Loading presentation...

Present Remotely

Send the link below via email or IM

Copy

Present to your audience

Start remote presentation

  • Invited audience members will follow you as you navigate and present
  • People invited to a presentation do not need a Prezi account
  • This link expires 10 minutes after you close the presentation
  • A maximum of 30 users can follow your presentation
  • Learn more about this feature in our knowledge base article

Do you really want to delete this prezi?

Neither you, nor the coeditors you shared it with will be able to recover it again.

DeleteCancel

Make your likes visible on Facebook?

Connect your Facebook account to Prezi and let your likes appear on your timeline.
You can change this under Settings & Account at any time.

No, thanks

unkenntlicher name

No description
by

on 21 October 2012

Comments (0)

Please log in to add your comment.

Report abuse

Transcript of unkenntlicher name

Ratschläge- und Meinungssammlung für fast alle Aspekte der ersten Monate Mein Baby Stillen Schreien Körper-pflege Schlafen Stuhlgang Blähungen Tragen Tages-rhythmus Wickeln ? Gewicht Urin Trink-dauer Hunger Sättigungs-gefühl Menge Warum? Menge Zeiten Pucken Schreien lassen? Nuckel Beruhigen Wo&Wie? Einschlaf-hilfen Rituale Kinderwagen Blockaden Durchschlafen Nägel Haare Haut Baden Probleme In den ersten Tagen In den ersten Wochen Spucken Warum? Wann? Wie? Menge Häufigkeit Aussehen Warum? Linderung Ernährung d. Mutter Wann? Wie? Quellen Vor dem Stillen? Pro: Baby wird nicht mit vollem Magen "Rumgewürscht" -> Spuckt weniger MIlch; Sehr Schwache oder Schläfrige Neugeborene werden wach genug um zu trinken
Contra: Wickeln muss oft schnell gehen, weil Baby Hunger bekommt und Schreit; Baby hat oft während oder nach dem Stillen Stuhlgang und müsste dann wieder gewickelt werden Zwischen dem Stillen = nach 1. Brust ? Pro: Fast alle Neugeborenen Schlafen beim Trinken ein, durch das Wickeln werden sie wach, sind aber meist zufrieden genug um es zu ertragen oder später sogar gut zu finden; wenn das Baby den Spass am Nackig-Sein entdeckt hat, lässt es sich nach der Tortur des Wiederanziehens vielleicht von der zweiten Brust beruhigen
Contra: es gibt Babys bzw. Phasen, in denen Babys z.B. immer 15 min nach der Mahlzeit in die Windel machen, dann bringt das Wickeln zwischen durch nicht mehr viel; es kann sein, dass das Baby viel Milch spuckt, wenn es einen relativ schwachen Magenschliessmuskel hat
EMPFEHLUNG: DIESE METHODE IN DEN ERSTEN WOCHEN ANWENDEN, DAMIT BABY GENUG TRINKT UND MILCHPRODUKTION ANGEREGT WIRD Nach dem Stillen? Pro: Babys haben oft während oder nach dem Trinken Stuhlgang, wenn man sie danach direkt sauber macht, werden sie weniger schnell wund bzw. hat die Windel geringere Chancen Auszulaufen; Babys sind nach dem Trinken oft entspannt, z.T. auch Aufnahmefähig und Interessiert, sodass das Wickeln die aktive Phase vor dem Nächsten Schlafen sein oder einleiten kann Bzw. zumindest keine Tortur ist
Contra: Babys, die sehr schwer einschlafen können, ausser an der Brust, werden durch das Wickeln wieder geweckt; es kann sein, dass das Baby viel Milch spuckt, wenn es einen relativ schwachen Magenschliessmuskel hat
EMPFEHLUNG: DIESE METHODE SPÄTER ANWENDEN, DAMIT BABY SCHLÄFT BZW. UM DAS TRINKEN NICHT ZU UNTERBRECHEN - NOCH SPÄTER SOWIESO WICKELN NACH BEDARF Und nachts? Meiner Meinung nach sollte man am Anfang auch Nachts wickeln (mit weniger Licht und ohne "Spiel"/Reden), damit sich das Baby nicht wund liegt. Mit der Zeit hört/riecht/weiss man, wann und ob das Baby viel oder wenig pullert bzw. käckert. Achtung: Das ändert sich auch immer mal wieder. Also auf jeden Fall immer mal prüfen, ob die Windeln evtl. ausgelaufen ist und das Baby evtl. deswegen nicht wieder einschlafen will, weil es friert etc.
Wenn man aber Nachts auf das Wickeln Verzichten kann, Schlafen Mutter und Kind meist nach/bei dem Stillen schneller wieder ein und das Baby merkt besser, dass Nacht eine wirklich inaktive Phase ist. Unserer Erfahrung nach wird die Windeln in den Frühen Morgen- und Vormittagsstunden sehr voll. Man sollte sich also irgendwann doch zum Aufstehen bemühen. mehr dazu auch bei Einschlafhilfen Schlafritual von mit meiner FA befreundeter Hebamme:
Kind 10-15 min weinen lassen (in den Schlaf weinen ist ein normales Verhalten!)
Kind nicht hochnehmen
nach 15 min ganz ruhig nochmals hochnehmen
an die 2. Brust ganz kurs anlegen (Kompott)
Oder
Kind im Liegen einen Schluck abgekochtes Wasser geben oder Kinderberuhigungstee
Oder
Schnuller geben
Oder
dem Vater auf den Bauch legen
Oder
leicht über Köpfchen streicheln (über Fontanelle, Vagus-reiz (?) beruhigt das Kind)
Oder
Kind auf Schoß nehmen mit Rücken am eigenen Bauch und mit den Armen festhalten, ganz ruhig sitzen, Kind nicht ansehen meine Kommentare dazu
10 bis 15 min sind total lange und wenn man anderswo liest, dass Kinder kein Zeitgefühl haben und schon 5 min Schreien absoluter Stress ist, dann hält man die 15 min kaum aus, ich habe oft selbst geweint, da wir das nämlich ausprobieren mussten
es scheint wohl so, dass einige Kinder vor dem Schlafen wirklich immer weinen, um Spannungen abzubauen oder so, aber "Schreien lassen" ist meiner Meinung nach trotzdem falsch
ok, man sollte das Kind vielleicht nicht dauernd hochnehmen, weil es sonst nicht zur Ruhe kommen kann, aber man kann "da sein" (Hand auflegen, SCH-machen, etc.)
man sollte anhand des Weinens abschätzen können (wenn man sein Kind etwas kennen gelernt hat), ob das Weinen schwächer wird, dazwischen schon schläfrige Momente sind, oder ob es sich erst so richtig einschreit (dann erst recht keine 15 min warten)
Kompottbrust hat bei Tim eine Zeit lang vormittags funktioniert, da ist er ca 1h nach dem Frühstücksstillen nach 3 Zügen an der Brust eingeschlafen
Tee oder Wasser mochte Tim nie, wir haben es aber nie zum Beruhigen eingesetzt und auch nicht im Liegen, aber generell sagt man ja, dass man nichts außer MuMi geben soll, weil das den Magen unnötig füllt ohne Kalorien zu geben (gut, ein Schluck ist evtl. was anderes...)
über Fontanelle streicheln hatte bei Tim keinerlei Effekt, zeitweilig hat das Streicheln über die Stirn zur Nase geholfen, seine Augen zu schließen und ihn zu beruhigen, so lange bis er sehr aufmerksam war und dann lieber die Hand verfolgt hat und danach gegriffen (insgesamt brauchte man bei dieser Methode viel Geduld, manchmal kam der Schlaf erst nach 10 oder mehr min streicheln)
viele Kinder beruhigen sich auf dem Bauch (evtl. auch ganz nackt auf nackter Haut) - hat bei Tim aber nur ganz zu Anfang geklappt und eingeschlafen ist er dabei auch selten (maximal bei Papa)
das Festhalten hat in verschiedener Form einen beruhigenden Effekt gehabt, aber dieses auf den Schoß nehmen, hat nie dazu geführt, dass Tim wirklich aufgehört hat zu weinen "Schreien ist eine normale Lebensäusserung! - Kann niemals abgestellt werden!"

"Alle Babys schreien"

"Ein Baby kann sich nicht anders äussern als zu schreien" Diese und ähnliche Aussagen habe ich in den ersten Wochen dauernd zu hören bekommen, aber:

1. ja, schreien ist "normal", aber es ist auch normal, dass man etwas dagegen tun will - das ist der Sinn des Schreiens! denn

2. Babys schreien niemals ohne Grund - man muss halt einschätzen, was der Grund sein könnte (wenn es z.b. nicht gewickelt werden will, weiss man, dass dieser Missstand in Kürze behoben ist und kann evtl. ein kurzes Schimpfen ohne Aufregung hinnehmen)

3. Babys können eine ganze Menge anderer Laute machen. Die Art des Schreiens verändert sich, differenziert sich immer mehr, und immer neu, mit wachsender Lunge, mit wachsender Wahrnehmung und wachsendem Gefühlsreichtum. Und Babys können sich auch positiv mitteilen - also ist nicht nur: still/apathisch oder schreiend.

4. Babys in naturnahen Völkern schreien angeblich kaum, was unterschiedliche Theorien zur Ursache des Schreiens hervorruft, wie z.B. man muss das Kind IMMER in seiner Nähe haben, denn Schreien ist ein Distanzschrei oder man muss das Baby vor den vielen Reizen schützen, denn wenn man es überall mit hinnimmt, prasselt soviel auf es ein und es muss die Spannungen durch Schreien abbauen Ein Beispiel für Hilfsangebote: Hoppediz-Trageanleitung
Kaleb-Dresden Info-Blatt
Merkblätter Kinderunfälle hrsg. vom Verband der Ersatzkassen
www.pucktuch.de
www.ferbern.de
www.stillpraxis.de
"das baby" von BZGA Augen Für mich sehr sinnvolle Tipps, die ich leider erst in der 3. Woche bekam: haben wir denn immer genau 4 h Abstand zwischen den Mahlzeiten?! ja, warum wird es als Hunger gedeutet, weil in jedem Ratgeber diese Frage zuerst steht, wenn es um ein schreiendes Baby geht und jeder Außenstehende vermutet, dass das Baby Hunger hat, wenn es schreit... dazu gibt es auch genau gegenteilige Meinungen a la: Stillkinder können nicht dick werden, MuMi ist so leicht verdaulich, dass man damit nie überlastet werden kann, Naturvölker stillen ganz häufig, mehr kleine Mahlzeiten sind besser als wenige große etc etc jap so ist es anderswo liest man das genaue Gegenteil: Kinder sind immer viel zu warm eingepackt und man sollte NIEMALS ein Fell oder Kissen benutzen hier wird also für Blähungen hauptsächlich die psychologische Seite angeführt was meiner Erfahrung nach daran liegt, dass man überall liest, was für ein ernormer Stress schon 5 min Schreien für ein Baby bedeuten und dass es Naturvölkermamas hinkriegen, dass die Kinder so gut wie gar nicht schreien und es hilft doch, das Kind herumzutragen, denn wenn Ablenkung zu Schlaf führt ist es gut und wenn Druck auf den Bauch hilft, auch. Und eine Physiotherapeutin bei der Babymassage meinte, dass man durch die eigene Bewegung ja die Bewegung des Darmes beim Kind stimuliert unbekannte Quelle das kommt halt total aufs Kind an, das eine kann vielleicht gerade wenn es bei Mama getragen wird, abschalten und all diese Reize ausblenden. Ein anderes braucht wirklich die Abschottung um zur Ruhe zu kommen. Aber ingesamt stimme ich zu, dass unsere Gesellschaft Kinder jeden Alters zunehmend unruhig macht. ja auch Tim hat sich immer tagelang richtig ausgeschlafen, am Anfang als Birgit da war und Ruhe reingebracht hat und dann als wir herausfanden, was er zum Schlafen braucht - jeweils vorher hatte er ein riesiges Schlafdefizit angehäuft von Elisabeth Kurth, Stillpraxis.de:
3. Wenn das Baby nach dem Stillen schreit, ist es gewiss nicht satt geworden.

Das könnte, aber muss nicht sein. Viele Babys wollen am liebsten den ganzen Tag an der Brust liegen und beschweren sich beim Ablegen.
4. Wenn das Baby beim Stillen schreit, mag es die Milch nicht.

Manche Babys müssen während der Stillmahlzeit aufstoßen, wollen aber die Brust nicht loslassen. Das gibt einen Konflikt, den diese Kinder mit Schreien ausdrücken. Andere können während des Verdauens nicht trinken, grrr…
5. Wenn das Baby Hunger hat, aber an der Brust schreit, statt zu trinken, lehnt es die Mutter ab.

Die Brust ist der allerbeste Platz für ein Kind, vom ganzen Jammer zu erzählen, der ihm in seinem Leben (9 Monate + Geburt +Lebenszeit bis jetzt) schon passiert ist. Wenn das verstanden und ausgehalten wird, trinkt das Kind. In seltenen Fällen riecht die Mutter oder die Milch anders, oder im Moment gibt es Stress, oder das Kind hat eine Saugverwirrung.
6. Manche Kinder brauchen einfach die Brusthütchen.

Wenn o.g. nicht ausgehalten wird, sondern eine schnelle Symptombeseitigung z.B. durch Brusthütchen geschieht, wird das Kind „zugestöpselt, mundtot gemacht“ und muss trinken, statt sich mitzuteilen. Brusthütchen bewirken aber häufig Saugverwirrung und auf Dauer viel zu oft mangelnde Gewichtszunahme beim Kind.
7. Mit Hohl- oder Flachwarzen kann nicht gestillt werden.

Wenn das wahr wäre, gäbe es diese Brustwarzenformen nicht mehr. Babys können auch an solchen Brüsten trinken, und am besten, wenn sie gar nichts anderes kennen. Kompetente Hilfe beim 1. Anlegen ist sinnvoll.
8. Ganz große Brüste sind „Fleischbrüste“ und zum Stillen ungeeignet.

Auch große Brüste können wunderbar stillen. Beim Finden der besten Stillposition tut der Frau aber Hilfe gut. Es gibt auch eine spezielle Bindegewebs-Massage.
9. Wenn die Brust nach einigen Wochen nicht mehr so prall ist, ist die Milch zurückgegangen.

In den ersten Tagen kann die Brust prall sein von viel Durchblutung und Lymphflüssigkeit, auch ist noch viel Fettgewebe da. Die Brust wird aber umgebaut, Fettgewebe verschwindet, Drüsengewebe bildet sich immer mehr, Blut und Lymphe normalisieren sich. Die Brust ist nach einigen Wochen weich und „pappig“ und trotzdem kann viel mehr Milch als am Anfang drin sein.
10. Wenn die Milch plötzlich weg ist, oder wenn sie mal zurückgegangen ist, z.B. weil das Kind weniger getrunken hat, ist sie unwiderruflich weg.

