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Einführung soziale Ungleichheit

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by

daniel houben

on 26 November 2017

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Transcript of Einführung soziale Ungleichheit

Lepsius arbeitet
gezielt mit Webers


Gedanken weiter
Esser greift


Lepsius Arbeiten auf
Soziales wird nur

durch Soziales erklärt
Einführung in die Soziologie
sozialer Ungleichheit

Daniel Houben, M.A.
Klassentheorien
Grundsätzliches:
Klasse
: Gruppe von Menschen mit gleichem Zugang zu Produktionsmitteln (Adel vs. Leibeigene, Industrielle zu ArbeiterInnen, Bourgeoise zu Proletariat)
Vereinfachung, aber historisch unausweichliche
Polarisierung
aus
Klasse an sich
(objektiv gleiche soziale Lage dank gleicher Verfügung über Produktionsmittel) wird
Klasse für sich
(revolutionäre, organisierte Instanz aufgrund gemeinsamer Interessen)
Verhältnis zwischen den Klassen basiert auf
Ausbeutung


(ArbeiterInnen schaffen Werte, die ihre Entlohnung übersteigen)
Mehrwert
: Quelle des Profits für KapitalistInnen, der bei jenen verbleibt
ArbeiterInnen werden durch Industriealisierung von ihrem Produkt
entfremdet
Industriealisierung
im Kapitalismus ermöglichte Bevölkerungswachstum, begünstigt aber auch
Verelendung
und die Bildung einer
industriellen Reservearmee
Herrschende
Begründungsideologie
sozialer Ungleichheit immer Ideologie der herrschenden Klasse
Verhältnisse führen notwendigerweise zum
Klassenkampf
und jener zur klassenlosen Gesellschaft

Analytisches:
eindimensionaler Erklärungsansatz
zentrale Dimension: Verfügung über Produktionsmittel
Klassenlage bedingt Interessen und Handeln (Basis-Überbau-Diskussion)
primäre Zielsetzung: Makrobeschreibung und Erklärung sozialen Wandels
Schwierigkeiten und Brüche

Übergangsklassen
:
Gruppen, aus eigentlich überwundenen Produktionssystemen, die auch im neuen System fortbestehen
(bspw. Bauern)
; außerdem bestehen Brüche innerhalb einer Klasse
(Langzeitarbeitslose, FinanzkapitalistInnen, Groß- zu KleinunternhemerInnen, …)

„Unvorhergesehene“ Schwierigkeiten der klassischen Klassentheorie:
(Kritik durch Dahrendorf)
Aufsplitterung des Kapitals (Aktiengesellschaften, Funktionsverlust der KapitalistInnen)
Ausbleibende Homogenisierung der Arbeit (Technisierung führte nicht zur Eliminierung unterschiedlicher Qualifikationsniveaus)
neue Mittelklasse (mittlere Dienstklassen, Selbstständige etc.)
Zunahme sozialer Mobilität (Individualisierung der Klassenkonflikte durch Positionskämpfe)
Etablierung der Bürgerrechte (Wahlrechte, Sozialgesetzgebung)
Institutionalisierung von Klassenkonflikten (Tarifrecht, Streikrecht, Schlichtungsverfahren etc.)
Klassen bei Karl Marx
Grundsätzliches:
a) Klasse
Modifikation des Marxschen Ansatzes
Zugehörigkeit zu einer Klasse beruht auf:
objektiven ökonomischen Bedingungen
arbeitsmarktrelevanten Fertigkeiten und Fähigkeiten

Weber greift Marx auf und ergänzt ihn um zwei Dimensionen,
die sich nicht auf Klassenbegriff reduzieren lassen:

b) Stand/Status
Unterschiede von sozialen Gruppen bzgl. ihres Ansehens bzw. Prestiges
im Unterschied zu Klasse weniger objektiv, sondern bezogen auf subjektive
Bewertung und Logik der sozialen Ordnung

(hoher Status beim verarmtem Adel vs. geringer Status bei Neureichen)

c) Partei
Gruppe Gleichgesinnter
entstammen gleichem Milieu oder haben gleiche Interessen
relevant bzgl. Machtverteilung in gegebenen sozialen Ordnungen

(Religionsgemeinschaften, ADAC, …)

Analytisches:
real existierende soziale Kollektive, deren soziale Zusammengehörigkeit anhand ihrer Einstellungs- und Handlungsgemeinsamkeiten ablesbar ist (Gewohnheiten, Werte etc.)
grundsätzlich empirische Ausrichtung
mehrdimensionaler Erklärungsansatz
Klassen bei Weber
Neomarxistisch bestimmte Klassen lassen sich identifizieren anhand der
Kontrolle
über:
1) Geld oder Investitionen
2) physische Produktionsmittel
(Grund, Boden, Fabriken etc.)
3) Arbeitskraft

Klassenlagen
eindeutig:
KapitalistInnen -> kontrollieren alle drei Dimensionen
Arbeiterklasse -> kontrollieren keine Dimension
widersprüchlich:
Verfügung über einzelne Dimensionen ohne Möglichkeit der vollständigen Kontrolle
(gut bis hoch qualifizierte ArbeitnehmerInnen mit Aufsichtsfunktion)
Weiterentwicklung durch Wright
Diskussionen und Weiterentwicklungen u.a. bei:
Dahrendorf
Parkin
Goldthrope
Giddens
Kreckel
Bourdieu
Grusky/Weeden
Revision durch Weber
E
rweiterung und Modernisierung



