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1 ineptire: spinnen
2 perditum: verloren
Catull, carmen 8
Bleibe hart!
3 fulgere, fulgeo, fulsi: strahlen, glänzen
candidus, a, um: hell
4 ventitare: oft kommen
5 nobis = a me
6 iocosa n. Pl.: Zärtlichkeiten
9 impotens: ohnmächtig, schwach
noli: Imperativ Sg. zu nolle
10 nec eam, quae fugit, sectare
sectari = sequi; sectare ist der Imperativ!!!
11 obstinatus, a, um: fest entschlossen
obdurare: hart sein
13 requirere: aufsuchen
14 nulla: überhaupt nicht
15 scelesta: Verbrecherin
vae mit Akk.: wehe mit Dativ
17 cuius esse diceris?: Wessen Freundin wirst
du genannt werden?
18 basiare: küssen
labellum: Lippe
mordere: beißen
19 destinatus: entschlossen
obdurare: hart sein
1 Miser Catulle, desinas ineptire,
2 et, quod vides perisse, perditum ducas.
3 fulsere quondam candidi tibi soles,
4 cum ventitabas, quo puella ducebat
5 amata nobis, quantum amabitur nulla.
6 ibi illa multa tum iocosa fiebant,
7 quae tu volebas nec puella nolebat.
8 fulsere vere candidi tibi soles.
9 nunc iam illa non vult: tu quoque, impotens, noli!
10 nec, quae fugit, sectare, nec miser vive,
11 sed obstinata mente perfer, obdura!
12 vale, puella! iam Catullus obdurat,
13 nec te requiret nec rogabit invitam.
14 at tu dolebis, cum rogaberis nulla.
15 scelesta, vae te! quae tibi manet vita?
16 quis nunc te adibit? cui videberis bella?
17 quem nunc amabis? cuius esse diceris?
18 quem basiabis? cui labella mordebis?
19 at tu, Catulle, destinatus obdura!
Catull hat Liebeskummer.
In diesem Gedicht spricht
sich Catull zunächst selbst
Mut zu und fordert sich
selbst auf, sich von der Ge-
liebten zu lösen.
Hortativ („Aufforderung“)
1. Person Plural Konjunktiv Präsens, wird mit „lass(t) uns …!“ übersetzt
Beispiel: „Domum eamus!“ – „Lass(t) uns nach Hause gehen“
Prohibitiv („Verbot“)
ne + 2. Person Singular bzw. Plural Konjunktiv Perfekt
wird übersetzt als Verbot
Beispiel: „Ne feceris!“ – „Tu das (ja) nicht!“
Optativ („Wunsch“)
erfüllbar
Konjunktiv Präsens und Perfekt in Kombination mit dem Wort „utinam“ bzw. „velim"
Wird übersetzt als Wunsch: „Hoffentlich …!“
Beispiel: „Utinam veniat!“ – „Hoffentlich kommt er!“
Beispiel: „Utinam venerit!“ – „Hoffentlich ist er gekommen!“
unerfüllbar
Konjunktiv Imperfekt und Plusquamperfekt in Kombination mit „utinam" bzw. „vellem"
Wird übersetzt mit: „Wenn doch ...!"
Beispiel „Utinam veniret!“ – „Wenn er doch käme!“
Beispiel: „Utinam venisset!“ – „Wenn er doch gekommen wäre!“
Potentialis („Möglichkeit“)
alle Personen im Konjunktiv Präsens, Perfekt (Gegenwart)
Wird übersetzt als Möglichkeit: „könnte", „dürfte“, „wohl“
Beispiel: „Dixerit aliquis.“ – „Es könnte jemand sagen.“
Jussiv („Befehl“)
2./3. Person Singular bzw. Plural Konjunktiv Präsens, wird mit „er soll/du sollst …" oder „sie sollen/ihr sollt …“ übersetzt
Beispiel: „Brutus Caesarem necet!“ – „Brutus soll Caesar umbringen!“
Dubitativ/Deliberativ („Zweifel“, „Überlegen“)
1. Person Singular bzw. Plural Konjunktiv Präsens
wird übersetzt als zweifelnde Frage, z.B. „soll ich…?“
Beispiel: „Quid faciam?“ – „Was soll ich tun?“
Irrealis („Nicht wirklich“)
Konjunktiv Imperfekt (Gegenwart) oder Konjunktiv Plusquamperfekt (Vergangenheit)
wird übersetzt mit „würde“, „hätte“
Beispiel 1: „Hoc facerem.“ – „Das würde ich machen.“
Beispiel 2: „Caesarem necavissem.“ – „Ich hätte Caesar getötet.“
miser Catulle: Vokativ
desinas/ducas: Jussiv
ducere: halten für
quod vides perisse: verschränkter Relativsatz --> Verschränkung mit AcI:
quod (Akk.) ... perisse (Infinitiv Perfekt zu perire)
amata: PPP als Participium coniunctum, Bezugswort ist puella --> hier mit Relativsatz übersetzt
Nunc iam illa non vult: iam gehört zu non: non iam = nicht mehr
noli: Imperativ Sg. zu nolle
perfer: Imperativ Sg. zu perferre
requiret: Futur I
rogaberis: 2. P. Sg. Fut. I Passiv
diceris: 2. P. Sg. Präs./Fut. I Passiv, hier muss es Futur I sein (siehe andere Futurformen)
Unglücklicher/Armer Catull, du sollst aufhören zu spinnen und du sollst das (ergänzt, aus 'quod' abgeleitet) für verloren halten, wovon du siehst, dass es verlorengegangen ist!
Einst strahlten dir helle Sonnen, immer wenn du dorthin (ergänzt, abgeleitet aus 'quo') kamst, wohin das Mädchen/die Geliebte dich führte, die von mir geliebt worden war, wie sehr keine mehr geliebt werden wird.