Die Milch geht nicht „plötzlich“ weg, sie kommt aber unter Stress etc. nicht aus der Brust heraus. (Ausnahme schwerste Erkrankung der Mutter). Entspannung und Wärme tun Wunder. Aber selbst wenn die Milch wirklich zu wenig (geworden) ist, wird sie in wenigen Tagen wieder (viel) mehr werden, wenn die Nachfrage entsprechend groß ist. Eben durch viel Stillen, von Hand Entleeren oder (zusätzlich) Pumpen. Innerhalb von 4 Wochen nach letztem Stillen ist auch komplette Relaktation relativ leicht.
11. Wenn die Milch nicht reicht, muss mit dem nächsten Stillen länger gewartet werden, dann ist mehr Milch in der Brust.

Fatal richtig-falsch. Sicher ist etwas mehr Milch in der Brust, wenn die Mahlzeit hinausgezögert wird; aber in der Folge wird noch weniger Milch produziert, und so fort. Die (kleine) Menge Milch muss so oft wie möglich raus, denn eine (fast) leere Brust und viel Stimulation ist ein starkes Signal für Ankurbelung der Milchbildung.
12. Wenn die Milch nicht mehr reicht, muss zugefüttert werden (auch wenn das Baby unter 6 Monaten alt ist).

Die Milch reicht periodisch immer mal nicht aus, weil der Bedarf des Kindes stetig oder schubweise ansteigt. Durch dann häufigeres und längeres Stillen steigt auch die Milchmenge. Bei Zufütterung nicht. Größere Babys bekommen natürlich Beikost. Es muss aber kein Brei sein. Viele Kinder wechseln von der Brust direkt an den Familientisch (und zurück).
13. Abends schreit das Kind so viel, weil die Muttermilch nicht reicht.

Abends sind die Kinder in unserer Kultur generell unruhiger, Gründe dafür gibt es viele. Dann hilft die Brust aber zum Trösten und Beruhigen besonders gut. Außerdem teilt das Kind mit seinem abendlich verstärktem Stillen der Brust seinen Bedarf für den nächsten Tag mit.
14. Das Baby braucht nachts ewig lang zum Bäuerchen.

Babys brauchen oft nachts gar kein Bäuerchen machen, weil sie viel ruhiger trinken. Wenn doch ein Bäuerchen nötig wird (man merkt es an der Unruhe des Kindes) und die Mutter zu müde zum Aufstehen ist, (der Vater auch), legt sie sich das Kind auf ihren Bauch. Spuckwindel nicht vergessen. Schwere Kinder knien an Mutters Bauch.
25. Viele Mütter stillen so lange, weil sie psychische Probleme haben und sich nicht vom Kind lösen können.

Ist extrem selten wirklich so. Unsere Kultur guckt schon komisch, wenn ein 12-Monate-Kind noch gestillt wird. Dabei zeigt die vergleichende Forschung sowie wird von der WHO empfohlen, dass es gut ist, 2-3 Jahre lang (mit Beikost) zu stillen. Stillen länger als 12 Monate ist einfach richtig, sehr gesund und emotional schön für Mutter und Kind. Solange es beiden Spaß macht, ist es richtig. Reinreden gehört sich nicht.
26. Stillende Mütter dürfen nichts Blähendes essen.

Dann wäre die Menschheit längst ausgestorben. Stillende dürfen alles essen, worauf sie Appetit haben, und was das Kind schon aus dem Mutterleib kennt. Türkische Babys z.B. würden die Milch ohne Knoblauchgeschmack gar nicht mögen. Was die Mutter selbst sehr bläht, davon isst sie sowieso nicht gern. Etwas Vorsicht ist angeraten bei Nahrung, die nicht gewöhnt ist und deutlich anders schmeckt, wie z.B. Spargel, Fenchelknollen, Hustenbonbons oder Pfefferkuchen. So etwas bitte langsam einführen. Vielen Kindern ist es aber völlig egal.
27. Stillende sollen keine Zitrusfrüchte essen sonst wird das Kind wund.

Stimmt nur selten. Ausprobieren! Die meisten Kinder vertragen die Apfelsinen etc. problemlos.
28. Wenn die Milch nicht reicht, soll die Mutter ganz viel trinken.

Das kann auch zuviel des Guten sein. Wenn wirklich viel zu viel Flüssigkeit im Körper ist, tickt das Hormon aus, welches den Wasserhaushalt im Körper regelt. Dieses Hormon ist aber an das Oxytocin gekoppelt, das fließt dann nicht mehr richtig, und damit kommt der Milchfluss nicht zu Stande. Abhilfe: 2-3 Stunden nichts trinken. Stillende sollen gut nach Durst trinken, aber (außer bei viel Durst oder viel Schwitzen) auch nicht mehr als 2-3 Liter /Tag.
29. Manchmal ist die Muttermilch zu dünn, so dass das Kind nicht gedeihen kann. Sie sollte untersucht werden.

MuMi ist (außer bei stark mangelernährten, hungernden, schwer kranken oder vergifteten Müttern) immer vollwertig und ausgewogen zusammengesetzt. Wenn das Kind nicht gut gedeiht, ist es entweder krank oder bekommt zu wenig Milch. Häufiger Stillen hilft fast immer!
30. Manche Kinder trinken nur die Vormilch= fettarme Milch.

Das kann nur zutreffen, wenn die Mutter regelmäßig erst das Kind anlegt und danach abpumpt und diese Milch dem Kind nicht gibt. Ansonsten richtet sich die Milchbildung nach wenigen Tagen auf eine evtl. geringere Menge ein, das Kind bekommt wieder das volle (Fett)-Spektrum.
31. In der Muttermilch sind Schadstoffe, deshalb sollte das Kind nicht so lange gestillt werden.

Eine gute Nachricht: Der Schadstoffgehalt der MuMi ist derart rückläufig, dass (außer bei extrem belasteten Frauen) uneingeschränktes Stillen empfohlen werden kann und die Vorteile die Nachteile weit übertreffen. Außerdem gehen die meisten Schadstoffe schon in der Schwangerschaft und mit dem Kolostrum zum Kind. Biologisch saubere Nahrung ab Schwangerschafts-Wunsch ist aber sehr zu empfehlen, Diäten bei Stillenden nur mit Vorsicht zu machen, und das Gewicht der Mutter sollte nicht viel unter das Gewicht von vor der Schwangerschaft fallen.
32. Wenn die Mutter Medikamente/ ein Antibiotikum nehmen muss, darf sie nicht stillen.

Das trifft nur bei einigen Mitteln zu, und meist lässt sich ein stillverträgliches Medikament finden. Im Zweifelsfall kann auf der homepage der Beratungsstelle für Embryonaltoxikologie in Berlin, www.embryotox.de, nachgesehen werden.
33. Wenn die Mutter krank ist, z.B. einen Infekt hat, steckt sie beim Stillen das Kind an.

Wenn der Infekt bei der Mutter spürbar wird, hat sich das Kind meist längst angesteckt. Über die Muttermilch bekommt es aber maßgeschneiderte Abwehrstoffe gegen genau die Keime, die die Mutter hat. Bei wenigen Krankheiten oder wenn die Mutter ganz schwer krank ist, ist Stillen (vorübergehend) nicht möglich.
34. Wenn die Brust entzündet ist, (Mastitis), muss abgestillt werden.

Das wäre ein grober Fehler. Eine entzündete Brust muss ganz oft gestillt/geleert werden, dann verläuft die Mastitis leichter. Selbst nach einer Abszess-Eröffnung kann weiter gestillt werden, wenn der Schnitt weit genug von der Mamille entfernt ist und die Frau es will.
35. a. Brustwarzen sollen in der Schwangerschaft abgehärtet werden (Bürsten, Rubbeln, Kneten).

35. a. Ist nicht nötig und wird wegen Frühgeburtsgefahr nicht mehr empfohlen.
35.b. Zu lange Stillmahlzeiten machen die Brustwarzen wund.

35. b. Brustwarzen haben erektiles Gewebe und sind dafür gedacht, stundenlang tief im Mund des Kindes zu sein. Davon werden sie nicht wund, wohl aber, wenn die Brustwarze schief oder nicht tief genug im Babymund steckt oder wenn eine Pilzinfektion oder eine andere Hauterkrankung im Spiel sind. Es gibt KEINE Zeitbeschränkung für´s Stillen, weder wie oft, noch wie lang gestillt werden soll, vom 1. Tag an! Aber bitte richtig!
36. Wunde Brustwarzen (BW) werden nach dem Stillen mit dem Fön getrocknet.

Wird nicht mehr empfohlen, weil die warme Luft zu sehr austrocknet. Besser die BW an der Luft trocknen lassen, vorher etwas Wollfett oder Muttermilch darauf verteilen. Überhaupt: viel Luft ranlassen ist hilfreich. BW mit offenen Stellen werden nicht getrocknet, sondern feucht geheilt (Aloe-Kompressen, gutes Wollfett).
37. Stillen ist anstrengend für die Mutter. Stillen zehrt an den Kräften.

Stillen sollte neben dem Schlafen die erholsamste Sache beim Mutter-Sein sein. Wenn das nicht so ist auch nach den ersten Tagen noch sollte etwas verändert werden, am besten mit Hilfe einer erfahrenen Still-Frau. Viele Frauen haben keine gemütliche Stillposition. Wenn das Stillen aber wirklich an der Mutterkraft zehrt, sollte die Frau ihre Essensmenge und qualität anschauen und vom Arzt ihre Blutwerte überprüfen lassen. Evtl. fehlt Eisen, oder die Schilddrüse arbeitet nicht richtig, oder etwas Anderes stimmt nicht. Z.B. zehren Depressionen sehr an den Kräften, und es wird zu Unrecht aufs Stillen geschoben. Nach dem Abstillen könnte alles noch viel schlimmer sein, weil dann entspannende Hormone in geringerer Menge da sind (Prolaktin und Oxytocin).
38. Babys dürfen beim Stillen nicht an der Brust einschlafen, denn dann wollen sie das immer so haben.

Gehört auch mit in die veraltete Verwöhntheorie. Der beste Platz zum Einschlafen ist nun mal die Brust, denn da ist das Kind satt, sicher und warm. Außerdem sind Stoffe in der Milch, die müde machen. „In-den-Schlaf-Stillen“ ist genau so lange richtig, wie es die Mutter gern macht. Wenn sie es irgendwann WIRKLICH nicht mehr möchte, teilt sie es dem Kind mit und muss dann evtl. Protest und Trauer des Kindes liebevoll aushalten.
39. Stillen ist für das (frühgeborene) Kind anstrengender als Flasche-Trinken.

Stimmt nicht. Wenn die Milch gut fließt, ist Stillen sogar viel leichter als Flasche trinken. Es werden aber viel mehr Gesichtsmuskeln dabei bewegt als beim Flaschetrinken, was gut für die mundmotorische Entwicklung ist.
40. Durch Stillen bekommt die Frau Haarausfall.

Falsch! Das geht Flaschenmüttern ganz genau so. Durch die Schwangerschaft sind nämlich viel weniger Haare als normal ausgefallen; diese fallen jetzt neben denen, die sowieso raus müssen, auch mit aus.
41. Durch Stillen wird die Brustform verdorben (Hängebrust).

Die Brustform ist genetisch bedingt. Weniger das Stillen als vielmehr die Schwangerschaft verändern die Brust. Wer seine Brustform behalten will, sollte nicht schwanger und auch nicht alt werden. Ob ein BH hilft, ist fraglich. Optisch auf jeden Fall.
42. Fencheltee ist gut für Mütter und Kinder.

Fenchel fördert stark die Verdauung und ist für sensible Kinder zu aggressiv im Darm, führt in Einzelfällen sogar zu (harmlosen) Darmblutungen, auch wenn die Mutter ihn trinkt. Viele Kinder vertragen es aber. Wasser ist harmloser.
43. a. Wenn es sehr heiß ist, brauchen Kinder Tee.

Stillen allein reicht aus, bei Hitze evtl. noch öfter anlegen. In der Wüste bekommen die Kinder auch nichts anderes.
43. b. Wenn ein Kind einen Magen-Darm-Infekt hat, darf es nicht mehr gestillt werden.

Kuhmilch wäre wirklich nicht gut, aber Muttermilch ist die beste Heilnahrung bei Durchfall; sie kann auf ärztliche Anordnung mit Mineralstoffen ergänzt werden; kleine Stillmengen sind besser als große, wegen des Erbrechens; aber es geht auch immer etwas in die richtige Richtung (in den Darm).
44. Zymafluor ist gut für alle Kinder.

Einige Kinder vertragen den Fluor-Anteil nicht und bekommen wirklich Bauchweh. Es lohnt sich ein Auslassversuch: 2 Wochen nicht geben, dann wieder: Wenn die Beschwerden danach deutlich stärker werden, die Kinderärztin um Vigantoletten (Vit. D ohne Fluor) bitten. Elisabeth Kurth, Stillpraxis.de:
15. Babys schreien, weil sie die Eltern tyrannisieren wollen.

Stimmt nie! Ein schreiendes Kind hat immer einen Grund, und sein Schreien sollte schnell und mit der richtigen Aktion beantwortet werden. Ein Kind beim Schreien allein zu lassen kann re-traumatisieren oder zur Resignation des Kindes führen, also richtig schaden.
16. Schreien stärkt die Lungen.

Bösartiger Schwachsinn. Erfunden zur Selbstberuhigung und Rechtfertigung sadistischen Verhaltens.
17. Viele Kinder schreien so viel, weil sie die so genannten „3-Monats-Koliken“ haben.

Konnte von der Wissenschaft gar nicht bestätigt werden. Die meisten Kinder in unserer Kultur schreien deshalb so viel, weil sie nicht „artgerecht“ behandelt werden. Sie haben zu viel Körperspannung, also einen übermäßig sympathikotonen Zustand, und das Schreien führt (oft) zur Entlastung. Allerdings nur, wenn es im Körperkontakt mit einem liebevollen und entspannten Menschen geschieht. Tragen oder Babymassage oder Trauma-Therapie (z.B. Schreikindersprechstunde) sind aber besser.
18. Die so genannten „3-Monats-Koliken“ vergehen nach 3 Monaten von selber.

Mit 3 Monaten machen Kinder einen Entwicklungssprung, sie können sich besser orientieren und vertragen die Behandlung besser. Aber nicht alle Schreikinder hören nach 3 Monaten damit auf! Deshalb ist eine Beratung z.B. in einer Schreibaby-Ambulanz schon vorher anzuraten, um Fehler abzustellen, dem Kind zu helfen bzw. den Eltern das „Überstehen“ zu erleichtern. 19. Babys sollten nachts bald durchschlafen und keine Mahlzeit mehr brauchen.

