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Medienkritik

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by

Sarah Schoolmann

on 6 March 2014

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Transcript of Medienkritik

Jörg Friedrich:
Die Moral des Netzes
Hans Magnus Enzensberger:
Das digitale Evangelium
1. Die Bocksprünge der Theorie
die Medienkritik folgt der technischen Entwicklung verspätet
Kulturkritik: älter als der Name
"Jedem Medium folgt wie ein Schatten der Verdacht des Sinnverlustes und der Uneigentlichkeit" (Z. 43 f.)
Kritik jedoch ohne Tatsachengrundlage, Argumente
Behauptung "Wir amüsieren uns zu Tode" sei falsch; eher Trivialliteratur, denn Wissenschaft
Bewusstseinsindustrie als Schlüsselbranche des Jahrhunderts (Kommunikations- und Medienwissenschaft) -> Medienkritik
Phasen der Medienkritik vor Kurzem untersucht
Wissenschaftler versuchen Anschluss an neue Medien zu finden -> Auseinandersetzung mit neuen Medien
Hans-Dieter Kübler: Medien- und Massenkommunikation: Begriffe und Modelle
Jörg Friedrich: Die Moral des Netzes

Hans-Dieter Kübler: Medien- und Massenkommunikation: Begriffe und Modelle

Hans Magnus Enzensberger: Das digitale Evangelium

Enzensberger: Stilmittel

Medienkritik
1. Gedankenexperiment: Nachbar späht ins eigene Schlafzimmer

2. Gedankenexperiment: Kaufhaus-Detektive brechen in Wohnung ein, um Nachfrage zu kennen
moralische Normen verbieten / sanktionieren dieses Verhalten in der realen Welt -> absurd
anders im Web: im Internet wird Überwachung als selbstverständlich hingenommen
Überwachungsverhalten im Weg verwerflicher, da es schwieriger nachzuweisen ist

durch (kostenlose) Spionage ist alles verfügbar, was man braucht (im Kaufhaus wie im Internet)
-> dadurch Kostensenkung möglich
Argument im wahren Leben nicht akzeptabel
-> Logik der kostenlosen Nutzung einer Website

Jeder Nutzer zahlt die eigene Portalnutzung durch individualisierte Werbung -> Menschen, die Kaufvorschläge ignorieren nutzen Portal parasitär auf Kosten anderer

Übertragung auf reale Welt: Moral des Netzes könnte auf Alltag ausstrahlen: Nicht Bestrafung der Verbrecher, sondern besserer Selbstschutz gefordert

Fazit: Benutzer (Konsumenten) können Anbieter zu moralischem Handeln zwingen. Es muss sich ein Verständnis für die Moral des Netzes entwickeln. Es müssen Lösungen gefunden werden, die unseren Moralvorstellungen entsprechen.

1. Digitale Revolution und "Informationsgesellschaft"

die Industriegesellschaft ist im Umbruch
unterteilt sich in Medien-, Informations- und Wissensgesellschaft
Optimierung oder mit Risiken verbunden?
Ende 20. Jh.: Informations- und Kommunikationstechnologien werden zu Schlüsselindustrien
viele Menschen arbeiten in tertiären und quartären Wirtschaftssektoren (Dienstleistung, Medien, Information)

Medienphilosoph Marshall McLuhan: Idee eines "globalen Dorfes"
Organisation der Medien, Information (...) durch westliche Industrienationen ->sich verschärfende Ungleichheiten
heterogene, anonyme u. risikoreiche "cities" statt "globaler Dörfer"

Antrieb des Wandels ist Digitalisierung -> Umwandlung von Informations- und Kommunikationsprozesse in Computercodes
Räuml. Entfernung u. zeitl. Verzögerung aufgehoben
Interaktivität möglich: Aufhebung von Sender-Empfäner-System
Umsatz älterer Produktionsformen nimmt ab -> professioneller Journalismus wandelt sich
Konkurrenz durch Produktionen mit elektrischer Software
Wirklichkeitsbereiche werden virtualisiert -> Medizin, Architektur, Kosmetik (...)
Medien reichen in gesellschaftliche Bereiche, übernehmen Tätigkeiten -> dadurch weniger Aufgaben durch Menschen erledigt, sondern mediatisiert
neue Produkte -> neue Märkte -> neue Begriffe notwendig
2. Ein kurzer Abriss der Mediengeschichte

