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Deutsch - Literatur der 60er und 70er im deutschsprachigen Raum

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Nicole Stephan

on 27 September 2012

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Transcript of Deutsch - Literatur der 60er und 70er im deutschsprachigen Raum



Zugegeben: ich bin Insasse einer Heil- und Pflegeanstalt, mein Pfleger beobachtet mich, läßt mich kaum aus dem Auge; denn in der Tür ist ein Guckloch, und meines Pflegers Auge ist von jenem Braun, welches mich, den Blauäugigen, nicht durchschauen kann.

Mein Pfleger kann also gar nicht mein Feind sein. Liebgewonnen habe ich ihn, erzähle dem Gucker hinter der Tür, sobald er mein Zimmer betritt, Begebenheiten aus meinem Leben, damit er mich trotz des ihn hindernden Guckloches kennenlernt. Der Gute scheint meine Erzählungen zu schätzen, denn sobald ich ihm etwas vorgelogen habe, zeigt er mir, um sich erkenntlich zu geben, sein neuestes Knotengebilde. Ob er ein Künstler ist, bleibe dahingestellt. Eine Ausstellung seiner Kreationen würde jedoch von der Presse gut aufgenommen werden, auch einige Käufer herbeilocken. Er knotet ordinäre Bindfäden, die er nach den Besuchsstunden in den Zimmern seiner Patienten sammelt und entwirrt, zu vielschichtig verknorpelten Gespenstern, taucht diese dann in Gips, läßt sie erstarren und spießt sie mit Stricknadeln, die auf Holzsöckelchen befestigt sind.

Oft spielt er mit dem Gedanken, seine Werke farbig zu gestalten. Ich rate davon ab, weise auf mein weißlackiertes Metallbett hin und bitte ihn, sich dieses vollkommenste Bett bunt bemalt vorzustellen. Entsetzt schlägt er dann seine Pflegerhände über dem Kopf zusammen, versucht in etwas zu starrem Gesicht allen Schrecken gleichzeitig Ausdruck zu geben und nimmt Abstand von seinen farbigen Plänen.

Mein weißlackiertes metallenes Anstaltsbett ist also ein Maßstab. Mir ist es sogar mehr: Mein Bett ist das endlich erreichte Ziel, mein Trost ist es und könnte mein Glaube werden, wenn mir die Anstaltsleitung erlaubte, einige Änderungen vorzunehmen: Das Bettgitter möchte ich erhöhen lassen, damit mir niemand mehr zu nahe tritt.

Einmal in der Woche unterbricht ein Besuchstag meine zwischen weißen Metallstäben geflochtene Stille. Dann kommen sie, die mich retten wollen, denen es Spaß macht, mich zu lieben, die sich in mir schätzen, achten und kennenlernen möchten. Wie blind, nervös, wie unerzogen sie sind. Kratzen mit ihren Fingernagelscheren an meinem weißlackierten Bettgitter, kritzeln mit ihren Kugelschreibern und Blaustiften dem Lack langgezogene unanständige Strichmännchen. Mein Anwalt stülpt jedesmal, sobald er mit seinem Hallo das Zimmer sprengt, den Nylonhut über den linken Pfosten am Fußende meines Bettes. Solange sein Besuch währt - und Anwälte wissen viel zu erzählen -, raubt er mir durch diesen Gewaltakt das Gleichgewicht und die Heiterkeit. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels. 1960er

- Peter Weiss (1916-1982) - Die Ermittlung
- Heinrich Böll (1917-1985) - Gruppenbild mit Dame,
Die verlorene Ehre der Katharina Blum
- Erich Fried (1921-1988) - Gedichtband und Vietnam und
- Heiner Kipphardt (1922-1982) - In der Sache Oppenheimer
- Eugen Gomringer (geb.1925) - Worte sind Schatten
- Günter Grass (geb. 1927) - örtlich betäubt &
Das Treffen in Telgte
- Walter Kempowski (geb. 1929) - Tadellöser & Wolf
- Franz Xaver Kroetz (geb. 1949) - Wildwechsel Autoren und ihre Werke - DDR