Babys sind von der Natur aus für Nachtstillen „gedacht“; denn nur nachts hatte die „Ur“-Mutter viel Zeit zum Stillen. Nachts ist auch das Prolaktin viel höher als am Tag, und das Oxytocin fließt besser. Aber Nacht-Stillen passt nicht in unsere Kultur, und deshalb gewöhnen wir es den Kindern ab. Kinder gewöhnen sich an viel, aber nicht alle gleich schnell.
20. Babys dürfen nicht verwöhnt werden.

Menschenbabys sind allesamt „Frühchen“ und müssten noch mind. 9 Monate länger im Mutterleib bleiben. Deshalb können sie im ersten Jahr mit Liebe, Nahrung, Bewegung und Nähe kaum genug versorgt werden.
21. Babys müssen von Anfang an das Alleinsein lernen und zur Selbstständigkeit erzogen werden,sonst lernen sie es nie.

Das ist eine grobe Überforderung des kindlichen Stress-Systems. Babys haben aus biologischen Gründen Angst beim Alleinsein. Sie wissen nicht, dass Kinderzimmerwände und türen sicher sind. Sie brauchen menschliche Nähe, um sich sicher zu fühlen. Kinder, die mit Nähe „satt“ geworden sind, werden sehr bald und sehr gründlich selbstständig und sicher, sind wach, aufmerksam, intelligent und sozial hoch kompetent.
22. Babys dürfen nicht mit im Elternbett schlafen, denn dann könnten sie im Schlaf erdrückt oder von der Elterndecke überdeckt werden.

Gilt nur im Wasserbett, bei Raucher-Eltern, bei Eltern, die unter Alkohol oder Drogen stehen oder ganz schwer krank oder erschöpft sind.

Gesunde Eltern haben den „Ammenschlaf“ und wachen sogar auf, wenn das Kind eine Atempause macht. Kinder zeigen es mit Bewegungen und Geräuschen an, bevor es für sie gefährlich wird, z.B. wenn es ihnen zu warm oder zu kalt ist oder wenn die Luft schlecht wird, sie also zu wenig Sauerstoff bekommen. Wichtige Regel dabei: Ein Elternteil muss in Hörweite bleiben, wenn das Kind allein im Elternbett liegt oder alle Kissen und Decken weit genug entfernen. Das Elternbett ist aber eigentlich nur richtig sicher, wenn ein Elternteil mit drin liegt.
23. Kinder sollen nicht im Elternbett schlafen, weil sie da nie wieder raus wollen.

Nur Kinder, die sich den Zugang ins Elternbett hart erkämpfen mussten, auch von Anfang an nicht hatten, wollen nicht (gern) wieder raus. Wer es vom 1. Tag an hatte, also „satt“ ist von nächtlicher liebevoller Nähe, zieht viel eher aus.
24. Kinder schlafen deshalb im Elternbett, weil die Eltern Partnerprobleme haben und die Mutter keine Lust auf Sex hat.

Frischgebackene Mütter haben wirklich viel weniger Lust auf Sex, als den meisten Vätern lieb ist. Partnerprobleme sind auch eher die Regel als die Ausnahme. Paare brauchen aber die Aussprache über ihre Bedürfnisse und auf jeden Fall einen anderen Raum, in dem Sex ungestört möglich ist. Ansonsten gute Paar-Therapie. 45. Ein Baby muss immer ganz warm gehalten werden.

Ist nur in den ersten Tagen bzw. bei untergewichtigen Kindern anzuraten. Kinder stellen ihren inneren Temperaturregler nach der Umgebungstemperatur ein ist es außen warm, erzeugen sie wenig Wärme (am Äquator sehr sinnvoll), ist es kalt, erzeugen sie viel Wärme. Eskimo-Babys werden in den ersten Lebenstagen in Eiswasser getaucht sie brauchen eine gute eigene Wärmeproduktion. Kinder im Körperkontakt mit einem warmen Menschen brauchen kaum Kleidung vorm Stillen ausziehen!
46. Kalte Füße beim Kind müssen mit (mehreren) dicken Socken unbedingt verhindert werden.

Kalte Füße werden am besten im direkten Körperkontakt warm, dicke Socken schaffen das nicht, und wenn überhaupt, dann sollten sie aus reiner, weicher Wolle sein. Füße müssen bei einem wachen Baby aber gar nicht immer warm sein. Besonders bei dicken Babys ist die Haut außen oft kalt, und innen sind die Kinder pudelwarm. Außerdem ist Wärme/Kälte immer relativ. Wer sehr warme Hände hat, findet alle Füße, die er anfasst, kalt. 47. Ein Kind, was viel (im Tuch) getragen wird, bekommt einen krummen Rücken. Das viele Tragen schadet der Wirbelsäule.

Mehr als 25% der deutschen Kinder haben zur Einschulung orthopädische Probleme, und kaum eins von diesen Kindern wurde viel getragen. Im Gegenteil: Viel getragene Kinder profitieren für ihre Körperhaltung davon. Naturvölker, die viel mehr tragen als unsere fleißigsten Tragemütter, sind allesamt orthopädisch viel gesünder als wir Europäer. 49. Babys verstehen ja sowieso nichts. Sie merken gar nicht, was mit ihnen geschieht.

Die Forschung beweist jetzt, was Mütter schon immer wussten: Babys sind vom 1. Tag an kompetent, haben ein großes Kommunikationsrepertoire und verstehen viel mehr von der Welt, als ihre Gehirnstruktur bisher vermuten ließ. Babys verstehen alles, was wir sagen und auch so meinen. Sie nehmen ihre Umwelt sehr genau wahr, haben genauso Gefühle wie wir und merken sich diese sogar, bis sie groß sind. Und sie können sogar spüren, wie wir uns fühlen. Manche schreien nur deshalb, weil es ihren Eltern nicht gut geht.
50. Alle Babys brauchen einen Rhythmus.

Stimmt nur ganz selten. Die meisten Kinder kommen auch bei Chaos bestens klar, Hauptsache, ihre Eltern sind entspannt und gelassen. Aber viele ELTERN brauchen einen Rhythmus, damit sie halbwegs entspannt sein können. Dann ist es in Ordnung, dem Baby einen Rhythmus vorzu-geben. Denn Babys brauchen entspannte Eltern…usw. Größere Kinder entwickeln meist von selbst einen Rhythmus, der sich aber oft genug ändert. Von Pucktuch.de Pucken ist unter Naturvölkern und in ländlichen Gebieten nach wie vor verbreitet. Da ein zunehmendes Interesse am Pucken auch in westlichen Ländern spürbar war, hat eine Gruppe niederländischer Autoren 78 Artikel und Studien zu diesem Thema nach den Richtlinien der Cochrane Bibliothek bewertet, um Kinderärzten eine Entscheidungshilfe zu geben, ob bzw. wann Pucken von Babys zu befürworten ist oder nicht.

Grundsätzlich ist bei den folgenden Untersuchungsergebnissen zu beachten, dass es je nach Region unterschiedliche Pucktechniken gibt. Vor allem die Enge des Puckens variiert deutlich zwischen verschiedenen Kulturen. Wo dies die Ergebnisse von Studien möglicherweise beeinflusst hat, haben die Autoren darauf hingewiesen. - Ihr Überblick betrachtet folgende Aspekte:
. Schlaf und akustische Reizempfindlichkeit

Pucken verlängert den Babyschlaf verglichen mit einem ungepuckten Baby in Rückenlage. Doch reagieren gepuckte Babys im Schlaf empfindlicher auf akustische Störungen. Die unterschiedlichen Auswirkungen von Pucken auf REM- und Non-REM-Schlafphasen bedürfen noch weiterer Untersuchungen.
2. Körpertemperatur

Pucken hält das Baby warm, was grundsätzlich positiv ist. Bei Infektionen, an heißen Tagen, oder wenn auch der Kopf gepuckt wird, besteht allerdings die Gefahr der Überhitzung.
3. Motorische Entwicklung

Pucken kann sich positiv auf die motorische Entwicklung von Frühgeborenen auswirken. Eine Studie unter Hopi-Indianern zeigte, dass der Zeitpunkt, wann Babys laufen lernen nicht durch Pucken beeinflusst wird. Es wurde allerdings darauf hingewiesen, dass es schwierig sei, diese Aussage zu verallgemeinern, da die Enge des Puckens - insbesondere der unteren Gliedmaßen - je nach Puckmethode unterschiedlich ist.

Wir weisen darauf hin, dass beim Pucken Beinfreiheit gewährleistet sein sollte.
4. Plötzlicher Säuglingstod (SIDS)

In Rückenlage gepuckte Babys haben ein geringes SIDS-Risiko. Die meisten Babys akzeptieren die Rückenlage zum Schlafen, solange sie dabei gepuckt sind - sogar eine bemerkenswerte Anzahl von Babys, die es gewohnt sind, in Bauchlage zu schlafen.

Eine Studie weist darauf hin, dass es manchen gepuckten Babys bereits im Alter von 3 Monaten gelang, sich in die Bauchlage zu drehen. Den Weg zurück in die Rückenlage lernen sie jedoch erst später. Wenn Babys, die gewohnt sind, gepuckt auf dem Rücken zu schlafen, gepuckt oder ungepuckt in Bauchlage schlafen, haben sie dabei ein vierfach höheres SIDS-Risiko.

Da sowohl Unterkühlung als auch ein Hitzestau den plötzlichen Kindstod verursachen kann, ist Pucken in kalten Wintern auf jeden Fall zu befürworten. Insbesondere bei warmen Temperaturen sollte man allerdings darauf achten, dass der Kopf nicht gepuckt wird und wenn möglich ein dünnes Pucktuch verwenden, um einen Hitzestau zu vermeiden.

Wenn es sehr kalt ist, setzen Sie dem Baby lieber ein Mützchen auf, das man bei Bedarf abziehen kann. Ein leichtes Baumwoll-Mützchen ist bei Neugeborenen evtl. auch im Sommer angebracht, um die empfindlichen Ohren vor Zugluft zu schützen. Im Winter hilft es zusätzlich den Wärmeverlust über den Kopf einzudämmen.
5. Infektion der Atemwege

Die Studien zu durch Pucken verursachte Atemwegsinfektionen wurden als nicht repräsentativ und die Methoden zur Ergebnisermittlung als inkonsistent eingestuft. Trotzdem ein paar Bemerkungen dazu:

Eine Studie zu Babys in China und der Türkei, die mindestens 3 Monate lang gepuckt wurden, hat ein vierfach höheres Auftreten von Lungenentzündung und Infektionen der oberen Atemwege festgestellt. Dieses erhöhte Infektionsvorkommen wurde - insbesondere bei Babys in der Mongolei, wo diese von Kopf bis Fuß eingewickelt werden - auch einem Mangel an Vitamin D bedingt durch fehlende Sonneneinstrahlung zugeschrieben.
Übermäßig enges Pucken fördert nicht nur das Infektionsrisiko sondern beeinträchtigt auch die Atmung der Babys, da sie Brustkorb und Bauch nicht genug ausdehnen können. Diese Erkenntnis kommt aus einer Studie, in der die Babys weniger eng gepuckt wurden, als bei manchen der untersuchten, traditionellen Puckmethoden.

6. Rachitis und Hüftdysplasie (DDH)

Pucken wirkt sich in keiner Weise auf die Mineralisation der wachsenden Knochen und ihrer sonstigen Eigenschaften aus (s. Rachitis). Aber wenn die angewandte Puckmethode ein Beugen und Anwinkeln der Beine verhindert, wird dadurch die Entwicklung einer Hüftdysplasie gefördert.

Daher soll man auch gerade direkt nach der Geburt, wenn die Babys im Bereich der Arme grundsätzlich eng gepuckt werden sollen und wollen, darauf achten, dass die Beine genügend Bewegungsfreiheit haben.
7. Beruhigungswirkung

Die beruhigende Wirkung tritt beim Pucken weniger schnell ein als bei einem Schnuller, ist aber dafür nachhaltiger. Eine Studie wies nach, dass sich Pucken bei Frühgeburten (vor der 37. Schwangerschaftswoche oder unter 2500 Gramm Körpergewicht) positiv auf Herzfrequenz und Sauerstoffsättigung auswirkt, da Schwankungen in der Frequenz schneller überwunden werden.
8. Schreiverhalten

Pucken verringert die Dauer des Schreiens bei Babys, wodurch sich die Mütter weniger gestresst fühlen, was sich wiederum positiv auf ihre Babys auswirkt. Eine Studie hat beobachtet, dass sich Pucken anscheinend positiv auf die neurologische Entwicklung auswirkt.

Dies ist evtl. darauf zurückzuführen, dass eine moderate Enge dem Baby ein Gefühl für seinen Körper und dessen Ausmaß gibt.

Es sind weitere Studien - vor allem über einen längeren Beobachtungszeitraum - nötig, um den Effekt von Pucken auf Neugeborene mit neurologischen Störungen verlässlich beurteilen zu können.

Neurologische Störungen sind einer der Gründe für übermäßiges Schreien.
9. Stillen und Gewichtszunahme

Keine der Studien konnte einen grundsätzlichen Unterschied zwischen gepuckten und ungepuckten Babys hinsichtlich der messbaren Stillvariablen feststellen (d. h. Anzahl und Dauer der Stillvorgänge, aufgenommene Milch, und Umfang der Zufütterung).

Die Autoren einer Studie stellten die Hypothese auf, dass gepuckte Babys weniger Nahrung aufnehmen, weil Berührungsreize durch die Ausschüttung von Magen-Darm-Hormonen nachgewiesenermaßen das Wachstum beeinflussen, und diese Anreize bei gepuckten Babys eingeschränkt werden. Diese Hypothese konnte jedoch nicht bekräftigt werden.

Pucken kann sich ganz im Gegenteil auch positiv auf das Stillen auswirken: dann nämlich, wenn ein Baby so unruhig ist, dass es ungepuckt nur schwierig trinkt. Die Polsterung unserer Pucktücher fungiert dabei als Stillkissen, das den Kopf des Babys während des Stillens zusätzlich stützt.

Wenn das Baby in den ersten zwei Stunden nach der Geburt (aus medizinischen Gründen) von der Mutter getrennt war und danach in einer separaten Pflegestation mit Ersatznahrung gefüttert wurde, kam es zu einer verzögerten Gewichtszunahme.

Auf Pflegestationen werden Babys zwar in der Regel gepuckt, doch ist unter den geschilderten Umständen wohl kaum das Pucken für die verminderte Nahrungsaufnahme verantwortlich.
10. Puckbeginn und Puckdauer

Beginn und Dauer des Puckens von Babys variiert stark unter den verschiedenen Kulturkreisen, bei denen es traditionell angewandt wird. Ein Extrem dabei sind wohl Navajo-Indianer, die ihre Babys von Geburt an im Schnitt über 10 Monate lang - anfangs für 16, später für 7 Stunden täglich - pucken, obwohl auch in ländlichen Gegenden der Türkei Pucken während des ganzen ersten Lebensjahres verbreitet ist. In der Provinz Yünnan in China wird im Schnitt nur 35 Tage lang gepuckt, während in einer Geburtsklinik, bei der Pucken als Babypflege praktiziert wurde, Babys über einen Zeitraum von ca. 3 Monaten gepuckt wurden, allerdings beginnend ab einem Alter von 13 Wochen.