Um Wandel und Kontinuitäten feststellen zu können, ist die Vergangenheit notwendig
drei große Phasen der Mediengeschichte
( 1 )
Mitte 15. Jh. : Erfindung des Buchdrucks (Gutenberg)
-> Mechanisierung / Verbreitung der Schriftproduktion -> neue (Medien-)berufe
Zeitschriften verkörpern Aufklärungsgedanken (18. Jh.)
Aufbruch der Wissenschaften, Herausbildung des Bürgertums, allmähliche Lesefähigkeit
( 2 )
Mitte 19. Jh.: Phase der Massenmedien
"neue Medien": Fotografie (1830er), Telegrafie (1840)
-> weltumspannender Informationsaustausch
Nachrichtenargenturen -> automatische Zeilensetzmaschine
Film (Ende 19. Jh.) als Massenmedium, Hörfunk (1820er) als Weiterentwicklung der Telegrafie
Telefonie (1870er): Nutzen stand nicht von Anfang an fest
"Volksempfänger" zur nationalsozialistischen Propaganda -> Massenartikel (ab 1934)
Veralltäglichung der Medien
Werbung zur Verbindung von Medien und Konsum
20. Jh.: Tonaufzeichnung auf Schallplatte
Ende 19. Jh.: privat nutzbare Fotokamera
1935: Tonbandgerät
1963: Tonkassettenrekorder
Fernsehen (Anfang 50er), Farbfernsehen (1967),
(Mitte 80er) Übertragung über Kabel u. Satellit -> Programmvielzahl
1945: öffentlich-rechtlicher Rundfunk -> Allierte Siegermächte (Beitrag)
Privat-kommerzielle Anbieter: Finanzierung durch Werbung
Anfang 21. Jh.: digitale Übertragung
( 3 )
ab 1940er Jahre
1936: erster Universalrechner, 1945: Röhrencomputer
70er: Personal Computer (1975: Microsoft), (1976: Apple)
ISDN (Leitungsnetz) ab 1985
90er: Pentium-Prozessoren -> vernetzte Computer

Ende 60er: Pentagon benötigt Vernetzungsart, die nach Atomkrieg Bestand hätte und vor Feinden geschützt ist
politische Entspannung u. Beendigung des Kalten Krieges reduzieren militärischen Bedarf
ca. 1972: Internet steht zur Verfügung: Programm FTP -> beliebig kombinierbare Vernetzung
Anfang 70er: erstes Online-Medium (e-Mail)
1983: Pentagon gibt Internet für zivile Nutzung frei
1992: World-Wide-Web -> benutzerfreundlich -> wird zu größtem Massenmedium
1993: Student Mark Andreessen entwickelt Browser Netscape
1997: Microsoft Explorer
2001: 400 Mio. Menschen haben einen Internetzugang -> westliche Länder

mobile Telefonie: Prototyp (50er)
1992: D1 (Telekom) und D2 (Mannesmann)
new economy (E-Business): immatrieller Datentransfer und Informationsaustausch gilt als gescheitert -> keine eigenständige Wertschöpfung
WWW und Internet unverzichtbar, Entwicklung jedoch nicht wie prognostiziert verlaufen
Gutenbergs Buchdruck und daraus resultierende Veränderungen -> erste Kommunikationsrevolution
2. Phase wird unterschiedliche beurteilt - zweite Kommunikationsrevolution
- nur technische Weiterentwicklung
Geräte werden immer kleiner, billiger, leistungsfähiger
Innovationen und Verbreitungen vollziehen sich immer schneller (nur drei Jahre, bis es 50 Mio. Internet-Nutzer gab)
die meisten Medien aller Phasen existieren nebeneinander her
Ein neues Medium verdrängt ein altes nicht gänzlich; es ergeben sich immer neue komplementäre Funktionen und Nutzungsweisen
3. "Neue Medien" - neue Schlagwörter

neue Schlagwörter entstehen: wenig analytische Substanz / verschwinden oft schnell wieder
Kommunikation (früher: personaler Austausch) heute hauptsächlich medial
-> Kritik an Mediatisierung aller Lebensbereiche
mit dem Begriff des Mediums wurde bisher die personale Kommunikation von der Massenkommunikation getrennt (Z. 675f)

"neue Medien": 80er: neue Übertragungswege für Hörfunk und Fernsehen (Kabel / Satellit)
90er: Personal Computer; CD, DC-ROM, CD-Video, DVD
Schlagwörter: Datenautobahn, vernetztes Denken, virtuelle Welten, Globalisierung der Kommunikation,
Interaktivität, global village
-> ständig neue Bedeutungen
durch Veränderung der Kommunikations- und Verkehrsformen formiert sich die Gesellschaft neu

