Loading presentation...

Present Remotely

Send the link below via email or IM

Copy

Present to your audience

Start remote presentation

  • Invited audience members will follow you as you navigate and present
  • People invited to a presentation do not need a Prezi account
  • This link expires 10 minutes after you close the presentation
  • A maximum of 30 users can follow your presentation
  • Learn more about this feature in our knowledge base article

Do you really want to delete this prezi?

Neither you, nor the coeditors you shared it with will be able to recover it again.

DeleteCancel

Digitale Medienkultur - Uni Klagenfurt, WiSe 2014/15

VO-KU, Gastprofessur Alpen-Adria Universität Klagenfurt
by

Marian Adolf

on 1 February 2015

Comments (0)

Please log in to add your comment.

Report abuse

Transcript of Digitale Medienkultur - Uni Klagenfurt, WiSe 2014/15

[Digitale]
Medienkultur

Überblick über die verschiedenen Traditionen der Medien- und Kommunikationsforschung und deren Spezifika
Verstehen des Zusammenhangs von Kommunikations- und Vergemeinschaftungsprozessen sowie der Interdependenz von Kultur und Kommunikation als sozial- und gesellschaftstheoretische Größen
Heranführen an eigene Fragestellungen betreffend kommunikative und mediale Phänomene sowie Befähigung zur Planung eigener Projekte
Anwesenheit und aktive Mitwirkung in der LV sind erfahrungsgemäß wesentliche Voraussetzungen für ein erfolgreiches Abschneiden.
Die kritische Lektüre vorgegebener und eigens zu recherchierender Literatur bildet die Grundlage unserer Debatten im Plenum.
Dieses Wissen wird dann im Rahmen einer abschließenden Theorieexpertise ("take home exam") abgefragt und angewandt (siehe separate Information).
Themen und Inhalt
Leistungsnachweis
In der kommunikationswissenschaftlichen Tradition liegt der Fokus auf all jenen "Mitteln der Kommunikation" die es erlauben ein breites Publikum zu erreichen, kurz: den Medien der Massenkommunikation. So werden Medien hier als Mittel betrachtet, die es vermögen Botschaften ("Kommunikate") über zeitliche und räumliche Grenzen hinweg, von "wenigen" zu "vielen" zu transportieren. Dies führt bisweilen zu einem sehr "instrumentellen" Medienverständnis der Kommunikationswissenschaft (und brachte ihr den Vorwurf ein, keinen eigenen Medienbegriff zu besitzen).

Beispiel: Die "selbe" Botschaft kann mithilfe von Schrift ("An der roten Ampel halten!") oder als Zeichen (als Signal, etwa "rotes rundes Licht") ausgedrückt werden. Zur Umsetzung der sozialen Konventionen, die den Straßenverkehr regeln bedarf es aber nun wieder einer komplexen Infrastruktur von Ampelanlagen, z.B. in einer Stadt. Diese können nicht von jedem bedient werden, sondern werden technisch aus einer Verkehrsleitzentrale gesteuert. Diese braucht Personal, Gebäude, technische Anlagen, und somit auch Gesetze, Verordnungen und Durchführungsbestimmungen, etc. Selbst ein so simples "Kommunikationsmittel" wie die Ampel weist also einen umfassenden, organisationalen Apparat auf.
Wir leben in einer
Mediengesellschaft
.

Unsere Kultur

ist eine
Medienkultur
. Medien spielen eine immense
Rolle in unserem Alltag
, sie sind wesentlich an der
Gestaltung sozialer Beziehungen
beteiligt, und darüber hinaus zentrale
Institutionen
der modernen Gesellschaft. Auf globaler Ebene prägen Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) unsere Kontakte mit, und unser Wissen über andere Gesellschaften.
Inhalt & Organisation
Der Mensch als Soziales Wesen

Was die menschliche Form der Kommunikation von allen anderen unterscheidet ist ihre immense Differenziertheit. Nur Menschen verfügen über
Sprache
, die komplexeste und vielfältigste Form der Bedeutungsvermittlung.

Jüngste Studien legen nahe, dass sich die menschliches Sprache aus der Gestenkommunikation der Primaten entwickelt hat. Die einzigartige menschliche Fähigkeit sich in andere Hineinzuversetzen ("shared Intentionality") bildet die Grundlage von sozialer Kooperation. Diese bildet wiederum die Grundlage für die Evolution komplexer Sozialformen und ihrer zugehörigen "Kulturen".
5. Theoretische Einflüsse der
Medienkulturforschung
Mass Communication
Research
Dieser "Mainstream" der Massenkommunikationsforschung besteht aus einer Mischung theoretischer und empirischer Arbeiten die oft nahe an der (Kommunikations-)Praxis angesiedelt ist, und große empirische Untersuchungen sowie die zugehörigen Methoden einführt. Diese oft stark sozialpsychologisch orientierte Tradition differenziert in der Folge immer weiter aus, und bildet bis heute den paradigmatischen Kern des Faches (siehe Katz 1987).
Die Theoretiker der "Toronto School", im Besonderen Harold Innis und Marshal McLuhan bringen eine eigenständige Variante der Medientheorie hervor. Aus Meyrowitz' Sicht gibt es drei Medienverständnisse:

(1) Das Medium als Vehikel: Medien transportieren Botschaften von A nach B. Im Zentrum stehen sodann Medieneffekte (als Effekte des Inhalts).

(2) Das Medium als Sprache: Jedes Medium hat ein je spezifisches Ausdrucks- bzw. Vermittlungspotenzial und wird daraufhin untersucht.
Toronto School
Vom Moment unserer Geburt an sind wir in soziale Beziehungen eingebettet. Vom ersten Tag an, kommunizieren wir mit unserer sozialen und natürlichen Umwelt. Ohne Fürsorge (=sozialer Zusammenhang) wären wir nicht überlebensfähig (=biologischer Zusammenhang).

Onto- und Phylogenese sind eng gekoppelt: die Entwicklung unseres (biologischen) Körpers geht einher mit der Entwicklung unserer Persönlichkeit. Wir entwickeln uns im sozialen Zusammenhang, lernen von anderen, erkennen unsere Handlungen in ihren Reaktionen, bilden eigenständige Identitäten im Abgleich mit der uns umgebenden Kultur. Menschen wachsen zu sozialen Wesen heran.
Eine der grundlegenden Theorien der Kommunikations- und Sozialforschung ist der Symbolische Interaktionismus:
We are born into code-systems (e.g. our native language) that we perceive as natural. Language is a collective means of individual expression.
Ein weiteres wichtiges sozialtheoretisches Modell, welches sich wesentlich auf den Prozess der Kommunikation stützt ist der konstruktivistische Ansatz von Berger & Luckmann: Die soziale Wirklichkeit ist das Produkt institutionalisierter sozialer Handlungen.
Die Wirklichkeit ist ein verbindliches soziales Konstrukt, welches sich aus sedimentierten menschlichen Wirklichkeitsaufassungen zusammensetzt.

Somit ist Wirklichkeit das Produkt menschlicher Interaktionen, tritt dem sozialisierten Menschen jedoch als objektive Wirklichkeit gegenüber.

Wir alle produzieren und reproduzieren diese Wirklichkeit im alltäglichen Umgang miteinander.


Die Pflichtlektüre wird online zur Verfügung gestellt. Folgende Texte können als Ergänzung konsultiert werden.
Literatur
Unser Studium der Fach- und Ideengeschichte der Kommunikationsforschung legt zentrale theoretische Ressourcen frei, auf Basis derer Medienkultur als Forschungsprogramm konzipiert werden kann:
- Kommunikation und Kultur sind rekursive Prozesse der gesellschaftlichen Konstruktion von Wirklichkeit
- Öffentliche Kommunikation der Moderne ist Medienkommunikation
- Medien sind vieldimensional
Vor dem Hintergrund der katastrophalen Erfahrung des Krieges und eingebettet in ein Umfeld in dem die neue Massenproduktion von Konsumwaren einen ersten Höhepunkt erreicht werden die Medien zu einem zentralen Untersuchungsgegenstand der kritischen TheoretikerInnen. Die Medien gelten als Ideologie-Apparate zur Verdummung und Unterdrückung der Massen, die so zu gefügigen KonsumentInnen gemacht werden. Das Projekt der Aufklärung gilt als gescheitert.
Frankfurter Schule
Im Schnittfeld von Gesellschafts-, Medien- und Kommunikationsforschung etabliert sich sodann die Medienkulturforschung als Untersuchung der rekursiven Beziehung von Medien und Gesellschaft. Da sie versucht die Rolle der Medien für die zeitgenössische Kultur in ihrer Gesamtheit zu erfassen, darf ihr nichts fremd sein: Makro- wie Mikroanalysen müssen ebenso Platz haben, wie Untersuchung von Medieninhalten aller Art!
Als heuristische Basisunterscheidung des komplexen Gesamtzusammenhanges dient eine Einteilung der Medienkultur in drei grundlegende Dimensionen:
- die Dimension der Phänomene selbst, also der Vielfalt der Erscheinungen medialer Kommunikation;
- die Dimension der Konstruktion, also welche Wirklichkeit durch diese Phänomene kreiert wird; sowie...
- die Dimension der Beurteilung (Normativität)
Auf Basis dieser Unterscheidung kann man sich nun Medienphänomenen widmen, auch wenn deren Rolle im uns interessierenden Geschehen zunächst unklar ist. Zudem ist die Heuristik umfassend genug, Forschung auf der Mikro-, Meso- und Makroebene anzuleiten. Das gilt auch für die gegenwärtige Umwälzung unseres Kommunikationsregimes im Zuge der "digitalen Revolution" der neuen Medien.
Historical Context and the History of Ideas
Marxism, Critical Theory and British Culturalism
(1) American Sociology
The building of a new society: within the context of the "new world" sociology emerges at the time of the shaping of a new - the American - society; the first time humankind is faced with building a new society "from scratch".

