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Bedarfserhebung der ju:an Praxisstelle antisemitismus- und rassismiskritische Jugendarbeit

Eine Umfrage zu Bedarf und Erfahrungen von Fachkräften der (Offenen) Jugendarbeit

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Transcript of Bedarfserhebung der ju:an Praxisstelle antisemitismus- und rassismiskritische Jugendarbeit

Die »ju:an« Praxisstelle antisemitismus- und rassismuskritische Jugendarbeit bietet Beratung und Konzepte an, in denen Antisemitismus und Rassismus zusammen gedacht und bearbeitet werden und die präventive Arbeit gegen diese menschen-feindlichen Ideologien verknüpfend ausgerichtet ist. Wir unterstützen Sie dabei, Antisemitismus und Rassismus in Ihrem Praxisalltag präventiv und nachhaltig zu begegnen.

Doch wie sieht der Praxisalltag gegenwärtig aus?
In welchem Maß spielen Antisemitismus und Rassismus in Jugendeinrichtungen eine Rolle?

2015 haben wir eine Erhebung durchgeführt, um diesen Fragen auf den Grund zu gehen.

Im ersten Themenkomplex
wurde nach diskriminierenden Äußerungen
im Praxisalltag gefragt. Dabei wurde gefragt, wie Jugendliche, Kolleg_innen oder Vorgesetzte über bestimmte Themen sprechen. Welche Wahrnehmung gibt es zu den Themen Rassismus, Antisemitismus und antimuslimischer Rassismus?
Erfahrungen mit diskriminierenden Äußerungen in der Jugendarbeit
Machen Sie in ihrer Arbeit Erfahrungen mit Äußerungen gegen Muslim_innen?
Kommt es in ihrer Arbeit zu Äußerungen gegen Juden und Jüdinnen? Und kennen Sie aus ihrer Arbeit Äußerungen gegen Israel?
Machen Sie in ihrer Arbeit Erfahrungen mit antisemitischen und/oder rassistischen Äußerungen in sozialen Medien wie etwa Facebook?
Eigene Einstellungen und Ausgrenzungserfahrungen bei Sozialpädagog_innen
Sind sie selbst schon einmal durch Antisemitismus und/oder Rassismus ausgegrenzt worden?
"Bei der Prüfung von Asylanträgen sollte der Staat großzügig sein."
"Die meisten Asylbewerber_innen werden in ihrem Heimatland gar nicht verfolgt."
"Eine sachliche Diskussion über den Nahostkonflikt ist schwierig, da einem schnell Antisemitismus vorgeworfen wird."
"Ich ärgere mich darüber, dass den Deutschen auch heute noch die Verbrechen an den Juden vorgehalten werden."
Auffallend bei der Abfrage der eigenen Einstellungen war, dass ein relativer hoher Anteil (im Schnitt 15 Prozent) diese Fragen nicht beantwortet haben. Grund dafür könnte die soziale Erwünschtheit sein. Bei der Prüfung von Asylanträgen sollte der Staat großzügig sein erhält mit 67 % die positivste Zustimmung. Doch auch hier beantworteten 17 Prozent die Frage nicht. Der Gedanke, dass man den_die Befragte_n als rassistisch einstuft, wenn man die großzügige Prüfung ablehnt, scheint in unserer Gesellschaft präsent zu sein.

Der Unterschied zwischen Sozialpädag_innen, die bereits Ausgrenzungserfahrungen gemacht haben und denen, die dies verneinen können, ist sehr gering. Demnach ist es unerheblich, ob man selbst schon aufgrund von antisemitischen und/oder rassistischen Vorurteilen diskriminiert wurde oder nicht.
Die Sozialpädagog_innen wurden befragt, ob ihnen genügend Ressourcen für eine antisemitismus- und rassismuskritische Jugendarbeit zur Verfügung stehen. Wenn nein, welche Maßnahmen und Instrumente wünschen sie sich?
Bedarf an Unterstützung in der Praxis
Welchen Stellenwert hat für Sie antisemitismus- und rassismuskritische Beratung und Fallbesprechung?
Welchen Stellenwert haben für Sie Fortbildungen zu den Themen Antisemitismus und Rassismus?
Stehen Ihnen genügend Ressourcen bereit, um mit den von Ihnen genannten Äußerungen angemessen umzugehen?
Welchen Stellenwert hat für Sie der regelmäßige Fachaustausch mit Kolleg_innen zu den Themen?
Welchen Stellenwert hat für Sie die Vermittlung von Expert_innen?
In diesem Teil der Befragung ging es um eigene Einstellungen der Pädagog_innen zum Thema Rassismus und Antisemitismus. Ging es zuvor darum, was die Befragten an
Äußerungen von anderen
wahrnehmen, standen nun ihre persönlichen Einschätzungen im Mittelpunkt.