durch E.O. Wright


Letztlich geht es stets um die ungleiche Verteilung von Lebenschancen!
Gegenstand
Verschiedene Modelle und Theorien
Wie lässt sich die Struktur finden und beschreiben?
Welche Ursachen hat soziale Ungleichheit?
Nach welchen Kriterien werden Statusgruppen, Ränge usw. konstruiert und legitimiert?
Welche Auswirkungen hat die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Statusgruppe auf die Lebenschancen?
In welcher Beziehung stehen verschiedene Statusgruppen zueinander?
Gibt es eine bestimmte Gesellschaft zu einer bestimmten Zeit eine bestimmte Struktur sozialer Ungleichheit?
Welchem Wandel unterliegen die Strukturen sozialer Ungleichheit?
Welche Mechanismen der Reproduktion lassen sich identifizieren?
Wie lassen sich solche Befunde zu Modellen verdichten? Welche Vor- und Nachteile weisen die Modelle jeweils auf?
Herangehensweise
Bourdieus sozialer Raum
Kapitalsorten
Erweiterung des Marxschen Kapitalbegriffs:
ökonomisches Kapital
kulturelles Kapital
soziales Kapital
symbolisches/feldspezifisches Kapital.
„Die zu einem bestimmten Zeitpunkt gegebene Verteilungsstruktur verschiedener Arten und Unterarten von Kapital entspricht der immanenten Struktur der gesellschaftlichen Welt, d.h. der Gesamtheit der ihr innewohnenden Zwänge, durch die das dauerhafte Funktionieren der gesellschaftlichen Wirklichkeit bestimmt und über die Erfolgschancen der Praxis entschieden wird“ (Bourdieu 1983: 183).
1. Raum objektiver sozialer Positionen
Klasse als Position im sozialen Raum abhängig von:
den Kapitalvolumina
dem Verhältnis der Kapitalsorten zueinander
der Wertigkeit der Kapitalarten im Zeitverlauf
also „die Struktur der Beziehungen zwischen allen relevanten Merkmalen“ (Bourdieu 1984: 182).
2. Raum der Lebensstile
Lebensstil
wird nicht frei gewählt
wird bestimmt durch Klassenzugehörigkeit.
Klassenzugehörigkeit drückt sich am deutlichsten über Lebensstile aus.

Aber: kein deterministischer Mechanismus
Habitus
„Die Konditionierungen, die mit einer bestimmten Klasse von Existenzbedingungen verknüpft sind, erzeugen die Habitusformen als Systeme dauerhafter und übertragbarer Dispositionen, als strukturierende Strukturen, die wie geschaffen sind, als strukturierende Strukturen zu fungieren, d.h. als Erzeugungs- und Ordnungsgrundlagen für Praktiken und Vorstellungen, die objektiv an ihr Ziel angepaßt sein können, ohne jedoch bewußtes Anstreben von Zwecken und ausdrückliche Beherrschung der zu deren Erreichung erforderlichen Operationen vorauszusetzen, die objektiv „geregelt“ und „regelmäßig“ sind, ohne irgendwie das Ergebnis der Einhaltung von Regeln zu sein, und genau deswegen kollektiv aufeinander abgestimmt sind, ohne aus dem ordnenden Handeln eines Dirigenten hervorgegangen zu sein“ (Bourdieu 1987: 98f, 1976: 165).
Verbindung zwischen sozialer Struktur und Praxis der Einzelnen, die ihnen nur einegschränkt bewusst sind:
Verinnerlichung der gesellschaftlichen Strukturen
sozialisierte Körper
Kollektive Denk-, Wahrnemungs- und Handlungsschemata
Praxisgenerator
Speicher der Geschichte
System von Grenzen
Reproduktionsmechanismus klassenspezifischer Strukturen
Lebensstile und Milieus
Soziale Praxis
Soziale Struktur


Logik der Praxis
Subjektives Agieren verläuft größtenteils präreflexiv und wird hervorgerufen durch verinnerlichte Erfahrungen in beinahe automatischer Reaktion auf die situativen Gegebenheiten.
Im Ergebnis führt dieser Praxissinn zu Verhalten, das zwar objektiv auf ein Ziel ausgerichtet zu sein scheint, dem aber nicht notwendigerweise ein bewusstes Kalkül bzw. ein expliziter Wahlakt zugrunde liegen muss (Bourdieu 2001: 176).
Der praktische Sinn produziert also durchaus (Handlungs-) Strategien – nur unterliegen diese keiner strategische Absicht (vgl. Meier 2004).
sind typische Verhaltensmuster sozialer Gruppierungen
stehen zwischen strukturellen Handlungsbedingungen und praktischem Handeln
nicht gleichsetzbar mit alltäglich beobachtetem Denken und Verhalten
von ForscherIn zu identifizierende Abstraktion
ob sich bspw. Lebensstile nach sozialen Lagen unterscheiden, ist nru empirisch, nie theoretisch zu beantworten

„konzentriert sich auf die Prinzipien, Ziele und Routinen, nach denen die Einzelnen ihr Leben relativ beständig ausrichten“ (Hradil 2001: 273).
„wahrnehmbare, klassifizierbare und prestigeträchtige Stilisierungspraxis“ durch die man eine „gewisse, repräsentative Außenwirkung“ erreichen will (Georg 1998: 93/98)


Soziologische Vorväter:
Weber: Stände weisen spezifische Art der Lebensführung auf
Simmel: Individuum nutzt Lebensstil zur Identitätsbildung
Veblen: Lebensstil als demonstratives Distinktionsmittel
Lebenstile
Ziele
Soziale Ungleichheit differenzierter und adäquater erfassen, als über reine Ressourcen-Struktur-Modelle
Berücksichtigung kultureller und symbolischer Faktoren
Verhalten aus Ressourcenverfügbarkeit und strukturellem Kontext nicht mechanistisch ableiten
Vereinigung vertikaler und horizontaler Aspekte sozialer Ungleichheit
ethnographisch detaillierte Beschreibungen bestimmter Zielpopulationen [deskriptive Funktion]
neue soziale Entwicklungen, Trends, Formen und Stile [zeitdiagnostische Funktion]
eigene Konzepte und Erklärungen sozialer Ungleichheit (und Differenzierung [theoretische Funktion]




Analytische Merkmale
soll Personen ganzheitlich, nach ihrer Gestalt (Adler, Köhler, Koffka) erfassen
betont i.d.R. Freiwilligkeit und darüber Wahlmöglichkeit
verweist auf eine gewisse Eigenart, die unverwechselbar ist
gibt Auskunft über Gesellschaftsstruktur: je pluralistischer und wohlhabender Gesellschaften sind, desto pluralisierter werden Lebensstile sein
erläutert Stilisierungsneigung: Differenzierung von Lebensstilen offenbar vor allem Phänomen der Mittelschicht




Welche Aspekte der sozialen Lage beeinflussen wiederum den Lebensstil?
Alter
Beziehungsstatus
Bildungsniveau
Geschlecht
Einkommen
beruflicher Status.
(vgl. Georg 1996: 175ff)