- Bertold Brecht (1898-1956) - Buckower Elegien
- Stefan Heym (geb. 1913) - Der Fall Glasenapp & Auf Sand gebaut
- Heiner Müller (1929-1995) - Der Lohndrücker & Ödipus Tyrann
- Christa Wolf (geb. 1929) - Der geteilte Himmel & Störfall. Nachrichten des Tages & kein Ort. Nirgends & Kassandra & Nachdenken über Christa T.
- Brigitte Reimann - Ankunft im Alltag
- Erwin Strittmatter - Ole Bienkapp
- Erik Neutsch - Spur der Steine
- Ulrich Plenzdorf - Die neuen Leiden des jungen W.
- Johannes Bobrowski - Sarmatische Zeit
- Jurek Bäcker - Jakob der Lügner
- Reiner Kunze - Die wunderbaren Jahre
- Erich Loest - Es geht seinen Gang oder die Mühen unseres Alltags aus der DDR abgeschobene Autoren

Peter Huchel, Uwe Johnson, Reiner Kunze,
Günter Kunert, Jurek Becker, Sarah Kirsch,
Erich Loest, Monika Maron, Wolf Biermann ANKUNFTSLITERATUR

- namensgebend war Brigitte Reimanns programmatische Erzählung "Ankunft im Alltag" 1961
- ungeduldiges Fragen nach Verwirklichung der sozialen Ideale & erinnerte immer wieder an marxistische Utopie einer herrschaftsfreien Gesellschaft
- bevorzugte Themen in Lyrik: Verhältnis Mensch zur Natur, wissenschaftlich-technische Revolution, Hoffnung & Realisierung der kommunistischen Ideale (--> Resignation), Konsumdenken, Liebe
- abgelöst Mitte 1960er über Experimente mit Erzählstrategien und sprachlichem Material BIERMANN - AFFÄRE

(Wolfgang Biermann)


- Entzug Staatsbürgerschaft am 17.11.1976 (auf Konzertreise)
- zahlreiche DDR-Künstler protestierten in westd. Presse (nach Ablehnung Veröffentlichung in DDR-Zeitung)
- es folgt eine Ausreisewelle in der DDR GRUPPE 47 (1947 - 1967)

- ein von H. W. Richter begründeter Kreis von Schriftstellern
- setzte sich für Erneuerung der deutschen Literatur ein
- Auflösung durch
Studentenbewegung Neue Subjektivität

- unter sozialliberaler Regierung unter Willy Brandt (1969-1974) entstandene Bezeichnung
--> im Sinne der neuen literarischen Tendenz zur Verarbeitung eigener Erfahrungen & Auseinandersetzung mit unmittelbarer Umwelt Politisierung

- zeitkritische Literatur
- politisches Gedicht gewann wieder an Bedeutung
- episches Theater nach Brecht hielt Einzug & politisches Dokumentartheater & kritisch-realistisches Volksstück KALTER KRIEG

- USA+Verbündete <--> Sowjetunion+Verbündete setzte sich fort - Atomare Aufrüstung beiderseits
- bedrohliche Konfrontationen (Kuba-Krise 1962 und Vietnam-Krieg 1975)
--> Verarbeitung der Themen in der Literatur
- Ende 60er "Entspannungspolitik" nach Willy Brandt - doch erst Ostverträge führten zum Niedergang der Sowjetregierung - ab Mitte 1980er --> Öffnung Eiserner Vorhang BITTERFELDER WEG & SOZIALISTISCHER REALISMUS:

- Ausgangspunkt 1. Bitterfelder Konferenz 1959
- Zweck Überwindung der Brücke von Kunst zum Arbeiter
- Losung: "Greif zur Feder, Kumpel - die Nationalsoziallistische Literatur braucht dich!"
- dagegen Berufsschriftsteller aufgefordert sich ins Arbeiterleben zu begeben- mit realen Arbeitsbedingungen bekannt machen und darüber schreiben
- Aufschwung der Laienkunst
- Aufgabe 2. Bitterfelder Konferenz 1964: Bildung des sozialistischen Bewusstseins & sozialistischer Persönlichkeit
- schon Dezember 1965 galt Projekt als gescheitert - Autoren wollten sich nicht auf das werkstätige Niveau einlassen - alternative Galerien wurden eröffnet, z. B. 1960 "Galerie Konkret" die Fotografien zeigen:
-Christa Wolf (1971)
-Günter Grass (1963); Günter Grass und Heinrich Böll (1973)
-Wolf Biermann (1976 - Olympiahalle München)
-Brigitte Reimann (Aufnahme vermutl. Ende der 1960er Jahre)
-Martin Walser (1968)

