm, ohne ökologische Nische - dafür mit Weltoffenheit ausgestattet
Mensch – entgegen anderer zeitgenössisch dominanter philosophischer Strömungen (Dualismen à la Leib-Seele; Körper-Geist etc.) – als „Leib-Seele-Geist-Einheit“;
Mensch nur als „Ganzheit“ überzeugend vom Tier zu differenzieren und in seiner „Sonderstellung“ zu begreifen.

Entlastung und Ablösbarkeit
kognitive Fähigkeiten und senumotorischen Fertigkeiten bedingen sich gegenseitig
höhere Funktionen bauen fast unmerklich auf niederen Funktionen auf, werden von ihnen „entlastet“
Bewusstsein ist auf diese Entlastung angewiesen
Entlastung Voraussetzung für die Lebensfähigkeit des Menschen
Höhere Funktionen lassen sich von basalen körperlichen Funktionen ablösen
Verhalten kann von Gegebenem bzw. von Situationskontexten abgelöst werden
-> so wird erst Symbol- oder Sprachgebrauch möglich
-> Handeln als notwendige Reaktion, als auf Veränderung der Natur gerichtete Aktivität

Mensch insofern...
handelndes, nicht-festgestelltes, selbstbezogenes und stellungnehmendes Wesen.
Natürliche Unangepasstheit wird durch Handeln umsichtig und weltoffen in Kultur umgesetzt.
Bewältigung der Natur durch ihre Transformation in Kultur; „die Kulturwelt ist die menschliche Welt“.
Arnold Gehlen – Biographische Notiz

Nach Geburt (1904) und Studium in Leipzig wurde er dort auch habilitiert (1930).
1.5.1933 Eintritt in die NSDAP, ob SA-Mitgliedschaft bestand, konnte nicht geklärt werden. SoSe 1933 „Vertretung“ des zuvor wegen kritischer Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus seines Amts enthobenen Paul Tillich. Kurz darauf Berufung an die Universität Leipzig. Sein Vorgänger dort, und Lehrer Hans Driesch, war zuvor ebenfalls von den Nazis zur vorzeitigen Emeritierung gezwungen worden. Antrittsvorlesung „Der Staat und die Philosophie“ 1935 zeigte klare Ergebenheit gegenüber NS-Regime und faschistischer Ideologie. Zeitweise war Gehlen NS-Dozentenbundführer. Während des NS-Regimes noch Berufungen nach Königsberg (Kant-Lehrstuhl) und Wien.
Ab 1947 wieder im Hochschuldienst als Professor für Soziologie in Speyer. 1962 – 1969 Professor für Soziologie am neu gegründeten Institut für Soziologie an der RWTH.
Tod in Hamburg 1976.

(Quelle: Rehberg, Karl-Siegbert, 2000: Hans Freyer, Arnold Gehlen, Helmut Schelsky. S. 72 – 104 in: Kaesler, Dirk (Hrsg.): Klassiker der Soziologie. Band 2: Von Talcott Parsons bis Pierre Bourdieu. München: Beck.)
Gehlens Philosophische Anthropologie
Wirklichkeit der Alltagswelt
ist Wirklichkeit per excellence,
ist jedem zugänglich (intersubjektiv) und daher gewiss ,
ist räumlich und zeitlich strukturiert,
wird stetig verhandelt sowie sprachlich und symbolisch vermittelt.

Daneben existieren andere Wirklichkeiten in „umgrenzten Sinnprovinzen“ als „Enklaven der obersten Wirklichkeit“.

Phänomene der Alltagswelt
werden geordnet und vorarrangiert vorgefunden,
sind bereits objektiviert,
sind intersubjektiv.

Interaktion in der Alltagswelt
Vis-à-vis-Begegnung als Prototyp menschlicher Interaktion,
orientiert sich an Typisierungen,
je weiter Interaktion von Vis-à-vis-Begegnung entfernt ist, desto machtvoller werden Typisierungen.

Sprache, Institutionalisierung und Legitimation sind Mittel der Objektivation von subjektiv gemeintem Sinn, die zur Verdinglichung führt.
Alltagswelt
„Wie ist es möglich,
daß subjektiv gemeinter Sinn
zu objektiver Faktizität wird?“ (Berger/Luckmann 2004: 20)
Gesellschaftliche Konstruktion
der Wirklichkeit

(1) Sprache
Mittel der Objektivation
symbolisiert die Alltagswelt
typisiert Erfahrungen
unterstützt Identitätsbildung durch Selbstreflexion
ist „ablösbar“, erzeugt intersubjektiv geteilte Bedeutungen, speichert den Sinn (u.a. in Symbolen) und macht ihn übertrag- und wandelbar
transzendiert Sinnkomplexe räumlich und zeitlich

„Das notwendigste Vehikel der Wirklichkeitserhaltung ist die Unterhaltung. Das Alltagserleben des Menschen ist wie das Rattern einer Konversationsmaschine, die ihm unentwegt seine subjektive Wirklichkeit garantiert, modifiziert und rekonstruiert.“
(Berger/Luckmann 2004: 163)
(2) Institutionalisierung
Habitualisierung: Routinehandlungen werden beidseitig erwartbar und kraftsparend wiederholt ausgeführt
„Institutionalisierung findet statt, sobald habitualisierte Handlungen durch Typen von Handelnden reziprok typisiert werden.“ (Berger/Luckmann 2004: 58)
erfasst Typen und Rollen und erzeugt normative Regeln für ver,schiedene Situationen
bildet durch die Kombination von Regeln und Problemlöserezepten neue Strukturen

(3) Legitimierung
rechtfertigt bestehende Strukturen, Regeln und Rezepte,
überprüft sie aber auch und macht sie Wandel zugänglich.
(4) Sozialisation
Primäre Sozialisation
(orientiert an G.H. Mead)
Erster Schritt:
Kleinkind erschließt sich Welt durch Nachahmen signifikanter Anderer
Objektivationen werden dabei ebenso internalisiert
Zweiter Schritt:
emphatische Übernahme der Weltsicht generalisierter Anderer
überkommenes Wissen wird tradiert und Verhaltensmuster objektiviert
Platz in der Welt wird eingenommen

Sekundäre Sozialisation
Aneignung von Rollen in Institutionen
zum Rollenspiel nötiges Wissen ist von Institutionen vorgegeben
subjektive Sinnwelt wird erweitert
Identität wird gegenüber Rollen abgegrenzt
(1) Sprache
(2) Institutionalisierung
(3) Legitimierung
(4) Sozialisation
Sommersemester 2012
Daniel Houben, M.A.
Anna Weihrauch, M.A.

Theorien des Lernens
Lernpsychologische Grundlagen
Anthropologische Grundlagen
Lerntheorien erklären, wie Lernen das Handeln prägt und sind daher für soziologische Handlungstheorien bedeutend. Die folgenden Lerntheorien sind miteinander kompatibel und schließen sich nicht aus!

1. Klassisches Konditionieren (Assoziationslernen)
Eine grundlegende Form des Lernens, bei dem ein Reiz oder ein Ereignis das Auftreten eines anderen Reizes/Ereignisses vorhersagt. Der Organismus lernt eine neue Assoziation zwischen zwei Reizen - zwischen einem Reiz, der zuvor die Reaktion nicht auslöste, und einem anderen, der nach den Gesetzen der Natur die Reaktion auslöst.

Schematischer Ablauf:
1. Unkonditionierter Stimulus (US) -> Unkonditionierte Reaktion (UR)
2. Konditionierter Stimulus (CS) + US -> UR
3. CS -> Konditionierte Reaktion (CR)

Bsp. “Albert-Versuch” von Watson
1. Kind fürchtet sich nicht vor Ratten.
2. Immer wenn dem Kind eine Ratte gezeigt wurde, ertönte lauter Lärm.
3. Nach einer Weile fürchtet sich das Kind auch ohne Lärm vor der Ratte.

2.Operante Konditionierung (Lernen am Erfolg)
Konsequenzen eines Verhaltens werden manipuliert, um herauszufinden, welchen Effekt sie auf das nachfolgende Verhalten haben. Ein Operant wird dabei nicht, wie bei der klassischen Konditionierung, durch bestimmte Reize ausgelöst.
Gearbeitet wird bei dieser Methode mit positiven und negativen Verstärkern.
Positiver Verstärker: Jeder Stimulus, der die Auftretenswahrscheinlichkeit oder Stärke einer vorangegangenen Reaktion erhöht.
Negativer Verstärker: Festigung von Reaktionen, auf die sofort eine Verminderung oder Beendigung einer Reizsituation folgt, folglich jedes Mittel, dass die Auftretenswahrscheinlichkeit eines Verhaltens verringert.

Es geht also immer darum, mit einem bestimmten Verhalten eine Belohnung zu erhalten, oder eine Bestrafung zu vermeiden.

Das Ausmaß das Lerneffektes in abhängig von
1. der Verstärkerintensität und
2. der zeitlichen Verteilung der Belohnung (kontinuierliche Verstärkung versus diskontinuierliche bzw. intermittierende Verstärkung)
Sozialpsychologische Grundlagen:
Rollentheorien
Rational-Choice-
Handlungstheorie

Symbolischer Interaktionismus
Ralf Dahrendorf
Homo Sociologicus
Ausgangsfeststellungen
Gesellschaft sieht für jede Position Attribute und Verhaltensweisen vor
Individualität wird zugunsten sozialen Wohlwollens stark eingeschränkt
Gesellschaft verfügt über Sanktionen und Positionen

Soziale Position

von Individuen unabhängige Orte in sozialen Bezugsfeldern
Bspw. Berufspositionen, Positionen in Institutionen etc.

Soziale Rolle
sozialen Positionen über Erwartungen anhaftende Verhaltenskomplexe
Ansprüche der Gesellschaft an PositionsträgerInnen
Bündel von gesellschaftlichen Erwartungen

Bezugsgruppen

existieren für jede Rolle
geben Normen und Regeln vor
haben Erwartungen, wachen darüber
verfügen über Sanktionen

Abgestufte Verbindlichkeit und Sanktionsschärfe
MUSS-Erwartungen
SOLL-Erwartungen
KANN-Erwartungen


institutionalisieren verbindliche Verhaltensweisen
kanalisieren des sozialen Handelns mithin bis zur Vereinheitlichung
machen Handeln regelmäßig, berechenbar und vorhersagbar

Die "ärgerliche Tatsache der Gesellschaft"
"Die Tatsache der Gesellschaft ist ärgerlich, weil wir ihr nicht entweichen können" (Dahrendorf 1958: 27).
"Der Einzelne ist seine Rollen, aber diese Rollen sind ihrerseits die ärgerliche Tatsache der Gesellschaft" (ebd.: 20).
"Wer seine Rolle nicht spielt, wird bestraft; wer sie spielt wird belohnt, zumindest aber nicht bestraft" (ebd.: 36).