Epoche des Buchdrucks wurde als Massenkommunikation bezeichnet
durch Computer werden personale und mediale Kommunikation verbunden -> begriffliche Dualität beendet

umstritten, ob Internet Massenmedium ist -> es integriert andere, nicht publizistischen Leistungen und Dienste, ermöglicht also kommunikative Vermittlungen (z.B. Online-Banking)
dadurch nicht nur medienrechtliche, sondern auch zivilrechtliche Beziehung zwischen Teilnehmern
-> Gesetzgeber und Juristen suchen nach passenden Regeln und Vereinbarungen, um Verbraucherschutz zu
gewährleisten
E. teilt in zwei Gruppen ein: Apokalyptiker (halten Medien für Fluch, Unheil)
Evangelisten (Medien als Segen, Heil, Verbesserung für Menschheit)
Evangelisten sehen "Verheißungen" der Neuen Medien: Vernetzung, Demokratie, Gleichberechtigung, Umweltschutz
neue Heilshoffnung: Cyberspace (Befreiung vom eigenen Körper)
Evolutive Neuentwicklung durch Chimäre (Mischwesen Mensch u. Maschine)
Propheten (Geldgeber für Forschungsprojekte) sind den Tatsachen (Geld in
den Sand gesetzt) immun
Apokalyptiker denken, dass das Ende schon eingetroffen ist
-> Verlust der Wahrnehmung
-> Simulation realer als Wirklichkeit
-> Welt ist Simulation: Sinnsuche hat sich erledigt
Apokalyptiker meinen, sie durchschauten die Verblendung
2. Der Gebrauchswert als Bremser
Gebrauchswert der Medien nur hintergründig
Fachsprache mindert den Gebrauchswert
normale Verbraucher verstehen abstrakte neue Medien nicht
nach Entwicklung wird Zweck von Technik gesucht
Unübersichtlichkeit technischer Geräte
Digitale Medien sind "benutzerfeindlich"
Es wird lange dauern, bis klar ist, wozu die Neuen Medien gut sind
-> Vergleich: frühere Phasen der Mediengeschichte

3. Die Netzestadt
Erkennen vom Nutzen der Medien (hier Internet) durch Militärs und Geheimdienste
Evangelisten glauben an Kapital(wert) der Medien: trotz Verlusten hoher Marktwert
Gesellschaftliche Auswirkungen der Medien (1970): Medien wie Fernsehen und Film dienen nicht der Kommunikation, sondern verhindern diese
Verlust von Kontrolle der Systeme
den neuen Medien wurden utopische Möglichkeiten zugeschrieben (Gegensatz zu "alten" Medien)
Unterschied zwischen zentral und dezentral gesteuerten Medien -> Gefälle zwischen Befehl und Gehorsam gleichberechtigter Teilnehmer
Dezentrale Medien sind nicht neu:
zentrale Instanz prägt Münze -> zirkuliert ohne Kontrolle zwischen Marktteilnehmern
Bedrohung des Informationsmonopols der Regierung (Telefonie) -> Kontrolle der Medien
Internet: Kontrolle des Datenverkehrs durch Volumen schwierig
Nachrichten banal und nur für Empfänger von Interesse, nicht jeder hat etwas "wichtiges" zu sagen
Kapital sucht nach Verwertungschancen des Netzes
Veröffentlichung als elektronisches Menschenrecht
Internet durch Globalisierung für Kriminelle anfällig
bildet Geistesverfassung der User ab
4. Gewinn- und Verlustrechnung
schwer, den digitalen Kapitalismus einzuschätzen
Propheten: Haben Veränderungen in der Informationsbranche / -technologie zu Produktivitätsgewinnen geführt?
Verschwendung von Ressourcen gestoppt -> papierloses Büro
Gesellschaft abhängig von Rechnern
Erfolg der Kommunikationsbranchen lässt sich nicht berechnen
Unterscheidung zwischen bloßen Daten und sinnvollen Informationen schwer
Lexikas in Buchform (Encycopaedia Britannica, 1911) besser, da von Fachleuten verfasst
Menge an Informationen problematisch
-> Vermeidung als Lösung der Datenmengen im Internet?
deswegen Entwicklung von Suchmaschinen -> Gehirn selektiert besser !
Urheberrechtsverletzungen: "Mit dem Autor schwindet die Autorität" (Z. 528 f.)
unbegrenzte Speicherkapazität hat zur Folge, das für die Einsicht in ältere Daten die Geräte nicht mehr vorhanden sind -> zu schnell neue Geräte -> Verlust von Daten
5. Ein bisschen politische Ökonomie
Verschiebungen in der sozialen Struktur durch digitalen Kapitalismus
Schichtenspezifische Verteilung steht nicht mehr im Zusammenhang mit Erfolg
(Bildung folgt nicht der Einkommensstruktur)
neue Tugenden: Flexibilität, Mobilität, stetiges Lernen
Medien -> neue soziale Strukturen
E. teilt ein in Gruppen der digitalisierten Gesellschaft
1. Chamäleon
-> Gewinner, Dienstleister: Leute, die ganz oben in digitaler Gesellschaft stehen, haben
nichts mit materieller Produktion zu tun
-> diese Tätigkeiten (z.B. Software-Unternehmer) bringen höhere Erträge als handgreifliche Berufe
2. Igel
-> Beamte: resistent (erhebliche Überlebenschancen) , Mangel an Flexibilität
3. Biber
-> traditionelle Arbeiterschicht -> abnehmende Schicht
4. Unterklasse (in Natur keine
überflüssig
en Arten)
-> "Verlierer", Arbeitslose, Asylbewerber -> wachsende Schichte
-> Wenigen steht die Option offen, sich vom Erfolgsdruchk der Erwerbsgesellschaft auszuschließen
-> großer Teil der Bevölkerung ist den Anforderungen des digitalen Kapitalismus nicht gewachsen
-> unabsehbare politische Folgen der Nicht-Integration
6. Diesseits der Medien
digitale Evangelisten: Unterscheidung von Realität und Simulation hinfällig
Medienarbeiter verwechseln Medien mit Realität
Flüchtigkeit der Produktion
Blick auf Außenwelt fällt schwer -> Überschätzung der eigenen Rolle
Urteil der Konkurrenz wichtiger, als das der Leser (bei Zeitungen)
Werbung wird auf Jugendliche zugeschnitten, obwohl Alterspyramide und Kaufkraft anders gelagert sind
weitere Selbstüberschätzung: Medienarbeiter glauben, dass man ihnen glaubt
es hat sich eine gesunde Skepsis entwickelt, alles wird hinterfragt (Werbung = Lüge)
trotzdem Nutzung der Medien -> verwirrt Rezeptionsforschung (falsche Untersuchungsansätze) -> Antworten der Forscher widersprüchlich