-Willy Brandt (1971); Willy Brandt bei seiner Vereidigung im Deutschen Bundestag (1969)
- Erich Honecker (1973); Erich Honecker auf dem VII. Parteitag der SED in Berlin (1971)

weiterhin: Bildmaterial zur Errichtung der innerdeutschen Grenze, August/September 1961
(zur optionalen Verwendung)


Bildquellen:
- http://www.haz.de/Nachrichten/Kultur/Fotostrecken-Kultur/Bilder-aus-dem-Leben-von-Christa-Wolf
- http://www.straelen-andreas.de/fotohobbi/Wolf-Biermann-1976/1976-11-25-Wolf-Biermann-Olympiahalle-23.jpg
- http://bilder.augsburger-allgemeine.de/img/16296101-1313050257000/topTeaser_crop_Heinrich-Boell-und-Guenter-Grass.jpg bzw.
http://fokussiert.com/wp-content/uploads/2010/10/Liselotte_Strelow4.jpg
- http://www.br.de/themen/kultur/inhalt/literatur/martin_walser100~_v-image360h_-ec2d8b4e42b653689c14a85ba776647dd3c70c56.jpg?version=1315479793324
- http://www.avgi.gr/images/photoarchive/2010/3/22/Brigitte_Reimann_1_high.jpg

- http://www.baltische-rundschau.eu/wp-content/uploads/2012/09/1973_Honecker.jpg
- http://www.hdg.de/lemo/objekte/pict/KontinuitaetUndWandel_photoParteitagVIIISED/index.jpg
- http://bilder.bild.de/fotos-skaliert/brandt-26762800-mfbh-24653862/2,h=493.bild.jpeg
- http://www.abendblatt.de/multimedia/archive/00269/brandt_16_HA_Vermis_269258b.jpg

- http://www.welt.de/img/dc5-images/crop101975148/8428625308-ci16x9-w580/mauer-1961-video-110330-DW-Sonstiges-berlin.jpg
- http://3.bp.blogspot.com/-WgbCQO31r8k/TkZE6SeBZaI/AAAAAAAAS5E/vtGCKSgNRMM/s1600/Mauerbau%252B1961.jpg
- http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Archiv16/Fotoreihen/2007/2007-08-13-mauerbau/mauerbau.jpg?__blob=poster&v=2 Christa Wolf

* 18.03.1929 in Landsteg (im heutigen Polen)
† 01.12.2011 in Berlin

entwickelt sich zur überzeugten Sozialistin;
wird mit 20 SED-Mitglied;
studiert Germanistik in Jena und Leipzig;
1962 Beginn als freiberufliche Schriftstellerin (im Alter von 33 Jahren)
setzt sich mit politischen und sozialen Problemen auseinander;
schreibt betont subjektiv und bleibt authentisch;
entwickelt sich zur wichtigsten Repräsentantin der DDR-Literatur, sowie der späteren gesamtdeutschen Gegenwartsliteratur;