Konflikttheoretische Lesart von Rolle und Sozialisation: Gesellschaft wird nicht über Konsens,
sondern über Zwang integriert
Homo Sociologicus: Schnittpunkt des Einzelnen mit der Gesellschaft
Robert K. Merton
Rollen-Set
Ausgansgüberlegung
:
Kritik am zu eindimensionalen Rollenverständndis bei Parsons und Linton

Bezugsgruppen/Bezugspersonen
Referenzgruppen bzw. -personen, deren Zustimmung oder Ablehnung für RollenträgerIn
bzw. PositionsinhaberIn wichtig sind

Rollen-Set
jede soziale Position verfügt über eine Mehrzahl von Rollen
Erwartungen an Rollen vielfältig, unterschiedlich und mitunter widersprüchlich

Interrollenkonflikt
widersprüchliche Erwartungen an Person
hervorgerufen von ihren unterschiedlichen Rollen

Intrarollenkonflikt
widersprüchliche Erwartungen an ein- und dieselbe Rolle
hervorgerufen durch unterschieldiche Bezugsgruppen

Mechanismen zur Konfliktmilderung bei Intrarollenkonflikten bzw. Rollenstress
verschiedene Bezugspersonen sind aufgrund divergierender Interessenlagen unterscheidlich stark an normgerechtem Verhsalten interessiert
verschiedene Bezugspersonen haben ungleich starke Macht- bzw. Einflusspotentiale
RollenträgerIn kann sich (zeitweise) für verschiedene Bezugspersonen unsichtbar machen
verschiedene Bezugspersonen werden sich über divergierende Erwartungshaltungen klar, RollenträgerIn kann hier mitunter verhandeln
RollenträgerInnen bzw. StatusinhaberInnen schließen sich zusammenund vertreten ihre Interessen gegenüber verschiedene Bezugsgruppen
Einschränkung bzw. Abbruch der Beziehungen
Austauschtheorie
Theoretische Haupteinflüsse
Pragmatismus: Wesen des Menschen wird durch sein Handeln bestimmt
Behaviorismus: Lernen basiert auf simplen Reiz-Reaktionsmodellen

Kommunikation
wird als Reiz-Reaktionskette begriffen
Reaktionen sind aufeinander bezoge
Handlung von A wird Reiz, der Handlung von B beeinflusst
Bsp: Hunde fletschen zueinander die Zähne
im Unterschied zu instinktgesteuerter Reaktion beim Menschen Denken zwischengeschaltet
Bewusstsein ist der Kommunikation nicht vorgelagert, sondern entsteht mit ihr, muss aus ihr gelernt werden
Kommunikation basiert auf Zeichen, Gesten, Symbolen und Sprache

signifikante Symbole
bezeichnete Gesten, Handlungsweisen, Dinge etc.
haben für alle Beteiligten die gleiche gelernte Bedeutung
[Lernen erfolgt dabei über Beobachtung, dass sie bei anderen das gleiche auslösen wie bei einem selbst]

Kommunikation funktioniert,
weil Handelnde sich den Sinn gemeinsam via signifikanten Symbolen erschließen und vermitteln;
weil Handelnde in andere (Rollen) hineinversetzen;
weil Handelnde sich selbst beobachten.

(Geist, Identität und Gesellschaft)
G.H. Meads Kommunikationsbegriff
Ausgangsüberlegungen
Aufbauend auf G.H. Meads Theorie des Sozialbehaviorismus
„menschliches Zusammenleben als Prozess, in dem Objekte geschaffen, bestätigt, umgeformt und verworfen werden“
Leben und Handeln der Menschen verändern sich analog zu den Veränderungen in ihrer Objektwelt

Gemeinsame Definition der Situation
Menschen definieren ihre vermeintlich „objektive“ Realität selbst, sie konsumieren sie nicht nur passiv
vgl. Weber: subjektiv
g e m e i n t e r S i n n
sozialen Handelns
mittels Sprache und Verhalten senden Menschen ihre Situationsverständnisse nach außen
Anzeige, wie sie Situation begreifen und wie Gegenüber sie begreifen soll
Sinn der Situation wird fortlaufen ausgehandelt

-> gemeinsame Definition der Situation

Drei Prämissen
(1) Menschen handeln gegenüber Dingen aufgrund der Bedeutung, die sie den Dingen zuschreiben
[Dinge: alles, was wahrgenommen wird; Menschen, Tiere, Gegenstände, Institutionen, Ereignisse etc.]
(2) Bedeutung, die Dingen zugeschrieben wird, wird abgeleitet aus bzw. entsteht in sozialer Interaktion;
Sozialisation daher so bedeutsam
(3) Bedeutung wird in Begegnungen mit den Dingen überprüft, verarbeitet oder verändert.

-> Menschen führen nicht passiv normative
Rollen
aus, sondern interpretieren Umwelt und belegen über diese
Interpretation die Welt mit Bedeutungen.
Bedeutungen sind
soziale
Produkte

Menschen interagieren im wechselseitigen Interpretationsprozess also auch mit sich selbst
man interpretiert sich selbst und strukturiert danach sein Handeln
in Interationsprozessen reagieren innere Kommunikationen aufeinander

Vier Kernvorstellungen des symbolischen Interaktionismus
(1) Menschliche Gruppen und Gesellschaften bestehen nur in der Handlung.
(2) Interaktion zwingt dazu, den jeweils anderen zu beobachten und zu interpretieren.
Menschen interpretieren sich und Gegenüber via Rollenübernahme und geteilten Symbolen, sie definieren daraus die
Situation und den Rahmen des Handelns.
(3) Welt nicht sui generis vorhanden, sondern nur als Dinge, die Ergebnis der symbolischen Interaktion sind.
(4) Mensch steht mit sich selbst in sozialer Interaktion.

Interaktion
mehr als die Summe einzelner Handlungen
eigenständig, dynamisch, wandelbar
Handlungen sind durch fortwährendes reziprokes Anzeigen von Bedeutungen miteinander verkettet
Verkettungen begründen gemeinsames Handeln

Soziale Situationen sind interpretationsbedürftig und handlungsoffen statt normativ über Struktur und Funktion determiniert!

(Quelle: Der methodologische Standort des Symbolischen Interaktionismus, 1969)
Symbolischer Interaktionismus
nach Herbert Blumer
Thomas Theorem:
“If men define situations as real, they are real in their consequences.“
James Coleman
Gesellschaft entsteht, weil man Dinge wünscht, über die andere Kontrolle besitzen und umgekehrt.

George C. Homans

Klassische Propositionen der Austauschtheorie:
(1) Erfolgshypothese
Eine belohnte Handlung wird unter ähnlichen Bedingungen wahrscheinlich wiederholt.
(2) Reizhypothese
Je häufiger eine Handlung in der Vergangenheit belohnt wurde, desto wahrscheinlicher wird sie wiederholt.
(3) Werthypothese
Je höher der Gewinn einer Handlung, desto eher wird sie ausgeführt.
(4) Entbehrungs-Sättigungs-Hypothese (Gesetz des abnehmenden Grenznutzens)
Je öfter eine Person von einer anderen in der Vergangenheit einen Gewinn erhielt, desto geringer wird ihr Wert mit jeder weiteren Wiederholung.
(5) Frustrations-Aggressions-Hypothese
Je krasser das Gesetz der ausgleichenden Gerechtigkeit zum Nachteil einer Person verletzt wird, desto wahrscheinlicher wird sie sich ärgern.
(Vgl. Homans 1972: 45ff)
Allgemeine Überlegungen
Beziehungen zwischen Akteuren sind abhängig von:
(1) dem Möglichkeitsraum ihrer Ergebnisse
(2) dem Wissen über und der Bewertung dieser möglichen Ergebnisse
(3) der Bewertung, ob die gemeinsam zu erzielenden Ergebnisse oberhalb des jeweiligen Vergleichsniveaus für die Alternativen liegen

Entscheidungsregel für soziales Handeln:
Akteure bewerten Nutzen und Kosten einer Handlung anhand eines Vergleichniveaus

„Comparison Level“ CL [Vergleichsniveau]
Ein Vergleichsniveau entspricht den individuellen Erwartungen eines Akteurs
subjektiv zufriedenstellendes bzw. verdient geglaubtes Ausmaß der Belohnung
wird das Niveau unterschritten, wird Unzufriedenheit erzeugt
Bezugspunkte für die Bewertung sind Erfahrungswerte, soziale Vergleichsprozesse oder Standards

„The location of CL on the person’s scale of outcomes will be influenced by all oft he outcomes known to the member, either by direct experience or symbolically. It may be taken to be some modal or average value of all known outcomes, each outcome weighted by its ‘salience’, or strength of instigation, which depends, for example, upon the recency of experiencing the outcome and the occurrence of stimuli which serve as reminders of the outcome” (Thibaut/Kelley 1959: 21).

Aber: Entscheidung über Vollzug einer Handlung wird erst nach Abwägung der Alternativen (CL alt) gewählt

„CLalt can be defined informally as the lowest level of outcomes am member will accept in the light of available alternative opportunities. It follows from this definition that as soon as outcomes drop below CL alt the member will leave the relationship. The height of the CL alt will depend mainly on the quality of the best of the member’s available alternatives, that is, the reward-cost positions experienced or believed to exist in the most satisfactory of the available relationships” (Thibaut/Kelley 1959: 21f).

Folge:
(unbefriedigende) Interaktion bzw. Beziehung wird aufrecht erhalten, wenn sich keine bessere Alternative findet
(befriedigende) Interaktion bzw. Beziehung wird abgebrochen, wenn sich bessere Alternative findet

Diadische Auszahlungsmatrizen
heuristisches Analysemittel, in dem theoretisch alle möglichen positiven und negativen Beziehungselemente (Kosten und Nutzen) repräsentiert werden
tatsächliche Handlungswahl der Akteure lässt sich daraus jedoch nicht vorhersagen
konsistente Präferenzen werden notwendigerweise unterstellt

Akteure sind in sozialen Beziehungen eingebunden -> soziale Interdependenz
Wahl einer Handlungsalternative beeinflusst die Handlungssituation des Mitakteurs
Erste Ziffer: Rangpräferenz des Ehemanns, zweite Ziffer: Rangpräferenz der Ehefrau
Simplifizierendes Beispiel:
battle of the sexes
Thibaut und Kelley 1959: The Social Psychology of Groups
Spieltheorie
Formales Entscheidungsmodell der rationalen Wahl, in dem Akteure „genau die Alternative wählen, bei der die Nutzenerwartung maximiert wird“ (Esser 1996: 95)

Werte bzw. Bewertungen
Zuweisung von Gefühlserwartungen auf verschiedene Handlungsfolgen
mehr oder weniger geordnetes System von Präferenzen, Bedürfnissen oder sozial erzeugten Wertvorstellungen

Erwartungen
„subjektive Kausalhypothesen […] über Vorgänge in der Umwelt und über Bedingungen, unter denen die Lösung eines Problem wahrscheinlicher ist als unter anderen Bedingungen“ (Esser 1993: 223)
basieren auf Wissenssystemen, Typisierungen und Erfahrungen
bounded rationality, imperfekte Information ist anzunehmen

Bei der Handlungswahl gehen sowohl Bewertungen als auch Erwartungen in das Kalkül ein;
formal-mathematisch ausgedrückt: p * U mit p = subjektive Erwartung der Konsequenzen und U=Bewertungsmuster.
Handeln als Wahl zwischen Alternativen unterliegt immer Restriktionen.
Restriktionen schränken Handlungsspielräume ein.