Wir empfehlen mit dem Pucken möglichst direkt nach der Geburt zu beginnen, wenn das Baby noch an die Enge des Mutterleibs gewöhnt ist.

↑ nach oben
Vor- und Nachteile beim Pucken von Babys
Positive Effekte durch Pucken

Gesunde Babys schlafen in Rückenlage gepuckt besser und länger und fallen leichter wieder von alleine in Schlaf.
Zu früh geborene Babys zeigen eine verbesserte neuromuskuläre Entwicklung, wenn sie gepuckt werden. Außerdem sind sie - wenn gepuckt - beim Wiegen geringerer physiologischer Belastung ausgesetzt und zeigen mehr selbst-regulierende Fähigkeiten.
Bei Schreibabys mit Hirnschäden verringert Pucken die Dauer des Schreiens verglichen mit Massagen.
Bei Frühgeborenen wirkt sich Pucken positiv auf Herzfrequenz und Sauerstoffsätting aus. Es hilft Babys nach Schmerz zwar weniger schnell, aber nachhaltiger als ein Schnuller zu beruhigen.
Pucken hat keinen Einfluss auf die Stillparameter wie Anzahl und Dauer der Stillvorgänge und die Menge der dabei aufgenommenen Milch.

Risiken beim Pucken

Es gibt klare Belege dafür, dass falsch angewandtes Pucken zu Hüftschäden (Hüftdysplasie) führen kann.

Bei unseren traditionellen Pucktüchern ist der Vorteil, dass Sie Arme und Beine unterschiedlich eng bzw. weit binden können, so dass Sie Ihrem Baby - so wie es wächst - im unteren Bereich immer genügend Spielraum zum Anwinkeln und Ausstrecken der Beinchen geben können.
Es gibt Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für einen Hitzestau bzw. Überhitzung des Babys durch Pucken.

Wenn Ihr Baby Fieber hat oder wenn mit Fieber zu rechnen ist (z. B. nach dem Impfen), sollten Sie ein dünnes Pucktuch verwenden und das Baby in der Sommerhitze nur mit einer Windel bekleidet - und evtl. noch einem leichten Hemdchen für die Schultern - pucken, damit es nicht in einen Hitzestau kommt. Bei Pucktüchern mit dickerer Polsterung bitte die Einlage vorher herausnehmen. Ist dies nicht möglich oder besitzen Sie nur ein wärmeres Pucktuch, sollten Sie auf das Pucken sicherheitshalber ganz verzichten.

In jedem Fall sollten Sie Ihr Baby regelmäßig im Nacken kontrollieren, ob es schwitzt. Falls ja, sollten Sie das Pucken unterlassen, bis das Fieber vorbei ist.
Es besteht ein erhöhtes Risiko für SIDS (plötzlicher Kindstod) durch Pucken, wenn das Baby auf den Bauch gelegt wird oder in der Lage ist, sich auf den Bauch zu drehen.

Babys sind zum Pucken immer in Rückenlage zu legen.
Falls Sie denken, dass Ihr Baby eventuell vom Rücken auf den Bauch rollen könnte, während es gepuckt ist, dann hören Sie mit dem Pucken auf, damit auf keinen Fall die Atemwege Ihres Babys durch die Bauchlage behindert werden können.

Sie sollten nicht mehr pucken, und zwar mit keiner Puckhilfe, wenn Ihr Baby groß oder stark genug ist, sich aus der Puckhilfe zu befreien.
Es gibt Hinweise, dass Pucken zu einem Vitamin-D-Mangel und erhöhten Auftreten von Atemwegserkrankungen führen kann. Die betreffenden Studien wurden jedoch in nicht-westlichen Kulturkreisen durchgeführt, wo wahrscheinlich die Enge des Puckens die erhöhte Zahl an Infektionen fördert.

Das enge Einwickeln steht dem Bedürfnis eines 2-3 Wochen alten Babys nach mehr Bewegungsfreiheit entgegen, weswegen wir empfehlen, Ihr Baby so zu pucken, dass es zwar im Schlaf noch eine (beruhigende) Grenze spürt, aber nicht eingezwängt ist, wofür sich unserer Meinung nach traditionelle Pucktücher am besten eignen.

Das in der Studie gemessene Ausmaß des Vitamin-D-Mangels war nicht derart, dass es zu Rachitis führen würde. - Unabhängig davon möchten wir Sie aber darauf hinweisen, dass in westlichen Industrieländern, wo Neugeborene die ersten Wochen und Monate überwiegend in geschlossenen Räumen verbringen, grundsätzlich ein höherer Anteil von Babys an Vitamin-D-Mangel leidet als in den meisten der in den Studien betrachteten Regionen. Aus diesem Grund wird Babys z. B. in Deutschland während des ersten Lebensjahres prophylaktisch täglich Vitamin-D zugeführt.
Gepuckte Babys, die kurz nach der Geburt von ihrer Mutter getrennt werden oder von der Mutter getrennt in einer Pflegestation mit Ersatznahrung gefüttert werden, weisen eine verzögerte Gewichtszunahme auf.

Die Studie erwähnt keinen Vergleich mit ungepuckten Babys. Doch halten wir diesen Punkt ohnehin für nicht so gravierend, da Neugeborene, die gleich nach der Geburt von ihrer Mutter getrennt werden müssen, einen Sonderfall darstellen und die Gewichtszunahme sich offensichtlich nur so lange verzögert, bis das Baby wieder bei seiner Mutter ist.

Fazit

Die Studie hat viele, verschiedene Erkenntnisse über die Methode des Puckens gebracht. Sie wird von vielen Kulturen angewandt, auf unterschiedliche Art und Weise. Bei unsachgemäßer Anwendung erhöht Pucken das Risiko für SIDS (den "plötzlichen Säuglingstod"), DHH ("Hüftdysplasie") und Überhitzung.

Pucken kann sicher angewendet werden, wenn damit Empfehlungen zu maßgeblichen Punkten verbunden sind, nämlich:

die Schlafposition: in Rückenlage
die Art des Puckens: Kopf ungepuckt
die Menge an (zusätzlichem) Bettzeug und Decken
und die Enge des Puckens in den Bereichen um Brust, Hüfte und Knie: oben enger als unten

In zentral geheizten Räumen sollte kein zusätzliches Bettzeug nötig sein. Wichtig ist, die Dicke des Pucktuchs der Umgebungs­temperatur anzupassen, d.h. im Sommer ein dünnes Pucktuch wählen oder die Polsterung herausnehmen.

Frühgeborene können ebenfalls vom Pucken profitieren, wobei die genaue Vorgehensweise dort vom Pucken ausgewachsener Babys abweichen kann.

Es bleibt zu untersuchen, ob sich nicht eine andere Art der Behandlung von Neugeborenen findet, die praktisch ohne Risiko ist und sich ähnlich positiv auf das Schlaf- und Schreiverhalten von Babys auswirkt.

↑ nach oben von ferbern.de:
Was ist "ferbern"?

Das Wort "ferbern" ist umgangssprachlich und bezeichnet die Durchführung eines Schlafprogramms. Der Begriff entstand aus dem Namen des Entwicklers Dr. Richard Ferber. Dieser konzipierte Mitte der 80iger Jahre in einer Kinderklinik in Boston einen Behandlungsplan (Schlafprogramm), mit dem Kinder das Ein- und Durchschlafen lernen sollen.
Wie funktioniert die Methode?

Bei der Durchführung dieser Methode sollte das Kind, laut Dr. Ferber, mindestens 1 Jahr alt sein. Nach einem Abendritual wird das Kind wach ins Bett gelegt. Danach verlässt man ohne weitere Gesten und Erklärungen das Zimmer. In den meisten Fällen fängt das Kind an zu schreien. Auf dieses Schreien des Kindes wird dann in genau bestimmten Zeitabständen reagiert. Diese Zeitabstände steigern sich von anfangs 3 Minuten bis maximal 30 Minuten. Zwischendurch gibt es eine Auszeit, in der man zum Kind geht und es beruhigt. Dabei darf man das Kind nicht aus dem Bett nehmen. Die Auszeit sollte nicht länger als 2 Minuten betragen. Praktiziert wird das Ganze so lange, bis das Kind schläft. Ziel der Behandlung ist es dass das Kind ohne Einschlafhilfe (Stillen, Tragen, Nuckel, Flasche etc.) einschläft. Die gleiche Methode wird dann auch nachts beim Aufwachen des Kindes angewendet. Somit soll es dann das "Durchschlafen" erlernen.
Seit wann müssen Kinder schlafen lernen?

„Schläft es denn schon durch?“ Welche Mutter hätte diese Frage wohl noch nicht gehört? Ausreichend Schlaf zu bekommen, ist für alle Menschen ein wichtiges Bedürfnis. Kein Wunder also, dass der vermeintlich obligatorische Schlafmangel eine der Hauptsachen ist, die man mit der Anwesenheit eines neuen Erdenbürgers in Verbindung bringt. Zwar kann man davon ausgehen, dass die Frage nach dem Schlafen meist als Smalltalk oder aus echter Sorge um die Mutter gestellt wird. Dennoch ist es wichtig, in welchem gedanklichen Zusammenhang die Frage aufkommt. Denn allzu oft wird geraten, das Kind doch mal schreien zu lassen, dann hätte man schon bald seine Ruhe.

Leise Signale hören

Es ist gesellschaftlich akzeptiert, ja es wird von den Müttern sogar gefordert, ihre innere Stimme zu unterdrücken, die ihnen sagt „Tröste das Kind! Hilf ihm!“ Mütter, die das nicht können, werden belächelt. Mütter, die das nicht wollen, werden als Glucken diffamiert. Es gibt Erziehungsratgeber ausschließlich zum Thema Schlaf. Sogenannte Schlaflernprogramme nutzen das Schreienlassen als Strategie. Hier gilt Durchschlafen als Erziehungsziel. Und bitte im eigenen Zimmer, schließlich muss das Kind selbstständig werden! Schläft das Kind nicht durch oder gar im Elternbett, haben die Eltern scheinbar versagt.

Das menschliche Bedürfnis nach Nähe und Geborgenheit wird dem Kind des Nachts ebenso wenig zugestanden wie ein vom Erwachsenen verschiedener Schlafrhythmus. Das Kind soll lernen, so zu schlafen, wie es seinen Eltern gefällt. Woher kommt das? Wie wurden die Kinder früher gebettet?

Der berühmte Mediziner Christoph Wilhelm Hufeland, Begründer der Makrobiotik und Arzt so illustrer Persönlichkeiten wie Goethe, Schiller und Herder sowie Gründer der ersten Poliklinik in Berlin, schrieb 1830, dass die Kinder mit einem halben Jahr „an gewisse Zeiten des Schlafs“ gewöhnt werden könnten. Man solle den Kindern zeigen, dass die Nacht zum Schlafen da sei, indem man alle „äußeren Eindrücke“ wie Licht und Geräusche entferne. Besonders wichtig sei es, „ihren Aufforderungen zum Herausnehmen, zum Trinken u. dgl. nicht sogleich Gehör zu geben.“ Hufeland setzt also darauf, dass sich das Kind von selbst wieder beruhigt. Auffällig ist, dass er von „Aufforderungen“ spricht. Offensichtlich sind hier auch leisere Signale als das Schreien gemeint. Wenn aber das Kind sich nicht allein beruhigt, dann wird ihm geholfen (Hufeland 1830).

Ähnliches schreibt 1832 Adolph Menke, Professor der Medizin in Erlangen und königlich Bayerischer Hofrat. Er betont, dass es für die Bequemlichkeit der Mutter und die Gesundheit des Kindes gleichermaßen vorteilhaft sei, dem Kind das Trinken in der Nacht wenn möglich ganz abzugewöhnen. „Auch darf keine zärtliche Mutter fürchten, daß sie dem Kinde dadurch schade, wenn sie ihm nicht sogleich jedesmal, wenn es erwacht oder schreiet, die Brust reiche. Hat die Mutter Ueberwindung und Ausdauer genug dem Kinde nur einige Nächte hindurch die Brust nicht zu geben, und es auf andere Art zu beschwichtigen, so gewöhnt es sich meistens sehr bald daran“ (Menke 1832, S. 90). Keinesfalls ist hier also von Schreienlassen die Rede, wie wir es aus heutigen Schlaflernprogrammen kennen.

Von Menke erfahren wir auch, dass stillende Mütter ihre Kinder in der Regel bis zur Entwöhnung rund um die Uhr bei sich haben. Und auch später noch gilt: „Der Aufenthalt einer verständigen Aufseherinn oder Wärterinn ist, sowohl bei Tage als bei Nacht, bei den Kindern nothwendig.“ (Menke 1832, S. 162).

Weder bei Menke noch bei Hufeland ist es ein Thema, wie man das Kind zum Schlafen bringen kann. Im Gegenteil: Menke und andere verurteilen die Praxis, den Kindern schlaffördernde Mittel zu geben, darunter auch Branntwein oder Opiate. Bemerkenswert ist hierbei, dass die Verwendung dieser Mittel nur Ammen und Kinderwärterinnen, nicht aber den Müttern vorgeworfen wurde. Die Mütter wurden aufgefordert zu kontrollieren, ob ihre Ammen „solche gewissenlosen Personen“ sind (Klencke 1875, S.158), die den Kindern „Arzneien und andere Mittel, welche Schlaf machen sollen“ verabreichen (Menke 1832, S.205). Diese Mittel seien „unbedingt verwerflich und höchst nachtheilig für das Kind“ (ebenda). Menke betont, dass man das Kind nicht mit „Kunstgriffen“ irgendeiner Art zum Schlafen bewegen soll. „Will das Kind nicht schlafen, hilft ein gelindes Wiegen oder ein langsames Hin- und Herfahren des Korbwagens nicht, so wende man keine andern Künste an, den Schlaf herbeizuführen“ (Menke 1832, S. 173). Dann ist das Kind eben wach.

Eigenes Bett bei der Mutter

Anscheinend lebten viele Eltern in der Sorge, ihr Kind könne sich „dumm schlafen“. Sowohl Hufeland als auch Menke wiesen deutlich darauf hin, dass diese Sorge unbegründet sei und man die Kinder ausschlafen lassen solle (Hufeland 1830, S.90; Menke 1832, S. 172). Dennoch hielt sich dieses Vorurteil lange, denn selbst der Arzt und populärwissenschaftliche Schriftsteller Hermann Klencke geht in seinem Buch „Die Mutter“ noch darauf ein; über 40 Jahre nach Hufeland und Menke (Klencke 1875).