Repräsentantin des "Bitterfelder Wegs" Historischer Hintergrund Zeit geprägt von der Teilung Deutschlands BRD DDR -Wirtschl. stabiler Staat
- Veruche Stalins, BRD zum Kommunismus herüberzulocken
erfolgreich abgewiesen
- Regierung: CDU (Adenauer) + FDP
- Wirtschaftswunder 50er J.
- Folgen: - Vollbeschäftigung
- Wohlstand
- soziale Marktwirtschaft hatte sich bewährt
(freier Handel, freier Markt, aber mit soz.
Verantw.)
- Wirtsch. sorgenlos - SED an der Macht
- Menschen wurden gezwungen im Sinne des Kommunismus zu
Handeln, ansonsten soz. Nachteile in Schule/Arbeit
- Gefängnis (Christen uvm.)
- Wirtschaft vom Staat gelenkt - weniger Produktion
- geringerer Lebensstandard
- viele flüchteten in goldenen Westen
- wirtsch. Unzufriedenheit
- wirtsch. Konsolidierung der DDR durch Mauerbau 1961->
Anwachsen kritischer Tendenzen (lit. Auseinandersetzung)
- "Liberalisierung u. spießbürgerlicher Skeptizismus" sowie
nihilistische, anarchistische u. pornographische Tendenzen werden
von Regierung
bekämpft
- Ablösung Ulbrichts durch Honecker 1976
-> "Ende aller Tabus in der Kunst"
-> Liedermacher Biermann
ausgewiesen Die Literatur der 60er und 70er Jahre ZITAT

"Ein Schriftsteller,
der das Einverständnis
mit den Herrschenden sucht,
ist verloren."

Günter Grass Themen
und
Tendenzen 60er Jahre

große Offenheit kurz nach dem Mauerbau

→ junge Schriftsteller (sozialistisch erzogen) setzen sich kritisch mit dem sozialistischen System auseinander

→ Vergleich Realität Utopie 61-65 Phase liberaler Kultur und Jugendpolitik

→ vergleichbare Politisierung wie in der BRD

→ kritische Intellektuelle und Musiker werden wieder aktiv

„Bitterfelder Weg“ wird ins Leben gerufen

Künstler und Schriftsteller sollen in den Fabriken den künstlerischen Prozess der Arbeiter unterstützen

Kunst soll Einzug in die Arbeiterklasse finden

→ Brigadetagebücher entstehen
→ Aufschwung der Laienkunst
→ Arbeiterfestspiele

Scheitern des „Bitterfelder Weges“ 1965
Ankunftsliteratur entsteht während und auch noch kurze Zeit nach dem „Bitterfelder Weg“

Namensgebung von Brigitte Reimanns
„Ankunft im Alltag“

Alltagsgeschichten, Entwicklungs- und Bildungsromane

„junger Held kommt im realen Sozialismus an und verliert seine Zweifel“

Hervorhebung der sozialistischen Persönlichkeit 65-71 nehmen die Restriktionen des Staates wieder zu
Honecker fordert „ Saubere Leinwand“ und kritisiert schädliche Tendenzen

→ Filmverbot von über 12 DEFA Filmen

→ Bitterfelder Literatur kommt vollends zum erliegen

71 Walter Ulbricht wird durch Honecker abgelöst

→ führt zu einem tiefen Einschnitt in die Literatur der DDR

→ „zweite Generation“
Honecker beschließt Liberalisierungsprogramm für Kunst und Literatur

→ die „subjektive Authentizität“ beginnt

→ die Probleme des Individuums in der sozialistischen Gesellschaft treten als neues Thema vor den Sozialismus

76 Ende des Liberalisierungsprogramms mit der Ausweisung Biermanns

→ Emigration vom mehr als 100 DDR-Schriftstellern

→ Entwicklung der sogenannten Untergrundliteratur DDR 60er Jahre

Studentenaufstand und wirtschaftlich. Stagnation

→ Auseinandersetzung mit dem System und den sozialen Problemen der Gegenwart

→ Politisierung der Literatur

Kennzeichen ist der Dokumentareismus

→ Authentische Dokumente werden in der Literatur neu verarbeitet

- Montage von Zeitungsartikeln, Interviews, Protokollen etc.

- Bsp.: Peter Weis, Hainar Kipphard Ende der 60er gipfelt die Politisierung

→ „Ende der ohnmächtigen Literatur und Aufforderung zur direkten gesellschaftsverändernden Aktion“

→ Erkenntnis: Demokratie wie Sozialismus bleiben im Vergleich zu ihrer anfänglichen Vorstellung Utopien

→ Rückbesinnung auf das eigene Ich, persönliche Erfahrungen und Verarbeitung der unmittelbaren Umwelt
70er Jahre

Erste Resignation:

Aufgabe kulturrevolutionärer Hoffnung

68er Bewegung löst sich auf

Trend der Rückbesinnung führt zur sogenannten Neuen Innerlichkeit bzw. Neuen Subjektivität

→ Zuwendung zur eigenen Identität und Individualität
tagebuchartige Aufzeichnungen (autobiographisch) Frauenliteratur:

Suche nach weiblicher Identität
Literatur in autobiographischer Form oder Alltagsgeschichten der Frau
feministische Geschichtsrecherche

Distanzierung von Politischen Themen und dem politischen Geschehen im allgemeinen

beginnender Terrorismus beschleunigt diesen Prozess noch deutlicher



Bsp.: Rolf Dieter Brinkmann, Botho Strauß „Trilogie des Wiedersehens“ BRD Autoren
und
ihre
Werke ab 1970

- Gabriele Wohmann (geb. 1932) - Ernste Absicht
- Jürgen Theobaldy (geb. 1944) - Zweiter Klasse (Gedichtband)
- Ursula Krechel (geb. 1947) - Gedichte
- Elfriede Jelinek (geb. 1946) - Die Liebhaberinnen
- Heinrich Böll - Ansichten eines Clowns
- Siegfried Lenz - Deutschstunde
- Gottfried Benn
- Max Frisch
- Hans Magnus Enzensberger
- Friedrich Dürrematt - Die Physiker DDR BRD Textauszüge Christa
Wolf
Mit ihrem Werk "Der geteilte Himmel" (1963), einer tragischen Liebesgeschichte, welche die deutsche Teilung aus den Augen der "kleinen Leute" beschreibt, gerät sie das erste Mal auch aus politischer Sicht ins Visier. Ihr wird vorgeworfen den Sozialismus in ihrem Werk nicht ausreichend gewürdigt und hervorgehoben zu haben.
Christa Wolf verteidigt jedoch ihr Werk und bleibt sich und ihrem Stil treu. Sie weigert sich, in die von der politischen Führung gewünschten Lobgesänge über den Siegeszug des Sozialismus mit einzustimmen -obgleich, oder gerade weil sie im Herzen immer noch eine überzeugte Sozialistin ist.
Entschlossen dem politischen Druck nicht nachzugeben schreibt sie in den kommenden Jahren an ihrem, für die Zeit-Epoche wohl wichtigsten Werk "Nachdenken über Christa T." Günter
Grass ERSTES BUCH "Der weite Rock" Christa Wolf, "Nachdenken über Christa T."

Textauszug: Elftes Kapitel

Die Landpartie, die man nach dem Wilmersdorfer Spaziergange verabredet oder
wenigstens geplant hatte, war nun auf einige Wochen hin das Lieblingsgespräch, und
immer, wenn Botho kam, überlegte man, wohin? Alle möglichen Plätze wurden erwogen:
Erkner und Kranichberge, Schwilow und Baumgartenbrück, aber alle waren immer noch
zu besucht, und so kam es, daß Botho schließlich "Hankels Ablage" nannte, von dessen
Schönheit und Einsamkeit er wahre Wunderdinge gehört habe, Lene war einverstanden.
Ihr lag nur daran, mal hinauszukommen und in Gottes freier Natur, möglichst fern von
dem großstädtischen Getreibe, mit dem geliebten Manne zusammen zu sein. Wo, war
gleichgültig.
Der nächste Freitag wurde zu der Partie bestimmt. "Abgemacht." Und nun fuhren sie mit
dem Görlitzer Nachmittagszuge nach Hankels Ablage hinaus, wo sie Nachtquartier
nehmen und den andern Tag in aller Stille zubringen wollten.
Der Zug hatte nur wenige Wagen, aber auch diese waren schwach besetzt, und so kam
es, daß sich Botho und Lene allein befanden. In dem Kupee nebenan wurde lebhaft
gesprochen, zugleich deutlich genug, um herauszuhören, daß es Weiterreisende waren,
keine Mitpassagiere für Hankels Ablage.
Lene war glücklich, reichte Botho die Hand und sah schweigend in die Wald- und
Heidelandschaft hinaus. Endlich sagte sie: "Was wird aber Frau Dörr sagen, daß wir sie
zu Hause gelassen?"
"Sie darf es gar nicht erfahren."
"Mutter wird es ihr ausplaudern."
"Ja, dann steht es schlimm, und doch ließ sich´s nicht anders tun. Sieh, auf der Wiese
neulich, da ging es, da waren wir mutterwindallein. Aber wenn wir in Hankels Ablage
auch noch soviel Einsamkeit finden, so finden wir doch immer noch einen Wirt und eine
Wirtin und vielleicht sogar einen Berliner Kellner. Und solch Kellner, der immer so still vor
sich hin lacht oder wenigstens in sich hinein, den kann ich nicht aushalten, der verdirbt
mir die Freude. Frau Dörr, wenn sie neben deiner Mutter sitzt oder den alten Dörr erzieht,
ist unbezahlbar, aber nicht unter Menschen. Unter Menschen ist sie bloß komische Figur
und eine Verlegenheit."
Gegen fünf hielt der Zug an einem Waldrande... Wirklich, niemand außer Botho und
Lene stieg aus, und beide schlenderten jetzt behaglich und unter häufigem Verweilen auf
ein Gasthaus zu, das, in etwa zehn Minuten Entfernung von dem kleinen
Stationsgebäude, hart an der Spree seinen Platz hatte. Dies "Etablissement", wie sich´s
auf einem schiefstehenden Wegweiser nannte, war ursprünglich ein bloßes Fischerhaus