Premised on the theories of enlightenment and the idea of a democratic commonwealth where "all men are created equal", sociology researches what binds a society together. The "New Media" - movies, radio, later TV, but also the press and journalism are studied as means of connecting the people and shaping a new kind of society.
(2) The Frankfurt School
In the old world, progressive intellectuals - observing the plight of the workers in the industrialized society, the rise of fascism and antisemitism wonder what's wrong with the Marxist analysis of capitalist society.

Building upon, and trying to overcome orthodox Marxist analysis of Modernity, they discover culture (and thus [mass] communication) as the missing ingredient in understanding what shapes individuals, their social relations and thus modern society.
The course of history brings some of these people together in their American exile: Paul Lazarsfeld, the pioneer of media research meets Theodor Adorno, the cultural critic. Out of this encounter the notion of critical v. administrative communication research is born that informs much of the tradition in the decades to come (see Katz [1987]: Communication research since Lazarsfeld and boxes below].
Marxist analysis of the capitalist society:
being forced by the economic circumstances of capitalism to sell their labour for a wage the worker is alienated from his/her product and exploited by the capitalist (owner of the means of production). The result is the commodification of social relationships and the prolongation of social and economic inequality which keeps society from reaching its true greatness.
Lukacs refines some of Marx concepts arriving at the notion of re-ification, the process of turning what used to be humane into mere things.
While some members of the Frankfurt Institute (Benjamin, Löwenthal) took a differentiated approach to the Media, for Horkheimer and Adorno they were just intolerable Mass Culture (see also Leavis, Hoggart and Williams and the US-debate of the same concept).
Mass Culture, here termed "Culture Industry", consists of a dumbing down of the "masses" through processes of alienation, commodification (reification) and standardization. Their Critical Theory reached an early climax with "The Dialectic of the Enlightenment" in which they basically declare that the age of Enlightenment is over: it has eradicated itself. The reign of reason has turned into the terror of efficiency, the means eclipse the ends, everything - from labour to desire - is treated as if it were merely a thing, a marketable commodity.
Meanwhile in Britain we see the upsurge of a different kind of Critical Theory. The study of English Literature and the adoption of an anthropological definition of culture (i.e. the "way people live") makes for a very distinct occupation with the sociological question of "society". Mass society is seen as threatening the "Great tradition" of thought and civilization (Arnold, Leavis) and/or the communal structures of the "Working class" (Hoggart, Williams). In both accounts the Media feature as the main purveyors of a Mass Culture that fundamentally changes society.
Taylorism, Fordism & Alienation
Thus emerges the
Critical-cultural tradition of Media research

(1) Culture is ordinary.

(2) Culture is political (the struggle over meaning and ways of life).

(3) Culture today is increasingly mass produced (a commodity). It can not be separated from communication and its media.
The (Mass) Media and mass consumption help create a society that is devoid of any authenticity. Only the arts are the last pocket of resistance: here the authentic creation of the autonomous individual contains what human creation could be like (classical music, etc.). But the democratization of artworks enabled by the new means of technological reproduction (phonographs, photographs, etc.) even threatens this last bastion of genuine human spirit.
The Age of reason has come full circle: once rationality ("Sapere aude!"), the application of reason allowed humanity to break from the prison of immaturity. No religion, no king, no superstition was to rule the community of humankind. Now, reason had turned into purposive rationality, a rationality of efficiency and profit. This (non-)culture kills off the promise of the enlightenment, the promise of a community of equal, free and solidary people. If the Age of Reason had also been a moral project, this morality was now dead.
Horkheimer and Adorno's pet peeve was entertainment just as the media provided ever more entertaining offers for their listening, reading and viewing public. Serving, allegedly, the interests of capitalist rule by pushing advertising and the spirit of consumerism on everyone that encountered them, the Media are the main purveyors of the culture industry; and the people willingly let themselves be duped. For Critical Theory there wasn't really much to be salvaged from modern society.
Advertising
exploiting people's desire for freedom, love and the good life!
The Promise: "Enjoy the Freedom of endless nature, in a car that takes you back to your roots!"
The Reality: Stuck in the endless traffic jams of the urban sprawl, wasting time and polluting the environment.
Instead of gaining freedom the purchase of a new commodity can actually make you un-free: it will draw you into the whole commercial-bureaucratic reality that goes with it: get a loan (and work extra shifts to pay it back), get insurance (and give up private details to get a good deal), get a parking permit for your home district (and tell the government what car your driving)... and get a new sense of anxiety not to lose your newly acquired "freedom": the anxiety of people vandalizing your car (get a garage and work more shifts), the anxiety to not make it to the next category of even nicer cars (the neighbors will notice), the anxiety of mindless passengers getting it dirty ("Take off your shoes before you get in, will you! Daddy's going to get mad if you don't!"). Wow! Your life really IS better now, ain't it!
Especially Williams plays an important role for providing the theoretical roots of culturalism, a theoretical tradition that centers around the notion of experience as its central category: culture, rather then being including only great works of art ("The best that has been thought and said") is ordinary: it is a way of life that people of the same group (i.e. the working class) share. Based on such an (anthropological) understanding of culture he goes on to research the role of the New Media (especially TV) and the kind of culture they establish (popular culture).
Media are thus a powerful political instrument - not their immediate influence is important, their long-term production of culture!
Während die (i) Traditionen der Massen-kommunikationsforschung (USA) und der Kritischen Theorie (D/USA) ihrer jeweils eigene Fragestellung nach der sozialen Rolle der Medien nachgehen, entsteht eine britische Tradition mit einer anderen Schwerpunktsetzung. Fragt man in den Vereinigten Staaten nach der Funktionalität der Medien zur Gestaltung der (guten) Gesellschaft (und ihres Einsatzes als Vermittler von Werbebotschaften zur Erhöhung des Absatzes von Konsumgütern), widmet sich die kritische Tradition der Frage, ob und wie die Medien systematische Mittel der politischen und ökonomischen Macht werden.
Kulturalismus und Cultural Studies
Digitale Medien: Ein Umbruch der
gesellschaftlichen Kommunikation
Die Debatte um die
"Neuen Medien"
Wie immer, wenn ein gesellschaftlicher (Medien-) Umbruch im Gange ist, zeigt sich zunächst einmal ein mehr oder weniger chaotisches Bild der Veränderungen.