„Gruppen Gleichgesinnter, die gemeinsame Werthaltungen und Mentalitäten aufweisen und auch die Art gemeinsam haben, ihre Beziehungen zu Menschen einzurichten und ihre Umwelt in ähnlicher Weise zu sehen und zu gestalten“ (Hradil 1999: 41).
„fassen Menschen zusammen, die sich in Lebensauffassung und Lebensweise ähneln, die also subkulturelle Einheiten in der Gesellschaft bilden“ (Nowak/Becker 1985: 14)
„Jedes Milieu enthält eine Mehrzahl von sozialen Lagen; bestimmte soziale Lagen treten in mehreren Milieus auf; gleichzeitig ist aber auch eine deutliche milieuübergreifende Abstufung zu erkennen […]“ (Schulze 1992: 401)

untereinander häufiger miteinander kommunizieren und typische Existenzformen zeigen
werden analytisch unterschieden von der sozialen (Schicht-/Klassen-)Lage als strukturell vorgegebene Handlungsbedingung

Verbindung zur sozialen Lage:
Milieus „filtern“ strukturelle Bedingungen milieutypisch
Milieus ergänzen und erweitern vertikale Ansätze durch horizontale Aspekte
Milieus
Kritik
zu viel Beschreibung, zu wenig Erklärung
empirische Ergebnisse stets sehr interpretationsoffen, Milieus sind immer stark von ForscherInnen konstruiert
Herrschaftsstrukturen gehen im vermeintlich schönen Nebeneinander der Geschmäcker unter
„Gerhard Schulze indes entwirft eine Kultursoziologie über Leute, die Geld ausgeben, aber keines verdienen müssen“ (Neckel 1998: 211)
Voraussetzungen der Wandelbarkeit von Lebensstilen bis dato wenig erforscht
Soziale Ungleichheit als zentrales Element der Sozialstruktur
Ungleichheit
: systematisch und relativ dauerhafte (Re)Produktion bestimmter Vor- und Nachteile bezogen auf bestimmte Eigenschaften, Rollen oder Positionen
Sozialstruktur
: relativ stabiles System sozialer Beziehungen (in einer Gesellschaft)
Sozialstrukturanalyse
als zentraler Bestandteil der Gesellschaftsanalyse
Grundlage
für Regelmäßigkeit und Dauerhaftigkeit sozialer Beziehungen ist der Zugang zu bzw. die Verteilung von
Ressourcen
sozialen Positionen
Soziale Ungleichheit meint (zunächst) nicht
Verschiedenheit, Andersartigkeit, Heterogenität
kulturelle Unterschiede
Folgen funktionaler Differenzierung (Arbeitsteilung etc.).

Soziale Ungleichheit ist notwendigerweise
historisch kontingent,
sozial konstruiert,
nie objektiv.

(1) Determinanten
(erworbene oder zugeschriebene) soziale Merkmale von Personen, Zugehörigkeiten zu sozialen Gruppen, die Grundlage für Vor- oder Nachteile in Chancen bedeuten
Bsp.: Geschlecht, Bildungsniveau, ethnische Herkunft
(2) Dimensionen
wesentliche Bereiche, Arten von sozialen Vor- und Nachteilen
Bsp.: Bildung, Einkommen, Macht, Gesundheit etc.
Dimensionen sozialer Ungleichheit können in ihren Ausprägungen wiederum Determinante einer anderen Ungleichheit werden
(3) Ursachen
Prozesse, mithin Mechanismen, die dafür sorgen, dass Zugehörigkeit zu einer bestimmten Sozialkategorie relevant wird und zu Vor- oder Nachteilen führt
Zugehörigkeiten oder Ressourcenverfügbarkeit alleine erklären noch keine Ungleichheiten
Bsp.: Vorurteile, Ausbeutung aufgrund von Mehrwert etc.
(4) Auswirkungen
Konsequenzen der sozial strukturierten Vor- Und Nachteile

(nach Solga, Berger, Powell 2009)
Vier Strukturebenen soziale Ungleichheit
Einordnung
„Wir sprechen immer dann von sozialer Ungleichheit, wenn Menschen (immer verstanden als Zugehörige sozialer Kategorien) einen ungleichen Zugang zu sozialen Positionen haben und diese Positionen systematisch mit vorteilhaften oder nachteiligen Handlungs- und Lebensbedingungen verbunden sind. Es geht also um gesellschaftlich verankerte, mithin […] regelmäßige und dauerhafte Formen der Begünstigung und Benachteiligung – und nicht um den zufälligen Lottogewinn, der jemanden zum Millionär macht. Es geht auch nicht einfach um Verschiedenartigkeit […], sondern um Unterschiede im Zugang zu knappen Ressourcen, die Menschen besser oder schlechter stellen.“ (Solga, Berger, Powell 2009: 15)
Modelle sozialer Schichtung
Individualisierungsthese
Gemeinsamkeiten traditioneller Klassentheorien:
Gegenstand immer soziale strukturierte Ungleichheit unter Menschen
Ungleichheit wird i.d.R. vertikal gedacht
als Rahmen für die Analyse wird der Nationalstaat herangezogen
auf Industriegesellschaft bezogen; Klassenposition des Individuums durch Stellung im Produktionsprozess bestimmt
Arbeitssituation als Hauptindikator
beziehen sich auf Struktur- und Handlungsebene

Zentrale Divergenz:
politische vs. empirische Ausrichtung
Dimensionen und Indikatoren (z.B. Macht vs. Ausbeutung)
Formalia zu den Inputs
Für die Inputs wird ausschließlich die Bearbeitung der angegebenen Texte erwartet.
Die Dauer der Inputs soll 35 Minuten nicht überschreiten.
Die Inputs sind zu visualisieren.
Die entsprechenden Präsentationen sind bis spätestens montags mittags an die Seminarleitung zu senden und möglichst davor zu besprechen!
Die Inputs sind in Teamarbeit vorzubereiten und darzubieten.

Wichtiges zu den Inputs
Fragen sollen immer und zu jedem Thema gestellt werden!
Offene, ehrliche Diskussionsgrundlage - keine perfekte Show!