Soziale Restriktionen
Institutionen, Regeln; symbolisch und kulturell gefärbte Situationswahrnehmungen
nach Esser sind soziale Restriktionen für die Definition der Situation weitaus bedeutsamer; sie bedingen die Logik der Situation

Natürliche Restriktionen
objektiv begrenzte Verfügbarkeit materieller Ressourcen
natürliche Restriktionen sind als Basis entweder immer vorhanden oder bereits in die sozialen Restriktionen eingeschrieben

Menschliches Handeln orientiert sich notwendigerweise immer an Restriktionen.
Restriktionen
Menschenbild, das für soziologische Erklärung des Handelns adäquater sein will, als der homo sociologicus und der homo oeconomicus.
(Entworfen von Meckling und Lindenberg)

Der Mensch ist demnach ein:
Ressourceful
Restricted
Evaluating
Expecting
Maximizing
Man
Das RREEMM-Modell
Die Logik der Selektion: Theorie der rationalen Wahl (Synonyme: Wert-Erwartungstheorie o. SEU-Theorie (subjectiv expected utility)
[Vollständig, aber komplizierter:
EU(A)=p*U(O)
;
Es existieren mehrere Handlungsalternativen (An), denen jeweils bestimmte Handlungsfolgen (Om) zugeordnet werden. Jede dieser Handlungsfolgen hat für die Akteure einen messbaren Nutzen U(Om). Die Nutzenerwartung einer Handlungsalternative ergibt sich also aus dem Produkt aus dem Nutzen U(O), den Akteure mit der aus der Alternative (A1) resultierenden Handlungsfolge (O) verbinden sowie der Erwartung bzw. Wahrscheinlichkeit p, dass die Folge (O) bei der Wahl der Handlungsalternative A tatsächlich stattfindet.]
Soziale Situation
Akteure
kollektives Explanandum
Handeln
Logik der Situation
Logik der Selektion
Logik der Aggregation
typisierende Beschreibung der Situation der Akteure
Sozialer Kontext beeinflusst die Wahrnehmung, Orientierung und Handlungsbereitschaft der Akteure

zur Analyse müssen Brückenhypothesen eingeführt werden;
sie verbinden die objektiven Situationselemente
mit den subjektiven Motiven und Wissenständen der Akteure
Variablen: Alternativen
Opportunitäten
Restriktionen
Modellierung: Brückenhypothesen
Erklärung: Lerntheorie
Wahrnehmungstheorie
Kommunikation
Definition der Situation
Variablen: Erwartungen
Bewertungen
Modellierung: Sanktionsregeln
Handlungstheorie
Erklärung: (Sozial-)Psychologie
Evolutionstheorie
Variablen: selegierte Alternativen
sonstige Randbedingungen
Modellierung: Transformationsregeln
- partielle Definition
- formale Modelle
- institutionelle Regeln
Erklärung: -
Individuelles Handeln als Folge der Wahlhandlung zwischen Alternativen

Modellierung über Wert-Erwartungstheorie, mitunter auch Spieltheorie
nomologisch-explanativer Kern des Modells
Verbindung zu Erklärungen verschiedenerHandlungsmuster aus Nachbardisziplinen möglich (sog. Tiefenschärfe)
zu erklärende kollektive Zustände:
soziale Ordnungen, institutionelle Bedingungen, Selbstmordraten, unterscheidliche Hochschulsysteme, Fremdenfeindlichkeit etc.

Transintentionalität bzw. unintendierte Effekte sozialen Handelns zu beachten
Transformationsregeln je nach Untersuchungsgegenstand; häufig jedoch rein logisch als umstandsangemessene Aggregation
Ausgangsfrage:
Wie kommt es trotz unterstellter dauerhafter Bewahrung des Eigennutzes zu Reziprozität und Kooperation?
Wo beruhen Kooperation und Reziprozität auf Eigeninteresse?
Welche Faktoren sind für die Entstehung von Kooperation notwendig?

Gefangenendilemma als Grundproblem der Kooperation
2 Spieler mit zwei Entscheidungsalternativen: Kooperation oder Defektion
Wahl wird in Unkenntnis der Wahl des anderen Spielers getroffen
Defektion führt zu höherer Auszahlung als Kooperation
beidseitige Defektion ist aber für beide ungünstiger als wechselseitige Kooperation
-> Verfolgung des Eigeninteresses durch jeden einzelnen führt zu einem
schlechten Ergebnis für alle!

„shadow oft he future“
„Die Entwicklung der Kooperation wird dadurch ermöglicht, daß die Spieler immer wieder aufeinander treffen können. Dies bedeutet, daß gegenwärtige Entscheidungen nicht allein den Ausgang des gegenwärtigen Treffens bestimmen, sondern auch die späteren Entscheidungen der Spieler beeinflussen können. Die Zukunft kann folglich einen Schatten auf die Gegenwart zurückwerfen und dadurch aktuelle strategische Situationen beeinflussen.“ (Axelrod 1987: 11)

Problem
:
Auszahlung des unmittelbar bevorstehenden Zuges hat eine relativ höhere Bedeutung für die Spieler, als potenzielle zukünftige Auszahlung(en).
Evolution der Kooperation
TIT FOR TAT beginnt jedes Spiel mit einer Kooperation und antwortet dann spiegelbildlich auf die gegnerische Strategie.
Spieltheorieturniere zeigten, dass TIT FOR TAT sich als erfolgreichste Strategie erweist.
Via TIT FOR TAT lässt sich Kooperation sowohl erzeugen, als auch aufrecht erhalten.

Erfolgsfaktoren von TIT FOR TAT
freundliche Strategie, Feindseligkeit erfolgt höchstens als Reaktion
nicht „provozierbar“; auf eine Provokation mit Defektion wird unmittelbar gleich reagiert
ist nachsichtig; auf kooperation wird sofort wieder mit Kooperation geantwortet
Reaktionsmuster ist klar, verständlich und verlässlich

Kooperation benötigt zur Entstehung eine hinreichend große Wahrscheinlichkeit, dass InteraktionspartnerInnen sich wiederholt treffen, um ein Mindestinteresse an kommenden Interaktionen zu besitzen.
TIT FOR TAT
(etwa: Wie du mir, so ich dir!)
Soldaten schossen mitunter bewusst unscharf, so lange dieses Verhalten von ihren Opponenten ebenfalls an den Tag gelegt wurde.

Entstehungsbedingungen:
Zunächst zufällig ausgelöste Waffenstillstände (Wetter, Einnahme der Mahlzeiten zu gleichen Zeiten) konnten gespiegelt werden.

Aufrechterhaltung:
Zurückhaltung während bestimmter Zeiten (s.o.) konnte ausgedehnt werden
Vergeltungsmöglichkeit wurde Gegner demonstriert (Zielübungen etc.)
Sozialisation neu eingetroffener Truppenbestände

Zusammenbruchsgründe:
Durch Oberkommando kontrollierte Stoßtrupps verhielten sich aggressiv (defektierten), unterbanden Möglichkeiten des Vortäuschens, lösten Vertrauen auf und wandelten Strategie letztlich von Kooperation auf Defektion um.

Dies war typisch für den Stellungskrieg im Ersten Weltkrieg, da sich dort ähnlich starke Verbände über einen längeren Zeitraum gegenüberlagen
-> Situation des iterativen Gefangenendilemmas
Stellungskrieg im Ersten Weltkrieg –
„Leben und leben lassen“

Die Spieltheorie modelliert Entscheidungssituationen, in denen sich mehrere Beteiligte gegenseitig beeinflussen. Sie versucht dabei vor allem, das rationale Entscheidungsverhalten in sozialen Konfliktsituationen abzuleiten und modelliert die verschiedensten Situationen als ein Spiel. Die Spieltheorie ist zwar in ursprünglich ein Teilgebiet der Mathematik wird aber in vielen Bereichen und Disziplinen angewandt.

Dabei ist der Begriff Spiel durchaus wörtlich zu nehmen: In mathematisch-formaler Beschreibung wird festgelegt, welche Spieler wann welche Handlungsoptionen (Züge) ausführen darf und wie die jeweiligen Optionen von den Spielern bewertet werden.

Zur Beschreibung eines Spiels gehört immer eine Auszahlungsfunktion. Sie ordnet jedem möglichen Spielausgang einen Wert (Auszahlungsvektor) zu, d. h. durch sie wird festgelegt, welchen Gewinn ein Spieler macht, wenn ein bestimmter Spielausgang eintritt.
Spieltheorie
3. Beobachtungslernen (Lernen am Modell bzw. Soziales Lernen)
Neue Reaktionen sind erlernbar, ohne jemals ausgeführt worden zu sein.
Beim Beobachtungslernen werden nicht nur spezielle Verhaltensweisen gelernt, die dann imitiert werden, sondern auch die Regeln, die dem Verhalten zugrunde liegen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein beobachtetes Verhalten als Modell abgespeichert wird, ist abhängig von:
1. der Aufmerksamkeit gegenüber dem Modell
2. der Kodierbarkeit des Ereignisses

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein gespeichertes Modell-Verhalten in faktisches Verhalten umgesetzt wird, ist abhängig von:
1. der Effizienzerwartung
2. der Konsequenzerwartung

4.Implizites Lernen
Ohne Absicht wird Wissen erlernt und dieses Wissen bleibt auch unbewusst.

Beispiel:
Menschen bilden syntaktisch korrekte Sätze, aber sind meistens nicht in der Lage, die korrekten grammatischen Regeln dazu zu formulieren.
Lernen…
•…ist grundlegend für die Möglichkeit der kulturellen Evolution.
•…prägt Handeln.
•…kann nicht direkt beobachtet werden, sondern muss aus den Veränderungen im beobachtbaren Verhalten erschlossen werden.
•…kann definiert werden als der Erwerb von Verhaltenstendenzen, der auf Erfahrung oder Übung basiert.
Das „Drei-Komponenten-Modell“ nach Rosenberg und Hovland (1960) entspricht der Definition von Allport:
Einstellungen vermitteln als intervenierende Variable zwischen bestimmten Reizen (Personen, Situationen, soziale Sachverhalte, soziale Gruppen etc.) und einer messbaren Reaktion auf der Ebene des Affektes, der Kognition und des Verhaltens (wobei von einer Korrespondenz dieser drei Variablen untereinander ausgegangen wird).
Das „Drei-Komponenten-Modell“
(Rosenberg und Hovland,1960)
Affekt und Kognition korrespondieren jedoch viel stärker mit einander. In der Theorie des vernünftigen Handelns:
werden Einstellungen auf die Bewertung eines bestimmten Verhaltens verengt;
die vorhergesagte Verhaltensintention als abhängig von der Einstellung zum Verhalten einerseits und dem wahrgenommenen sozialen Druck andererseits modelliert.

Einstellungen werden dabei bestimmt durch:
die Erwartung der Wahrscheinlichkeit, mit einem bestimmten Verhalten auch bestimmte Ergebnisse erreichen zu können
der Bewertung dieser erwarteten Ergebnisse.
Der soziale Druck setzt sich aus den normativen Überzeugungen wichtiger Bezugspersonen in diesem Kontext und der Motivation zusammen, diesen Normen zu folgen.
Theorie des überlegten (vernünftigen) Handelns
(Ajzen und Fishbein,1975)
Ein großer Teil menschlichen Handelns im Alltag wird allerdings durch das spontanes Handeln geprägt.

Einstellungen nehmen im MODE-Modell in zwei unterschiedlichen Prozessen Einfluss auf das Verhalten:
„zum einen über den spontanen Prozess, bei dem Einstellungen primär über die Wahrnehmungsselektion und die Definition des Ereignisses wirksam werden,
und zum anderen über den „überlegten“ (reasoned) Prozess, bei dem die Erwartungen und Werte hinsichtlich des Handlungsergebnisses neben der subjektiven Norm relevant sind“ (Fischer/Wiswede 1997: 254).