Weiterhin wurde untersucht, ob es einen Unterschied macht, wenn die Befragten schon selbst Ausgrenzungserfahrungen gemacht haben.
Hard Facts
Kontaktieren Sie uns, wir unterstützen Sie gerne!
ju:an Praxisstelle Berlin
Judith Rahner, Pasquale Rotter
Novalisstraße 12
10115 Berlin
Tel.: 030.240 886 15
ju:an Praxisstelle Hannover
Michael Rogenz, Golschan Ahmad Haschemi
Otto- Brenner Straße 1, 8. OG
30159 Hannover
Tel.: 0511.89 73 43 33

www. projekt-ju-an.de
Novalisstraße 12
10115 Berlin
Tel.: 030 240 886 10

www. amadeu-antonio-stiftung.de
"Antisemitismus und Rassismus als Herausforderung in der Jugendarbeit.
Eine Umfrage zu Bedarf und Erfahrungen von Sozialpädagog_innen"
© Sam Breach @flickr.com (CC BY-SA 2.0)
FAZIT

Was bietet die Praxisstelle?


Der von den Sozialpädagog_innen formulierte Unterstützungbedarf zeigt einen dringenden Bedarf an Beratung und externer Unterstützung. Aussagen wie "mehr Klarheit über Interventionsmöglichkeiten, die nicht durch Moralisierungen Abwehr produzieren, sondern eine Auseinandersetzung eröffnen" sprechen für die Offenheit der Befragten, anstisemitismus- und rassismuskritische Jugendarbeit nachhaltig zu stärken und zu implementieren.

Auffallend ist der hohe Bedarf der Befragten an Fortbildungen. Er kann zum Teil dadurch erklärt werden, dass eine deutliche Mehrheit der Sozialpädagog_innen zwar in der Jugendarbeit mit antisemitischen und rassistischen Äußerungen konfrontiert ist, aber andererseits noch nie selbst antisemitische und/oder rassistische Ausgrenzungserfahrungen gemacht hat. Hier sind externes Wissen zu Erscheinungsformen von antisemitischer und rassistischer Diskriminierung sowie ein stetiger Reflexionsprozess der Sozialpädagog_innen selbst von großer Bedeutung.
Äußerungen gegen Juden und Jüdinnen


In der Befragung wird die wechselseitige Beziehung von Antisemitismus und Israelfeindlichkeit deutlich. Die Unterscheidung zwischen Israel, Juden und den Einwohner_innen Israels wird nicht klar artikuliert. Die von den Fachkräften angegeben Beispiele und Sprüche, beziehen sich zu einem großen Teil auf den Nahost-Konflikt und der Gleichsetzung der israelischen Politik mit NS-Verbrechen oder erscheinen in Form klassischer antisemitischer Stereotype wie, dass Juden die Banken beherrschen würden Bei 40 Prozent der Befragten nehmen in der Praxis Äußerungen gegen Juden und Jüdinnen wahr. Aussagen wie "scheiß Juden - die werden zu Recht terrorisiert" stehen beispielhaft dafür, wie Äußerungen gegen Juden und Jüdinnen regelmäßig mit Bezug auf den Israel-Palästina-Konflikt stattfinden.
© ewastudio

Die Hauptfrage der Erhebung war, wie Antisemitismus und Rassismus als Herausforderung in der Jugendarbeit in Erscheinung treten sowie welche Ressourcen den Sozialpädagog_innen zur Verfügung stehen oder welche dringend benötigt werden.
Die Verteilung der Fragebögen erfolgte online an Jugendeinrichtungen in Berlin und Hannover.
Der Erhebungszeitraum war vom 15.10. 2015 bis zum 9.11. 2015.
Insgesamt nahmen 82 Pädagog_innen an der Umfrage teil.
Machen Sie in ihrer Arbeit Erfahrungen mit Äußerungen gegen Geflüchtete?
Äußerungen gegen Israel