Statt vollständiger Nacherzählung Setzung von Schwerpunkten:
Was ist relevant? Wie lauten die Kernaussagen?
Welche Fragestellungen bzw. Probleme liegen den Überlegungen zugrunde?
Was wird kritisiert bzw. unterstützt? Wie ist die Argumentation aufgebaut?
Welche Bezugstheorien werden erwähnt?
Welche empirischen Ergebnisse werden werden präsentiert?
Was findet Ihr diskussionswürdig?
Jenseits von Klasse und Stand (Schicht)?
Entstrukturierungsansatz/Auflösungsthese:
mit zunehmender Modernisierung der Gesellschaft setzt Pluralisierung und Individualisierung der Lebensverhältnisse ein
(Gesellschaftsdiagnose & Ungleichheitsperspektive)
„Fahrstuhleffekt“ gesellschaftlicher Wohlfahrt: ökonomische Abstände bleiben gleich, ABER Relevanzen nehmen ab weil Gesamtniveau deutlich gestiegen ist
Kennzeichen der Individualisierung
Auflösung traditioneller Bindungen
Klassen, Stände, Schichten, Geschlechterrollen erodieren
Erhöhung der Mobilität und damit gesteigerte Wahlfreiheit (Beruf, Studium etc.)
soziale Lagen werden immer weniger als determinierend empfunden
Ambivalente Freiheiten
feste Handlungsorientierungen lösen sich auf
Unsicherheiten und Risiken nehmen zu
positionswirksame Entscheidungslast wird individualisiert und zahlreicher
Institutionen übernehmen Integration und Ordnung
„Doppelgesichter der Individualisierung“: Zusammenspiel von Freisetzung und Integration
Sozialstrukturelle Auswirkungen
Gesellschaftliche Großgruppierungen existieren wenn überhaupt nur noch als statistische, also wissenschaftlich künstlich zusammengeführte Einheiten
Auseinanderfallen von objektiven Bedingungen und subjektiven Lebensweisen
Entstehung von Patchwork-Biographien gegenüber traditionellen Normalbiographien
Behauptung der Verringerung der Relevanz „vertikaler“ Ungleichheiten zugunsten „horizontaler“ Ungleichheiten
"Wir leben trotz fortbestehender und neu entstehender Ungleichheiten heute in der Bundesrepublik bereits in Verhältnissen jenseits der Klassengesellschaft. […] Auf der einen Seite sind die Relationen sozialer Ungleichheit in der Nachkriegsentwicklung der Bundesrepublik weitgehend konstant geblieben. Auf der anderen Seite haben sich die Lebensbedingungen der Bevölkerung radikal verändert. […]In der Konsequenz werden subkulturelle Klassenidentitäten und -bindungen ausgedünnt oder aufgelöst. Gleichzeitig wird ein Prozess der Individualisierung und Diversifizierung von Lebenslagen und Lebensstilen in Gang gesetzt, der das Hierarchiemodell sozialer Klassen und Schichten unterläuft und in seinem Wirklichkeitsgehalt in Frage stellt." (Beck 1986: 121f)
Kritik an Individualisierungsthese und ihren Folgen:
"Mit der unkritischen Fokussierung auf die dynamische Vielfalt der Lagen, Milieus und Lebensstile wird der kritische Blick für weiterhin bestehende vertikale Ungleichheitsstrukturen getrübt. Es besteht die Tendenz, dass vertikale Strukturen wegdifferenziert, wegpluralisiert, wegindividualisiert und wegdynamisiert werden." (Geißler 1996: 323)
Oberbegriff für konkrete Gruppierungen mit ähnlicher Soziallage und damit verknüpften typischen Lebenschancen und Kulturen
nicht nur auf Stellung im Wirtschaftsprozess bezogen
multidimensionale Sichtweise
Beschreibung ungleicher Lebensbedingungen und Lebenschancen steht im Vordergrund
Zentrale Erhebungsdimensionen: Beruf(sprestige), Einkommen, Bildung; ggf. Herkunft und Geschlecht
Abstufung in der Regel vertikal gedacht, dabei Minimum von drei Schichten
Soziale Mobilität häufig forschungsleitendes Interesse
Bolte-Zwiebel
Dahrendorf-Haus
Geißler-Wohnung
Orga und Co
Ausbeutung als Zentralmechanismus
alte Mittelklasse:
weder Ausbeuter noch Ausgebeutete
besitzen pro-Kopf-Anteil der relevanten Ressourcen
neue Mittelklasse
sind Ausbeutende und Ausgebeutete gleichzeitig
Perspektiven und Modelle
Kritik
Ursachen und Mechanismen
Dimensionen und Fallbeispiele
Wie beeinflusst ein Lebensstil die Lebenschancen?
Welche Dimensionen begründen einen Lebensstil?
Wie wird das soziale Gefüge durch Lebensstile beeinflusst?
Sind Lebensstile autonome Einflussfaktoren?
Wo beginnt „Lebensstil“?
Probleme
Milieukonzept
beschreibt Lebenswelten von Gruppen, wo objektive und subjektive Lebensbedingungen verschmelzen
beschreibt Gruppen, die äußere Lebensbedingungen und/oder innere Haltungen aufweisen, aus denen sich Lebensstile ergeben
verbindet „objektive“ Merkmale (Einkommen, Bildung, Berufsprestige etc.) mit „subjektiven“, nicht-ökonomischen, relationalen Aspekten sozialer Ungleichheit
soll Wirkungsweisen sozialer Ungleichheit bis in den Alltag hinein nachvollzeihen können
soll Strukturmodell sozialer Ungleichheit zu mehr Lebensnähe verhelfen
legt nicht theoriedeterministisch bestimmte Modelle sozialer Lagen fest, sondern wird anhand der Lebensstile der Bevölkerung empirisch zugeschnitten

Exklusion
Exklusion in aktueller Debatte:
Ausgrenzung, Armut, Arbeitslosigkeit etc. sind keine individuellen Eigenschaften, sondern soziale gemacht und gesellschaftlich verhandelt
Teilhabestandards werden diskutiert
Integrationsmaßnahmen werden diskutiert
Debatte wirkt gleichzeitig wiederum auf gesellschaftliche Ungleichheitsbilder zurück
Wesentliche Bedingungsfaktoren:
Wandel der Systeme sozialer Sicherung
Wandel der Arbeitsverhältnisse
Kumulierende Ausgrenzung (Multiexklusion):
Kein Job – weniger Geld – billigere Wohnung/schlechtere Wohngegend – Autoverkauf – einge-schränkte Mobilität - Verschlechterung der Jobchancen – eingeschränkte Möglichkeiten zur kulturellen Teilhabe - weniger Sozialkontakte – Gefühl des Abgehängtseins – gesundheitliche Folgen – immer noch kein Job – noch weniger Geld ….
Inklusion/Exklusion bezeichnet bei Luhmann die Sozialintegration nach Systemlogik
Frage, ob Personen hinsichtlich der jeweiligen Leitcodierung Anschluss an eine Systemkommunikation halten können
Inklusion und Exklusion verweisen notwendigerweise aufeinander
„Chance zur sozialen Berücksichtigung“ (Luhmann 1998: 620)
System sieht Personen vor, weist ihnen Plätze zu, „in deren Rahmen sie erwartungskomplementär handeln“ (ebd.: 621)