Auch sind solche Umbrüche von zahlreichen Dis-kontinuitäten und Ungleichzeitigkeiten gekennzeichnet (Ernst Bloch sprach in diesem Zusammenhang einmal von der "Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen", und beschrieb damit den Umstand, dass nicht alle Entwicklungen alle Gesellschaftsbereiche im gleichen Maße und zur gleichen Zeit betreffen.
SOZIALITÄT
Ebene der sozialen
Beziehungen
PRODUKTION/REPRODUKTION
Materielle Ebene
REGULIERUNG
Moralische und
rechtliche Regeln
PARTIZIPATION
Auswirkungen auf das
demokratische Miteinander
KREATION
Erschaffung der "nächsten Gesellschaft"
Analytisch
Preskriptiv
Attribution: Everyone can do anything with your work as long as they credit you as the creator
Attribution-ShareAlike: as above plus that any derivative creations are also licensed under identical terms (e.g. Wikipedia)
Attribution-NoDerivs: allows commercial and non-comm. redistribution as long as passed along unchanged and in whole + credit to creator
Attribution-NonCommercial: remix, tweak, and build upon your work non-commercially; new works must acknowledge you and be non-commercial but derivative works can choose other license.
Attribution-NonCommercial-ShareAlike: This license lets others remix, tweak, and build upon your work non-commercially, as long as they credit you and license their new creations under the identical terms.
Attribution-NonCommercial-NoDerivs: only allows others to download your works and share them as long as they credit you, but they can’t change them in any way or use them commercially.
Copyright licenses:
(nicht) alle Rechte vorbehalten
Was ist also "neu" an den "neuen" Medien?
Die technologischen Möglichkeiten der digitalen Informations- und Kommunikationstechnologien verändern die Architektur der gesellschaftlichen Kommunikation, in dem sie neue Charakteristika aufweisen ("affordances"), neue Rollen und Beziehungsmuster erschaffen, und neue Geschäftsmodelle ermöglichen. Und doch sind auch diese Medien immer auf die konkrete Anwendung im Rahmen der kommunikativen Praxi angewiesen. Sofern mit den neuen Medien das Individuum einen prominenteren Platz im Kommunikationsgefüge erhält, dann wächst auch die Rolle und Verwantwortung des/der Einzelnen.
Informationelle Ökonomie
Die Wirtschaften der westlichen Welt (aber auch global betrachtet) beruhen immer mehr auf der Produktion immaterieller Güter - Daten, Information, Wissen, kulturelle Produkte. Die Entwicklung von Hochtechnologie-Produkten, von Software, Informations- und Wissensdienstleistungen, Medieninhalten u.a.m. folgt anderen Prämissen, als die industrielle Ära. Wissen wird immer mehr zum Produktionsmittel, Arbeit wird immer öfter zu "immaterieller Arbeit", Bildung und Expertentum werden volkswirtschaftlich wichtiger (Theorie der Wissensgesellschaft, Stehr 1994).
Daniel Bell schrieb von der "post-industriellen Gesellschaft", Manuel Castells nennt dies das "informationelle Paradigma", Nico Stehr spricht von der "Wissensgesellschaft" - es gibt viele Namen für diese Entwicklung.
Sofern die materiellen Grundlagen der sozialen (Re-)Produktion eine zentrale Rolle dafür spielen, wie eine Gesellschaft organisiert ist, wie Macht verteilt wird, dann ist die Organisation, Regulierung und Incentivierung des Produktionsprozesses von zentraler gesamtgesellschaftlicher Bedeutung. Gesellschaften müssen auf die Veränderungen ihrer technologischen Grundlagen reagieren!
Korrosion alter Klassifikationen
Die heutige Medienkommunikation kennt zusehends keinen Untershied mehr zwischen Massen- und interpersonaler Kommunikation.

Die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien (ICTs) bringen eine neue (globale) Konnektivität sozialer Beziehungen mit sich: soziale Interaktion und mediale Information werden allgegenwärtig.

Die Menschen sind zusehends "always-on" und integrieren Medienkommunikation als selbstverständlichen Teil in ihren Lebensalltag.
The Power of Networks
Neue Sozialfiguren
Mit den neuen Medien enstehen gänzlich neue "Sozialfiguren", wie etwa der Hacker, der Troll, der Social Media-Berater, der Netzaktivist, das Piratenpartiemitglied, der "File-Sharer", der Blogger, etc. . Diese sozialen Rollen sind bisweilen verwandt mit älteren Sozialfiguren, jedoch oft bislang ungekannte Ergänzungen für unsere sozialen Beziehungen. Mit ihnen entstehen neue Interaktionsformen und ein neuer Ethos (Überzeugungen, Selbstverständlichkeiten, Werte).
Neue soziale Beziehungen/Neue Politiken
Soziale Innovationen bringen auch neue Formen der Politik mit sich: sobald neue soziale "Welten" entstehen und neue soziale Rollen geschaffen werden beginnen diese damit ihre Ansichten und Lebensweisen zu verteidigen. Man denke etwa an "Anti-Globalisierungs-AktivistInnen" (Attac), "NetzaktivistInnen" (CCC, WikiLeaks), die "File-sharing-community" und andere mehr. So schaffte es etwa die (deutsche) Piratenpartei innerhalb kürzester Zeit zu einer politischen Kraft zu werden, mit Auswirkungen auf den gesamten etablierten politischen Betrieb.
Geistiges Eigentum
und die "Creative Commons"
Drei grundlegende Betrachtungen des Wandels:

(1) Zeiten umfassenden sozio-technischen Wandels sind von "Versuch-und-Irrtum"-Strategien geprägt. So treten neue Technologien niemals in "fertiger" Form auf den Plan, sondern entwickeln sich im Austausch mit ihrem konkreten Gebrauch und sozialer wie kultureller Innovation. Einzelne Akteure widmen sich intensiv der Erforschung der neuen Möglichkeiten, während sich andere dagegen sperren. Ein Medium muss historisch immer erst "zu sich selbst" finden, bevor es zudem wird, als was es dann in Erscheinung tritt (Bsp.: Telefon, Radio, u.a.m.).
(2) Solche Phasen des Experimentierens werden von sozialen Diskursen begleitet, die sich oft entlang von Extrempositionen aufspannen: technikoptimistische Utopien einerseits ("Mit dem Internet wird alles besser!") stehen technopessimistischen Dystopien andererseits ("Untergang des Abendlandes") gegenüber. Zwischen diesen Extremen werden stetig neue Anwendungen entwickelt, implementiert, ökonomisiert und adaptiert. Entlang der Schulz'schen Konzeption der "Mediatisierung" werden andere soziale Systeme davon auf die eine oder andere Art und Weise affiziert - manche mehr, manche weniger.
Ein Wandel der systemischen Grundlagen der modernen Gesellschaft - nämlich der Art und Weise wie in und mit den "neuen Medien" kommuniziert wird hat Auswikrungen auf alle Elemente des Systems. Der Einzug der neuen Medien und die damit einhergehenden Veränderungen sind von hoher Komplexität, und fallen bisweilen sehr subtil, dann wieder sehr daramtisch aus.

Doch wie kann man die damit angesprochenen, zahlreichen Schauplätze des Wandels am besten strukturieren?

(3) Durch die neuen Medien, so meint etwa Clay Shirky, entsteht ein gesellschaftlicher Mehrwert, erwachsen neue Potenziale, von denen man jedoch noch nicht weiß wie und wofür man sie am besten einsetzen soll. Wie man am besten mit diesen neuen Mitteln kommuniziert, wie ihre Produktion organisiert werden soll, welcher regulierung sie bedürfen, und auf welche Art und Weise sie am besten in unser Alltagtsleben integriert werden sollen, ist unklar: die neuen Medien kommen "ohne Gebrauchsanweisung". Dieser Zustand bringt ein hohes Maß an Latenz, Antizipation, Furcht und Unruhe - aber auch neuen Idealismus, neue Solidaritäten, und neue siziale Beziehungen hervor.
Machtgewinner, Machtverlierer
Zwar kommt der produzierenden Industrie nach wie vor eine wichtige Rolle zu, jedoch entstehen immer neue Unternehmungen und Produktionsweisen, was auch neue Formen der Regulierung und des Schutzes von Wissen und immateriellen Gütern mit sich bringt (Copyright, Trademarks, Patente, "Human Resources", u.a.). Der Unternehmenswert von Internet-startups übersteigt jenen der alten Industriegiganten; eine ganze Generation wächst mit der "freebie-economy" des Internet auf (was sich insbesondere auf die Medienbranche auswirkt); und der "Wissensarbeiter" wird zum neuen Idealbild gesamtgesellschaftlicher Bildungs- und Ausbildungspolitik.
Die Angst um die (Massen-)Medien
Angesichts der historisch wichtigen Rolle der Medienöffentlichkeit wird deutlich, warum der fundamentale Wandel des Mediensystems im Gefolge der digitalen Revolution oft skeptisch betrachtet wird: denn wenn die neuen Realitäten der gesellschaftlichen Kommunikation negative Auswirkungen auf die (klass.) Medien zeitigen, dann beschädigen sie damit vielleicht auch die Demokratie selbst. Wenn die neuen Medien den Zeitungen etwa Werbeerlöse streitig machen, dann bedroht dies deren Existenz; wenn die Internetnutzung Publikum von den Medienanstalten abzieht, dann gefährdet dies den Informationsstand der Öffentlichkeit. So gerät in den Augen vieler die Öffentlichkeit selbst in Gefahr.
Neue Medien, Neue Öffentlichkeit?
Und so stellen die neuen Medien für manche den Aufbruch in ein enues, wahrhaft demokratisches Informations-Zeitalter dar, während andere den Untergang gemeinsamer Themen und Debatten heraufdräuen sehen ("filter-bubble"-Problematik, siehe Pariser 2012, Sunstein 2001, Katz 1996).
Zugleich erlauben die neuen Medien auch eine Demokratisierung der gesellschaftlichen Auseinandersetzung: jeder kann heute mitreden, sich immenser Informationsressourcen bedienen, seine Meinung kundtun, und MitstreiterInnen für seine/ihre Sache gewinnen.
Exkurs:
Habermas
und der Strukturwandel der Öffentlichkeit
The Media, and their rescue from the hands of the corporations, from the dumbing down in the name of consumption and popularity, are cast as the pivotal element of modern democracy. The question is: how to organize societal communication as to meet the theoretical ideals that safeguard the quality of communication and thus the quality of democracy itself? How do we create the "ideal speech situation" (i.e. undistorted communication) in which the "gentle force" of the better argument - the power of reason - will always ut?
Die Zentralität der (neuen) Medien
So wird die hier zentrale Frage nach den Auswirkungen der "neuen" Medien auf unsere demokratischen Gemeinwesen zur Frage nach deren Regulierung und Verwendung. Die Debatte ist daher (zu recht) stark von einem gewissen Pioniergeist durchdrungen: wenn die Medien so wichtig für die Kommunikation in der Gesellschaft sind, und wenn diese Kommunikation wiederum eine zentrale Rolle in der Gestaltung sozialer Beziehungen spielt, dann wirkt sich ein Wandel des Mediensystems notgedrungen auch auf die Gesellschaft als solche aus (Mediatisierungstheorie).
Bleibt die Frage: Was machen wir aus dieser Chance die zugleich eine Verantwortung ist?
Normativität
Jede Handlung, die kulturelle Bedeutungen produziert, jede Beteiligung am politischen Diskurs, jedes Engagement in der Schaffung bzw. Verhinderung sozialer, politischer, ökonomischer Intitiativen folgt (impliziten) Ideal- und Wertvorstellungen. In dem sie auf verschiedene Weise ihre "Vision" der zukünftigen Gesellschaft vertreten, bringen alle Beteiligten der gesellschaftlichen Debatte (bezüglich der "schönen neuen Medienwelt") ihre je eigenen Vorstellungen dessen ein, was gut, wünschenswert und notwendig ist. Wie soll unsere Zukunft aussehen? Wie wollen wir leben? Was müssen wir tun? All diese Debattenbeiträge sind immer schon "vorschreibende" (normative) Aussagen.
FREIHEIT
VERANTWORTUNG
7. Kritische Medienkulturforschung:
Ein Vorschlag
Angesichts der (a) Bedeutung von Kommunikation für zwischenmenschliche Interaktion und ihrer Rolle in der Herstellung von Sozialität & Individualität sowie (b) der zentralen Funktionalität des Mediensystems (d.h. die Summe aller Medien-strukturen, -organisationen und -inhalte) kommen wir zu folgenden Schlussfolgerungen: (1) Ohne Berücksichtigung der Rolle der Kommunikation ist die menschliche Natur nicht zu verstehen. (2) In der modernen Gesellschaft sind Medien und Kommuni-kation untrennbar verbunden. Die Art und Weise wie Medien produziert, organisiert und angeeignet werden, formt unsere sozialen Beziehungen.
Anstatt diesen Phänomenzusammenhang in künstliche Einzelteile zu zerlegen, muss Kommuni-kation in ihrer Kontinuität als Prozess untersucht werden. Medienkommunikation ist nur ein Teil des umfassenderen gesellschaftlichen Diskurses. Sie iniziiert, verwendet, verändert, dramatisiert, vereinfacht, formt und popularisiert bestimmte Themen einer größeren gesellschaftlichen Debatte. Die Suche nach "Medienwirkungen" muss alle diese Schnittpunkte des Mediensystems der sie umgebenden Gesellschaft berücksichtigen.
Alle Medienforschung ist Beforschung gesellschaftlicher Kommunikation.
Eine umfassende Perspektivierung medialer Kommunikation muss über traditionsreichen "Narrative" der Medien(forschung) hinausgehen:

(1)
Die Medien als zentrale Akteure der gesellschaftlichen Kommunikation, als die Speerspitze einer aufgeklärten, demokratischen Politik. Beginnend mit der historischen Forderung nach Meinungsäußerungsfreiheit etabliert sich das Ideal unabhängiger Information über das soziale und politische Geschehen als Basis aller politischen Willensbildung des demokratischen Souveräns. Die Medien informieren die Menschen, bieten ein öffentliches Forum des Meinungsaustausches und bringen die Ansichten des Volkes zu Gehör.
Dazu quer liegt ein Zugang zu Medien, der vor allem auf ihre materielle und technologische Form und Funktionalität abstellt. Da ist zunächst
(3)
ein instrumentelles Verständnis der Medien als Kommunikationsmittel, welches die strukturellen, institutionellen, sensorischen Eigenschaften, als auch die je unterschiedlichen Rezeptions- und Aneignungsweisen höchstens als Randbedingungen erwähnt. Die Medien werden hier allein als Mittel zur Verbreitung von Information von A nach B gesehen, wobei B die Absicht von A zweifelsfrei erkennt bzw. die Eigenschaften der Botschaft x eindeutig identifizierbare Auswirkungen als Rezeption y zeitigen.
(2)
Eine kritische Tradition, die ebenso aus dem Erbe der Aufklärung hevorgeht, thematisiert die Rolle der Medien vor allem als eine Beharrungskraft zur Zementierung des gesellschaftlichen Status Quo: aufgrund der Institutionalisierung der Medien als (a) abhängig von der Nähe zu Machtzentren, und/oder ihrer (b) privilegierten Position hinsichtlich der Produktion öffentlicher Aussagen, und/oder (c) der zunehmenden Verdinglichung/Warenförmigkeit der Kulturproduktion, verhindern die Medien effektiv gesellschaftlichen Wandel. Sie sind letztlich eine konservative Kraft die Menschen/Organisationen/Ideen kleinhält durch (i) die Verbreitung eines falschen Bewusstseins, (ii) die Naturalisierung ideologischer Botschaften, (iii) die Ablenkung von den wirklich wichtigen Fragen und die Betäubung couragierter Initiative.
Ein solch instrumenteller Zugang zu den Medien als "Mittel" der zweckhaften Zielerreichung wird von den Vertretern der
(4)
Mediumtheorie abgelehnt. Denn da jede Medientechnologie dem Inhalt (Botschaft) bzw. dem Kommunikationsprozess eine spezifische Form oktroyiert, können "die Medien" nie neutral sein. Im Gegenteil sind die Medien immer schon "zwischen" uns und unserer Umwelt. Sie vermitteln nicht nur Kommunikation, sie vermitteln die Welt als solche. Die jeweils dominanten Medien/Medientechnologien einer Epoche sind daher prägend für die historische Formierung der entsprechenden Gesellschaft.
Bis heute repräsentieren diese vier idealtypischen Perspektiven auf "die Medien" unter einander relativ unverbundene Forschungstraditionen: (1) Die Medien als Agenturen der Aufklärung, (2) die Medien als Machtapparat und Manipulatoren, (3) die Medien als Kommunikationsinstrumente, sowie die (4) Medien als Wirklichkeitsgeneratoren - stehen jeweils für paradigmatische Verständnisse der Natur der Medien.

Von allen Sichtweisen kann eine Theorie der Medienkultur lernen: über die materiellen und kulturellen Grundlagen der Medienkommunikation, den Nutzen und den Missbrauch der Medien als Antrieb der gesellschaftlichen Kommunikation; eine theoretisch-konzeptionelle Verbindung jedoch wurde bislang nicht unternommen.
Ein
MEDIENKULTURELLER
Zugang versucht diese theoretischen Traditionen und ihren Fundus an theoretischen und empirischen Einsichten der letzten 100 Jahre zu verbinden. Ein solcher Zugang bedient sich dieser Erkenntnisse, und wendet diese auf konkrete Instanzen (medialer) Kommunikation an - und zwar je nach den medialen Eigenschaften des verwendeten Mediums, der sozialen Handlung, des gesellschaftlichen Kontextes und des jeweiligen Kommunikationsinteresses. Medienkulturforschung betrachtet die umfassenden Implikationen von Kommunikationshandlungen, die Eigenschaften der Botschaft und die Beschaffenheit der Wirkung.
Dabei betont die Medienkulturforschung den Prozess und die Verbundenheit der Kommunikation als mit kulturellen und sozialen Prozessen verwoben, und beschränkt sich nicht auf künstliche Unterscheidungen in Mikro-, Meso- und Makroprozesse - und zwar weil diese Ebenen alle verbunden sind, verbunden durch Kommunikation.
[B] Die epistemiologische Dimension
Wir kreieren unsere soziale und natürliche Umwelt im sozialen Verbund, durch Lernen, Aushandlung und die Sedimentation von Bedeutung (die Theorien des Symbolischen Interaktionismus, u.a. beschreiben diese Prozesse). Kommunikation beruht immer auf, und produziert zugleich, Kultur; in und durch Kommunikation (re-)produzieren wir unsere Welt. Auf dieser Analyseebene untersucht die Medienkulturforschung jene Mechanismen die an der Erschaffung einer bestimmten Wirklichkeit beteiligt sind (Situationsdefinitionen, Geltung von Normen/Normierungen, Tabus, strukturelle Machtungleichheiten, uvm.) im jeweiligen kommunikativen Setting.
Vor diesem Hintergrund kombiniert die Untersuchung (medialer) Kommunikation immer drei Dimensionen:

[A] Die Phänomenebene
Auf diese Ebene geht es darum, die vielen Erscheinungsformen der Medienkommunikation zu beschreiben und systematisieren, die Verbindungen von Bedeutungen, Handlungen, Emotionen und Praktiken zu erfassen. Medienkommunikation als heute alles durchdringende Kultur nimmt zahllose Formen an. Bisweilen ist ihre Rolle offensichtlich, manchmal muss man diese erst vorsichtig ergründen; manche Praktiken erschließen sich unmittelbar, andere sind subtil oder bleiben verbrogen. Ein jedes Phänomen muss zunächst hinreichend klar beschrieben und erfasst werden (Deskription).
[C] Die Normative Dimension
Die moderne Gesellschaft ist eine diverse und pluralistische Gesellschaft. Zu jedem erdenklichen Zeitpunkt spielen ökonomische Interessen, kulturelle Identitäten, soziale Rollen, kulturelle Werte, biographische Erfahungen, und viele andere - letztlich normative - Zusammenhänge eine Rolle in der-, und für die Kommunikation. Es wird kaum jemals möglich sein, sich auf die "ideale Gesellschaft", die Details eines "guten Lebens", oder den Inhalt einer transzendentalen Bestimmung allen Lebens zu einigen. So ist beinahe jede Kommunikationshandlung von normativen Aspekten beeinflusst - manchmal explizit, zumeist implizit. Anstatt zu versuchen diese normative Dimension aus unserer Analyse von Kommunikationen herauszuhalten, sollten diese Werte, Normen und Normalvorstellungen herausgearbeitet und als intrinsischer Bestandteil des Kommunikationsprozesses diskutiert werden.
Leseliste (komplett)
Tag 1: Einführung - Medien, Kultur & Gesellschaft

1. Klärung der Grundlagen

a) Relevanz und Aktualität von Kommunikation
b) Zeichen-, sozial- und kommunikationstheoretische Grundlegung der Kommunikationsforschung

Tag 2: Fundierung - Theorien und Konzepte

2. Was ist Medienkultur?
a) Theoretische Fundierung/Entwicklung der Medienkulturforschung (Kommunikationswissenschaft, Soziologie, Cultural Studies)
b) Grundlegende Konzepte und Methoden der Medienkulturforschung

Tag 3: Digitale Medien, digitale Kommunikation

3. Das Internet und die "neuen Medien"

a) Grundlagen der Digitalisierung der Mediengesellschaft
b) Hybridisierung des Mediensystems


Tag 4: Konsequenzen des Medien- und Kommunikationswandels

4. Neue Medien, neue Gesellschaft?
a) Medienangebote und Kommunikationsformen im Netz
b) Wandlungsprozesse und Auswirkungen des Internet


Block I
Block II
Symbolisch Bedeutungsvermittlung
George Herbert Mead & Herbert Blumer formulieren drei Prämissen des "Symbolischen Interaktionismus" als Basistheorie menschlichen Handelns und sozialer Bezihungen:

1. "Humans act toward things on the basis of the meanings they ascribe to those things."

2. "The meaning of such things is derived from, or arises out of, the social interaction that one has with others and the society."

3. "These meanings are handled in, and modified through, an interpretative process used by the person in dealing with the things he/she encounters." (Blumer 1969: 2)


"Human beings are seen as living in a world of meaningful objects-not in an environment of stimuli or self-constituted entities. This world is socially produced in that the meanings are fabricated through the process of social interaction. Thus, different groups come to develop different worlds - and these worlds change as the objects that compose them change in meaning." (Blumer 1969: 69)


6. Die dialektische Bewegung der Kommunikationstheorie
1:a
1:b
2:a
2:b
z.B.: Journalismustheorien,
Medien als 4th Estate
z.B.: Ideologiekritik,
Frankfurter Schule
z.B.: Kritik der Werbung
("hidden persuaders", kritische politische Ökonomie der Medien
z.B.: Technikoptimismus,
positive Medienökologie
Auf Basis unserer Exploration des Medienbegriffs, und vor dem Hintergrund der Bedeutung der (Medien)Kommunikation lassen sich aus der Theoriegeschichte der Medienforschung folgende Idealtypen und daraus resultierende Dichotomien extrapolieren:
Diese Einteilung dient uns (a) zur Vermeidung angestammter Verkürzungen der Kommunikationsanalyse ("Alle Medien sind dysfunktional!"); und der voreiligen Festlegung der Rolle der Medien ("Medien sind technologische Mittel der Information!"). Auf Basis dieser Unterteilung kann zwischen den aufklärerischen (emanzipatorischen) und kritischen (herrschaftlichen) Aspekten der Medienkommunikation unterschieden werden: Medien sind nicht "neutral".
Diese Matrix bildet die Grundlage einer dreidimensionalen Analyse der Medienkultur (siehe
"Theory of Media Culture"
). Welche (a) sensorischen, semiotischen, organisatorischen, etc. Spezifika zeichnen ein konkretes Medienphänomen aus? Wie wird (b) auf dieser Basis und mit welchen Mitteln Erkenntnis hergestellt? Und welche explizite und implizite Beurteilung (normative Basis) erfährt das Medienangebot dabei?
FAZIT
Kritische Medienkulturforschung
Kurzbeschreibung
1. Relevanz & Aktualität
der Kommunikationsforschung

3. Sozial- und gesellschafts-
theoretische Grundlagen

Kurz: Es gibt keine "menschliche Natur" ohne "menschliche Kultur". Die dichotome Gegenüberstellung von Natur vs. Kultur ist schlicht sinnlos, denn es handelt sich nicht um einen Gegensatz, sondern um ein Zusammenspiel von Prozessen.
Die Art und Weise wie wir kommunizieren, welche Wirklichkeit wir als normal und selbstverständlich ("natürlich") annehmen, die Sprache(n) die wir sprechen sind letztlich soziale Gegebenheiten. Kommunikation, ihre Symbole und Codes, ihre Formen und Praktiken sind wesentliche Voraussetzung dafür, wer wir - als Individuum - sind (oder meinen zu sein). Zahlreiche Theorien spiegeln diese Zentralität der (sozialen) Kommunikation für unsere Entwicklung zum Menschen wieder.
Hinter dem Alltagsbegriff "Medium" verbirgt sich eine Fülle von Bedeutungen. Es bestehen zumindest drei gängige sozial- und kulturwissenschftliche Medienbegriffe:

Soziologischer Medienbegriff

(1) der Tradition von Georg Simmel und Talcot Parsons entstammt eine i.e.S. soziologische Definition, die ein Medium als (sozial akzeptierte) Form der Bedeutungsvermittlung zwischen sozialen Entitäten definiert; üblicherweise mit Blick auf das gesellschftliche Ganze. So ist etwa in der Systemtheorie Luhmanns Geld ebenso ein Medium wie etwa Vertrauen, oder die Liebe.
Ein Medium kann hier verstanden werden als ein gemeinsame Nenner der Kommunikation welcher Verständigung ermöglicht ("wahrscheinlich" macht). Luhmann nennt dies sodann folgerichtig "symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien". Zu den wichtigsten zählen Macht, Geld, Liebe, Wahrheit, Kunst. Sie vereinfachen die Anschlussfähigkeit sozialer Interaktion und bilden die Grundlage allen sozialen Verhaltens. Für eine kommunikationswissenschaftliche Verwendung erweist sich diese Definition von Medium jedoch als zu breit und unspezifisch.
Philosophischer Medienbegriff

(2) Aus einer philologisch-geisteswissenschaftlichen Tradition geht ein Verständnis von Medium hervor, welches auf die (i.w.S.) materiellen Grundlagen der Wahrnehmung abzielt. Die Idee dahinter ist eine klassische: es sind Medien, die uns überhaupt erst erlauben die Welt um uns wahrzunehmen - auf jeweils spezifische Weise. Die "dispositiven" Eigenschaften einer jeden Medientechnologie priviligieren bestimmte Formen der Wahrnehmung und benachteiligen andere.
Da Medien unsere wesentliche Verbindung zur Realität darstellen, kann der Einfluss ihrer Medialität garnicht hoch genug bewertet werden: denn alle menschliche Erfahrung ist mediatisierte Erfahrung. In dieser Tradition steht etwa das Werk von Marshal McLuhan, und seine Vorstellung, dass die (technischen) Medien Erweiterungen des menschlichen Körpers, bzw. unserer "Sinne" darstellen. Medien sind nicht einfach Mittel zum Zweck, wie etwa in der soziologischen Tradition, sondern ganz fundamentale Zugangsportale der Wahrnehmung und somit unserer Erfahrung.
Verbreitungsmedien

(3) Aus einer dritten Perspektive erscheinen Medien als "technologische Mittel" menschlicher Kommunikation. Solche "Verbreitungsmedien" ermöglichen uns Botschaften zu übermitteln und Beziehungen herzustellen. Es stehen hier also (vordergündig) die funktionalen Aspekte der medialen Kommunikation im Mittelpunkt.
Im Kontext moderner, entwickelter Gesellschaften versteht man unter einem Medium sodann ein (a) technisches Instrument zur (b) Ermöglichung sozialer Kommunikation. "Technisch" meint dabei avancierte Technologien der Sammlung, Verarbeitung und Verbreitung von Botschaften welches erst gemeinsam mit derm Voranschreiten komplexer Formen der sozialen Organisation entstehen.
Das bedeutet auch, dass bestimmte Kommunikationsmittel aus diesem Verständnis ausgeschlossen werden, so etwa die menschliche Sprache. Fokussiert werden all jene Mittel, die helfen die ehemals eng umschriebenen Grenzen der (kopräsenten) menschlichen Interaktion aus ihrer Beschränkung von Zeit und Raum herauszulösen: die Druckerpresse, das Radio, das Telefon, später Fernsehen und Internet. Diese Definition schließt aber auch Schallplatten, CDs und DVDs mit ein.
The Columbia School, angeführt von Wissenschaftlern wie Paul F. Lazarsfeld, Bernard Berelson, Robert Merton und später Elihu Katz wird zum Zentrum der Massenkommunikations-forschung der 40er und 50er Jahre. Bis heute lebt diese Tradition fort, die sich vor allem der Suche nach "Medienwirkungen" widmete, und dabei auf den Einfluss der Medienkommunikation auf Entscheidungshandeln fokussierte (Wahlstudien).
In den 1920er Jahren setzt sich eine neue Generation kritischer ForscherInnen, beinflusst von den Arbeiten Marx', zum Ziel die Kritik der politischen Ökonomie auf die höhe der Zeit zu bringen.