Fazit:
"Die Fähigkeit, eine Pfeife vom Bild einer Pfeife zu unterscheiden, ist weit verbreitet. Wer Cybersex mit Liebe verwechselt, ist reif für die Psychiatrie. Auf die Trägheit des Körpers ist Verlass. Das Zahnweh ist nicht virtuell. Wer hungert, wird von Simulation nicht satt. Der eigene Tod ist kein Medienereignis. Doch, doch, es gibt ein Leben diesseits der digitalen Welt: das einzige, das wir haben."
(Z. 757 ff.)

Enzensberger: Sprachliche Mittel

Bezüge zu Religion:
Das digitale Evangelium (Überschrift)
Apokalyptiker und Evangelisten (Z. 110 ff.)
digitale Evangelisten begnügen sich mit alter Frohbotschaft (Z. 118 f.)
Brechts zweideutige Verheißung (Z. 281)
Das Internet gilt als das Mekka der Investoren (Z. 296 f.)
neue Medien: materialistische Variante der christlichen Trias von Glaube, Hoffnung und Liebe (Z. 331 f.)
Prophezeihung der emanzipatorischen Kraft der neuen Medien (Z. 384 f.)
das Kapital in seiner göttergleichen Indifferenz sah Verwertungschancen... (Z. 404 f.)
Endlich können sich Welterlöser und Satanisten zusammenschalten (Z. 423)


Weitere Stilmittel:
Rückbezug auf Evolutionstheorie Darwins
marxistische Terminologie
Personifikationen: z.B. Auch der Fernseher wirft immer neue Jungen (Z. 245)
Sprichwörter: z.B. "Schein und Sein" (Z. 177), "die Kirche im Dorf lassen" (Z. 748)
Aufzählungen
Umgangssprache: z.B. "Von Erkenntnis? Von Werbung? Von Blabla? (Z. 480 ff.)
Metaphorik
Gegensätze
Vergleiche
Anspielung auf Watzlawiks Axiome (ab Z. 305)
Berufung auf Brecht
Ironie
Übertreibung: z.B. "Die Handbücher, die ihm geliefert werden, können, was ihre Verständlichkeit angeht, auch von Marsmenschen verfasst sein."
Full transcript