Moderne postuliert Ideal der Vollinklusion
Zuständigkeit für Regelung der Inklusion obliegt den Funktionssystemen
Unterscheidung Inklusion/Exklusion drohe aber teilweise, die übrigen Funktionscodes zu „mediatisieren“ (ebd.: 632)
Luhmann diskutiert sogar die Notwendigkeit eines neuen Funktionssystems ‚Sozialhilfe‘, dass sich ausschließlich mit den Folgen von Differenzierung und Exklusion befasst
Systemtheorie
„Vielmehr bilden sich an den Rändern Exklusionseffekte, die auf dieser Ebene zu einer negativen Integration der Gesellschaft führen. Denn die faktische Ausschließung aus einem Funktionssystem […] beschränkt das, was in anderen Systemen erreichbar ist und definiert mehr oder weniger große Teile der Bevölkerung, die häufig dann auch wohnmäßig separiert und damit unsichtbar gemacht werden.“ (Luhmann 1998: 630f)

„Die Exklusion integriert viel stärker als die Inklusion – Integration […] verstanden als Einschränkung der Freiheitsgrade für Selektionen. Die Gesellschaft ist folglich – genau umgekehrt wie unter dem Regime der Stratifikation – in ihren untersten Schichten stärker integriert als in ihren oberen Schichten. Sie kann nur ‚unten‘ auf Freiheitsgrade verzichten.“ (Luhmann 1998: 631)
Bezeichnung für randständige, prekäre soziale Lage
Prekarisierung, „Überflüssige“, Ghettos, „Ausgeschlossene“ (Bude), „Elend der Welt“ (Bourdieu)
Teilhabe an Gesellschaft wenn überhaupt nur sehr eingeschränkt möglich
Soziale Isolation mit Hang zur Selbstverstärkung
Erweiterung der klassischen Schicht- oder Milieuansätze durch Betonung der Innen-Außen-Polarisierung
Betonung des Spannungs- und Konfliktverhältnisses aus Betroffenenperspektive

Dimensionen der Exklusion nach Kronauer
Ziel der Dimensionierung: Ordnung in soziale, politische und akademische Debatte
ökonomische Dimension (Arbeit)
politisch-instrumentelle Dimension (Politik, Sozialstaat, Rechte)
kulturelle Dimension (Werte, Orientierungen)
soziale Kontakte
Erweiterter Exklusionsbegriff (Bude, Kronauer)
Kritik an Luhmann Exklusionsbegriff
Realiter vollzieht sich Exklusion/Inklusion nicht als „entweder/oder“, sondern als „mehr oder weniger“ (Nassehi, Kronauer)
Inklusion und Exklusion alleine reichen nicht aus, um Menschen und Ungleichheiten theoretisch adäquat zu fassen
Castel: Fallstricke des Exklusionsbegriffs
undifferenzierter Gebrauch birgt Gefahr, Mangel einfach nur zu bezeichnen, „ohne zu sagen, worin er besteht und woher er kommt“ (Castel 200)
Fokussierung auf Zustände der Exklusion versperrt ihnen zugrunde liegende Prozesse
politische Konzentration auf Randgruppen alleine geht lediglich die Symptome an, nicht die Ursachen
Exklusion
Organisierte Ungleichheit
Mikroebene
Mesoebene
Makroebene
Horizontale Ungleichheiten
Geschlecht
Ethnizität
Wohnort
Lebensstil
...
Vertikale Ungleichheiten
Einkommen
Berufsprestige
Bildung
Gesundheit
...
Klassen
Schichten
Sozialer Raum
Soziale Milieus
Organisationen
bewusster Zusammenschluss zur Zielverfolgung
weisen bestimmte Regel-, Normen- und Erwartungskomplexe auf
regeln klar, wer dazu gehört und wer nicht (Mitgliedschaft)
sind in bestimmter Art strukturiert
sind relativ inflexibel und träge
verfolgen emergente Agenda
speichern Sozialität
...
Binnenstrukturierung von (Arbeits)Organisationen
interner Arbeitsmarkt
Weiterbildungsmöglichkeiten
Organisation der ArbeitnehmerInnenschaft
Eigenschaften der demografischen Struktur der Angestellten
Entscheidungs- und Führungspraktiken
Organisationskultur
Zuweisungssysteme
Technik, Material, Ressourcen
...
Umwelt der Organisationen
äußere Erwartungshaltungen und Legitimität (organizational fields)
Einbettung in Regel- und Normenkomplexe
Wettbewerb bzw. Markt
Netzwerke
Status und relative Position
...
Individuals' locations of in social stratification systems, generally considered to be a characteristic of macrosociety, are largely influenced by the hierarchical positions they occupy or have occupied in organisations, and by the relations that exist between organisations or even between inter-organisational systems. If organisations present the predominant form of the adminitsration of power in modern societies, they constitute also the predominant apparatus that regulates the placement and the movements of individuals in the social structure. (Levy 2002: 200)
Soziale Ungleichheit der Individuen
intra-
organisationale
Strukturen
Organisations-
position
bzw. -status
institutioneller
Kontext
Mehrebenenmodell sozialer Ungleichheit
Organisationsstrukturen
Beförderungssysteme
Belohnungssysteme
Abschlussdifferenzierungen
Einstellungsvoraussetzungen
erhobene Preise und Kosten
Gatekeeper
Erfassung und Zuordnung
...
horizontale Dimensionen
Gender
Ethnizität
Religion
...
vertikale Dimensionen
Einkommen
Bildung
Berufsprestige
Gesundheit
...
organisationale
Felder
Regeln, Normen, Werte, Erwartungen etc.
(Interorganisationale
Ungleichheit)
Organisationsgesellschaft
Organisationen sind überall
Organisationen haben jeden Bereich des Sozialen erobert
Luhmann: "Am liebsten kommunizieren Organisationen mit Organisationen!"
Organisationen werden zum Akteur sui generis (korporative Akteure)
Asymmetrie zwischen Individuen und Organisationen (Coleman)
Bildung
Bildungsexpansion
Erklärungsansätze zur Bildungsungleichheit
am häufigsten rezipierter und am besten belegter ungleichheitssoziologischer Ansatz in der Bildungsforschung