Am Frankfurter Institut für Sozialforschung versammelt sich eine interdisziplinäre Gruppe unter der Ägide Max Horkheimers um die Grundlagen der sozialen Ungelichheit zu erforschen. Zur Flucht gezwungen finden sich viele Frankfurter in den USA wieder, und widmen sich dort der Rollle der Medien.
In GB wird die ausgeprägte Klassengesellschaft und ihr kultureller Habitus zur Projektionsfläche einer "gemeinsamen Kultur". Kultur wird umgedeutet zu einem "whole way of life", womit der Alltag der einfachen Menschen zum Gegenstand der Kulturtheorie wird. Die Medien werden auch hier vor allem kritisch gesehen, als letztlich politische Kommunikationspraxis, wobei das Moment des Populären Medieninhalte jedoch stets zu einer genuinen, emanzipatorischen Kommunikation hin offen hält.
Doch am wichtigsten wird ein dritter Aspekt:

(3) Das Medium als Umwelt: Jedes Medium bringt eine eigene Medienökologie mit sich, deren Eigenschaften sowohl den Inhalt als auch die Produktion übertrumpfen. Dazu zählen etwa: die Art der sensorischen Wahrnehmung die dem Medium zu eigen ist; die Geschwindigkeit der Vermittlung, die Gerichtetheit (Uni-, Bi- und Multidirektionalität), u.a.m. Derselbe Inhalt hat so in verschiedenen Medien unterschiedliche Effekte.
Medienkultur: Genese und Positionen
Einführung und Grundlagen
Das Internet und die neuen Medien
2. Zeichen- und bedeutungs-
theoretische Grundlagen

Neue Medien, neue Gesellschaft?
Je nach Kontext meint man mit der Chiffre "Medium" bzw. "Medien" etwas anderes - insbesondere im Alltagsverständnis. Aussagen wie etwa "Damit kommst du bestimmt in die Medien!" oder "Die Medien sind an allem Schuld!" werfen verscheidenste relevante Bestandteile des Medienbegriffes in einen Topf.
Für die wissenschaftliche Beschäftigung brauchen wir daher einen hinreichend präzisen Medienbegriff, der es uns erlaubt die relevanten Aspekte zu erfassen. Dafür bietet sich die Definition von Siegfried J. Schmidt (2000) an:
Medien(kompakt)begriff

Das, was man gemeinhin als Medium bezeichnet ("Kompaktbegriff") ist tatsächlich die je spezifische Verknüpfung von vier Dimensionen. Ein Medium ist

(1) Ein semiosefähiges Kommunikationsinstrument (also in der Lage Bedeutungen zu codieren). Beispiele: Zeichen, Bilder, Sprache, etc. Im Herzen eines Mediums liegt also seine Fähigkeit Bedeutung zu vermitteln.
(2) Ein technischer Kommunikationskanal, also eine spezifische materiell-technische Medientechnologie. Beispiele: Eine Filmkamera und ein passender Projektor/Display, Funkanalgen für Mobiltelefonie und ein passendes Endgerät welches in der Lage ist solche SIgnale zu empgfangen und zu dekodieren, etc. Hier kommt die technische Ebene eines jeden Mediums zu tragen: ein Medium im kommunikationswissenschaftlichen Sinne ist immer ein technisches Medium (ein Dispositiv).
(3) Ein Medium zeichnet sich in der Folge auch immer durch die spezifische sozial-systemische Organisation dieser materiellen/technologischen Mittel aus. Technik allein tut nichts, sie funktioniert letztlich in einem institutionalisierten Setting. So organisiert sich die Rundfunktechnologie in Redaktionen und Sendeanstalten, das Medium Zeitung besteht u.a. aus dem Zusammenspiel von Recherche, Satz, Druck und Distribution des fertigen Produkts, etc. Diese Dimension verweist also auf die notwendige Implementierung technologischer Funktionalität, ihre Einbettung in die sozialen Beziehungen einer Gemeinschaft oder Gesellschaft.
Beispiel: Es macht etwa einen Unterschied, ob eine Medientechnologie privatwirtschftlich oder öffentlich-rechtlich institutionalisiert ist. So waren die Rundfunkstationen in den USA traditionell privatwirtschaftlich organisiert, hingegen in Europa meist öffentlich-rechtlich organisiert. Bedie Male handelt es sich um "dasselbe Medium", die konkrete Erscheinung von Fernsehen und Radio war jedoch aufgrund der unterschiedlichen sozialen Einbettung sehr verschieden.
(4) Die drei oben beschriebenen Merkmale vereinigen sich nun auf einer vierten Ebene zu einem konkreten Medienangebot (Artikel, Spielfilm, Blogpost, Tweet, Buch, etc.). Dieses wird durch das Zusammenspiel der drei Dimensionen wesentlich mitbestimmt, und hat zudem einen bestimmten Inhalt. Auf dieser Ebene ist die Vielfalt der möglichen Formen am größten, weil auch die Varianz am höchsten ist.
4. Medienbegriffe
Prof. Dr. Marian T. Adolf
Digitale Medienkultur | Universität Klagenfurt
LV 180.551 | Wintersemester 2014/15

Blöcke:
I. 29./30.11. 2014, 9-18h Raum: V.1.01
II. 24./25.01. 2015, 9-18h Raum: V.1.04
Mit der zunehmenden Bedeutung der Massenpresse beginnt die (noch junge) Gesellschaftswissenschaft auf die Rolle und Bedeutung "der Medien" aufmerksam zu werden.
Als einer der Ersten fordert Max Weber auf dem deutschen Soziologentag (1910) die Einrichtung einer "Soziologie des Zeitungswesens", kann sich damit aber nicht durchsetzen.

1916 wird der erste Lehrstuhl für Zeitungswissenschaft eingerichtet (Karl Bücher, Leipzig)
Geschichte der Kommunikations-
forschung
An der Universität Chicago (später auch als "Chicago School" bekannt) beginnt man sich vor dem Hintergrund der großen amerikanischen Gesellschaftsutopie ("pure democracy", "great community") mit den kommunikativen Strukturen des Landes auseinanderzusetzen (John Dewey, Charles Cooley, George Mead).

Immer neue Medieninnovationen (Telegraph, Film, Radio) gelten als Möglichkeitsbedingung einer wahren Demokratie. Der Einfluss der Medien auf die Gesellschaft - vor allem aber als Mittel einer zu vollendenden Aufklärung - wird als hoch eingeschätzt.
Chicago School
Medien gelten als Mittel zur Erziehung und Beeinflussung der "Massen" (zum Besseren). Harold Lasswell ("Lasswell formula") typisiert die Medien als "Massenkommunikationsforschung". Vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs wird große Hoffnung in die mobilisierende Funktion der den Medien gesetzt - auf beiden Seiten ("Volksempfänger").
Propaganda Studies
Columbia School
Dialektik der Aufklärung
Aus der Marx'schen Kategorie des Überbaus wird aber nun der Begriff der Kultur als einer Sphäre der Werte und Bedeutungen, der Ideen und Idealbilder. Die Rolle der Medien wird als Produzenten dieser (wenn auch letztlich repressiven) Kultur entworfen: Medien sind Kulturproduzenten.
Medien als Kulturproduzenten
Cultural Studies
Medium theory/Media ecology
Medienkultur als Forschungsprogramm
Auf Basis digitaler Signaltechnik können Informationen (i) gespeichert, (ii) komprimiert, (iii) verbreitet und vermittels Computern (iv) wiedergegeben und (v) manipuliert werden. Auf Basis der Vernetzung der Computer kann Informationsübertragung in großen Mengen, und in Echtzeit erfolgen. Damit ist ein universelles System der Daten- als Informationsübertragung vorhanden, durch das unterschiedlichste bedeutungstragende Zeichen vermittelt werden können: vernetzte Computer und ihre Schnittstellen (Monitore, Tastaturen, Lautsprecher, etc.) sind "Multimedien" und können Medieninhalte bislang getrennter Medien-"Gattungen" wiedergeben (Schrift, Ton, Bewegtbild). Daraus entwickeln sich neue hybride Kommunikationsmodi, als auch hybride Medienangebote.