60 Prozent der befragten Sozialpädagog_innen machen laut eigener Aussage in ihrer Arbeit Erfahrungen mit Äußerungen gegen Geflüchtete. Diejenigen Sozialpädagog_innen, die Erfahrungen mit solchen Äußerungen machen, wurden im Anschluss auch gefragt, von wem die genannten diskriminierenden Aussagen ausgehen. Hierbei war eine Mehrfachnennung möglich. Die Äußerungen stammen laut 90 Prozent der Befragten von Jugendlichen, wobei auch Eltern (39 Prozent) und Kolleg_innen (31 Prozent) eine große Rolle spielen. 16 Prozent nennen andere Personen wie etwa Nachbar_innen oder Lehrer_innen.
Bei der Frage nach Äußerungen über den IS, haben 44 Prozent der Sozialpädagog_innen angegeben, damit Erfahrungen zu machen. Diese Äußerungen sind überwiegend negativ konnotiert. Beispielhaft genannte Äußerungen wie "die IS schleicht sich, als Flüchtlinge getarnt in unser Land, um uns zu infiltieren" sprechen für die Vermischung dieser beiden Themen.
"Muslimische Jugendliche" betonen, dass sie Angehörigen des IS "keine Muslime" seien.
FAZIT


In den Antworten auf die Frage „Von wem wünschen Sie sich mehr Unterstützung?“ wurden vor allem Institutionen wie Jugendamt, Bezirksamt, Verwaltung, Land oder Senat genannt. Dies verweist auf den Bedarf nach besserer personeller und finanzieller Ausstattung. Zugleich spricht das auch für eine verstärkte Vernetzung und abgestimmtes Handeln der verschiedenen Akteur_innen im Feld Jugendarbeit.

Als Beispiele für erfolgreiche Unterstützung wurden Bildungsmaterialien, Fortbildungen und Netzwerke genannt. Aber auch intensive Gespräche und ein gutes Vertrauensverhältnis zu Jugendlichen und Eltern sowie eine klare Haltung bezüglich Diskriminierungen scheinen eine große Rolle zu spielen.

Insgesamt wird deutlich, dass die verschränkte Bearbeitung von Antisemitismus und Rassismus nicht an Bedeutung verliert, da beides in der Jugendarbeit Raum einnimmt. Es geht vielmehr darum, bereits formuliertem Bedarf mehr Aufmerksamkeit zu schenken, zielorientierte Lösungen zu entwickeln sowie bereits seit Jahren bestehende erfolgreiche Strategien und Instrumente der Jugendarbeit zu multiplizieren.
Beratung, Coaching, Fortbildung und Sensibilisierung von Pädagog_innen und Fachkräften der (Offenen) Jugendarbeit zur pädagogischen Bearbeitung von Antisemitismus und Rassismus
Fachveranstaltungen zu aktuellen Herausforderungen in dem Themenfeld
Aufbau regionaler Praxiswerkstätten und Beratung von Gremien der Jugendarbeit
Aufbau (über-)regionaler Fachnetzwerke an der Schnittstelle zwischen Praxis und Wissenschaft
Bedarfserhebung durch Umfragen und qualitative Interviews
Beratung und Bildungsangebote zu Empowerment für Pädagog_innen und Jugendliche mit eigenen antisemitischen und/oder rassistischen Diskriminierungserfahrungen
antisemitismus- und rassismuskritische Perspektiven als Querschnittsthema in der Jugendarbeit
Impressum
Herausgeber
Amadeu Antonio Stiftung
Novalisstraße 12
10115 Berlin

Erhebung
Malte Goßmann und Mona Han

Wissenschaftliche Begleitung
Dr. Beate Küpper

Redaktion
Johanna Abenrieb
Die Befragung gibt außerdem einen Einblick in die Verschiebung von rassistischen und antisemitischen Äußerungen von der öffentlichen Kommunikation in die virtuelle Sphäre. Hierbei handelt es sich etwa um „Cybermobbing mit diskriminierenden Ausdrücken oder aufgrund von Migrationshintergrund“, das Teilen von Videos, Bildern oder Musik mit rassistischem oder antisemitischem Inhalt sowie das Liken entsprechender Seiten. In diesem neuen sozialen Raum herrschen keine Regulierungsmöglichkeiten für diskriminierende Haltungen durch die Möglichkeit der Anonymität. An diesem Punkt herrschen noch keine Instanzen, um das diskriminierende Potential zu reflektieren.
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