Primäre Effekte

Faktoren, die sich auf die primäre Sozialisation (Familie, unmittelbare peers) zurückführen lassen
je nach kultureller, sozialer und ökonomischer Ausstattung der Kinder unterscheidet sich deren schulischen Performanz und Bewertung
Unterschiede in der Bildungsbeflissenheit bzw. Fördermöglichkeiten der jeweiligen Elternhäuser, die Ausstattung mit Lerngelegenheiten, oder das im Elternhaus vorhandene kulturelle Kapital bedingen den Erfolg in Schule und Hochschule
je günstiger die Voraussetzungen zum Bildungserwerb, desto wahrscheinlicher der Bildungserfolg der Kinder insgesamt (betrifft nicht nur manifeste materielle Voraussetzungen, sondern auch Vermittlung von Bildungszielen, sprachlichen Voraussetzungen oder habitualisierten Lerngewohnheiten)
je niedriger die soziale Herkunft, desto höher ist die Distanz zu Bildung und desto geringer ist das kulturelle Kapital
je geringer das kulturelle Kapital, desto unwahrscheinlicher und beschränkter der Bildungserfolg (vgl. Boudon 1974: 29)

Bsp:
im gegliederten deutschen Bildungssystem verteilen sich die Kinder anhand ihrer sozialen Herkunft auf die Schulformen
qua Elternhaus unterschiedlichen Startchancen manifestieren sich in ungleichen Zugängen zu Bildungseinrichtungen
jede neue Schwelle im Bildungsverlauf provoziert die selektierende Wirkung der primären Her-kunftseffekte (vgl. Dusdal/Houben/Weber 2012)


Sekundäre Herkunftseffekte
bezeichnen keine unmittelbaren Auswirkungen ungleicher Ausstattungen mit bildungsrelevanten Ressourcen
beschreiben differente Bildungsentscheidungen als Folge unterschiedlicher Bewertungen und Erwartungen an Bildungsverläufe nach sozialer Herkunft:
unterschiedliche Kosten-Nutzen-Kalküle bezüglich der alternierenden Bildungsoptionen
sich unterscheidende Erwartungshaltungen an die potentiellen Bildungsschritte
die Motivation, bis hin zum Zwang, den familialen Bildungsstatus zu halten bzw. zu erweitern
„Bei Familien unterer Sozialschichten liegt die Messlatte des Statuserhalts niedriger. Ferner sind die Entscheidungen für weiterführende Bildungsgänge häufig (subjektiv) riskanter und im Verhältnis zu den verfügbaren Ressourcen mit höheren Kosten behaftet“ (Baumert/Schümer 2001: 354).
Bsp:
Studierneigung steigt um gut 150%, wenn wenigstens ein Elternteil das Abitur besitzt (Schnabel et al. 2002)
2) Herkunftseffekte nach Boudon
1) Habitus-Kapitaltheorie nach Bourdieu
Habitus
strebt seine Verwirklichung unter Entstehungsbedingungen an
sucht beinahe instinktiv sichere Gefilde
nur wo er „passt“, kann er seiner Entlastungsfunktion nachkommen
Gegenteil: Hysteresis-Effekt - Akteure fühlen sich fremd, deplatziert und gehemmt, da sie das Gefühl nicht abschütteln können, „nicht hierher“ zu gehören (vgl. Bourdieu 1976: 188ff)
Kapitalsorten
ökonomisches Kapital
kulturelles Kapital
soziales Kapital
symbolisches/feldspezifisches Kapital.
„Das kulturelle Erbe ist so ausschlaggebend, daß auch ohne ausdrückliche Diskriminierungsmaßnahmen die Exklusivität garantiert bleibt. […] Die Fortdauer der Privilegien ist aufgrund der immanenten Logik des Erziehungssystems gesichert.“ (Bourdieu/Passeron 1971: 44)


„Zu meinen, wenn man allen gleiche wirtschaftliche Mittel bereitstelle, gäbe man auch allen, sofern sie die unerläßliche „Begabung“ mitbrächten gleiche Chancen für den Aufstieg in die höchsten Stufen der Bildungshierarchie, hieße in der Analyse der Hindernisse auf halbem Wege stehenbleiben und übersehen, daß die an Prüfungskriterien gemessenen Fähigkeiten weit mehr als durch natürliche „Begabung“ (die hypothetisch bleibt, solange sich der schulische Erfolg auf andere Ursachen zurückführen läßt) durch mehr oder minder große Affinität zwischen den kulturellen Gewohnheiten einer Klasse und den Anforderungen des Bildungswesens oder dessen Erfolgskriterien bedingt sind“ (Bourdieu/Passeron 1971: 40)
Grundsätzlich:
Ausbau des sekundären und tertiären Bereichs im Bildungswesen
mehr Menschen erwerben mittlere und höhere Bildungsabschlüsse
mehr Menschen verweilen länger im Bildungssystem
Höherqualifizierung der Bevölkerung
Fazit:
Bildungschancen für alle Schichten zwar erhöht
Abbau der Chancenunterschiede zwischen den Schichten nur bei mittleren Abschlüssen eingetreten
GewinnerInnen: Kinder, vor allem Töchter, aus mittleren und höheren Dienstleistungsschichten und Selbstständigen
VerliererInnen: Arbeiterkinder, deren Abstand zu den übrigen Schichten sich vergrößert hat
„Die Bildungsexpansion hat also ein paradoxes Ergebnis produziert: Sie hat die Bildungschancen aller Schichten verbessert, ohne gleichzeitig gravierende schichttypische Ungleichheiten zu beseitigen.“ (Geißler 2011: 286)
"Bildungstrichter"
Mediatisierung der Chancen durch soziale Herkunft
Gesellschaftliche Konstruktion
der Wirklichkeit
(1) Sprache
Mittel der Objektivation
symbolisiert die Alltagswelt
typisiert Erfahrungen
unterstützt Identitätsbildung durch Selbstreflexion
ist „ablösbar“, erzeugt intersubjektiv geteilte Bedeutungen, speichert den Sinn (u.a. in Symbolen) und macht ihn übertrag- und wandelbar
transzendiert Sinnkomplexe räumlich und zeitlich

„Das notwendigste Vehikel der Wirklichkeitserhaltung ist die Unterhaltung. Das Alltagserleben des Menschen ist wie das Rattern einer Konversationsmaschine, die ihm unentwegt seine subjektive Wirklichkeit garantiert, modifiziert und rekonstruiert.“
(Berger/Luckmann 2004: 163)
(2) Institutionalisierung
Habitualisierung: Routinehandlungen werden beidseitig erwartbar und kraftsparend wiederholt ausgeführt
„Institutionalisierung findet statt, sobald habitualisierte Handlungen durch Typen von Handelnden reziprok typisiert werden.“ (Berger/Luckmann 2004: 58)
erfasst Typen und Rollen und erzeugt normative Regeln für ver,schiedene Situationen
bildet durch die Kombination von Regeln und Problemlöserezepten neue Strukturen