Abhängigkeit von Invaliditätsangst (subjektive Kosten eines falschen Urteils) und Motivation:
Bei hoher Invaliditätsangst, hoher Motivation und gegebenen Opportunitäten (Möglichkeiten) zum überlegten Verhalten, wird bewusst entschieden.
Sind Invaliditätsangst und Motivation hingegen gering oder aber hoch, jedoch keinerlei Opportunitäten zum überlegten Handeln gegeben, so wird in beiden Fällen spontan entschieden.
MODE-Modell [Motivation and opportunity as
determinants of the attitude-behavior-process]
(Fazio, 1990)
Die „Theorie kognitiver Dissonanz“ von Festinger (1957) beschäftigt sich mit den kognitiven Determinanten des Einstellungswandels. Unterschieden werden Kognitionen (Meinungen, Wissensinhalte, Einstellungen etc.) und die Relationen zwischen ihnen. Diese kognitiven Elemente können unabhängig voneinander existieren, oder aber in relevanten Relationen zueinander stehen. In letzterem Fall können die Kognitionen zueinander passen, oder aber dissonanter Art sind, sich also gegenseitig ausschließen.

Die zentralen Ideen der Theorie der kognitiven Dissonanz sind dabei:
1. Zwei oder mehrere, im Bewusstsein der Person relevante Kognitionen, die psychologisch als nicht vereinbar erlebt werden, verursachen Dissonanz.
2. Je wichtiger die beteiligten Kognitionen und je größer der Anteil der dissonanten zu den konsonanten Kognitionen ist, desto mehr Dissonanz wird erregt.
3. Der Zustand der Dissonanz wird als unangenehm erlebt. Das Individuum versucht daher, die Dissonanz zu reduzieren.
4. Die Reduktion der Dissonanz kann erfolgen über eine Reduktion der Bedeutung der dissonanten Elemente, durch eine Addition konsonanter Elemente oder durch eine Neubewertung bzw. Umbewertung der dissonanten Elemente (Fischer/Wiswede 1997: 229).
5. Je mehr konsonante Elemente eine Einstellung hat und je wichtiger diese für eine Person sind, desto widerständiger ist sie gegen Veränderung (etwa durch dissonante Informationen) (Witte 1994: 334).
„Theorie kognitiver Dissonanz“
(Festinger,1957)
„Eine Einstellung ist ein mentaler und neuraler Bereitschaftszustand, der durch die Erfahrung strukturiert ist und einen steuernden und/oder dynamischen Einfluss auf die Reaktion eines Individuums gegenüber allen Objekten und Situationen hat.“ (Allport 1935: 810)
Einstellung und Verhalten
(normative Variante)
Modell der soziologischen Erklärung

Rationalisierung als soziales Phänomen des Okzidents
„Nur im Okzident gibt es ‚Wissenschaft‘ in dem Entwicklungsstadium, welches wir als ‚gültig‘ anerkennen. ... Empirische Kenntnisse … mathematische Fundamentierung … das moderne Laborexperiment …“ (Weber 2005: 11)

Kultur des Okzidents zeichnet sich für Weber durch Rationalisierung in alle Lebens- und Arbeitsbereichen aus:
Arbeit und Wirtschaft
Politik und Verwaltung
Kunst und Kultur
Wissenschat und Forschung
...

„Man kann ferner jedes dieser Gebiete unter höchst verschiedenen letzten Gesichtspunkten und Zielrichtungen rationalisieren und was von einem aus rational ist, kann, vom anderen aus betrachtet, irrational sein. Rationalisierungen hat es daher auf den verschiedenen Lebensgebieten in höchst verschiedener Art in als Kulturkreisen gegeben. Charakteristisch für deren kulturellen Unterschied ist erst: welche Sphären und in welcher Richtung sie rationalisiert wurden“ (Weber 2005: 19).

Verschiedene Lebensbereiche sind je unterschiedlich rationalisiert
Komplexe Konfiguration ungleichartig institutionalisierter Rationalitäskriterien
jeweiligen institutionalisierten Rationalitätskriterien stehen mitunter in Konflikt zueinander
spezifische Konfiguration der Institutionenbestimmen die jeweilige Sozial- und Kulturordnung einer Gesellschaft

Konfigurationen sind zu komplex und vielschichtig, als dass man pauschalisierenden Rufen nach zunehmender Rationalisierung oder nach Entrationalisierung zustimmen dürfe
->immer genaue Analyse der konkreten Bedingungen notwendig!
Max Weber
Prozess der Rationalisierung
M. Rainer Lepsius
Institutionenanalyse
1.) Übersetzung von Leitideen in Rationalitätskriterien
Wertvorstellungen bzw. Leitideen werden in Rationalitätskriterien übersetzt, die Handlungsprinzipien mit Anspruch auf Gültigkeit in spezifischen Handlungskontexten schaffen.
2.) Ausdifferenzierung in spezifischen Handlungskontexten
Rationalitätskriterien gelten nur in spezifischen Handlungskontexten. Institutionenbildung ist daher stets in Verbindung mit der „Ausdifferenzierung von Geltungskontexten“ als „Kontextualisierung der Gültigkeit einer Leitidee“ zu verstehen.
3.) Gültigkeit über Sanktionen
Die Bedingungen der Geltungskontexte werden primär über Sanktionen hergestellt; sind also an Erwartungsstrukturen geknüpft. Sie sollen die Geltungsmacht bestimmter Leitideen durchsetzen und den Institutionalisierungsprozess unterstützen.
4.) Externalisierung von Widersprüchen
Werden Handlungskontexte durch die Institutionenbildung bestimmt, besitzt die Leitidee eine hohe Verhaltensrelevanz. Dadurch verengt sich der im Sinne der Rationalitätskriterien relevante Problemhorizont und folglich werden „spezifische Wertorientierungen und Handlungsstrukturierungen“ dominant. Treten jedoch Widersprüche, Probleme oder Konflikte auf, die sich mit diesen Rationalitätskriterien nicht adäquat angehen lassen, werden sie „externalisiert“.
5.) Konflikt und Vermittlung
Daraus ergibt sich zwangsläufig ein Konfliktpotential zwischen Institutionen, da sie sich einerseits inkommensurablen Rationalitätskriterien unterwerfen und sich die von ihnen beanspruchten Geltungsbereiche andererseits überschneiden können. Analytisch interessant wird dann vornehmlich, welche Vermittlungsstrukturen zwischen den Institutionen bestehen.
6) Institutionenwandel
Institutionenwandel vollzieht sich dann in diesem Sinne als - meist „umkämpfte“ - Institutionalisierung und Deinstitutionalisierung von Rationalitätskriterien. Institutionen sind mehr Prozess als Bestand.
Beispiel:
„Der moderne Kapitalismus ist demgemäß nicht das Produkt eines zu allen Zeiten bestehenden Gewinnstrebens, sondern einer spezifischen Rentabilitätsorientierung des wirtschaftlichen Handelns. Rentabilität aber ist das Ergebnis eines spezifischen Kriteriums für rationales Handeln, die Ausrichtung auf die Kapitalrechnung, den Vergleich einer Abschlussbilanz. […]
Das Ausmaß, in dem wirtschaftliches Handeln durch dieses Rationalitätskriterium berechenbar gemacht wird, bestimmt den Grad der Rationalisierung. Diese wird durch einen komplexen Prozeß der Anpassung von Ereignissen und Handlungsstrukturen an die Geltung dieses Rationalitätskriteriums bestimmt, nicht durch das Rationalitätskriterium selbst.
Zwar liegt der Ausgangspunkt der Rationalisierung in der Erfindung von Verfahren, die die Berechenbarkeit wirtschaftlichen Handelns ermöglichen […], doch müssen diese Verfahren, um hinreichende verhaltensorientierte Geltung zu gewinnen, institutionalisiert sein“
(Lepsius 1990: 46).
Institutionelle Analyse bei Esser der Schlüssel zur Bestimmung der Logik der Situation:
„Aus den Institutionen ergeben sich ja oft gerade erst die Strukturen der Möglichkeiten und der primären Ziele der Akteure sowie die ganz spezielle ‚Logik‘ des sozialen Sinns in einer Situation, der dann den alles bestimmenden Bezugsrahmen des Handelns bildet“
(Esser 2000: 45; Soziologie. Spezielle Grundlagen. Band 5: Institutionen. Kapitel 2).
Rationalisierung und Institutionalisierung
Lepsius arbeitet
gezielt mit Webers


Gedanken weiter
Esser greift


Lepsius Arbeiten auf
Integration der Institutionenanalyse

in das Modell der soziologischen Erklärung

Emile Durkheims Theorie der Arbeitsteilung
Gesellschaftliche Entwicklung
und Arten der Solidarität
Neue Fragen -
Integration und soziale Differenzierung
Archaische, „einfache“ Gesellschaften:
Kleine, segmentär differenzierte Lebensbereiche
Gemeinsames Kollektivbewußtsein
je einfacher die soziale Struktur, je religiöser die Kultur, je größer also die
sozial vermittelten Ähnlichkeiten, desto geringer Individualität
Solidarität aus Ähnlichkeiten -> mechanische Solidarität

Moderne, „höhere“ Gesellschaften
Große, funktional differenzierte Lebensbereiche
Arbeitsteilung schafft wechselseitige Abhängigkeiten
Solidarität aufgrund funktionaler Unterschiede -> organische Solidarität
Individuen werden indirekt über Berufe soziale integriert
Auch Moral unterteilt sich in funktionsspezifische Normen
„Mit einem Wort: Dadurch, daß die Arbeitsteilung zur Hauptquelle der
sozialen Solidarität wird, wird sie gleichzeitig zur Basis der moralischen
Ordnung.“ (Durkheim 1988: 471)
Spezialisierung der Berufsrollen als beginnende Arbeitsteilung bei Schottischen Moralphilosophen (Smith, Ferguson) noch positiv belegt; vergleiche Smiths berühmtes Beispiel der Nadelfabrik.
Bei Marx stehen Arbeitsteilung, Ausbeutung und Klassenbildung in direktem Zusammenhang.