Überhaupt liest sich das Kapitel über Schlaf bei Klencke fast so, als hätte er von Hufeland und Menke abgeschrieben. Das gilt besonders für die ersten Abschnitte, in denen er auf die Schlafmenge, auf das Ein- und Ausschlafen eingeht. Er fügt noch hinzu, dass das Kind, „wenn es nicht an der Brust eingeschlafen ist, wachend in sein Bett niedergelegt werde, sobald seine Schlafenszeit herangekommen ist“ (Klencke 1875, S. 157). Hermann Klencke fordert, dass jedes Kind von Anfang an sein eigenes Bett haben soll. Dieses steht für gewöhnlich in demselben Zimmer, in dem auch die Mutter schläft.

Das Gewöhnen an regelmäßige Schlafenszeiten darf nun jedoch nicht mehr erst mit sechs Monaten beginnen, sondern darf dann bereits abgeschlossen sein. Diese Gewöhnung wird unterstützt durch die „Tagesordnung des Stillens“ (Klencke 1875, S. 154).

1883 schreibt der Spezialarzt für Geburtshilfe, Frauen- und Kinderkrankheiten Dr. med. Ernst Kormann aus Coburg, dass man bereits Kinder im Alter von einem Vierteljahr ans Durchschlafen gewöhnen könne. Man solle ihnen abends um zehn Uhr und dann erst wieder morgens zwischen fünf und sechs Uhr Nahrung geben. „Durst leiden soll kein Kind in der Nacht und da es hilflos ist, so soll man in dieser Hinsicht nicht unbarmherzig sein, aber der Hunger braucht beim größern Säugling nicht auch in der Nacht befriedigt zu werden“ (Kormann 1883, S. 194).

Von der Norm zum Störfall

William Thierry Preyer, ein in Deutschland wirkender englischer Physiologe (18411897), schrieb 1882 das Buch „Die Seele des Kindes“. Damit schuf er ein für die Entwicklungsphysiologie und -psychologie bis heute bedeutendes Werk. Darin beschreibt Preyer die gesunde Entwicklung des Kindes in den ersten drei Lebensjahren auf Grundlage von Beobachtungen vieler Kinder, darunter auch sein eigener Sohn. Dessen Schlafverhalten führt er als Beispiel für eine normale Entwicklung an. Denn sie zeige deutlich, wie die Gesamtschlafdauer abnehme und die Dauer des zusammenhängenden Schlafes zunehme.

„Im ersten Monat dauerte der Schlaf ohne Unterbrechung nicht oft länger als zwei Stunden; von 24 Stunden wurden trotzdem wenigstens 16, meistens viel mehr verschlafen. Im zweiten Monat kam oft ein dreistündiger, selten ein fünf- bis sechsstündiger Schlaf vor. Im dritten Monat schläft das Kind oft vier, manchmal fünf Stunden hintereinander, ohne wach zu werden. Im vierten Monat dauert der Schlaf oft fünf bis sechs Stunden, die Nahrungspause drei und vier Stunden (gegen zwei Stunden früher). Einmal währte der Schlaf neun Stunden. Im sechsten Monat sechs- bis achtstündiger Schlaf nicht selten. Im achten Monat unruhige Nächte (wegen des Zahnens). Im 13. Monat in der Regel 14 Stunden Schlaf täglich in mehreren Abtheilungen. Im 17. Monat begann erst das Durchschlafen: zehn Stunden ohne Unterbrechung. Im 20. Monat wurde es zur Gewohnheit und das Schlafen bei Tage auf zwei Stunden reducirt. Vom 37. Monat an dauerte der nächtliche Schlaf regelmäßig elf bis zwölf Stunden jahrelang, und der Schlaf bei Tage war nicht mehr erforderlich.“ (Preyer 1895, S. 106).

Die Schweizerin Marie Susanne Kübler war Autorin mehrerer erfolgreicher Ratgeber für Hausfrauen und Mütter. 1891 schreibt sie in ihrem Werk „Das Buch der Mütter“ einerseits, das „Bett oder die Wiege sollte möglichst nahe dem Bette der Mutter (…) gestellt werden“ (Kübler 1891, S. 98). Andererseits hält sie einen hinlänglich langen Schlaf der Mutter von acht bis neun Stunden für ein „unerläßliches Bedürfnis“ (Kübler 1891, S. 61). Eine durch Schlafmangel geschwächte Frau laufe Gefahr, dass die Milch versiege, und solle in einem anderen Zimmer schlafen. „Indessen braucht die Mutter, die sich mehrere Stunden von ihrem Säugling trennt, auch hier nur den Winken der Natur zu gehorchen, die sie durch ein eigenthümliches in ihrer Brust sich zeigendes sympathetisches Gefühl, das Milchstechen genannt, zur rechten Zeit mahnen wird, zu ihrem nach seiner Ernährerin verlangenden Kinde zurückzukehren.“ (Kübler 1891, S. 61). Die Mutter merkt hier nicht durch Signale des Kindes, dass sie es stillen sollte, sondern durch das Gefühl in ihrer Brust. Selbst wenn also die Mutter in einem anderen Zimmer schläft als ihr Kind, um dadurch mehr Schlaf zu bekommen, so heißt das nicht, dass Mutter oder Kind durchschlafen. Das Schlafenlernen ist in Küblers umfangreichen, über 400 Seiten starken Werk überhaupt kein Thema. Sie schreibt lediglich, dass die Mutter sich die Nachtruhe sichert, indem sie das Kind noch einmal stillt, bevor sie selbst zu Bett geht und dann erst wieder, wenn es gegen Morgen erwacht (Kübler 1891, S. 56).

Unabhängig von der Schlaffrage ging derweil eine Entwicklung vor sich, die die Nachtruhe von Mutter und Kind in Zukunft beeinflussen sollte. Es ging darum, zwischen den Mahlzeiten bestimmte Zeitabstände einzuhalten. Sie wurden für immer wichtiger erachtet und immer energischer eingefordert. Entstanden sind diese Forderungen aus Überlegungen, die die Gesundheit des Kindes und den Erfolg des Stillens betreffen. Doch bald kamen erzieherische Aspekte hinzu. Wurde das Thema Schlaf in den Ratgebern und Lehrbüchern bisher unter „Entwicklung und Pflege des Säuglings“ abgehandelt, so wanderte es nun in die Rubriken „Stillen“ oder „Erziehung“. Auf einmal wurde das Schlafen zum Problem und die Kinder wurden zum Störfall.

Einflussnahme der Politik

„An eine achtstündige Nachtpause wird das Kind am besten sehr bald gewöhnt. Es gibt Säuglinge, bei denen auch bei richtiger Pflege ein durchgehender Nachtschlaf nicht zu erreichen ist. Diese Kinder stören durch stundenlanges Schreien die Nachtruhe ihrer Angehörigen oder ihres Pflegepersonals. Wenn wir derartige Schreikinder durch eine Nachtmahlzeit zur Ruhe bringen können, greifen wir im Interesse des Kindes und seiner Umgebung zu diesem Mittel", schreibt der Leipziger Dr. Otto Köhler 1921 in „Der Säugling - Seine Entwicklung, Pflege und Ernährung“ (Köhler 1921, S.25).

Das war neu und musste erst von Autoritäten wie Ärzte, Hebammen oder Krankenschwestern durchgesetzt werden. So war beispielsweise Köhlers Werk unter Mitwirkung des Sächsischen Ministeriums des Innern entstanden. Die erste Auflage wurde vom Ministerium aufgekauft und an die Hebammen, Säuglingspflegerinnen und Bezirkspflegerinnen in Sachsen verteilt. Die Politik hatte begonnen, Einfluss auf die heimische Erziehung zu nehmen. „Das Maß der Ernährung, das Aufnehmen auf den Arm usf. sind Maßnahmen, die von der Mutter oder Pflegerin bestimmt werden. Das Kind hat sich mit seinen Wünschen unterzuordnen. Es bietet oft Schwierigkeiten, eine Mutter von dieser Grundregel zu überzeugen." (Köhler 1921, S. 53). Man beachte, dass hier von „Wünschen“ gesprochen wird!

Am besten überzeugt man Mütter, etwas mit ihren Kindern zu machen, indem man ihnen darlegt, dass sie dem Kind andernfalls schaden. Genau das geschah in der Folgezeit. „Die Nachtruhe ist wichtig für Mutter und Kind. Sie muß streng eingehalten werden, damit sich beide erholen können. Besonders wichtig ist, daß das Kind, selbst wenn es schreit, nachts nicht angelegt wird. Denn gerade dann kommt es meist zur Überfütterung und dadurch bedingten Krankheiten.“ So der Kinderarzt Dr. Philipp Niemes (Niemes 1933, S. 39 ff.). „Neugeborene Kinder melden sich auch in der Nacht. Diese Nachtmahlzeit ist für das Kind überflüssig und für die Mutter störend“, war im „Lehrbuch der Wöchnerinnen- Säuglings- und Kleinkinderpflege“ von Prof. Dr. Walter Birk und Prof. Dr. A. Mayer im Jahr 1930 zu lesen (Birk & Mayer 1930, S. 186). Das Verhalten des Kindes ist somit nicht nur ungesund, sondern geradezu falsch und muss abgestellt werden. Der Einfluss des Nationalsozialismus ist hier unverkennbar. Das Kind wie es ist ist fehlerhaft und muss dazu gebracht werden, sich anzupassen. Insofern war die „Erziehung zum Durchschlafen“ ganz klar politisch motiviert.

Sobald das Schlafverhalten als Problem etabliert war, waren auch Kniffe und Tricks erlaubt, um das Kind zum Schlafen zu bringen. „Man suche sie (die Nachtmahlzeiten) deshalb den Kindern allmählich im Laufe des ersten Lebensvierteljahres abzugewöhnen, indem man sie nicht weckt, wenn sie die Mahlzeit mal zufällig verschlafen haben, indem man ferner versucht, sie wenn sie schreien nur trocken zu legen, und im übrigen abwartet, ob sie sich danach nicht von allein beruhigen, indem man sie mit einigen Löffeln Tee über die Mahlzeit hinwegzutäuschen versucht, oder indem man ihnen vor der letzten Mahlzeit am Abend (10 Uhr) ein 20 Minuten langes, 35° C warmes Bad verabfolgt, um sie ordentlich müde zu machen.“ (Birk & Mayer 1930, S.186).

„Auch in lauwarmes Wasser getauchte dünne Söckchen, die über die Füße gestreift und mit dickeren wollenen Socken überzogen werden, bewähren sich in jedem Alter als schlafförderndes Mittel. Sie werden im allgemeinen angenehmer empfunden als lauwarme Brustwickel, die eine ähnliche Wirkung ausüben, gegen die sich sensible und nervöse Kinder jedoch oft sträuben. Auch etwas gut gesüßter Baldriantee oder starkes Zuckerwasser, eine halbe Stunde vor dem Einschlafen verabfolgt, beruhigt das Nervensystem und fördert den Schlaf.“ (von Seht 1939, S. 55) Auch das Wecken der Kinder war nun erlaubt, um den Schlaf vom Tag auf die Nacht zu verlegen.

Wenn alle Tricks nichts nutzten, musste die Mutter dazu gebracht werden, die „Nachtruhe“ durchzusetzen, indem man sie bei ihrem Ehrgefühl packte. „Das heroischste Mittel für eine junge Mutter ist, daß sie das Kind wie man sagt durchschreien läßt.“ (Birk & Mayer 1930, S.186). Die Mutter als Heldin, die das Geschrei ihres Kindes ignoriert. Das Kind war nun nicht mehr das Hilflose, dem man in der Nacht wenigstens zu trinken gab. Es war „der kleine Quälgeist(, der) dann nachts, ausgeruht und voller Übermut, seine Mätzchen macht." (von Seht 1939, S. 54). Das Schlafen war ein Machtspiel geworden. Das Kind war der Feind, der besiegt und unterworfen werden musste. Dieses Bild zieht sich wie ein roter Faden durch die Erziehung im Nationalsozialismus.

Offenbar war der Druck auf die Mütter noch nicht groß genug. Man musste sich eine weitere Autorität zur Hilfe holen: den Vater des Kindes! So machte es auch der Kinderarzt Philipp Niemes: „Das Kind schreit, wenn es sonst gesund ist, höchstens zwei oder drei Nächte durch. Dann gewöhnt es sich an die Nachtruhe zum Vorteile für sich selbst, für die Mutter und die ganze Umgebung! (Dies besonders auch den Vätern zur Kenntnis!)" (Niemes 1933, S. 39 ff.).

Vom Schlafproblem zur -störung

Nun lag es auch nicht mehr fern, aus dem Schlafproblem eine Schlafstörung zu machen. Es wurde von Schlaflosigkeit gesprochen. Die Kinderärztin Dr. med. Luise von Seht widmet in ihrem Buch „Kinder Glück und Sorge der Mutter“ ein ganzes Kapitel dem Problem „Das Kind schläft nicht“. Sie schreibt: „Zum Schluß möchte ich noch betonen, daß Schlaflosigkeit im Kindesalter nicht als harmloses Symptom gedeutet und unbehandelt bleiben darf." (von Seht, S. 56). Dies alles geschah, obwohl man seit Preyer wusste, wie die normale Schlafentwicklung von Säuglingen und Kleinkindern aussieht.

Der Wunsch nach einer ungestörten Nacht ist vermutlich so alt wie das Schlafen selbst. Der Umgang mit Störungen, insbesondere durch Kinder, hat sich im Laufe der Zeit verändert. Die gravierendste Veränderung jedoch fand erst im 20. Jahrhundert statt. Zwar hat man auch davor schon versucht, das Schlafverhalten der Kinder zugunsten dem der Erwachsenen zu beeinflussen, doch wurde das Schlafen erst im 20. Jahrhundert pathologisiert und instrumentalisiert.

Die Menschenfeindlichkeit des Nationalsozialismus spiegelte sich in allen Bereichen des Lebens wider. Bis heute spüren wir die Nachwirkungen. Auch gutmütige, wohlwollende Eltern sind davor nicht gefeit. In dem Wunsch, alles richtig zu machen, greifen sie auf das unsägliche, aber allseits bekannte und anerkannte Mittel des Schreienlassens zurück. Der Druck und die Erwartungen der Umwelt sind dabei oft ausschlaggebend. Obwohl sie das Schreien kaum ertragen können und sie sich dabei überhaupt nicht wohl fühlen, sind sie überzeugt, zum Wohle des Kindes zu handeln. Das wird ihnen suggeriert. Die traurige Wahrheit sieht jedoch anders aus. Das Schlafenlernen ist ein Euphemismus dafür, dass das Kind lernt, sich bedingungslos und vollkommen unterzuordnen.