gewesen, das sich erst sehr allmählich und mehr durch An- als Umbau in ein Gasthaus
30 verwandelt hatte, der Blick über den Strom aber hielt für alles, was sonst vielleicht fehlen
mochte, schadlos und ließ das glänzende Renommee, dessen sich diese Stelle bei allen
Eingeweihten erfreute, keinen Augenblick als übertrieben erscheinen. Auch Lene fühlte
sich sofort angeheimelt und nahm in einer verandaartig vorgebauten Holzhalle Platz,
deren eine Hälfte von dem Gezweig einer alten, zwischen Haus und Ufer stehenden
Ulme verdeckt wurde.
35 "Hier bleiben wir", sagte sie. "Sieh doch nur die Kähne, zwei, drei... und dort weiter
hinauf kommt eine ganze Flotte. Ja, das war ein glücklicher Gedanke, der uns hierher
führte. Sieh doch nur, wie sie drüben auf dem Kahne hin und her laufen und sich gegen
die Ruder stemmen. Und dabei alles so still. Oh, mein einziger Botho, wie schön das ist
und wie gut ich dir bin."
Botho freute sich, Lene so glücklich zu sehen. Etwas Entschlossenes und beinah
40 Herbes, das sonst in ihrem Charakter lag, war wie von ihr genommen und einer ihr sonst
fremden Gefühlsweichheit gewichen, und dieser Wechsel schien ihr selber unendlich
wohlzutun.
Nach einer Weile kam der sein "Etablissement" schon von Vater und Großvater her
innehabende Wirt, um nach den Befehlen der Herrschaften zu fragen, vor allem auch,
"ob sie zu Nacht bleiben würden", und bat, als diese Frage bejaht worden war, über ihr
45 Zimmer Beschluß fassen zu wollen. Es ständen ihnen mehrere zur Verfügung, unter
denen die Giebelstube wohl die beste sein würde. Sie sei zwar niedrig, aber sonst groß
und geräumig und hätte den Blick über die Spree bis an die Müggelberge.
Der Wirt ging nun, als sein Vorschlag angenommen war, um die nötigen Vorbereitungen
zu treffen, und Botho und Lene waren nicht nur wieder allein miteinander, sondern
genossen auch das Glück dieses Alleinseins in vollen Zügen. Auf einem der
50 herabhängenden Ulmenzweige wiegte sich ein in einem niedrigen Nachbargebüsche
nistender Fink, Schwalben fuhren hin und her, und zuletzt kam eine schwarze Henne mit
einem langen Gefolge von Entenküken an der Veranda vorüber und stolzierte
gravitätisch auf einen weit in den Fluß hineingebauten Wassersteg zu. Mitten auf diesem
Steg aber blieb die Henne stehn, während sich die Küken ins Wasser stürzten und
fortschwammen.
55 Lene sah eifrig dem allen zu. "Sieh nur, Botho, wie der Strom durch die Pfähle schießt."
Aber eigentlich war es weder der Steg noch die durchschießende Flut, was sie fesselte,