Eine kurze Geschichte des Internets

Getrieben von der Entwicklung des Computers (als universeller Rechen- und Kopiermaschine) findet das Internet (Internet Protocol) seine erste Inkarnation als ARPANET zum Austausch von Informationen zwischen Computern und Computernetzwerken auf Basis eines dezentralen und distribuierten Datenaustausches ("internetworking"). Lange Zeit ist es von militärischer und wissenschaftlicher Nutzung geprägt, und wird erst Mitte der 90er Jahre für den privaten und kommerziellen Gebrauch freigegeben. Innerhalb kürzester Zeit wird das Internet zu einem zentralen Medienangebot:
Als Mittel der interpersonalen und öffentlichen Kommunikation (Email, Instant Messaging/Chat, VoIP, Videotelephonie/-konferenzen), als World Wide Web mit seinen "Websites", Diskussionsforen, Blogs, Social Network Sites, und e-commerce-Angeboten.

Das Internet überträgt digitale Signale zwischen Rechnereinheiten, die in der Lage sind diese Informationen über entsprechende Schnittstellen (interfaces) in menschlich wahrnehmbare Reize zu übersetzen (etwa in Schrift, Töne oder Bilder). Zum heutigen Entwicklungsstand ist die Verknüpfung zwischen Telekommunikation (Kommunikation über Entfernungen) und Informatik (Verarbeitung digitaler Signale) zu einem Multimedium gereift (PC, Laptop, Tablet, Smartphone).
So wurde die Telematik (Vermittlung computerlesbarer Information im Raum) zur
Mediamatik
, und treibt einen Konvergenzprozess an: einst getrennt existierende Technologien konvergieren zu einem vernetzten Ganzen, welches neben den Eigenschaften der einfließenden Technologien nun auch neue, genuine Merkmale hervorbringt. Dieser Prozess verläuft historisch äußerst rasch: von den Anfängen der Computertechnologie (1940er Jahre), über die Pioniere des Netzwerkens (1960er Jahre), bis hin zum modernen, öffentlich zugänglichen Internet als alltäglicher Lebensrealität vergeht gerade einmal ein halbes Jahrhundert.
Digitalisierung & Hybridisierung

Die technische Grundlage dieser Entwicklung liegt in der Universalität der Computertechnologie: Computer verarbeiten Digitalsignale (digital = "alles was man zählen kann"), die (analoge) Informationen als Zahlenwerte abbilden. Das häufigste Digitalsystem, auf dem auch die Rechner basieren, ist das Binärsystem, das nur zwei Werte kennt (0,1). Der Binärcode ("Maschinensprache") übersetzt Informationen in nur zwei, universell lesbare Werteausprägungen. Diese kleinste Informationseinheit aus "0/1" bzw. "wahr/falsch" wird als "bit" bezeichnet, was sich in einem elektronischen Rechner als "Strom an/Strom aus" abbilden lässt.
Beispiel:





analoges digitales Signal
ad e, f) Vernetzung und Hybridisierung

Bei allen oben genannten Prozessen handelt es sich jedoch nicht um diskrete (abgegrenzte) Prozesse, denn in Kombination enstehen daraus gänzlich neue Modalitäten (=Arten und Weisen, Formen) der Kommunikation mit bisweilen umfassenden Auswirkungen. So verändert sich mit dem Netz die grundlegende Organisation öffentlicher Kommunikation durch den inhärenten Netzwerkcharakter computerbasierter Kommunikation (die "Architektur" von Kommunikationsprozessen ändert sich). Auch fällt es immer schwerer zwischen Mediengattungen und -genres zu unterscheiden, da neue hybride Formen entstehen, indem Merkmale der alten in die neuen Medien einwandern et vice versa.

Mediensystemischer Wandel

Die durch die technische Entwicklung vorangetriebene Medienkonvergenz und die durch sie einsetzende Hybridisierung der Medien sind als systemische Prozesse zu verstehen: sie beeinflussen das mediale Gesamtgefüge einer (nach außen zunehmend offenen, "globalen") Gesellschaft.

Das bedeutet zugleich, dass heute eine Differenzierung in "alte" und "neue" Medien insofern hinfällig ist, als dass beide zusammen längst ein neues, generisches Mediensystem geschaffen haben ("Hybrid Media System", Chadwick 2013).
Zu den wichtigsten Veränderungsdynamiken zählen folgende Prozesse:

(a) Zunahme der Informationsquellen (auch durch Speicherung/Archivierung von Medien)
(b) Art der Produktion/Produkte (Medienangebote)
(c) Demokratisierung der Produktionsmittel
(d) Interaktivität des Kommunikationsverlaufs
(e) Vernetzung der Kommunikation (Netzwerkcharakter der Kommunikation)
(f) Hybridisierung der Medienangebote (Multimedia, Cross-Medialität, u.a.m.)
ad a) Zunahme der Medienprodukte

Die neuen Medien beschleunigen die Zunahme des Medienangebots. Zur ohnehin bestehenden Ausdifferenzierung der Angebotsvielfalt kommen nun digitale Inhalte hinzu, als auch die computergestütze Archivierung historischen Materials (Repositorien, Filmarchive, Archive von Medienanstalten, Mediatheken, internationale Angebote, u.a.m.). Da die Zeitbugets für die Medienzuwendung aber begrenzt sind, bedeutet dies auch eine Aufteilung (Fragmentierung) der Aufmerksamkeit und des Nutzungsverhaltens.
ad b) Neue Medienangebote

Mit den neuen Medien steigt nicht nur die Quantität der Medienangebote/Kommunikate sondern es halten auch neue Formen der (publizistischen) Kommunikation Einzug: Multi-media-Specials verbinden bislang getrennte Kommunikations-modi und Präsentationsformen (digital storytelling), Blogs ergänzen bisher vorhandene Formen der öffentlichen Kommunikation, die Grenzen zwischen Information und Service verschwimmen (z.B. Wetter-Apps, Preissuchmaschinen, u.a.m.). Klassische Formate (z.B. Talkshows) werden um Feedbackmöglichkeiten zur Publikumseinbindung ergänzt ("Second-Screen"-Formate). Unter dem Begriff "gamification" versammeln sich neue Möglichkeiten der Gestaltung von Medieninhalten mit hoher Aktivierung des Publikums.
ad c, d) Demokratisierung der Kommunikation

Die inhärente Interaktivität der computerbasierten Kommunikation führt zu einem Wandel der Beziehung zwischen Kommunikator (Produzent) und Rezipient (Konsument). Es ist heute leichter denn je, seine Meinungen, Ansichten und Faktenberichtigungen an den Kommunikator zurückzuspielen. Zugleich erlauben Websites ("Homepages"), Blogs, Social Media-Accounts (Facebook, Twitter, u.a.m.), Kommentarspalten und Foren die Veröffentlichung eigener Kommunikate, die dann zumindest potenziell öffentlich zugänglich sind. Auch können die neuen Medien zur raschen und kostengünstigen Organisation sozialer und politischer Aktivitäten (Petitionen, Demonstrationen, etc.) genutzt werden.
Vergleich analog/digital:

Video-Link: Dokumentation "Computer Networks - The Heralds Of Resource Sharing (Arpanet, 1972)"
https://archive.org/details/ComputerNetworks_TheHeraldsOfResourceSharing
BEISPIELE für neue Medienformate:
The Guardian: NSA-Files
http://www.theguardian.com/world/interactive/2013/nov/01/snowden-nsa-files-surveillance-revelations-decoded#section/1

The New York Times: Snow Fall
http://www.nytimes.com/projects/2012/snow-fall/#/?part=tunnel-creek

Scheinen manche sozialen Felder oder Lebensweisen von der digitalen Revolution recht wenig tangiert, so zeigt die "digitale Revolution" in anderen Bereichen gravierende Konsequenzen.