Durkheim stellt soziale Differenzierung ins Zentrum seiner Analyse der modernen Gesellschaft.
Differenzierung wird nicht nur auf Wirtschaft, sondern auf alle Lebensbereiche bezogen.
Durkheim sucht nach Beziehungen zwischen:
Differenzierung und Individualisierung (Sozialintegration)
Differenzierung und Integration (Systemintegration)
„Wie geht es zu, daß das Individuum, obgleich es immer autonomer wird, immer mehr von der Gesellschaft abhängt? Wie kann es zur gleichen Zeit persönlicher und solidarischer sein?“ (Durkheim 1988: 82)

Arbeitsteilung!
Interdependenzen sichern Zusammenhalt, Ordnung und soziale Integration. Stärke der Integration hängt von der Notwendigkeit zur Interaktion und Kooperation ab.
Wie stellt sich der Zusammenhang zwischen sozialer Ordnung (Institutionengefüge) und persönlicher Freiheit dar?
Literaturhinweise
Literaturtipps
Lepsius, M. Rainer, 1990:
Interessen, Ideen
und Institutionen.
Wiesbaden: VS-Verlag.
Weber, Max, 2005:
Wirtschaft und Gesellschaft.
Frankfurt/M.: Zweitausendeins.
Weber, Max, 2005:
Religion und Gesellschaft.
Frankfurt/M.: Zweitausendeins.
Weber, Max, 2010:
Die protestantische Ethik
und der Geist des Kapitalismus.
München: Beck.
Münch, Richard, 2003:
Soziologische Theorie. Band 1.
Frankfurt/M.: Campus.
Kaesler, Dirk (Hg.), 2000:
Klassiker der Soziologie. Band 1.
München: Beck.
Kaesler, Dirk (Hg.), 2000:
Klassiker der Soziologie. Band 1.
München: Beck.
Münch, Richard, 2003:
Soziologische Theorie. Band 1.
Frankfurt/M.: Campus.
Schimank, Uwe, 2007:
Theorien gesellschaftlicher
Differenzierung.
Wiesbaden: VS-Verlag.
Durkheim, Emile, 1988:
Über soziale Arbeitsteilung.
Frankfurt/M.: Suhrkamp.
Übung
Soziologische Theorien I

Sommersemester 2011*12
Eva Maria Heinke, M.A.
Daniel Houben, M.A.
Anna Weihrauch, M.A.
Soziales wird nur

durch Soziales erklärt
Schimank, Uwe, 2007:
Theorien gesellschaftlicher Differenzierung. Wiesbaden: VS-Verlag.
Vilfredo Pareto
Analyse und Systematiserung sozialen Handelns

als Aufgabe der wissenschaftlichen Soziologie:
Handeln unterscheidbar in logisches und nicht-logisches Handeln.
Logischem Handeln liegt Kalkül zugrunde, das wissenschaftlichen Maßstäben entspricht.
Nicht-logische Handlungen
besitzen großen Anteil an sozialen Phänomenen
stellen zentralen Bezugspunkt soziologischer Erkenntnis dar.
Nicht-logische Handlungen liegen dann vor, wenn das Zweck-Mittel-Verhältnis im Bewusstein des Handelnden von dem objektiv gegebenen Zweck-Mittel -Verhältnis in der Realität divergiert.
Vier verschieden Arten von nicht-logischen Handlungen
:
Objektive ungleich subjektiver Zielsetzung:
1. nein nein
2. nein ja
3. ja nein
4. ja ja
Zur Rechtfertigung des eigentlich nicht-logischen Handelns werden pseudo-logische Gründe angeführt. Derartige Ideologien soll Soziologie enttarnen. Soziale Phänomene, und damit vielfach nicht-logisches Handeln, müssen daher in ihre Elemente zerlegt werden:
Residuen
Derivationen
Derivate

Residuen sind Manifestationen der durch ihre Wirksamkeit im sozialen Leben feststellbaren Gefühle.
Zwar sind sie noch keine konkreten Erscheinungen, jedoch bestimmten sie im hohen Maße die nicht-logischen Handlungsarten.

Pareto unterscheidet sechs Klassen:
Klasse I: Kombination
Klasse II: Persistenz
Klasse III: Expressivität
Klasse IV: Sozialität
Klasse V: Individualismus
Klasse VI: Erotik
Derivationen sind die bewusstseinsmäßige und verbale Rechtfertigung residual bedingter Handlungen, also nicht-logischer Handlungen.
„Das heißt ein für allemal, wir werden mit dem Namen „logische Handlungen“ diejenigen Handlungen bezeichnen, die nicht nur vom Standpunkt des Handelnden aus, sondern auch vom Standpunkt derjenigen, die ausgedehntere Kenntnisse besitzen, die Handlungen logisch mit dem Zweck verknüpfen, also Tätigkeiten, die sowohl subjektiv wie objektiv in dem oben erklärten Sinne logisch sind“ (Pareto 1962: 65).
„§149. Jedes soziale Phänomen kann unter zwei Aspekten betrachtet werden, nämlich danach, was es wirklich ist, und danach, wie es sich dem Geiste gewisser Menschen darstellt. Den ersten Aspekt werden wir objektiv, den zweiten subjektiv nennen (…) In Wirklichkeit sind sie alle beide subjektiv (…) Sie unterscheiden sich nicht hinsichtlich einer Differenz ihrer Natur, sondern hinsichtlich der mehr oder minder großen Tatsachenkenntnis, die wir über sie besitzen“ (Pareto 1962: 64).
Klasse I und II: Grundbedingungen der Zivilisation
Klasse III: Vergegenständlichung innerer Erlebnisse
Klasse IV: Kräfte, die sich direkt auf die Entstehung und den Zusammenhalt von Gemeinschaften und Verbänden richtet. Verhaltensnormen, ohne die ein geordnetes Gemeinschaftsleben nicht denkbar wäre
Klasse V: Stabiliserung durch Sanktionen
Klasse VI: Gesellschaftliche Konstruktion von Geschlechterverhältnisse
Literaturtipps
Bach, Maurizio, 2004:
Jenseits des rationalen Handelns.
Zur Soziologie Vilfredo Paretos.
Wiesbaden: VS-Verlag.
Moderne Gesellschaft und Individualität
Moderne Kultur ist eine individualistische; Individuum steht im Zentrum
Individualität = je nach Kontext mehr oder minder stark ausgeprägte Selbstbestimmtheit und Einzigartigkeit
Moderne Gesellschaft zeichnet sich durch Differenzierung aus (siehe Durkheim)
Individualismus ist ein Produkt der Moderne bzw. der sozialen Differenzierung

„Die Zahl der verschiedenen Kreise nun, in denen der Einzelne steht, ist einer der Gradmesser der Kultur“ (Simmel 1992: 464).

Frage: Wie entsteht Individualität genau?
Antwort: Durch die Kreuzung sozialer Kreise!

Moderner Mensch erschließt sich mit zunehmendem Alter immer mehr „soziale Kreise“
Familie – Freundeskreis – Schulklassen – KollegInnen – Vereine - … etc.

„Die Gruppen, zu denen der Einzelne gehört, bilden gleichsam ein Koordinatensystem, derart, daß jede neu hinzukommende ihn genauer und unzweideutiger bestimmt. […] je mehr es werden, desto unwahrscheinlicher wird es, daß noch andere Personen die gleiche Gruppenkombination aufweisen, daß diese vielen Kreise sich noch einmal in einem Punkt schneiden“ (Simmel 1992: 466).
Individualität und Differenzierung bei Simmel
Individualität erhält ihre Einzigartigkeit und Selbstbestimmtheit aus der individuellen Kombination der sozialen Kreise
jeder Mensch ist in einzigartiges soziales Beziehungsnetz eingebunden
einzigartige Rollenkombination -> soziale Vorgaben können genaue Rollenkombination daher nie vollständig erfassen
erhöhte Wahlfreiheit für persönliche Netzwerke und soziale Rollen
Inter- und Intrarollenkonflikte (Rollenstress) entstehen zwangsläufig

„Die soziologische Bestimmtheit des Individuums nun wird eine um so größere sein, wenn die be-stimmenden Kreise mehr nebeneinanderliegende, als konzentrische sind; d.h. allmählich sind verengende Kreise, wie Nation, soziale Stellung Beruf, singuläre Kategorie innerhalb dieses, werden der an ihnen teilhabenden Person keine besonders individuelle Stelle anweisen, weil der engste derselben ganz von selbst die Teilhaberschaft an den weiteren bedeutet“ (Simmel 1992: 472)
.

„Die Möglichkeit der Individuen wächst dadurch ins Unermeßliche, daß dieselbe Person in den ver-schiedenen Kreisen, denen sie gleichzeitig angehört, ganz verschiedene relative Stellungen einneh-men kann“ (Simmel 1992: 476).

Der moderne Mensch verfügt über ein exklusives, rein individuelles soziales Netzwerk!
Individualität als Integrationsmechanismus
Würde man soziale Differenzierung auf bloße Rollendifferenzierung aufgrund von funktionalistisch gedachter Arbeitsteilung gleichsetzen, erhielte man folgende Problem: Die Rollen differenzieren sich zu stark, als dass für jede Rollenkonstellation und jede Rollenproblematik ein sozial ausgehandelte, normative Lösung bereit stünde. Eine Beibehalten der sozialen Ordnung bzw. eine Integration auf Basis von Regeln und Normen alleine ist damit nicht herstellbar. Hier kommt die Individualität zum Tragen: Individuum wirken als Integrationsmechanismus (vgl. Schimank 2007: 46f).

„So kann man sagen: aus Individuen entsteht die Gesellschaft, aus Gesellschaften entsteht das Individuum“ (Simmel 1992: 485).
Fazit:
„[…] die Differenzierung und Arbeitsteilung ist zuerst sozusagen quantitativer Natur und verteilt die Tätigkeitskreise derart, daß zwar einem Individuum oder einer Gruppe ein andrer als einer andern zukommt, aber jeder derselben eine Summe qualitativ verschiedener Beziehungen einschließt; allein später wird dieses Verschiedene herausdifferenziert und aus allen diesen Kreisen zu einem qualitativ einheitlichen Tätigkeitskreis zusammengeschlossen“ (Simmel 1992: 489).
Sozialwissenschaften konzentriert sich zu stark auf logisches Handeln und unternimmt fortwährend Versuche, nicht-logisches Handeln zu rationalisieren.
(Händeschütteln)
(Beten für Regen)
(Reflexe)
(Kommunismus)
Je mehr Handeln durch Risiduen bestimmt ist, die in Ritualen, Gewohnheiten mithin Institutionen verankert sind, und je stärker jene mit Emotionen und mit ideologischen Rechtfertigungsmustern verbunden sind,
desto stärker, legitmier und bindender wird die Verankerung der entsprechenden Handlungsorientierung sein. (vgl. Münch 257)
Zentrale Dimension der Klassenbildung und -konflikte:
Verfügung über Produktionsmittel
Klasse: Gruppe von Menschen mit gleichem Zugang zu Produktionsmitteln

(Adel vs. Leibeigene, Industrielle vs. ArbeiterInnen, Bourgeoise vs. Proletariat)

Verhältnis zwischen den Klassen basiert vornehmlich auf
Ausbeutung

Ausbeutung im Kapitalismus: ArbeiterInnen schaffen
Mehrwert
, der ihre Entlohnung übersteigt
Mehrwert: Quelle des
Profits
für KapitalistInnen, der bei jenen verbleibt
ArbeiterInnen werden durch Industriealisierung von ihrem Produkt
entfremdet
Industriealisierung im Kapitalismus ermöglichte zwar einerseits Verringerung der Sterblichkeitsquoten, begünstigt aber auch Verelendung und die Existenz einer
industriellen Reservearmee
Herrschende
Begründungsideologie
sozialer Ungleichheit immer Ideologie der herrschenden Klasse!
Hintergrund:
Kernpunkte der Marxschen Klassentheorie
Dialektik der Aufklärung
Ziel: herausstellen,
„[…] warum die Menschheit, anstatt in einem wahrhaft menschlichen Zustand einzutreten, in eine neue Art der Barbarei versinkt“