sondern die zwei Boote, die vorn angekettet lagen. Sie liebäugelte damit und erging sich
in kleinen Fragen und Anspielungen, und erst als Botho taub blieb und durchaus nichts
davon verstehen wollte, rückte sie klarer mit der Sprache heraus und sagte rundweg,
daß sie gern Wasser fahren möchte.
60 "Weiber sind doch unverbesserlich. Unverbesserlich in ihrem Leichtsinn. Denk an den
zweiten Ostertag. Um ein Haar..."
"... Wär´ ich ertrunken. Gewiß. Aber das war nur das eine. Nebenher lief die
Bekanntschaft mit einem stattlichen Herrn, dessen du dich vielleicht entsinnst. Er hieß
Botho... Du wirst doch, denk ich, den zweiten Ostertag nicht als einen Unglückstag
ansehen wollen? Da bin ich artiger und galanter."
65 "Nun, nun... Aber kannst du denn auch rudern, Lene?"
"Freilich kann ich. Und kann auch sogar steuern und ein Segel stellen. Weil ich beinah
ertrunken wäre, denkst du gering von mir und meiner Kunst. Aber der Junge war schuld,
und ertrinken kann am Ende jeder."
Und dabei ging sie von der Veranda her den Steg entlang auf die zwei Boote zu, deren
Segel eingerefft waren, während ihre Wimpel, mit eingesticktem Namen, oben an der
70 Mastspitze flatterten.
"Welches nehmen wir", sagte Botho, "die ´Forelle´ oder die ´Hoffnung´?"
"Natürlich die Forelle. Was sollen wir mit der Hoffnung?" Martin Walser - Kalter Krieg zw. USA u. Sowjetunion setzt sich fort
- beide betreiben atomare Aufrüstung
- bedrohliche Konfrontationen (Kubakrise);
(Vietnamkrieg 65-75)
- 60er J. Entspannungspolitik (Willy Brandt), aber erst
Mitte der 80er J. Öffnung des "Eisernen Vorhangs"
(Grenze zw. marktwirtsch./ demokratisch/ westliche
Staaten teilweise durch USA geführt und unter
Kommunistischer Diktatur geführten Staaten
Osteuropas)
- aus deutscher Sicht innere deutsche Grenze
-> Ostverträge u. wirtsch. Niedergang der soz. Staaten
führten zu Kurswechsel der Sowjetunion Weltbild
und
Lebensauffassung - Wirtschaft in BRD geht bergauf
-> Unbehagen der jungen Generation
- Studentenbew. forderte Änderung der autoritären
Strukturen und Aufbereitung des Nationalsoz.
- Höhepunkt der Unruhen 1968 - 1961 Einführung "Pille" in Westd.
- Forderung sexueller Freiheiten
- Ökobewegung -> Pestizide; atomare
Kontroverse
-> industr. Wachstum/ Ausbeutung
-> Wohn, -Lebens, -und Arbeitswelt menschl. und
schonend gestalten
-> Umbau Wirtschaft
-> kritisch - emotionale Abwendung vom System der
Großtechnologie
-> später (80er) (Bündnis 90/ Die Grünen)
- in 70er J. drohte RAF mit Spaltung
der Gesellschaft (Deutscher Herbst 1977)
- jedoch gelang es Regierung weite Teile der APO u.
Studentenbewegung aufzufangen