Diese Trennlinien verlaufen etwa entlang von Generationengrenzen oder zwischen gesellschaftlichen Institutionen.
Mediatisierung als gesamtgesellschaftlicher
Wandlungsprozess
Basic Media functions
(Schulz 2004: 90)

1. "Relay-Funktion"
Die Medien überbrücken zeitliche, räumliche und soziale/kulturelle Distanzen; durch sie kann "Erfahrung" geteilt und verhandelt werden. Zugleich oktroyieren Medien notwendigerweise bestimmte strukturelle Begrenzungen der Kommunikation (durch Selektion, Nachrichtenwerte, u.a.), sodass sie immer ein "mediales" Bild der Wirklichkeit vermitteln/erzeugen.
3. Ökonomische Funktion
Die Medien haben ihre eigene Ökonomie ausgebildet, die wiederum Auswirkungen auf die Art der Kommunikation hat. Dies betrifft vor allem die Rolle der Werbefinanzierung (Reichweiten, Marktanteile) aber auch die intrinsischen Merkmale der Produktion "immaterieller (=kultureller) Güter" - hier also vor allem Information und Unterhaltung. Dabei fällt der Löwenanteil der entstehenden Kosten im Zuge der ersten Erstellung solcher Inhalte an, wohingegen diese Inhalte in der Folge zu sehr geringen Kosten kopiert und vermittelt werden können (siehe etwa das "mp3-Dilemma" der Musikindustrie).
4. Rolle für den sozialen Wandel:
Mediatisierung
(Schulz 2004: 88f)

(i) Extension:
Die Medien überwinden die natürlichen Schranken menschlicher Kommunikation, in dem sie es möglich machen Kommunikation über Zeit (Speicherung), Raum (Vermittlungsfunktion) und sensorische Grenzen (Produktionsfunktion) hinaus auszudehnen.
(iv) Accommodation:
Hiermit ist die Anpassung anderer sozialer Felder an die Rolle und Funktionsweise des Mediensystems gemeint: je wichtiger die Medien innerhalb der modernen Gesellschaft werden, desto wichtiger wird es für andere, nicht-mediale soziale Bereiche und Akteure sich der medialen Aufmerksamkeit zu versichern. Denn in der Mediengesellschaft gilt zunehmend: was nicht in den Medien ist, existiert (gesellschaftlich) nicht!

2. Semiotische Funktion
Die Medien bedienen sich verschiedener Instrumente der Bedeutungsvermittlung. Die Codes die sie dabei verwenden beeinflussen die Form der Kommunikation (Bilder, Laute, Schriftzeichen, etc.). Hinzu kommt die wechselseitige Beeinflussung durch institutionelle Routinen (derjenigen Institutionen die an der Produktion von Kommunikation beteiligt sind). Dies resultiert in soezifischen Genres und Formaten der Kommunikation. Oftmals sind Inhalt und Form der Kommunikation über solche Konventionen verknüpft (so werden einem etwa die Tagesnachrichten selten vom Moderator "vorgesungen".)
(ii) Substitution:
Soziale Praktiken die einstmals außerhalb der medialen Reichweite lagen, werden zusehends zu Medienpraktiken (Spiele, Zeremonien, Veranstaltungen, etc.). Die Medien substituieren also solche sozialen Handlungen und verwandeln sie in Medienhandlungen (so etwa wenn die Weihnachtslieder die man einst selbst gesungen hat, heute von der CD abgespielt werden).
(iii) Amalgamierung (Vermischung):
Medienpraktiken und nicht-mediale Parktiken verschwimmen zusehends. Ein guter Teil unserer Mediennutzung ist ritualistische, habitualisierte Mediennutzung, sodass die Median als Technologie selbst immer mehr aus dem Blick geraten (sie werden "unsichtbar"). Dies kann zu einer Veränderung mentaler Stukturen führen, die wir noch nicht einmal bemerken müssen:
"As media use becomes an integral part of private and social life, the media’s definition of reality amalgamates with the social definition of reality." (Schulz 2004: 89)
Dieser Mechanismus führt zu einer Art "vorauseilendem Gerhorsam", also zu einer Antizipation medialer Selektionskriterien hinsichtlich von Produktionsbedingungen, Zeitlichkeit, Wichtigkeit, etc, sozialer Handlungen. Als Mitglieder einer Mediengesellschaft lernen wir diese Heuristiken der medialen Aufmerksamkeit (Medienlogik) und erlauben den Medien so unsere Handlungen zum Teil mitzustrukturieren, selbst wenn diese garnicht unmittelbar involviert sind.
"Mediatization as a concept both transcends and includes media effects." (Schulz 2004: 90)
The originator of any work of immaterial labour (if it qualifies) holds all the rights of her work. In order to protect the originator states/legal systems have devised legal regulations (patents, trademarks, etc.). The copyright is one (internationally acknowledged and implemented in the form of treaties) important right to safeguard the integrity and use of a work and attaches to the following rights:
to produce copies or reproductions of the work and to sell those copies (including electronic copies)
to import or export the work
to create derivative works, i.e. works that adapt the original work in any form
to perform or display the work publicly and benefit from the proceeds
to sell or assign these rights to others by means of contractual relations
to transmit or display by radio or video carried by various forms of media

The copyright is, depending on national legislation territorially and temporally confined, i.e. it applies only to a limited time (usually 70 years after the death of the creator) and place (copyrights might be assigned for a country only). After it has expired the work enters the public domain and everybody is free to use it for whatever purpose.

This (copy)right(s) may also be (partially) transferred by way of licensing. This gives a third party some or all rights to use the intellectual property, usually for commercial use. For this reason the particular regulations attached to a copyright are of economic importance. Traditionally – with the establishment of commercial organizations (businesses, such as publishing houses, record labels, movie studios, etc.) – the copyright took the form of “all rights reserved”:
Depending on the details of the contract, an originator would assign his rights to this third party to market and distribute the work and to sell it for a profit. This safeguards the benefit of the author (honorary, royalties) and the business specialized in publishing such works (while usually taking care of the production, marketing and distribution of the commodities – books, CDs, movie copies, etc.).
This also entails that any other party, for example “the public”, has no rights apart from consuming the work (for exemptions see fair use with regard to the user, Millennium Act with regard to other intermediaries, such as e.g. YouTube - applies to US only!).
Against the restrictive use and ever new extensions of copyright regulations programmers initiated the “copyleft” movement, and developed new, less restrictive licenses. The Free/Open Software Movement (F/OSS) created the GNU GPLicense to have a legal tool that allows for the tweaking of software code (derivation). Arguing that human knowledge should be free to everyone in order to ensure progress, they reject the copyright and its business-models.
A tool was created that would allow anyone to improve and adapt code and to collaborate on the development of new versions. Later, many of these ideas gave rise to the Creative Commons (CC) (that which belongs to all). Such licenses offer an alternative for people who want to make their works widely accessible (see above also):
Creative Commons Licenses
(see above)

Attribution: BY
Attribution-ShareAlike: BY-SA (e.g. Wikipedia)
Attribution-NoDerivs: BY-ND
Attribution-NonCommercial: BY-NC
Attribution-NonCommercial-ShareAlike: BY-NC-SA
Attribution-NonCommercial-NoDerivs: BY-NC-ND]
Fungible and non-fungible works
Often the current discussion regarding intellectual property lumps together different kinds of creations. While the F/OSS movement is concerned with the development and improvement of software code (i.e. "tools", utilities), some works defeat this purpose: works of art, cultural products simply do not share the properties of "tools". The CC licenses now offer an alternative for protecting these works.
Free is not Gratis
One should not mix up the notions of freedom that underpin the "open source" movement, or interpret such often differentiated positions as indiscriminately favoring "freebie"-culture. Originating from the F/OSS movement, free is to be understood as freedom to improve. This does not imply that the rights of cultural producers should be made nil and void by copying their works (e.g. mp3s).
Die sozialen Medien und die (neue) Öffentlichkeit
Eine der großen Errungenschaften der modernen Medien (d.h. Bücher, Presse, später auch Radio und TV) war die durch sie möglich gewordenen Schaffung einer (politischen) Öffentlichkeit als Grundlage demokratischer Politik (siehe Block I).

Es ist der moderne Journalismus der jene Öffentlichkeit herstellt, auf Basis derer "öffentliche Meinung" und demokratische Willensbildung erst möglich werden. Die bügerliche Öffentlichkeit des Konstitutionalismus, welche letztlich zum Ende des Feudalsystems führte, wäre ohne (moderne) Medien nicht möglich gewesen.
In his seminal work "Structural Transformation of the Public Sphere" Jürgen Habermas sketches out a highly influential view of the Public Sphere as the foundation of democratic politics. He narrates its story as the rise of the bourgeoisie to political participation and the democratization of the feudal state. Reading publics, engaging with the works of art, with literature and with the daily occurrences in their environment turn into a political force.
Instead of the people being "represented" by the crown, the monarch, the King they start speaking their own minds. The Media play an important part in this process of the "self-constitution" of the citizenry and the development of gaining a political consciousness. But the media giveth, and taketh away. As they become increasingly commercialized, they turn publicness into publicity.
The media take over the critical debate from the people and re-present, substitute for the reasoning of the sovereign, political individual. The public sphere becomes (once again) re-feudalized, stripped of their right to speak for themselves. Writing in the tradition of Critical Theory, Habermas paints a bleak picture of the Media and the future of democracy.
At the core of his writing lies the attempt to salvage the Enlightenment project from pessimism (often in the form of Post-Modernism) and to find a new basis for the continued belief in the Age of Reason: the General Will - the core of democracy - lies not within the autonomous subject, but within reasoned debate. An "opinion" is not something derived from a single individual but from the reasoned debate between individuals: a dialogical idea of (political) reason, which puts communication and its Media at the heart of the democratic process, should it have a future.
1. Zukunft des Journalismus/Zukunft der Öffentlichkeit?
2. Zukunft der Massenkommunikation/Zukunft sozialer Kohäsion
3. Zukunft der Privatheit/Zukunft der Selbstbestimmung
Diskussion im Plenum
(auf Basis der Literatur, Block II)

- The End -
Full transcript