(3) Legitimierung
rechtfertigt bestehende Strukturen, Regeln und Rezepte,
überprüft sie aber auch und macht sie Wandel zugänglich.
(4) Sozialisation
Primäre Sozialisation
(orientiert an G.H. Mead)
Erster Schritt:
Kleinkind erschließt sich Welt durch Nachahmen signifikanter Anderer
Objektivationen werden dabei ebenso internalisiert
Zweiter Schritt:
emphatische Übernahme der Weltsicht generalisierter Anderer
überkommenes Wissen wird tradiert und Verhaltensmuster objektiviert
Platz in der Welt wird eingenommen

Sekundäre Sozialisation
Aneignung von Rollen in Institutionen
zum Rollenspiel nötiges Wissen ist von Institutionen vorgegeben
subjektive Sinnwelt wird erweitert
Identität wird gegenüber Rollen abgegrenzt
(1) Sprache
(2) Institutionalisierung
(3) Legitimierung
(4) Sozialisation
Erklärungsmuster
ökonomistisch
biologistisch
religiös
sozial
(politisch)
Sozialisierte Rollenmuster
kollektive Geschlechterordnungen: Herstellung und Aufrechterhaltung durch (geschlechtsexklusive) Institutionen und Gruppen
Geschlecht als soziale Konstruktion (vs. „vorsoziale“ Existenz)
Geschlecht als relationales Konzept – Doppelstruktur: im Verhältnis zum eigenen und zum „anderen“ Geschlecht und im Verhältnis zu anderen GeschlechtsgenossInnen (Hegemonie, Unterordnung, Komplizenschaft, Marginalisierung)

Trends
Delegitimierung geschlechtlicher Ungleichheit
zunehmende rechtliche Gleichstellung
strukturelle Benachteiligung weiterhin vorhanden
Geschlechterrollen im Wandel?
frühe 50er
später 50er
60er
70er
Geschlecht
Ethnische Minderheiten und Rassismus
Soziales Konstrukt
askriptives Merkmal
kulturell konstruierte Differenzzuschreibung
symbolisch wirksames Kapital
wirkt als vermittelnde Instanz für andere Ungleichheiten
Entwicklung
Modernisierung bedingt Multiethnizität
Verschiedene Konzepte von Staatsbürgerschaft weisen Menschen unterschiedliche Rechte zu
unterschiedliche Rechte bedingen unterschiedliche Lebenschancen
AusländerInnen besitzen i.a.R. minderen Rechtsstatus

Ungleichheit
Ethnische Zugehörigkeit als zentrale Dimension sozialer Ungleichheit
(große Drei in den USA: class, gender, and race)
Ethnizität nicht auf andere Dimensionen reduzierbar

Ethnische Minderheiten…
sind größtenteils zu unteren sozialen Schichten zugehörig
sind eher von Arbeitslosigkeit bedroht
sind eher GeringverdienerInnen
haben ein höheres Armutsrisiko
leben eher in mangelhaften Wohnverhältnissen
verfügen im Mittel über geringere Bildungsabschlüsse.

Erklärungsansätze
„Dominant negatives Prestige askriptiv unterschiedener Gruppen erlaubt es […], die askriptiv kategorisierten Gruppen in allen gesellschaftlichen Feldern drastisch zu benachteiligen oder gar umfassend auszuschließen.“
(Bader 1998: 111)

Institutionelle Diskriminierung
Diskriminierung nicht als bloßes Einstellungsergebnis sondern als Ergebnis gesellschaftlicher bzw. insbesondere organisationaler Prozesse
direkte institutionelle Diskriminierung:
formal abgesicherte, kontrolliert ausgeübte Verfahren in Organisationen;
eher der impliziten Organisationskultur zuzuordnenden Praxen und unausgesprochenen Regeln.

Indirekte institutionelle Diskriminierung:
Mechanismen, die Mitglieder bestimmter Gruppen überproportional stark betreffen;
egal, ob intendiert oder als transintentionale Nebenfolge organisatorischen Handelns.
(Bspw. kann Anwendung derselben formalen Regeln bei verschiedenen Gruppen auf unterschiedliche Start- bzw. Umsetzungsmöglichkeiten treffen.)

Rassismus
sich selbst verstärkende und legitimierende Praxis symbolischer Delegitimierung
in aller Regel mythisch aufgeladen und differenzlogisch konstruiert
askriptive Kategorien, Ethnizitäten, etc. entfalten diskriminierende Wirkung in Konflikten
Rassismen können sowohl offen institutionalisiert als auch subtil reproduziert werden
soziologisch i.d.R. als Herrschaftsinstrument analysiert
unterliegt sozial anderer Logik als etwa Klassengegensätze

Armut
Armutskonzepte
„Von Armut zu sprechen heißt zu reklamieren, daß die eigenen Lebenschancen, die eigene Lebens- und Einkommenslage oder andere Personen, in deren Namen man spricht, eine nicht mehr tolerierbare Abweichung nach ‚unten‘ vom gesellschaftliche akzeptablen Maß aufweisen.“ (Ludwig-Mayerhofer/Barlösius 2001: 12)
Sen: „Mangel an Verwirklichungschancen“
Armut als extreme Ausprägung sozialer Ungleichheit
Armut als Hilfebedürftigkeit
Armut als soziales Problem