Eine liebevolle Betreuung der Kinder muss auch in der Nacht selbstverständlich sein. „Schläft es denn schon durch?“ „Nein, natürlich nicht“, antwortet die Mutter freundlich. „Sie haben Recht,“ lächelt das Gegenüber wissend, „dafür ist es noch viel zu klein.“
Schreien und allein lassen bedeutet Stress für ihr Baby

Um Babys an die täglichen Schlafenszeiten zu gewöhnen, wird heute noch oft empfohlen, das Kind ins Bett zu legen und das Schreien systematisch zu ignorieren. Es wird suggeriert, dass ständiges in den Arm nehmen das Baby "verwöhnt" und somit "verzieht". Es ist nicht zu leugnen, dass die Methode funktioniert. Ein Kind, was keine Reaktion auf sein Rufen erfährt, wird irgendwann aufhören zu schreien. Die Frage ist wie gefährlich das Anwenden dieser Technik ist? Dieser Artikel beschäftigt sich mit Forschungen, die zeigen wie der Stress durch langes Schreien und Alleingelassen-Werden das sich entwickelnde Gehirn des Kindes beeinflusst.
Warum schreien Babys?

Das einzige Kommunikationsmittel zwischen Babys und Eltern ist es, ihnen durch schreien zu signalisieren, dass etwas nicht in Ordnung ist. Ihr Gehirn ist noch nicht ausreichend entwickelt, um klar denken zu können und Pläne zu schmieden. Das Ammenmärchen, dass Babys schreien, um ihr Eltern damit zu manipulieren und zu kontrollieren, ist somit hinfällig.

Die Unfertigkeit des Gehirns beruht auf der Entwicklung, die wir im Lauf der Jahre vollzogen haben. Vor ca. 4 Millionen Jahren konnte der Mensch sich das erste Mal auf zwei Beinen bewegen. Durch diesen Fortschritt und die gewonnene Freiheit der Hände war er in der Lage komplexere Aufgaben zu erfüllen. Dadurch wuchs im Lauf der Zeit die Intelligenz und somit auch das Gehirn.

Durch den aufrechten Gang verengte sich das Becken der Mutter. Ein größeres Gehirn bedeutet auch ein größerer Kopf, der nun nicht mehr durch das Becken passte. Die Natur löste diese Problematik durch einen Geburtszeitpunkt, an dem der Kopf des Kindes noch durch das verengte Becken passt. Die frühere Geburt des Kindes hatte zur Folge, dass das Gehirn noch nicht in vollem Umfang entwickelt ist. Das menschliche Junge kommt von allen Säugern am wenigsten entwickelt auf die Welt.

Das Warnsystem für mögliche Gefahren funktioniert von Geburt an, weil dieses das überleben des Kindes sichert. Ein Baby reagiert sehr empfindlich auf äußere Einflüsse. Laute Geräusche könnten für ein Kind ein möglicher Angreifer sein. Es kann nicht unterscheiden, ob es sich um den Staubsauger oder ein angreifendes Tier handelt. Es hat nur die Möglichkeit um Hilfe zu rufen und das wird durch schreien vermittelt. Anders können Babys ihre Furcht nicht zum Ausdruck bringen. Das ist ihre Art mit uns zu kommunizieren.
Schreien bedeutet Stress - Stress schädigt das Gehirn ihres Kindes

Babys reagieren sensibel auf unsere Umwelt, dieser Zustand nimmt mit dem Älterwerden des Kindes ab. Es kommen allerdings neue Ängste hinzu, wie z.B. die Trennungsangst. Auch ältere Babys und Kleinkinder sind also noch sehr empfindlich und es ist schädlich sie in ihrer Trauer alleine zu lassen.

All diese empfundenen Emotionen bedeuten für das Gehirn ihres Kindes eine Welle von Stresshormonen. Beruhigen sie ihr Kind nicht durch trösten, schwirren diese Hormone lange Zeit im Gehirn ihres Kindes umher, wirken toxisch und schädigen es irreparabel.

Dazu muss man klar stellen, dass sich die Informationen auf lang anhaltendes, ungetröstetes Schreien bezieht. Schreien, das sich erst legt, wenn das Kind entweder erschöpft eingeschlafen ist oder es hoffnungslos erkennt, dass keine Hilfe zu erwarten ist.

Wenn ein Baby allein gelassen wird:

wird sein Gehirn von einer Welle toxischer Stresshormone überrollt,
werden keine Opioide in seinem Gehirn frei gesetzt,
können die Stressreaktionssysteme des Gehirns und des Körpers auf Überempfindlichkeit programmiert werden,
werden Schmerzschaltkreise im Gehirn aktiviert, die denen durch körperliche Schmerzen ähnlich sind.

Es gibt weltweit eine Fülle von Studien, die belegen wie frühkindlicher Stress dauerhaft negative Veränderungen im Gehirn eines Kindes hervorruft. Ein überempfindliches Stressreaktionssystem kann bedeuten, dass das Weltbild und die Erfahrungen überwiegend grundlos von einem Gefühl der Bedrohung und Anspannung gefärbt sind.
Was genau geschieht im Körper ihres Kindes?

Wenn ein Kind schreit, wird das Stresshormon Kortisol in den Nebennieren ausgeschüttet. Lässt man ein Kind einfach schreien, bleibt der Kortisolspiegel hoch, nur durch Trost kann dieser wieder gesenkt werden. Der Spiegel kann eine toxische Höhe erreichen. Das kann dazu führen, dass Schlüsselstrukturen und -systeme im sich entwickelnden Gehirn des Kindes zerstört werden. Kortisol ist ein langsam wirkender biochemischer Stoff, der in hoher Konzentration über Stunden im Gehirn verbleiben kann, bei klinisch depressiven Menschen sogar über Tage und Wochen. Trösten sie ihr Kind, wird der beruhigende Botenstoff Oxytocin im Gehirn frei gesetzt. Dieser lässt den Stresshormonspiegel wieder sinken.
Welche Folgeschäden können auftreten?

Wissenschaftler gehen davon aus, dass ein Zusammenhang zwischen frühkindlichem Stress und der rapide ansteigenden Anzahl an Menschen besteht, die bereits als Heranwachsende unter Angststörungen und Depressionen leiden.

Ein überempfindliches Stressreaktionssystem ähnelt einer fehlerhaften Alarmanlage im Kopf, die bei der kleinsten Kleinigkeit reagiert. Situationen, die für gesunde Menschen unbedenklich sind, werden von welchen mit einem überempfindlichen Stressreaktionssystem oft als bedrohlich oder Angst einflößend interpretiert.

Diese Stressprogrammierung in der frühen Kindheit kann einen Menschen im späteren Leben anfällig machen für:

Depressionen
Angststörungen
Stressbedingte körperliche Erkrankungen
Panikattacken
Trennungsangst
Angst vor dem Alleinsein
Alkoholmissbrauch
Nikotinabhängigkeit

Gefahr für die Mutter-Kind-Bindung

Der Ausdruck "Mutter-Kind-Bindung" begegnet uns überall: In den großen Zeitschriften für Eltern, in der umfangreichen Ratgeber-Literatur und in den zahlreichen Foren und Websites. Da die verschiedenen Schlafprogramme meiner Meinung nach einen erheblichen Einfluss auf die Mutter-Kind-Bindung haben können, möchte ich diese hier ausführlicher darstellen. Ich verwende hierbei den gängigen Ausdruck "Mutter-Kind-Bindung", schließe aber ebenso die Vater-Kind-Bindung mit ein.
Grundbedürfnis nach Nähe

Menschenkinder werden mit dem Grundbedürfnis nach körperlicher Nähe geboren. In ihrer Eigenschaft als Tragling ist der Körperkontakt und die Wahrnehmung von Bewegung das Zeichen für die Anwesenheit einer sich kümmernden Person. Das Abbrechen des Körperkontakts vorrangig vor dem Abbrechen der Bewegungswahrnehmung bedeutet für einen Tragling Alleinsein, Verlassensein und versetzt ihn damit in Alarmbereitschaft. Dies rührt vom Status des Nomaden her. Menschen sind zwar schon einige Zeit sesshaft, jedoch hat sich diese Eigenschaft noch lange nicht „heraus revolutioniert“. Diese Alarmbereitschaft lässt erst mit wachsender Objektpermanenz nach. Objektpermanenz bedeutet, dass das Baby weiß, dass die Mutter nicht aus der Welt ist, wenn sie außer Sichtweite geht. Die Entwicklung der Objektpermanenz ist ein längerer Prozess, der um etwa den 8. Monat herum beginnt.
Was bedeutet das für Eltern?

Ein Säugling hat neben dem Bedürfnis nach Nähe noch die unmittelbar damit verbundenen Grundbedürfnisse nach Nahrung, Wärme und Zuwendung. Wie der Name schon sagt, handelt es sich hierbei um grundlegende Bedürfnisse, nicht um Wünsche oder Ansprüche. Und die primären Aufgaben der Eltern ergeben sich aus diesen Bedürfnissen:

Erkennen und Verstehen der geäußerten Bedürfnisse
prompte und angemessene Befriedigung der geäußerten Bedürfnisse

Dieses Verhalten vermittelt dem Baby Sicherheit und legt den optimalen Grundstein für eine gute Bindung.
Die Bindungstheorie

Der britische Arzt und Psychoanalytiker John Bolwby († 1990) erarbeitete in den 1960er Jahren mit seinem Team die Bindungstheorie. Diese Theorie basiert auf den Grundannahmen:

dass die Mutter-Kind-Dyade Basis für Schutz und Trost darstellt,
dass der Grad der mütterlichen Feinfühligkeit im engen Zusammenhang mit

einer positiven Bindung steht. Je feinfühliger sie ist, umso besser kann sie die Bedürfnisse wahrnehmen und prompt und angemessen befriedigen.

Bowlbys Theorie besagt, dass das Bindungsverhalten im ersten Lebensjahr ausgeprägt wird. D.h., im ersten Lebensjahr wird der Grundstein für alle späteren Beziehungen mit der ersten Bindung an die Mutter gelegt. Tritt hier bereits ein schwereres Problem auf, so kann es auch in zukünftigen Bindungen zu Schwierigkeiten kommen. Die Entwicklung des Bindungsverhaltens vollzieht sich in 4 Phasen:
Prä-Attachment-Phase 1. Lebenswoche: Kind schenkt jeder sich nähernden Person Aufmerksamkeit
Differenzierungsphase binnen der sich anschließenden Wochen Kind differenziert nach ihm bekannten Personen und unbekannten
Kontaktaufnahme gegen Ende des 1. Jahres: es beginnt die aktive und ‚bewusste‘ Kontaktaufnahme des Säuglings
Interaktionsphase im Laufe der weiteren Entwicklung: Kommunikation / Interaktion mit gemeinsamen Handlungszielen (Empathie), es entsteht eine Art Partnerschaft‘ zwischen Mutter und Kind

Je nach Verlauf dieser Phasen lassen sich die Kinder in vier verschiedene Kategorien von Bindungstypen aufteilen. Bowlby hat diese Typen anhand des Experimentes „Fremde Situation“ herausgearbeitet.
Die sichere Bindung

Sicher gebundene Kinder entwickeln aufgrund von hoher elterlicher „Feinfühligkeit“, eine große Zuversichtlichkeit in Bezug auf die Verfügbarkeit der Bindungsperson. Diese Kinder weinen durchaus, wenn sie von ihrer Mutter in der „fremden Situation“ allein gelassen werden. Sie zeigen diese Gefühle deutlich, akzeptieren den Trost der fremden Frau im Raum jedoch teilweise. Obwohl die Kinder negative Gefühle empfinden, ermöglicht ihnen ihre sichere Bindung darauf zu vertrauen, dass ihre Mutter sie nicht verlassen wird. Kehrt die Mutter zurück, freut sich das Kind und sucht Mutters Nähe. Es tankt kurz auf, wendet sich aber bald wieder dem Spiel oder etwas anderem zu.

Dieser Bindungstyp ist die beste Voraussetzung für den natürlichen Forscherdrang des Kindes. Je nach Entwicklungsstand kann sich das Kind von der Mutter entfernen, ohne in psychischen Stress zu geraten. So kann es seine Fähigkeiten entspannt erproben und erweitern.
Die unsicher-ambivalente Bindung

Unsicher-ambivalent gebundene Kinder zeigen sich ängstlich und abhängig von ihrer Bindungsperson. Das Verhalten der Mutter ist für das Kind nicht zuverlässig, nachvollziehbar und vorhersagbar. Verlässt die Mutter den Raum, reagieren die Kinder sehr gestresst. Die fremde Person wirkt genauso bedrohlich wie der Raum selbst. Allein die fremde Situation aktiviert ihr Bindungssystem schon von Beginn an. Der ständige Wechsel von einmal einfühlsamen, dann wieder abweisenden Verhalten der Mutter führt dazu, dass das Bindungssystem des Kindes ständig aktiviert sein muss. Da es nur schwerlich erkennen kann, wie die Mutter handeln wird, ist es andauernd damit beschäftigt, herauszufinden, was die Mutter gerade empfindet und tun wird, um sich dem anzupassen. Dieser Bindungstyp führt zur Einschränkung des Kindes, das sich nicht seinem Spiel/seiner Beschäftigung widmen kann. Kinder dieses Bindungstyps können selten eine positive Erwartungshaltung aufbauen, weil ihre Bindungsperson oft nicht zur Verfügung steht, obwohl sie körperlich anwesend ist. Demnach gehen sie mit einer negativen Erwartung in die fremde Situation und reagieren sofort gestresst und verängstigt.
unsicher-vermeident gebunden

Kinder dieses Bindungstyps scheinen gänzlich unbeeindruckt zu sein, wenn die Mutter den Raum verlässt. Sie widmen sich einfach weiter ihrer derzeitigen Beschäftigung. Zusätzliche Untersuchungen der Kinder haben jedoch gezeigt, dass ihr Cortisolspiegel deutlich höher steigt, als der von sicher gebundenen Kindern, die ihre negativen Gefühle ausdrücken. Kehrt die Mutter zum Kind zurück, wird sie ignoriert, das Kind sucht die Nähe der fremden Person und vermeidet aktiv seine Mutter. Unsicher-vermeidend gebundenen Kindern fehlt die Zuversicht, dass ihre Bindungsperson immer verfügbar ist. Sie entwickeln die Erwartungshaltung, dass ihre Wünsche und Bedürfnisse prinzipiell abgelehnt werden und dass sie keinen Anspruch auf Erfüllung dieser haben. Dieses Bindungsmuster ist bei Kindern zu beobachten, die häufig Zurückweisung erfahren haben. Der oft gewählte Weg aus dieser Situation ist die Vermeidung von Beziehungen, um das Risiko der Zurückweisung zu minimieren.