(Adorno/Horkheimer 1969: 1)
.
in Aufklärung bzw. in instrumenteller Rationalisierung der Moderne steckt paradoxerweise der Schlüssel zur Selbstzerstörung
Aufklärung als Rationalisierung zwar wissenschaftlich und technisch erfolgreich, scheitert aber bzgl. der Gesellschaft
Aufklärung verbindet sich mit Herrschaft, Rationalisierung mit Kapitalismus und zwingt Individuen in selbstverschuldete Unmündigkeit
historisch: nie dagewesenes Maß an Unfreiheit,
Zerstörung und Totalitarismus
Weltbeherrschung wendet sich gegen ihre Produzenten:
Beherrschung der Natur weitet sich aus auf
Disziplinierung und Standardisierung der
Individuen.
Verständnis Kulturindustrie:
gesellschaftlich verfügbare, zur Unterhaltung dienende Reproduktionstechnologien
gekennzeichnet durch Standardisierung und serielle Massenproduktion von Kulturgütern
Kulturgüter werden zu Waren nach den gängigen Gesetzen des Kapitalismus
Mit Vereinnahmung der Kultur durch den Kapitalismus geht ihr die ursprüngliche kritische Distanz verloren
„In unseren Entwürfen war von Massenkultur die Rede. […] Das Wort Massenmedien, das für die Kulturindustrie sich eingeschliffen hat, verschiebt bereits den Akzent ins Harmlose. Weder geht es um die Masse an erster Stelle, noch um die Techniken der Kommunikation als solche, sondern um den Geist, der ihnen eingeblasen wird, die Stimme ihres Herrn.“ (Adorno 1963: 202)
Wesentliche Vorannahmen:
Alltagskultur wird massenmedial durchdrungen
Kritik an Massenmedien, an Kulturindustrie bedeutet daher Kritik an moderner Gesellschaft
Kunst bzw. Kultur wohnt ursprünglich Wahrheitsanspruch und Befreiungspotential inne
Massenmedien als gesellschaftliche Kontrollinstrumente
Fokussierung auf Amüsement nivelliert, entgeistigt und entpolitisiert die Kulturgüter
Wer auf die seichten Vergnügungsangebote eingeht, bezahlt dafür mit Manipulation der eigenen Wahrnehmung, Uniformierung der Bedürfnisse und Verlust des kritischen Denkens bzw. der Mündigkeit
Kulturprodukte beeinflussen soziale Beziehungen, Konsumbedürfnisse und Selbstbilder der Menschen
„Die Verkümmerung der Vorstellungskraft und Spontaneität des Kulturkonsumenten heute braucht nicht auf psychologische Mechanismen erst reduziert zu werden. Die Produkte selber, allen voran das charakteristischste, der Tonfilm, lähmen ihrer objektiven Beschaffenheit nach jene Fähigkeiten. Sie sind so angelegt, daß ihre adäquate Auffassung zwar Promptheit, Beobachtungsgabe, Versiertheit erheischt, daß sie aber die denkende Aktivität des Betrachters geradezu verbieten, wenn er nicht die vorbeihuschenden Fakten versäumen will“ (Adorno/Horkheimer 1969: 114).
„Der kategorische Imperativ der Kulturindustrie lautet: du sollst dich fügen, ohne Angabe worein; fügen in das, was ohnehin ist, und in das, was als Reflex auf dessen Macht und Allgegenwart, alle ohnehin denken. Anpassung tritt kraft der Ideologie der Kulturindustrie anstelle von Bewusstsein“ (Adorno 1997: 343).
Gegengewichte:
Individuelle Differenz
Ästhetik
Andersheit
Adorno und Horkheimer
Kritik an der Kulturindustrie

Kritk an der Kulturindustrie
Kultur ist jedoch zum Herrschaftsinstrument verkommen
Herrschaft der entfremdeten Rationalität vollzieht sich indirekt über die Inhalte und die Form der Kulturindustrie
„Reproduktion des Immergleichen“ (Adorno/Horkheimer 1969: 142) uniformiert Menschen
Alles wird „durch das Filter der Kulturindustrie geleitet“ (Adorno/Horkheimer 1969: 134)
Folge: Anpassung und Konformität
Kulturindustrie als industriell organisierter, manipulierender Apparat, der gesellschaftliche Macht durch Verblendung und Entindividualisierung reproduziert.
Kritik

der Kritik
Zu düster und pessimistisch
Teufelskreis ohne Ausweg
Dialektik der Aufklärung als Werk „wird dem vernünftigen Gehalt der kulturellen Moderne, der in bürgerlichen Idealen festgehalten (und mit ihnen auch instrumentalisiert) worden ist, nicht gerecht“ (Habermas 1993: 137f).
"Der Fortschritt schlägt in Rückschritt um" (Adorno/Horkheimer 1969: 5).
"Die vollends aufgeklärte Erde erstrahlt im Zeichen triumphalen Unheils" (ebd.: 7)
Erving Goffman -
Interaktionen und ihre Ordnung

Ausgangspunkt: Beschreibung der Beziehung zwischen Interaktion und umgebender sozialer Struktur

Interaktionsordnung
als „substantive domain in its own right“
analytisch weder prioritär noch sekundär gegenüber der Sozialstruktur
allerdings nicht unmittelbar aus der Sozialstruktur ableitbar
relativ autonom gegenüber der Sozialstruktur.


Interdependenz zwischen Sozialstruktur und Interaktionsordnung
soziale Ungleichheit (differente Ressourcenzugänge, unterschiedliche Lebenschancen etc.) wirkt sich jedoch auf die Art und Weise der Interaktion aus
aber Interaktionsformen wirken auf die Lebenschancen und Ungleichheitsstrukturen zurück.
Normen geben Interaktionsformen vor und stützen deren Ordnung
Normen bedürfen aber ebenso konkreter Reproduktion durch Interaktionen.
Die Interaktionsordnung
Kernelemente der Goffmanschen Analyse
(face-to-face-)Interaktionen
Darstellungsformen
Rollen und Rituale
soziale Situationen
(Wahrnehmungs-)Rahmen

„Wir alle spielen Theater“
Alltagswelt als Inszenierung
Inszenierung nichts Außergewöhnliches, sondern Bestandteil der conditio humana
Status, Emotionen, Erwartungen etc. werden stets dargestellt, sowohl privat als auch öffentlich
Trennung zwischen Vorder- und Hinterbühne
auf jeder Bühne gelten implizite, dennoch hoch wirksame Regeln und Erwartungen

„Die Gesichtspunkte, die in diesem Bericht angewandt wurden, sind die einer Theatervorstellung, das heißt, sie sind von der Dramaturgie abgeleitet. Ich werde darauf eingehen, wie in normalen Arbeitssituationen der Einzelne sich selbst und seine Tätigkeit anderen darstellt, mit welchen Mitteln er den Eindruck, den er auf jene macht, kontrolliert, lenkt, welche Dinge er tun oder nicht tun darf, wenn er sich in seiner Selbstdarstellung vor ihnen behaupten will“ (Goffman 1983: 3).
Alltagswelt als Inszenierung
Willems, Herbert, 1997:
Rahmen und Habitus.
Frankfurt/M.: Suhrkamp.
Hettlage, Robert, 1999:
Erving Goffman. S. 188 - 204 in:
Kaesler, Dirk (Hg.): Klassiker der Soziologie.
Band 2. Von Talcottt Parsons bis Anthony Giddens.
München: Beck.
Literaturtipps
System
Umwelt
Autopoietische Systeme
operieren selbstreferentiell
sind operativ geschlossen
sind aber auf dieser Grundlage umweltoffen
reproduzieren sich ausschließlich selbst durch Bezug auf sich selbst
Bsp.: Körperzellen

Systeme reduzieren die Komplexität der Umwelt
je komplexer Systeme sich intern aufstellen, desto besser können sie die Komplexität der Umwelt verarbeiten
Elemente können nicht von außen kommen; es gibt weder Input noch Output,
Umwelteinflüsse determinieren nicht, sie irritieren bestenfalls
Unterscheidung
komplex, chaotisch,
Welt überbordender Möglichkeiten
Ordnung
Komplexitätsreduktion
Unterscheidung selektiert, was für System Relevanz erhält und was nicht
ohne Unterscheidung weder Beobachtung, noch Bezeichnung möglich
„Am Anfang steht also nicht Identität, sondern Differenz. Nur das macht es möglich, Zufällen Informationswert zu geben und damit Ordnung aufzubauen; denn Information ist nichts anderes als ein Ereignis, das eine Verknüpfung von Differenzen bewirkt – a difference that makes a difference.“ (Luhmann 1984: 112)
Einheit der Differenz
Kunst
Wissen-
schaft
Wirtschaft
Politik
Erziehung
Recht
Religion
Massen-
medien
Moral
zahlen/nicht zahlen
Geld/Eigentum
gut/böse
Wertvorstellungen
Information/
Nicht-Information
Mitteilungen
Regierung/
Opposition
Macht (Ämter)
ästhetisch/
unästhetisch
ästhetische
Werke
wahr/unwahr
wissenschaftl.
Erkenntnisse
gute/schlechte
Zensuren
Karriere-
erwartungen
Immanenz/
Transzendenz
Glaube
recht/unrecht
Gesetze, Urteile
Verfassung
Eigentumsrechte
Universitäten
Zertifikate
Steuern
pol. Beratung
emergentes Phänomen aus drei Operationen:
Information
Mitteilung (Übermitteln von Sinn)
Verstehen der Information (Akzeptanz von Sinn)
besonderer Typ sinnbehafteter Unterscheidung
bildet die Grundeinheit sozialer Systeme
nur soziale Systeme reproduzieren sich über Kommunikation
außerhalb der Kommunikation ist ein System zu Ende und bekommt es mit der Umwelt zu tun
symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien steuern gesellschaftliche Kommunikationszusammenhänge
Bedeutung, die irgendetwas für BeobachterIn hat
für Luhmann der Grundbegriff der Soziologie
bezeichnet begrifflich keinen bestimmten, realen Sachverhalt
meint die Ordnungsform menschlichen Lebens, erfüllt also spezifische Funktion
Menschliches Erleben zeichnet sich durch überbordende Fülle an Optionen aus
dient als Anleitung, die notwendigen Selektionen zu strukturieren
Erleben und Handeln sind Selektionen durch Zuschreibung von Sinnkriterien
Nicht-Angeschlossenes bleibt diffus in der Welt als potentielle Möglichkeit für künftige Anschlüsse erhalten
Soziale Systeme produzieren fortlaufend Kommunikation aus Kommunikation in einem rekursiv-geschlossenen Prozess
Sinn ist verarbeitete Komplexität als fortlaufendes Unterscheiden aktuell vorgefundener Möglichkeitswerte,
immer selbstreferentiell und kontingent, da er immer zugleich auf das Gegenteil der ihm zugrunde liegenden Unterscheidung verweist
Soziale Systeme bestehen NICHT aus Menschen, sondern ausschließlich aus Kommunikation.
Begriff „Mensch“ für analytische Zwecke zu ungenau, da er verschiedene Systeme beinhaltet.
„Handlung“ reduziert Komplexität der Kommunikation auf Absichten und wird Umstand nicht gerecht, dass Reproduktion der Gesellschaft sich von den Absichten der Akteure verselbstständigt habe.
erbringen Leistungen, die kein anderes System erbringt
ordnen alles letztlich ihren Funktionserfordernissen unter
unterscheiden sich von ihrer Umwelt durch Kommunikationen, die sich letztlich alle auf eine eigene Letztunterscheidung, einen eigenen „binären Code“ beziehen
reproduzieren sich durch Fortführung von Kommunikation entlang des entsprechenden Codes Annahme der Codes wird über symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien unterstützt
Programme schließlich bestimmen, welche Kommunikation angenommen wird
beziehen sich aber auch auf andere Teilsysteme (z.B. Ausbildungsleistung des Erziehungssystems für die Wirtschaft)
wechselseitige Irritation der Systeme wird über strukturelle Kopplungen ermöglicht
Primat funktionaler Differenzierung
Menschen können nicht bestimmten Teilsystemen zugeordnet werden.
Es existiert kein übergeordnetes, machtvolles Zentrum.
Steuerungspessimismus
1.) segmentäre Differenzierung:
Dörfer, Stammesgesellschaften
wenig Arbeitsteilung
2.) Zentrum und Peripherie
Bildung weniger Schwerpunkte
Stadt – Land; Klöster – Bauern etc.
3.) stratifikatorische Differenzierung
Prinzip von Rang und Hierarchie
Mittelalterliche Ständeordnung
4.) funktional differenzierte Gesellschaft
Nebeneinander von Ungleichheit und ausdifferenzierten Teilsystemen
Systeme
Maschinen Organismen Soziale Systeme Psychische Systeme
Interaktion Organisation Gesellschaft
Kommunikation unter Anwesenden
Grenze wird durch die Differenz Anwesenheit/Abwesenheit gezogen
zentrale Operation ist die Entscheidung
verteilen klare Erwartungsrollen
trennen eindeutig zwischen Mitgliedern
und Nicht-Mitgliedern
umfassendstes soziales System
Grenze muss alles Soziale, alle sozialen Teilsysteme einschließen und alles Übrige der Umwelt zuordnen
Kommunikation
Sinn
Formen gesellschaftlicher
Differenzierung
Funktionssysteme
Bruch mit üblichem Denken
Diagnose moderner Gesellschaft
Ebene 1: Systemtheorie
Ebene 2: Theorie sozialer Systeme
Ebene 3: Differenzierungstheorie
Niklas Luhman - Differenzierungs- und Systemtheorie
„Autopoietische Systeme sind geschlossene Systeme insofern, als sie das, was sie als Einheit zu ihrer eigenen Reproduktion verwenden (also: ihre Elemente, ihre Prozesse, sich selbst) nicht aus ihrer Umwelt beziehen können. Sie sind gleichwohl offene Systeme insofern, als sie diese Selbstreproduktion nur in einer Umwelt, in Differenz zu einer Umwelt vollziehen können. Geschlossenheit und Offenheit kann nicht länger als Typenunterschied begriffen werden. Es handelt sich um ein Kombinationsverhältnis, um ein Steigerungsverhältnis, um ein kompensatorisches Resultat evolutionärer Morphogenese.“ (Luhmann 1984: 311)
autopietische Systeme
„Die Gesellschaft ist ein auopoietisches System auf der Basis sinnhafter Kommunikation. Sie besteht nur aus Kommunikationen, sie besteht aus allen Kommunikationen. Sie reproduziert Kommunikation durch Kommunikation. Was immer sich an Kommunikation ereignet, ist dadurch Vollzug und zugleich Reproduktion der Gesellschaft.“ (Luhmann 1984: 311)
„Wirtschaft gewinnt ihre Einheit als auopoietisches, sich selbst produzierendes und reproduzierendes System dadurch, daß sie eine eigene Typik von Elementen verwendet, die nur in der Wirtschaft vorkommen und nur in ihr […] Der ‚unit act‘ der Wirtschaft ist Zahlung. […] Würden keine Zahlungen mehr erfolgen, würde die Wirtschaft schlicht aufhören, als ausdifferenziertes System zu existieren.“ (Luhmann 1984: 312)
„Ein System von Wirtschaft, das bei Zahlungen als Grundoperationen des Systems ansetzt, kann alles, was sonst als Grundbegriff der Wirt-schaftstheorie fungiert – also etwa Produktion, Tausch, Verteilung, Kapital, Arbeit -, als derivaten Sachverhalt behandeln.“ (Luhmann 1984: 313)