Dort geschahen damals jene zahlreichen Zärtlichkeiten, die du wolltest und das Mädchen/die Geliebte auch wollte.
nec ... nolebat: wörtlich: und die Geliebte nicht (= nec) nicht wollte (= nolebat --> Es liegt eine doppelte Verneinung vor, eine sog. Litotes; für die Übersetzung gilt in so einem Fall, dass sich die doppelte Verneinung aufhebt und positiv wird (s. Mathematik: - und - ergibt +).
besser: ... und die Geliebte auch wollte.
Dir strahlten wahrlich/wahrhaft helle Sonnen.
Jetzt will jene nicht mehr: Auch du, Schwacher, wolle nicht mehr (ergänzt)!
Weder verfolge diese (ergänzt, abgeleitet aus 'quae'), die flieht, noch lebe unglücklich, sondern halte mit fest entschlossenem Sinn aus, sei hart!
Leb wohl, Mädchen/Geliebte! Schon ist Catull hart;
er wird dich weder aufsuchen noch gegen deinen Willen bitten.
Aber du wirst leiden, wenn du nicht mehr gebeten (besser: umworben) werden wirst.
Verbrecherin, wehe dir! Welches Leben/Was für ein Leben bleibt dir/wartet auf dich? Wer wird dich jetzt aufsuchen? Wem wirst du als schön erscheinen?
Wen wirst du jetzt lieben? Wessen Freundin wirst du genannt werden?
Wen wirst du küssen? Wem wirst du in die Lippen beißen (wörtlich: ... die Lippen beißen)?
Aber du, Catull, sei entschlossen hart!
Teste und erweitere dein Wissen!
1 Miser Catulle, desinas ineptire,
2 et, quod vides perisse, perditum ducas.
3 fulsere quondam candidi tibi soles,
4 cum ventitabas, quo puella ducebat
5 amata nobis, quantum amabitur nulla.
6 ibi illa multa tum iocosa fiebant,
7 quae tu volebas nec puella nolebat.
8 fulsere vere candidi tibi soles.
9 nunc iam illa non vult: tu quoque, impotens, noli!
10 nec, quae fugit, sectare, nec miser vive,
11 sed obstinata mente perfer, obdura!
12 vale, puella! iam Catullus obdurat,
13 nec te requiret nec rogabit invitam.
14 at tu dolebis, cum rogaberis nulla.
15 scelesta, vae te! quae tibi manet vita?
16 quis nunc te adibit? cui videberis bella?
17 quem nunc amabis? cuius esse diceris?
18 quem basiabis? cui labella mordebis?
19 at tu, Catulle, destinatus obdura!
eindeutig:
Vers 2 ... perisse, perditum ...
geht auch, aber nicht so schön wie in Vers 2:
Vers 6 ... ibi illa ...
geht nicht
Vers 9 ... iam illa ...
--> keine Alliteration, da die Laute unterschiedlich gesprochen werden:
iam: i = j illa: i = i
Thema des Gedichts:
Die Beziehung des lyrischen Ichs zu seiner Geliebten ist in einer schweren Krise. Eigentlich steht sie aus Sicht des lyrischen Ichs kurz vor dem Aus. Der Geliebte will nicht mehr, zumindest versucht er, sich selbst davon zu überzeugen, dass er sich aus der Beziehung löst.
Bedeutung von 'perisse, perditum' vor diesem Hintergrund:
perire = zugrunde gehen, untergehen, verloren gehen
perdere = verlieren, aufgeben
Diese beiden Wörter werden durch die Alliteration betont und damit wird hervorgehoben, dass zwischen den beiden Liebenden eigentlich alles vorbei, verloren, aus ist. Davon möchte sich der Geliebte in diesem Gedicht ja selbst überzeugen; deshalb wird dieser Aspekt betont.
Polyptoton:
Wiederholung desselben Wortes in verschiedenen grammatikalischen Formen
amata: PPP zu amare --> bezieht sich als PPP auf Vergangenheit
In Kombination mit nobis (hier 'von mir') wird darauf verwiesen, dass Lesbia einst von Catull in höchstem Maße geliebt worden ist; das ist aber jetzt vorbei.
amabitur: Futur I zu amare --> bezieht sich als Futur I auf die Zukunft
In Kombination mit nulla wird darauf verwiesen, dass der Geliebte überzeugt ist, dass er nie wieder eine Frau so lieben wird wie Lesbia.
Folglich zeigt sich in diesem Vers auch ein inhaltlicher Gegensatz: übergroße Liebe in der Vergangenheit, Unmöglichkeit einer solchen Liebe in der Zukunft.
--> Antithese
z.B.
Vers 15 scelesta, vae te!
Vers 9 tu quoque, impotens, noli!
Hyperbaton:
'Sperrung', Trennung zweier grammatikalisch zusam-mengehöriger Wörter durch die Zwischenstellung eines oder mehrerer Wörter
multa tum iocosa
Nom. Pl. n Nom. Pl. n
dazwischengestellt
Durch die Stellung von 'tum' zwischen 'multa' und 'iocosa' wird tum betont. Außerdem steht 'tum' damit fast in der Mitte des Verses.
'tum' in der Bedeutung 'damals' betont, dass die Zeit der Zärtlichkeiten vorbei ist.
Vers 3/8: candidi tibi soles
Vers 15: quae tibi manet vita?
Chiasmus:
'Kreuzstellung', benannt nach dem griechischen Buchstaben 'chi' (X)
verschränkte Anordnung einander ent-sprechender Wörter bzw. Satzglieder
nec te requiret
nec rogabit invitam
Prädikat Objekt bzw. auf das Objekt
bezogen
Vers 15: scelesta, vae te!