Kriterien und Merkmale
Einkommensarmut
Lebenslagenkonzepte
Lebensstandardkonzepte
soziale Teilhabe und Grundbedürfnisse
Entfaltungsmöglichkeiten und Lebenschancen
Risiko: Menschen in bestimmten sozialen Situationen weisen hohes Armutsrisiko auf
Definitionsansätze
Absolute Armut: arm ist, wem die zur rein physischen Aufrechterhaltung der Existenz die notwendigen Güter fehlen.
Relative Armut: Teilhabe an den für die betreffende Gesellschaft üblichen Lebensstandards; sozio-kulturelles Existenzminium.
Indikatoren und Grenzziehungen politisch und wissenschaftlich umstritten
Definitions- und Grenzziehungsproblem nicht akademisch zu lösen!
Armut verfestigt sich
Armut steigt in BRD seit Jahrtausendwende sichtbar an
Anstieg verläuft monoton und unbeeindruckt von Konjunkturzyklen
„unterster“ Bevölkerungsteil koppelt sich zunehmend ab
es fällt zunehmend schwer, nur temporär arm zu sein
Anstieg der Einkommensarmutsquoten von 1999 zu 2006 von 10,4% auf 14,8%
instabiler Wohlstand nimmt ab und extreme Armut nimmt zu
Risikogruppen verfestiger Armut: Familien der Arbeiterschicht, mehrere Kinder, alleinerziehend, Migrationshintergrund.
„Der Kern der Armutsentwicklung besteht vielmehr in ihrer signifikanten Verfestigung.“
(Groh-Samberg 2010: 15)
Trend-Thesen
Verzeitlichung und Entstrukturierung von Armut
Exklusion und underclass
Verelendungstendenzen der Mittelschicht
Wieso?
Eliten
Eliten
erhalten dann Relevanz, wenn sie im Gegensatz zur Masse steht
klassischerweise nicht gleichgesetzt mit Oberschicht
Auswahlkriterien unterliegen sozialem Wandel
in modernen Gesellschaften sollen Eliten nach Leistung und Funktion legitimiert sein
Klassische Eliteperspektiven
Geburtseliten (familiale Herkunft, Erbdynastien)
Werteleiten (karitativ Tätige)
Funktionseliten (sozial besonders wertvoll eingeschätzte Positionen; ProfessorInnen, RichterInnen etc.)
Leistungseliten (SpitzensportlerInnen, KünstlerInnen, UnternehmerInnen etc.)
Positionseliten (Ministerialbeamte, SpitzenfunktionärInnen etc.)
Machteliten (Großindustrielle, PolitikerInnen etc.)
Kombinationsfälle

Zentrale Dimensionen der Elitebildung
Politik
Ökonomie/Geld
Kultur
Soziale Netzwerke
Wissen
Theoretische Positionen nach Hauptvertretern
Aristoteles, Hobbes etc
.:Klassische Staats- und Vertragstheorien
K. Marx:
Elite gewinnt den Klassenkampf, verfügt über Produktionsmittel und setzt die Ideologie
M. Weber:
Elite verfügt über wichtige Ressourcen und relative Macht
G. Mosca:
kleine Gruppen können sich besser organisieren und Interessen forcieren
R. Michels:
ehernes Gesetz der Oligarchie: Führer von Parteien, Großgruppen und Organisationen verfolgen eigene Interessen, weil deren Aufgaben zu komplex sind, um sie immer mit der Basis abzugleichen; die Masse ist inkompetent und wird dementsprechend von der Elite in deren Sinne gelenkt und manipuliert
V. Pareto:
Zirkulation der Eliten: Elitepositionen werden von den Fähigsten besetzt, bis diese nicht gut genug sind, dann werden sie von den neuen Fähigsten besetzt; in Demokratien funktioniere das aber nicht immer, insofern wiesen jene eine natürliche Tendenz zum Verfall auf
C.W. Mills:
American Power Elite: US-Sozialstruktur wie folgt stratifiziert: Machtelite, Mittelklasse und unorganisierte Massen. Die Machtelite rekrutierte sich aus Militär, Staatsvertretern und Wirtschaftsbossen, die wiederum Wertvorstellungen, soziale Herkunft und Ausbildungshintergründe teilen.
P. Bourdieu:
Kapitalverfügbarkeit im sozialen Raum und habituell bedingte Ähnlichkeiten begründen Elitereproduktion; Grand Ecoles als Reproduktionszentren
„I will try to have my cake and eat it too by defining elites as those who have vastly disproportionate control over or access to a resource. […] Understanding elites means not just making sense of the resource they control or have access to; it also means considering the conversions of that resource into other forms of capital. […] To study elites, then, is to study the control over, value of, and distribution of resources. In simpler terms, this means studying power and inequality – from above. Though elites are not representative of society, the distribution of power in their favor often means that elites are the engines of inequality.“ (Khan 2012: 362)
Monopolistische Elite
zentrierte Machtstruktur
einheitliche Interessen

Pluralistische Elite
keine zentrale Verteilung der Macht
verschiedene Machtzentren
unterschiedliche Interessen

Machtelite in der BRD
nur wenige Führungspositionen werden vererbt, Aufstieg ist aber schwerer für Personen aus tieferer Herkunftsgruppe
nahezu identische Herkunft der Gesamteliten
Aufstieg in Elite oft nur durch hohen Bildungsabschluss
Gewerkschaften und SPD wichtige Aufstiegsmöglichkeit für Kinder aus Arbeiterfamilien
Eliteselektion durch Bildung oder durch Herkunft?
(Hartmann/Kopp2001)
Analyse von 6.500 promovierten IngenieurInnen, JuristInnen und Wirtschafts-wissenschaftlerInnen
Zusammenhang von sozialer Herkunft, Bildungsverlauf und beruflicher Karriere

Distinktionsfaktoren
soziale Herkunft
Studienrichtung
Geschlecht
Studiendauer
Promotionsalter
Beruf vor/während der Promotion
trotz vieler AnwärterInnen mit gleichem Bildungsstand, Oberschicht stark überrepräsentiert
trotz teilweise besserer Randbedingungen, Selektionseffekt sozialer Herkunft nicht gemindert
soziale Herkunft hat gravierenden Einfluss auf den Zugang zu Führungspositionen
„Der Nachwuchs der oberen fünf Promille der Erwerbstätigen stellt jeden zehnten Promovierten, die Kinder der nächsten drei Prozent fast die Hälfte. Die Promovierten, die aus der Arbeiterklasse und den Mittelschichten, also den restlichen 96,5 Prozent der Bevölkerung kommen, stellen dagegen gerade einmal 40 Prozent.“ (Hartmann/Kopp 2001)
„Die Chancen, eine Führungsposition in der Wirtschaft zu erreichen, sind für die Promovierten, die aus dem gehobenen oder Großbürgertum stammen, um 50 bis 100 Prozent größer als für die Promovierten aus der Arbeiterklasse oder den Mittelschichten.“ (Hartmann/Kopp 2001)

„Die Dominanz des Nachwuchses aus dem gehobenen und Großbürgertum in den oberen Führungsetagen der deutschen Wirtschaft ist dementsprechend nicht nur ein Resultat der ungleich verteilten Bildungschancen, sondern zu einem großen Prozentsatz auch direkte Konsequenz der sozialen Herkunft.“ (Hartmann/Kopp 2001)

Vorteile die der Nachwuchs aus dem Großbürgertum mitbringt
Kenntnis über Dress- und Benimmcodes
breite Allgemeinbildung
unternehmerisches Denken (aufgrund von höheren Ressourcen risikoreicher)
souveränes Auftreten

Wieso?
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