Wesentlich später klassifizierten Bowlbys Nachfolger noch einen vierten Typus, deren zugehörigen Kinder eine Mischung verschiedener Merkmale aufwiesen. Ein Großteil dieser Kinder hatte Eltern, die selbst unter verschiedenen Traumata litten und/oder ihren Kindern körperliche und/oder seelische Gewalt antaten.
Wie wirkt sich "ferbern" auf die Mutter-Kind-Bindung aus?

Wie wir an anderer Stelle bereits erfahren haben, verlangt der Behandlungsplan nach Ferber, das Kind nach einem bestimmten Schema wach in sein Bettchen zu legen und den Raum zu verlassen. Ungeachtet der Reaktion des Kindes. Die meisten Kinder beginnen nach kurzer Zeit zu weinen und äußern so ihr Grundbedürfnis nach Nähe (.s.o.). Aufgabe der Bindungsperson wäre es nun, diese Äußerung wahrzunehmen und prompt und angemessen darauf zu reagieren, also dem Kind Nähe zu geben. Stattdessen schaut die "ferbernde" Bindungsperson auf die Uhr und richtet sich allein danach, ob es schon wieder Zeit ist, zum Kind zu gehen. Wenn sie dann endlich hingeht, nimmt sie das aufgeregte Kind nicht auf, sondern verlässt es kurz darauf erneut. Dieses Spiel wird solange betrieben, bis im Idealfall der Mutterinstinkt siegt und das Kind aus seiner misslichen Lage befreit wird, oder bis das Kind resigniert und unter Umständen vor Erschöpfung einschläft. Verschiedene Schlafprogramme bezeichnen dies als „lernen, alleine einzuschlafen“ und sehen darin den gewünschten Erfolg. Das Einzige, das die Kinder meiner Meinung nach dabei lernen, ist, dass sich niemand für die Äußerung ihres Bedürfnisses interessiert. Je früher dieser Behandlungsplan angewendet wird, umso fataler können die Folgen sein. Mit dem Nicht-Eingehen auf das Bedürfnis nach Nähe lasse ich den Grundstein für eine gute Bindung Risse bekommen. Je jünger das Kind, umso tiefer die Risse. Ob dieser Stein einen Sprung davon trägt oder gar ganz zerbricht, hängt von vielen weiteren Faktoren ab. Aber schon die Risse können nicht selten dazu führen, dass es in zweiter Instanz zu einer unsicheren Bindung kommt.
Dass Babys erst langsam einen Tag-Nacht-Rhythmus entwickeln, ist hinlänglich bekannt. Aber dass der Schlaf als solcher sich deutlich von dem eines Erwachsenen unterscheidet, wissen nur wenige.
Schlafphasen

Der Schlaf wird generell in zwei Phasen unterteilt: In den aktiven und den ruhigen Schlaf, bestehend aus vier Stufen. Da sich in der aktiven Phase die Augen hin- und herbewegen, wird diese Phase auch REM-Phase (Rapid-Eye-Movement) genannt. In der ruhigen Phase sind auch die Augen bewegungslos, so dass diese Phase auch Non-REM-Phase genannt wird. Welche Mutter kennt nicht das Erlebnis, wenn sie ihr Kind in einer REM-Phase versucht, ihr Kind abzulegen, nachdem es an der Brust eingeschlafen ist. Keine Chance. Je kleiner das Kind ist, umso höher ist der Anteil an REM-Schlaf.

Schlafphasen vonNeugeborenen
Quelle: SEARS, W. 1996: Schlafen und Wachen. Ein Elternbuch für Kindernächte.



Die Grafik zeigt, dass der Anteil an REM-Phasen bei Neugeborenen 50% des Gesamtschlafes umfasst. Bei Zweijährigen sind es noch 25%. Die Verteilung dieser Phasen ist von verschiedenen Faktoren abhängig und verändert sich auch immer wieder einmal. Den Rest der Schlafzeit verwenden Babys zu 35-45% auf Non-REM-Schlaf und zu 10-15% auf die Übergangsphasen. Bei Erwachsenen hingegen wird der Anteil an Übergangsphasen immer geringer. Auch die einzelnen Stufen der Non-REM-Phase sind bei Babys nur schwach ausgeprägt, so dass ein Großteil des Schlafs aus Übergangs- und unbestimmbarem Schlaf besteht. Vor diesem Hintergrund leuchtet es ein, warum Babys so oft erwachen, wenn man versucht, sie abzulegen.
Schlafzyklen

Als Schlafzyklus wird die Zeit bezeichnet, die für einen Durchgang REM- und Non-REM-Schlaf gebraucht wird. Ein durchschnittlicher Erwachsener durchläuft im Schnitt vier solcher Zyklen à 90 Minuten pro Nacht. Ein Baby hingegen hat deutlich kürzere Schlafzyklen und häufigere REM-Phasen: In etwa doppelt so viele wie ein Erwachsener, demzufolge auch deutlich mehr Übergangsphasen. Es gibt also bei einem Baby deutlich mehr kritische Momente, in denen es aufwachen könnte.
Babys schlafen anders ein

Oft berichten Mütter, dass ihre Babys erst nach 20 oder 30 Minuten ruhiger werden. Vielen fällt das negativ auf, weil ein Erwachsener recht schnell aus dem Wachzustand in den ruhigen Schlaf gleiten kann. Ein Baby muss diese Fähigkeit erst entwickeln. Sie durchlaufen zunächst eine REM-Phase, die etwa 20 Minuten dauert, gefolgt von einem Übergangsschlaf und schließlich die Non-REM-Phase. Mit zunehmendem Alter erlangen die Babys mehr und mehr die Fähigkeit, direkt vom Wachzustand in den ruhigen Schlaf zu gleiten. Das Alter, in dem diese Entwicklung abgeschlossen sein wird, ist genauso individuell verschieden wie bei allen anderen Entwicklungsschritten auch. Und ebenso wie bei allen anderen Entwicklungsschritten auch, ist es nicht notwendig, diesen zu beschleunigen. Gras wächst auch nicht schneller, wenn man daran zieht.
Tag und Nacht-Rhythmus

Wir Erwachsenen haben für gewöhnlich kein Problem damit, dass nachts Schlafenszeit und tags Wachzeit ist. Babys haben jedoch die ganze Schwangerschaft mehr oder weniger in Dunkelheit verbracht und haben keinen Unterschied zwischen Tag und Nacht erlebt. Wann und wie ein Baby seine Wachphasen am Tag und die Schlafphasen in der Nacht ausweitet, ist ebenfalls eine ganz individuelle Entwicklung, die von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird.
Schlafen „lernen“

Wie wir oben gelesen haben, ordnet das Baby sein Schlafmuster im Laufe des ersten Lebensjahres. Es erwirbt so etwas wie Schlafreife: die Schlafstunden werden insgesamt weniger, die Menge der REM-Phasen wird geringer, der ruhige Schlaf wird mehr und die Schlafzyklen verlängern sich. Das bedeutet auch, dass die kritischen Momente, in denen das Baby durch Reize aufwachen könnte, weniger werden. Die meisten Kinder schlafen dann auch durch, d.h. von Mitternacht bis 5 Uhr morgens. Natürlich kann dies nur ein Richtwert sein, denn jedes Kind entwickelt sich anders. Es soll hier vor allem verdeutlicht werden, dass im ersten Jahr eine Entwicklung stattfindet. Auch bei den älteren Kindern ist der Schlaf immer wieder veränderbar. Es sind dann nur andere Einflüsse: Angst, Albträume, Zähne, Infekte oder Impfungen führen immer wieder dazu, dass Kinder ihre Schlafgewohnheiten verwerfen. Da hilft es nur, flexibel zu sein und sich als Eltern an die Gegebenheiten anzupassen.
Vorteile

Sears schreibt in seinem Buch, dass der REM-Schlaf und die Gehirnentwicklung signifikant voneinander abhängen. Demnach ist der REM-Schlaf als Autostimulierung des sich entwickelnden Gehirns zu betrachten, indem er visuelle Bilder produziert, die die Entwicklung fördern sollen. Die verschiedenen Schlafmuster bestätigen dies. Mit zunehmendem Alter wird der Anteil an REM-Schlaf kleiner und kleiner, da das Gehirn zunehmen Reize von außen erhält und die Reize von innen während der REM-Phase nicht mehr braucht. Als weiterer Vorteil dieses Schlafmusters ist die Bedürfnisbefriedigung zu sehen. Je kleiner das Baby, umso geringer sind seine Möglichkeiten, seine Bedürfnisse zum Ausdruck zu bringen. Würde es im gleichen Muster schlafen wie ein Erwachsener, würde es vielleicht verschlafen, dass das Bäuchlein leer ist und es dringend mal wieder stillen müsste. Oder es würde nicht bemerken, dass ihm zu kalt oder zu warm ist. Oder sogar, dass seine Nase verstopft ist und es nicht richtig atmen kann.
Warum erzählen wir Ihnen all dies?



Weil wir vermitteln wollen, dass wir als Eltern nur wenig bis gar keinen Einfluss darauf haben, wann unser Kind besser oder durchschläft. Natürlich können wir eine angenehme Umgebung schaffen, es liebevoll betreuen und begleiten. Aber es muss nicht mit sechs Monaten zwölf Std. am Stück schlafen, vielleicht macht es das mit zehn Monaten oder erst mit drei Jahren. Und weil wir aufzeigen wollen, dass die Fähigkeit, durchzuschlafen, z.B. nicht davon abhängt, wie viel Brei ihr Kind am Abend verspeist hat. Es wird das Durchschlafen von ganz allein entwickeln. Und dass das seine Zeit dauert, ist von der Natur so gewollt und eingerichtet. Dem Kind einen Behandlungsplan aufzuzwingen, halten wir für einen massiven Eingriff in ganz normal entwickelte und vollkommen normale Schlafmuster. Und auch in die Ernährung. Antrainiertes Durchschlafen greift auch in das individuelle Essverhalten des Kindes ein. Die Natur hat Babys so programmiert, dass sie mehrmals täglich kleinere Mengen Muttermilch trinken, und nicht nach Plan bestimmte Mengen verspeisen. Wird ein Kind nun darauf dressiert, nachts mehr zu schlafen als es vom Entwicklungsstand her kann, greifen wir auch in das Essverhalten massiv ein. Daraus resultiert dann u.U. auch ein Problem mit der Milchmenge, die nicht mehr in dem Maße abgefragt wird, wie es das Kind bräuchte. Die Milchproduktion geht zurück. Sie sehen, die Dinge greifen unmittelbar ineinander. Gerade der Schlaf ist eine grundlegende Sache, die nicht unnötig beeinflusst werden sollte. Natürlich gehen wir hier von einem zeitgerecht entwickelten Kind ohne besondere Auffälligkeiten aus
Schreien lassen tut weh

Es hört sich so einfach an: Einige Nächte schreien lassen, und dein Baby wird die ganze Nacht schlafen - jede Nacht. Wenn es nur so einfach wäre! Meine Recherchen haben ergeben, dass nur sehr wenige Eltern einen so einfachen Erfolg erleben. Viele müssen wochenlang jede Nacht mit stundenlangem Weinen (dies gilt oftmals für Baby und Eltern), fertig werden. Manche Babys schreien so sehr, dass sie sich übergeben müssen. Einige Eltern stellen fest, dass das nächtliche Weinen das Verhalten des Kindes am Tag beeinflusst - es wird anhänglich und durcheinander. Viele bemerken, dass jede Art von Rückschlag (Zahnen, Krankheit, Ausfall eines Nickerchens, Urlaub) ihr Kind erneut zum nächtlichen Aufwachen bringt, und sie ihr Kind wieder und wieder schreien lassen müssen. Viele wenn nicht alle Eltern, die auf das Schreien lassen zurückgreifen, glauben aber, dies sei der einzige Weg, ihr Baby zum Durchschlafen zu bewegen.

Experten über die beiderseitige Qual des Schreienlassens (...) Dr. Paul M. Fleiss und Frederick Hodges in Sweet Dreams (Lowell House, 2000) sagen folgendes über solche Trainingsprogramme für Babys: Babys und kleine Kinder sind eher emotionale als rationale Wesen. ein Kind kann nicht begreifen, warum Sie seine Rufe nach Hilfe ignorieren. Nicht auf die Schreie Ihres Babys zu reagieren, auch mit der besten Absicht, bedeutet, dass sich Ihr Kind im Stich gelassen fühlt. Babys haben biologische Bedürfnisse, die "Schlafexperten" entweder ignorieren oder verleugnen. Es stimmt, dass ein Baby, dessen Bedürfnisse ignoriert werden, letzten Endes wieder einschlafen wird, aber das Problem, dass das Aufwachen eigentlich hervorgerufen hatte, bleibt ungelöst. Auch wenn die Eltern nachgesehen haben, um sicher zu gehen, dass das Kind nicht krank ist oder an sonstigem körperlichen Unbehagen leidet, wird der eigentliche emotionale Stress beim Baby bestehen bleiben, wenn sie mit ihm nicht auf eine mitfühlende Weise umgehen, es beruhigen oder stillen, bis es wieder einschläft.

Die vernünftigste und anteilnehmendste Herangehensweise ist ein sofortiges Reagieren auf das Weinen Ihres Kindes. Vergessen Sie nicht, Sie sind die Eltern. Und Ihrem Kind Sicherheit zu geben ist eine der erfreulichsten Aufgaben der Elternschaft. Es ist ein schönes Gefühl zu wissen, dass Sie die Macht haben, das Leben Ihres Babys aufzuhellen und Angst und Schmerz von ihm fernzuhalten.

Kate Allison Granju schreibt in Attachement Parenting (Pocket Books, 1999): Babys sind Menschen, extrem hilflose, verwundbare, abhängige Menschen. Ihr Baby verlässt sich auf Ihre liebevolle Fürsorge. Wenn es weint, signalisiert es - auf die einzige Art, die es kennt - dass es Sie braucht. Sie wissen, wie es sich anfühlt, vor Angst oder Verzweiflung zu weinen. Es fühlt sich schrecklich an. Und für ein Baby ist es nicht anders. Wenn Ihr Baby weint - aus welchem Grund auch immer - erfährt es körperliche Veränderungen. Sein Blutdruck erhöht sich, seine Muskeln erhalten eine erhöhte Spannung, Stresshormone überfluten seinen kleinen Körper. (...)

Dr. William Sears (...) warnt in Nighttime Parenting (Plume, 1999), sogar vorm Schreien lassen: "Eltern, lasst mich euch warnen. Schwere Probleme in der Kindererziehung haben keine einfachen Lösungen. Kinder sind zu wertvoll und ihre Bedürfnisse zu wichtig, als dass sie zu Opfern billiger und oberflächlicher Ratschläge werden dürften".