„Das System kann aber so eingerichtet werden, daß indirekt auch der Zahlende selbst Zahlungsmöglichkeiten gewinnt. Dadurch wird die Auopoiesis des Systems ein reflexiver Prozeß. Sie richtet sich auf sich selbst. Man zahlt, um die eigenen Möglichkeiten des Zahlens wieder aufzufrischen und zu vermehren […].“ (Luhmann 1984: 314)
„Geld als ein symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium, das […] Operationen durch eine bestimmten Code steuert. […] Der Funkti-onsgesichtspunkt für dieses Theoriesegment ergibt sich daraus, daß jede Kommunikation zunächst eine offene Situation herstellt, in der Annahme und Ablehnung des Sinnvorschlags möglich sind. Medien verstärken die Wahrscheinlichkeit der Annahme auf für Situationen, in denen eher eine Ablehnung zu erwarten wäre. Sie steigern damit die Chance, daß überhaupt kommuniziert wird.“ (Luhmann 1984: 319)
Gesell. Funktionssystem
Code
symol. generalisiertes Kommunikationsmedium

strukturelle Kopplung
Literaurtipps
Reese-Schäfer, Walter, 2011:
Niklas Luhmann zur Einführung
München: Junius.
Kneer, Georg; Nassehi, Armin, 2000:
Niklas Luhmanns Theorie sozialer Systeme:
Eine Einführung.
Stuttgart: UTB.
Krause, Detlef, 2005:
Luhmann-Lexikon
Stuttgart: UTB.
Luhmann, Niklas, 2009:
Einführung in die Systemtheorie.
Heidelberg: Carl Auer.
Luhmann, Niklas, 2009:
Einführung in die Theorie der
Gesellschaft.
Heidelberg: Carl Auer.
Anthony Giddens Theorie der Strukturierung
Handeln
Akteure und ihre Handlungsweisen
werden als autonom betrachtet,
besitzen die Fähigkeit zur Reflexivität und Selbstreflexivität,
sind auf Routinen angewiesen,
vollziehen sich immer in Kopräsenz zu anderen (geht über face-to-face hinaus),
verfügen auch über praktisches Bewusstsein, dass sich diskursiv nicht erschließen lässt,
sind keine distinkten Einheiten, sondern kommen faktisch als Fluss vor (dureé), der höchstens nachträglich analytisch zerteilt werden kann.
„Die Handelnden oder Akteure – ich benutze beide Begriffe synonym – besitzen als integralen Aspekt dessen, was sie tun, die Fähigkeit, zu verstehen, was sie tun, während sie es tun“ (Giddens 1988: 36).
Struktur
Regeln (Techniken und Verfahren, die insbesondere im praktischen Bewusstsein zum Ausdruck kommen),
Ressourcen ((Hilfs)Mittel zur (Re)Produktion sozialer Gebilde),
institutionell geformt und daher dauerhaft,
zwingen Akteure zur Auseinandersetzung mit Gegebenem,
haben restringierenden und ermöglichenden Charakter,
sind Individuen nicht äußerlich, sondern werden erst im Handeln real.
„Struktur darf nicht mit Zwang gleichgesetzt werden; sie schränkt Handeln nicht nur ein, sondern ermöglicht es auch. Dennoch kann man sagen, daß die strukturellen Momente sozialer Systeme so weit in Raum und Zeit ausgreifen, daß sie sich der Kontrolle eines jeden individuellen Akteurs entziehen“ (Giddens 1988: 78)
Beispiel Sprache
„Da jede Sprache das Denken (und Handeln) einschränkt, insofern sie nämlich auf einer Reihe geformter, regelgeleiteter Muster aufbaut, zieht der Prozeß des Spracherwerbs dem Denken und Handeln gewisse Grenzen. Auf der anderen Seite freilich erweitert das Erlernen einer Sprache die kognitiven und praktischen Fähigkeiten eines Individuums ungemein“
(Giddens 1988: 224).
Überwindung des Dualismus
von Handlung und Struktur
Handeln und Struktur sind weniger ein faktischer Gegensatz, als viel-mehr zwei Dimensionen derselben Sache:
„Die Begriffe Struktur und Handeln bezeichnen so die allein analytisch unterschiedenen Momente der Wirklichkeit strukturierter Handlungssysteme. Strukturen selbst existieren gar nicht als eigenständige Phänomene räumlicher und zeitlicher Natur, sondern immer nur in Form von Handlungen oder Praktiken menschlicher Individuen. Struktur wird immer nur wirklich in den konkreten Vollzügen der handlungspraktischen Strukturierung sozialer Systeme, weshalb ich auch meinen Ansatz ‚Theorie der Strukturierung‘ genannt habe“ (Giddens 1988: 290).
Literaturtipps
Lamla, Jörg, 2003
Anthony Giddens.
Fankfurt/M.: Campus.
Kaesler, Dirk (Hg.), 2003:
Klassiker der Soziologie Band 2.
Von Talcott Parsons bis Anthony Giddens.
München: Beck.
Joas, Hans; Knöbl, Wolfgang, 2004:
Sozialtheorie: Zwanzig einführende Vorlesungen.
Frankfurt/M.: Suhrkamp.
Giddens, Anthony, 1988:
Die Konstitution der Gesellschaft.
Frankfurt/M.: Campus.
Verbindung zwischen sozialer Struktur und Praxis der Einzelnen, die ihnen nur eingeschränkt bewusst sind:
Verinnerlichung der gesellschaftlichen Strukturen
sozialisierte Körper
Kollektive Denk-, Wahrnehmungs- und Handlungsschemata
Praxisgenerator
Speicher der Geschichte
System von Grenzen
Reproduktionsmechanismus klassenspezifischer Strukturen
Kapitalsorten
Erweiterung des Marxschen Kapitalbegriffs:
ökonomisches Kapital
kulturelles Kapital
soziales Kapital
symbolisches/feldspezifisches Kapital.
Soziale Struktur

1. Raum objektiver sozialer Positionen
Klasse als Position im sozialen Raum abhängig von:
den Kapitalvolumina
dem Verhältnis der Kapitalsorten zueinander
der Wertigkeit der Kapitalarten im Zeitverlauf
also „die Struktur der Beziehungen zwischen allen relevanten Merkmalen“ (Bourdieu 1984: 182).
„Die zu einem bestimmten Zeitpunkt gegebene Verteilungsstruktur verschiedener Arten und Unterarten von Kapital entspricht der immanenten Struktur der gesellschaftlichen Welt, d.h. der Gesamtheit der ihr innewohnenden Zwänge, durch die das dauerhafte Funktionieren der gesellschaftlichen Wirklichkeit bestimmt und über die Erfolgschancen der Praxis entschieden wird“ (Bourdieu 1983: 183).
2. Raum der Lebensstile
Lebensstil
wird nicht frei gewählt
wird bestimmt durch Klassenzugehörigkeit.
Klassenzugehörigkeit drückt sich am deutlichsten über Lebensstile aus.