LITERATUR


- Facetten
(Deutsch für die Oberstufe), Klett Verlag, 2008
- Fischer Abiturwissen Deutsch, Fischer Taschenbuch Verlag, 200
- Texte, Themen und Strukturen, Cornelsen Schwann, 1990
- Deutsch in der Oberstufe, Verlag Ferdinand Schöningh, 1998 Christa Wolf
Kein Ort. Nirgends. (Auszüge)

Die Günderrode hängt dem Wort noch immer nach. Wie es eindringt in ihre heimlichen Phantasien von Bedeutendheit, die sich selbst kaum eingesteht. Wie es ihr hilft, das Gespinst zu zerreißen, das sie vor sich selber verbirgt. Sie wird ihre neuen Gedichte und dramatischen Versuche unter einem andern Namen herausgeben, wird dem Hang folgen, unkenntlich zu sein. Zu deutlich spürt sie, wie die Erwartung des Publikums ihr die Unbefangenheit nimmt. Wie vieles dagegen lecht und natürlich wird, um wie viel näher sie den Menschen kommt, wenn sie nicht bedeutend sein will. (...) Da sagt die Günterrode, als spräche sie für ihn: Menschen, die sich nicht über sich selbst betrügen, werden aus der Gärung einer jeden Zeit Neues herausreißen, indem sie es aussprechen. Mir ist, als ginge die Welt nicht weiter, wenn das nicht getan wird. (...)

Wenn die Menschen gewisse Exemplare ihrer eigenen Gattung aus Bosheit oder aus Unverstand, aus Gleichgültigkeit oder aus Angst vernichten müssen, dann fällt uns, bestimmt, vernichtet zu werden, eine unglaubliche Freiheit zu. Die Freiheit, die Menschen zu lieben und uns selbst nicht zu hassen.

Begreifen, dass wir ein Entwurf sich - vielleicht, um verworfen, vielleicht, um wieder aufgegriffen zu werden. Das zu belachen ist menschenwürdig. Gezeichnet zeichnend. Auf ein Werk verwiesen, das offen bleibt, offen wie eine Wunde. (...) QUELLEN INTERNET

http://lettresexperts.net/index.php?option=com_content&view=article&id=416:allemand-et-die-physiker-duerrenmatt&catid=160&Itemid=271

http://www.deutsch-gymnasium.de/abitur/schriftliche_abiturpruefung_2004.pdf

www.wikipedia.org

www.google.de (Verwendung zur Bildersuche) Günter Grass

* 16.10.1927 in Danzig-Langfuhr (Freie Stadt Danzig)
Er lebt noch und zählt zu den bedeutendsten deutschsprachigen Autoren der Gegenwart.

1942 Grass meldet sich im Alter von 15 Jahren zum Dienst in der Wehrmacht

20. 04. 1945 Kiegsverletzung durch Granatensplitter bei einem Gefecht bei Spremberg

08. 05. 1945 Günter Grass fällt in Kriegsgefangenschaft

1957 Beitritt der "Gruppe 47"

1959 Durchbruch seiner Karriere als Schriftsteller mit der "Blechtrommel"

1961 Unterstützer von Willy Brandt

1999 Nobelpreis für Literatur

04. 04. 2012 "Was gesagt werden muss"
-Prosagedicht mit Kritik an Israel Mit seinem ersten Roman "Die Blechtrommel" gelang im sein großer Durchbruch als Schriftsteller und bescherte ihm auch internationales Interesse.
In dem ersten Buch der auch als Danziger Trilogie bezeichneten Reihe setzt er sich, seine ganz eigene teils grotesk anmutende Bildersprache verwendend, mit den Geschehnissen des 2. Weltkrieges auseinander.
Für sein Manuskript bekommt er bereits 1958 -ein Jahr vor der eigentlichen Veröffentlichung- den Preis der Gruppe 47. Günter Grass blickt auf ein sehr facettenreiches Leben zurück. Neben seiner Wehrmachtsvergangenheit und seiner Karriere als Schriftsteller war -und ist er bis heute- immer wieder politisch aktiv. So trat er 1982 der SPD bei und erregte erst kürzlich (04. April 2012) mit seiner Prosa "Was gesagt werden muss" politisch auch auf internationaler Ebene reges Aufsehen.
Man kennt ihn außerdem als Graphiker, Bildhauer, Kritiker und Aktivisten.
Auch war er in den Jahren seines Kunststudiums in den 50er Jahren immer mal wieder als Türsteher aktiv, um seinen Lebensunterhalt zu sichern.
Im Laufe seines Lebens hatte er inzwischen vier länger andauernde Beziehungen, aus denen sechs Kinder hervorgingen.
Full transcript