Wie fühlt sich ein Baby, das man schreien lässt? Niemand weiß wirklich, wie sich das Schreien lassen tatsächlich auf ein Baby auswirkt. Man kann es schließlich nicht zweimal aufziehen und sich den Unterschied ansehen. Und niemand weiß wirklich, wie sich ein Baby letztlich fühlt, wenn man es weinen lässt. Jean Liedloff präsentiert jedoch eine sehr wahrscheinliche Sichtweise in Ihrem Buch "Auf der Suche nach dem verlorenen Glück" (Addison-Wesley, 1977). Hier beschreibt sie das Aufwachen eines Babys mitten in der Nacht:

"Er wacht auf in dem sinnlosen Schrecken der Stille, der Bewegungslosigkeit. Er schreit. Sein kleiner Körper brennt von Kopf bis Fuß vor Bedürfnis, Verlangen, unaufschiebbarer Ungeduld. Er schnappt nach Luft und schreit, bis sein Kopf nur noch ein einziges Pochen ist. Er schreit, bis seine Brust schmerzt, bis sein Hals wund ist. Er kann den Schmerz nicht mehr ertragen und sein Schluchzen lässt nach und klingt ab. Er lauscht. Er öffnet und schließt seine Fäustchen. Er rollt seinen Kopf hin und her. Nichts hilft. Es ist unerträglich. Er beginnt wieder zu weinen, doch es ist zu viel für seinen überanstrengten Hals; bald hört er auf. Er rudert mit den&Aauml;rmchen, und tritt mit seinen Beinchen. Er hört auf, leidend, unfähig zu denken. Er lauscht. Dann schläft er wieder ein."

Lösungsmöglichkeiten Wer sein Baby dazu bewegen möchte, nachts durchzuschlafen, für den gibt es andere, liebevollere Möglichkeiten als das Schreien lassen. Durch das Erkennen, Analysieren und Bewerten der Schlafmuster des eigenen Babys können diese sanft beeinflusst und in die gewünschten Bahnen gelenkt werden. Wie das geht, steht z.B. in dem Buch "The No-Cry Sleep Solution" von Elizabeth Pantley, einer Elternberaterin und Mutter von vier Kindern. Hier werden verschiedene Schlaflösungen, aus denen man die für sich passenden herauspicken kann, vorgestellt, und ein tränenfreier maßgeschneiderter Schlafplan wird erstellt.

übersetzt aus "The No-Cry Sleep Solution" von Ruth Pospisil

zum Seitenanfang
Seite drucken
Babys haben auch nach dem 6.Monat nächtliche Bedürfnisse

Aus dem Kapitel "Vom 6.Monat bis zum Schulalter. Zeit für feste Zeiten"
"Wenn Ihr Baby sich sicher bisher noch nicht an regelmäßige Schlaf- und Wachzeiten gewöhnt hat, brauchen Sie nun auf keinen Fall länger abzuwarten. Sie können sicher sein: auch bei Ihrem Baby ist die biologische Reifung soweit abgeschlossen, dass es nachts nichts mehr zu trinken braucht und ca. 11 Stunden hintereinander schlafen kann. Was es darüber hinaus noch an Schlaf braucht, holt es sich tagsüber bei seinen regelmäßigen Tagesschläfchen." (aus: "Jedes Kind kann schlafen lernen", Kast-Zahn und Morgenroth 1998, S. 52)

Die auch hier benannte magische 6-Monats-Grenze hält sich hartnäckig in den Köpfen der Mütter. Woher sie kommt, konnten meine Recherchen nicht eindeutig ausmachen. Klar ist jedoch, dass die meisten Mütter zu hören bekommen, dass das Kind mit 6 Monaten durchschlafen müsse und nachts keine Flasche/Stillmahlzeit mehr brauche. Es soll an dieser Stelle nicht um die Frage gehen, ob ein Kind pünktlich mit Erreichen der Sechsmonatsmarke keine nächtliche Nahrung mehr braucht. Vorrangig soll es darum gehen, warum ein Kind ab diesem Zeitpunkt durchzuschlafen hat. Hierzu gibt es verschiedentliche theoretische Ansätze:
Kulturelles Erbe

Der Erziehungsratgeber vergangener Tage schlechthin ist "Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind", bzw. "Die Mutter und ihr erstes Kind". Johanna Haarer veröffentliche dieses Werk 1934 (und weitere folgten) und legte damit einen Grundstein für den Erziehungsstil der kommenden Jahrzehnte. Die letzte Auflage erschien 1987. "Haarers Bücher galten als praktisch. Sie waren aber auch politische Propagandaschriften. Und es wurde in ihnen eine "Pädagogik" vertreten, die ausdrücklich auf das nationalsozialistische System hin erziehen sollte." (Chamberlain) Die hohe und häufige Auflage des Buches lässt den Schluss zu, dass es sich um ein lange sehr verbreitetes Buch gehandelt hat. Es hat u.a. einige Stillregeln zum Inhalt. Diese sehen bereits von Beginn an eine nächtliche Fütterungspause von 8 Stunden vor. Diese Nachtpause darf nur im Falle von nicht ausreichender Gewichtszunahme mit einer Stillmahlzeit unterbrochen werden. Ausserhalb dieser Trinkzeiten darf das Kind nicht aufgenommen werden. Es verbleibt in seinem separaten Bettchen, im "Optimalfall" im separaten Raum. Spätestens mit der vermehrten Zufütterung ab dem 6.Monat sollte diese Pause jedoch eingehalten weren. Eine Begründung bleibt die Autorin schuldig. Dass hier die Mutter geradezu angewiesen wird, ihr Kind schreien zu lassen, erschliesst sich bei der Lektüre fast von selbst. Nachdem sie eine Reihe von möglichen Ursachen abgeklopft (Wundsein, nasse Windel, Lärmbelästigung) und versucht hat, Abhilfe zu schaffen (trockenlegen, ggf. Wundversorgung, für Ruhe sorgen, Schnuller anbieten) heisst es bei Haarer: "Versagt auch der Schnuller, dann, liebe Mutter, werde hart! Fange nur ja nicht an, dass Kind aus dem Bett herauszunehmen, es zu tragen, zu wiegen, zu fahren oder es auf den Schoß zu halten." Gehen wir nun davon aus, dass sich diese Lehren auch die vielen Jahre bis zur letzten Auflage 1987 gehalten und Anklang gefunden haben, so lässt sich vermuten, dass dieses Werk eine Ursache für die "magische 6-Monatsgrenze" sein könnte.
"Nächtliche Nährpflicht"

Bei meiner Recherche in verschiedenen, einschlägigen Foren stieß ich erstmals auf den Begriff "nächtliche, bzw. medizinische Nährpflicht":

"Medizinisch" gilt innerhalb den ersten 6 Monaten sogar die sog. "nächtliche Nährpflicht", d.h. Babys diesen Alters sollten grundsätzlich (von sehr seltenen Ausnahmen abgesehen) nicht durchschlafen, da dies das Gedeihen negativ beeinflussen kann. Dies bedeutet auch, dass Babys nach 6 Monaten fürs reine überleben(!) nachts keine Nahrung mehr brauchen, sie also nicht mehr unmittelbar gesundheitsgefährdet sind, wenn sie nachts nicht mehr versorgt werden." Eine der Userinnen berichtete mir, es sei gang und gebe, dieses in diversen Lehrbüchern zur Kinderheilkunde zu vermitteln. Ich habe mich daraufhin an die deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. sowie an die nationale Stillkommission gewand. Weder die eine noch die andere Institution konnte mir weiterhelfen, der Begriff war gänzlich unbekannt. Lediglich der Ausdruck "Nährpflicht" im Zusammenhang mit Mutter und Kind ist mir im Text "Der Muttertrieb" von Hedwig Dohm, (1903) begegnet: "Es sind die kleinen, hilflosen Geschöpfe, die Babies, denen die Mutter die größte Zärtlichkeit widmet. Der Säugling in der Tat ist von der Natur auf die Mutter angewiesen. Bei der heutigen Beschaffenheit der Frau kommt das Säugeamt nur zu oft in Wegfall. Surrogate für die Muttermilch mögen in vollkommener chemischer Zusammensetzung noch nicht vorhanden sein. Sie herzustellen, bleibt der Zukunft vorbehalten. Es ist vorauszusehen, daß die Mutter der Zukunft imstande sein wird, ihre Nährpflicht besser zu erfüllen als die jetzige Generation."

Sollte einem Leser oder einer Leserin dieses Textes mehr darüber bekannt sein, so möge er sich bitte an uns wenden!


Flaschenkind vs. Stillkind

Ein weiterer Denkansatz ist, dass von Flaschenkindern auf Stillkinder geschlossen wird. In den 70er und 80er Jahren war Flaschennahrung weit verbreitet, die Stillquoten im Keller. Wie auch schon bei Haarer gab es besonders bei künstlicher Nahrung einen strengen Fütterungsplan, da diese keinesfalls nach Bedarf gegeben werden konnte wegen des hohen und starren Kaloriengehaltes. Muttermilch hingegen schwankt im Kaloriengehalt schon innerhalb einer Stillmahlzeit und kann nach Bedarf getrunken werden.

Ein mit künstlicher Milch gefütterter Säugling schlief nicht selten schon früh lange am Stück. Böse Zungen bezeichnen dies aus heutiger Sicht oftmals als "Verdauungskoma", da inzwischen erkannt wurde, dass der Nährstoffgehalt damaliger und teils auch heutiger Säuglingsnahrung den Verdauungstrakt überfordert und lahmgelegt hat. Nicht selten wurden auch die selbstangerührten Milchen mit Flocken oder&Aauml;hnlichem angedickt, was diesen Effekt noch verstärkte. Die Tatsache der vielen lange am Stück schlafenden Kinder stütze und förderte die Annahme, dass dieser Zustand so früh wie möglich zu erreichen wäre. Mit der zu der Zeit vergleichsweise frühen Einführung von Beikost tat ein dicker Abendbrei sein übriges zur Annahme, dass spätestens mit 6 Monaten nachts Ruhe zu herrschen hab
Eine Studie

In seinem Kapitel "Einige Mythen rund um das Schlafen" begibt sich Carlos Gonzalez ebenfalls auf die Suche nach dem Urheber der Aussage, dass Kinder ab einem bestimmten Alter eine bestimmte Anzahl an Stunden schlafen können und sollen. Auch er findet viele verschiedene Angaben zum Alter und zur Stundenanzahl, aber keine konkrete Begründung, geschweige denn wissenschaftliche Belege. Unter anderem bei Estivill: "Gegen Ende des ersten Lebenshalbjahres, spätestens mit sieben Monaten, muss ein kleines Kind in der Lage sein, alleine im Dunkeln im eigenen Zimmer zu schlafen und (etwa elf oder zwölf Stunden am Stück) durchzuschlafen." (Estivill nach Gonzalez) Jedoch findet er eine Studie von T.F. Anders: Night-waking in infants during the first year of life. Veröffentlicht in der Pediatrics von 1979. Während dieser Studie filmte Anders zwei Gruppen von Kindern im Alter von 2 bis 9 Monaten während der ganzen Nacht. Er beobachtete dabei, dass 44% im Alter von 2 Monaten die ganze Nacht schliefen und 78% dies mit 9 Monaten taten. Aufgrund des Zeitpunkts der Studie ist es wahrscheinlich, dass nahezu alle Kinder mit der Flasche ernährt wurden. Alle Babies schliefen allein in ihrer Wiege. "Man kann sich leicht vorstellen, dass jemand, der vor langer Zeit diese Studie las und sie nicht noch einmal durchgesehen hat oder auch nur aus zweiter und dritter Hand von ihr gehört hat, am Ende behaupten wird, dass alle Kinder im Alter von sechs Monaten durchschlafen." (Gonzalez) Bei eingehenderem Lesen der Studie gelangt man jedoch zu Anders' Definition von "die ganze Nacht schlafen": "Das Kind bleibt von 12 Uhr Mitternacht bis 5 Uhr früh in der Wiege." (Gonzalez) Nun, da lassen sich schnell zwei Schwachpunkte aufzeigen:

bleibt das Kind still in seiner Wiege, liegt aber wach da, hat es nach dieser Definition trotzdem die ganze Nacht geschlafen. Die Filmaufnahmen zeigen jedoch, dass nur 15% der Kinder im Alter von 2 Monaten und nur 33% der neunmonatigen Kinder tatsächlich zwischen Mitternacht und 5 Uhr früh schliefen, ohne zu erwachen.
Erwacht ein Kind kurz vor Mitternacht und dann um kurz nach 5 erneut, so hat es nach Anders auch die ganze Nacht geschlafen, "auch wenn seine Eltern es aus der Wiege nehmen und von viertel nach 5 bis halb 7 mit ihm spazieren gehen müssen." (Gonzalez).

Nur 6% der zweimonatigen und 16% der neunmonatigen Babys schliefen 10-11 Stunden am Stück. D.h. dass 84% nicht der allgemeinen Norm entsprachen. Estivill prophezeit für diese von der Norm abweichenden Kinder schlimme Folgen: "Bei gestillten Säuglingen und kleinen Kindern: Neigung zu weinen, Empfindlichkeit, schlechte Laune, Unaufmerksamkeit, Abhängigkeit von der Betreuungsperson, mögliche Wachstumsprobleme. Bei Kindern im Schulalter: Scheitern in der Schule,&Aauml;ngstlichkeit, schlechter Charakter." (Estivill nach Gonzalez) Diese Androhung ist Teil des Konzeptes. Würde man den Eltern vermitteln, dass es absolut normal ist, wenn ihr Kind nachts mehrfach aufwacht, so sähen sie keine Veranlassung, die zu verkaufende Estivill-Schlaftrainigsmethode anzuwenden. Vermittelt man ihnen jedoch das Gefühl, das Verhalten des Kindes sei nicht normal, sehen sie einen Handlungsbedarf. Wie so oft bei Studien ist es eine Auslegungssache. Diese Studie hier hat das sehr deutlich gemacht. Nur wie viele Menschen haben sich so differenziert damit auseinander gesetzt? Und wie viele davon haben es gewagt, das Buch öffentlich anzugreifen? Und wie viele Menschen haben diesen Zweiflern Glauben geschenkt? Es folgte eine Reihe von Schlaftrainings, die als Bücher veröffentlicht wurden. Die Ferber-Methode in "Jedes Kind kann schlafen lernen" ist nur eine von vielen. Nahezu alle reiten auf der Welle der distanzierten Erziehung. Das Kind muss ins eigene Bett ins eigene Zimmer, allein einschlafen, früh durchschlafen lernen, abgehärtet werden, darf nicht verwöhnt werden und es muss zu bestimmten Zeitpunkten eine bestimmte Anzahl an Stunden schlafen. Ich gebe hier zu bedenken, dass diese Welle meines Erachtens zu einem Großteil den Büchern von Johanna Haarer entsprungen ist, welche verfasst wurden, um folgsame, unterwürfige Nachwuchsjünger für das Naziregime heranzuziehen. . man kann sein baby im 1. Jahr nicht verwöhnen - meine Hebamme Anziehen
Full transcript