Aber: kein deterministischer Mechanismus


Logik der Praxis
Subjektives Agieren verläuft größtenteils präreflexiv und wird hervorgerufen durch verinnerlichte Erfahrungen in beinahe automatischer Reaktion auf die situativen Gegebenheiten.
Im Ergebnis führt dieser Praxissinn zu Verhalten, das zwar objektiv auf ein Ziel ausgerichtet zu sein scheint, dem aber nicht notwendigerweise ein bewusstes Kalkül bzw. ein expliziter Wahlakt zugrunde liegen muss (Bourdieu 2001: 176).
Der praktische Sinn produziert also durchaus (Handlungs-) Strategien – nur unterliegen diese keiner strategischen Absicht (vgl. Meier 2004).
„Die Konditionierungen, die mit einer bestimmten Klasse von Existenzbedingungen verknüpft sind, erzeugen die Habitusformen als Systeme dauerhafter und übertragbarer Dispositionen, als strukturierende Strukturen, die wie geschaffen sind, als strukturierende Strukturen zu fungieren, d.h. als Erzeugungs- und Ordnungsgrundlagen für Praktiken und Vorstellungen, die objektiv an ihr Ziel angepaßt sein können, ohne jedoch bewußtes Anstreben von Zwecken und ausdrückliche Beherrschung der zu deren Erreichung erforderlichen Operationen vorauszusetzen, die objektiv „geregelt“ und „regelmäßig“ sind, ohne irgendwie das Ergebnis der Einhaltung von Regeln zu sein, und genau deswegen kollektiv aufeinander abgestimmt sind, ohne aus dem ordnenden Handeln eines Dirigenten hervorgegangen zu sein“ (Bourdieu 1987: 98f, 1976: 165).
Soziale Praxis
Habitus
Pierre Bourdieus Sozialer Raum
reproduziert
bedingt
generiert
Programmatische Annahmen
„Menschen“ statt „der Mensch“
weder Individuum noch Gesellschaft als getrennte Objekte sind gegenstandsangemessen
Mensch kann nicht ohne andere Menschen sein
abstrakte Systeme können nicht ohne Menschen sein
Menschen sind weder vollkommen autonom, noch völlig abhängig von ihrem sozialen Kontext; beides ist interdependent. Menschen sind relativ autonom.

Begriff der Figuration
Beziehungsgeflechte von Menschen
wechselseitige Abhängigkeiten; Interdependenzketten
relationale Sichtweise
nicht einfach gleich „Gruppe“, sondern Modell für eine beziehungsgeleitete Sichtweise auf soziale Prozesse
„Das Zusammenleben von Menschen in Gesellschaften hat immer, selbst im Chaos, im Zerfall, in der allergrößten sozialen Unordnung eine ganz bestimmte Gestalt. Das ist es, was der Begriff der Figuration zum Ausdruck bringt.“ (Elias 2003: 90)
Universale Abhängigkeiten
(z.T. gebunden an Grad sozialer Differenzierung)

1.) Affektive Bindung
biologistisches/anthropologisches Argumentation
Streben nach sexueller, emotionaler, kognitiver etc. Befriedigung stets auf andere Menschen ausgerichtet
affektive Bindungen können auf Symbole übertragen werden
Mensch als Wesen mit vielen Valenzen
Valenz (Wertigkeit, Aufforderung; Planstellen für Bedürftigkeiten [D.H])
„Das kann man sich modellartig am besten vergegenwärtigen, wenn man sich jeden Menschen zu einer gegebenen Zeit al sein Wesen mit vielen Valenzen vorstellt, die sich auf andere Menschen richten, von denen einige in andere Menschen ihre feste Bindung und Verankerung gefunden haben, andere dagegen, frei und ungesättigt, auf der Suche nach Bindung und Verankerung in anderen Menschen sind.“ (Elias 1970: 147)

2.) Staatliche Bindungen
funktionalistische Argumentation
Zusammenschluss zum Schutz vor physischer Vernichtung
eigene Art der Interdependenz, die nicht auf andere reduziert werden kann

3.) Arbeitsteilung
funktionalistisch-differenzierungstheoretische Argumentation
Arbeitsteilung schafft spezifische Figurationen
Figurationen wiederum schaffen spezifische Interdepenzen
Entwicklung
statt Konzentration auf Statisches müsse Soziologie die gesellschaftliche Entwicklung in den Blick nehmen
soziale Tatsachen können nur aus ihrer Entwicklung heraus begriffen werden
(wenigstens drei Generationen sind zu berücksichtigen)
soziale Tatsachen als Prozesse interdependenter Figurationen

soziale Prozesse figurationshistorisch verstehen
Beharrungs- und Wandlungstendenzen wirken zusammen
Transintentionalität, Unüberschaubarkeit und Unkontrollierbarkeit
niemand allein kann sie steuern
gesellschaftliche Entwicklung als „Figurationsstrom“ (Treibel 2006: 203)
„Es handelt sich um einen zum Teil selbst regulierenden Wandel einer sich zum Teil selbst organisierenden und selbst reproduzierenden Figuration interdependenter Menschen in eine bestimmte Richtung.“ (Elias 1970: 161)
Trotz aller Unmöglichkeit zur bewussten Steuerung unterliegt sozialer Wandel, unterliegen soziale Prozesse einer ihnen eigentümlichen Logik.

Treibel, Anette, 2006:
Die Soziologie von Norbert Elias
Wiesbaden: VS-Verlag.
Literaturtip
Was macht Menschen aufeinander angewiesen


bzw. voneinander abhängig?
Was bewirkt diese Sichtweise?
Norbert Elias - Figurationen und Prozesse
Literaturtipps:
Barlösius, Eva, 2006:
Pierre Bourdieu.
Frankfurt/M.: Campus.
Schwingel, Markus, 2011:
Pierre Bourdieu zur Einführung. 7. Aufl.
Hamburg: Junius
Kaesler, Dirk (Hg.), 2000:
Klassiker der Soziologie. Band 1.
München: Beck.
Münch, Richard, 2003:
Soziologische Theorie. Band 1.
Frankfurt/M.: Campus.
Literaturtipps
Demirovic, Alex, 2003:
Modelle kritischer Gesellschaftstheorie. Traditionen und Perspektiven der kritischen Theorie.
Metzler.
Winter, Rainer und Peter Zima, 2007:
Kritische Theorie heute.
Bielefeld: Transcript.
Horkheimer, Max, 1992:
Traditionelle und kritische Theorie: Fünf Aufsätze.
Frankfurt/M.: Fischer.
Horkheimer, Max und Theodor W. Adorno, 1969:
Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente.
Frankfurt/M.: Fischer.
Honneth, Axel (Hg.), 2006:
Schlüsseltexte der Kritischen Theorie.
Wiesbaden: VS-Verlag.
Stahlhartes Gehäuse der Hörigkeit
Bürokratie, Kapitalismus

Makroperspektive
Arbeitsteilung, funktionale Differenzierung

Mikro- und Makro-
Anschlüsse

Anleihen bei Marx; u.a. Erweiterung des klassischen Kapitalbegriffs
gesellschaftstheoretische Perspektive
Überwindung der tradierten Dualismen
Großteil des sozialen Verhaltens unreflektiert
gegenseitige Rezeptionsschwäche
Betonung von Wechselwirkung und Interdependenz
Explizite Anleihen

programmatische Fortführung
deutliche Anleihen

"Kopräsenz" als Voraussetzung für Sozialität
Pareto-Optimum
Relationale Soziologie
Relationale Muster stehen im Fokus:
Positionen
Beziehungen
Beziehungsgeflechten
Netzwerkstrukturen
Netzwerkdynamiken
„Erst wenn relationale Konstellationen und Prozesse als Ausgangspunkt der Argumentation erhoben werden, kann von dem Paradigma der Relationalen Soziologie gesprochen werden.“ (Häußling 2010: 63)
Marx

Die Gesellschaft besteht nicht aus Individuen, sondern drückt die Summe der Beziehungen aus, worin diese Individuen zueinander stehen.
“ (Marx 1976: 188)
Kapital als „
durch Sachen vermitteltes gesellschaftliches Verhältnis zwischen Personen
“ (Marx 1962: 793).

Simmel
Wechselwirkung als Letztelement zur Erklärung sozialer Sachverhalte
Kreuzung sozialer Kreise: Gesellschaft und Individuum werden als Wechselwirkungen betrachtet und in solche dekomponiert

Elias
dauerhafte menschliche Zusammenschlüsse werden relational analysiert
Figurationen
Interdependenzgeflechte

Bourdieu
„Das Reale ist relational.“
(Bourdieu 1998: 17)
„Ein Feld besteht aus einem Ensemble objektiver historischer Relationen zwischen Positionen, die auf bestimmte Formen von Macht oder Kapital beruhen, während Habitus ein Ensemble historischer Relationen darstellt, die sich in Gestalt der geistigen und körperlichen Wahrneh-mungs-, Bewertungs- und Handlungsschemata in den individuellen Körpern niedergeschlagen haben“.
(Bourdieu/Wacquant 1996: 36f)

Emirbayer
Neuer Dualismus: substanzialistisch vs. relational
substanzialistisch
:
Rational Choice, Spieltheorie, Systemtheorie, normative und interaktionistische Ansätze, „Variablensoziologie“; inter-action
setzt bestimmte „Einheiten“ als erklärende Variablen, die unter ihren ureigenen, selbstgeschöpften Voraussetzungen, Prämissen, Präferenzen agieren
relational:
es werden keine aus sich bereits existierenden, isolierten Einheiten angenommen,
Einheiten erhalten ihre Bedeutung, Identität und Sinn erst durch ihre Stellung in sozialen Transaktionen, Prozessen und Netzwerken

White
Akteure werden erst in und durch Netzwerke konstituiert
Bedeutungszusammenhänge werden in Netzwerken gebildet und reproduziert
Soziale Strukturen lassen sich stets netzwerktypologisch auflösen und analysieren

Persons come into existence and are formed as overlaps among identities from distinct network-populations. […] Persons should be a construct from the middle of the analysis, not a given boundary condition.”
(White 1992: 196f)
„[…] denn unter dieser Bezeichnung versammeln sich seit einiger Zeit Versuche, empirische Gegebenheiten gleich welcher Art als Netzwerke von Relationen zu beschreiben (Emirbayer 1997, Wellman 1988). Insofern nimmt das Adjektiv ‚relational‘ nicht einfach, dass die Soziologie außer Handlungen, Akteuren, Normen, Rollen oder Institutionen nun auch Relationen beachten müsse. Vielmehr macht es darauf aufmerksam, dass prinzipiell keine soziale Einheit als selbstverständlich hingenommen werden kann und deshalb alle interessierenden Phänomene, also auch Handlungen, Akteure, Normen, Rollen oder Institutionen, als Effekte einer bestimmten Relationierung von Relationen begriffen werden müssen. Der primäre Fokus liegt dann nicht mehr auf Subjekten und Objekten oder auf Akteuren und Intentionen, sondern auf Relationen. Das verändert zwangsläufig unsere Sicht auf die soziale Welt […].“ (Karafillidis 2010: 69)
Zentrale Idee
Wichtige Vertreter
Literaturtipps
Holzer, Boris, 2006:
Netzwerke.
Bielefeld: Transript.
Jansen, Dorothea, 2006:
Einführung in die Netzwerkanalyse.
Wiesbaden: VS-Verlag.
Stegbauer, Christian und Roger Häußling (Hg.), 2010:
Handbuch Netzwerkforschung.
Wiesbaden: VS-Verlag
(http://www.soziologie.rwth-aachen.de/aw/cms/website/zielgruppen/techniksoziologie/mitarbeiter/mitarbeiter_tech_soz/Ablagestruktur/~tes/roger_haeussling/?lang=de)
Fuhse, Jan und Sophie Mützel (Hg.), 2010:
Relationale Soziologie. Zur kulturellen Wende der Netzwerkforschung.
Wiesbaden: VS-Verlag.
White, Harrison, 2008:
Identity and Control. How Social Formations Emerge.
Princeton: Princeton University Press.
Das Reale ist relational.
Das Soziale beruht auf Wechselwirkungen.
Figurationen und Interdependenzen
Full transcript