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Thema Kompakt: Armut

Fast jeder Sechste ist in Deutschland von Armut betroffen. Was sind die Ursachen, welche Gruppen sind besonders gefährdet und wer gilt eigentlich als arm? Wir haben die wichtigsten Fakten zusammengestellt.
by

Diakonie Deutschland

on 4 May 2015

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Transcript of Thema Kompakt: Armut

Thema Kompakt
Armut
Was bedeutet Armut
Wer bezieht Grund-
Definition Armutsrisiko
Bewertung
Strukturelle Gründe
Verdeckte Armut
Definition
Armutsrisiko
Was bedeutet Armut?
Wer bezieht Grund-
sicherungsleistungen?
Verdeckte
Armut

Strukturelle Gründe
Bewertung der Diakonie

Menschen
empfangen
Hartz IV
davon
2/3 länger
als 2 Jahre
von den 6,2 Millionen
Menschen, die Hartz IV
empfangen, sind
2 Millionen
arbeitslos
gemeldet
4,2 Millionen
werden nicht
als arbeitslos
gezählt
davon sind ca. 50 %
nicht erwerbsfähig
95 % davon sind Kinder
und ca. 50 %
sind erwerbsfähig
Hierzu zählen z. B. die Teilnehmenden an Maßnahmen, Eltern in der Erziehungszeit, Erwerbstätige mit ergänzendem Leistungsbezug oder ältere Erwerbslose.
4 Millionen
Das sind ungefähr
Menschen in Deutschland
zum Beispiel weil sie sich
schämen oder sie nicht genau
wissen, was sie erhalten können
40 %
Das sind in Deutschland ca.
der Leistungsberechtigten
Quelle: Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB)
Zu verdeckter Armut kommt es, wenn
Menschen, denen Hartz IV zusteht,
ihren Anspruch nicht wahrnehmen.
Ein wachsender Teil der Bevölkerung lebt zwar in bezieht jedoch




Dies liegt zum einen daran, dass die Voraussetzungen für den Anspruch auf bestimmte Leistungen steigen. Andererseits nehmen immer mehr Menschen soziale Rechte nicht in Anspruch, weil sie Angst vor den damit verbundenen Sanktionen und Kontrollen haben.
Armut,
keine staatlichen Hilfen
Wenig Geld für Arbeitsmarktförderung
Seit 2010 wurden die Mittel für die Arbeitsmarktförderung
So ist es kaum möglich, in Zeiten einer guten konjunkturellen
Lage auch Langzeiterwerbslose nachhaltig für Arbeit zu
qualifizieren.
um die Hälfte reduziert.
Wenig Geld für Arbeitsmarktförderung
Anstieg der prekären Beschäftigung
Anstieg der prekären Beschäftigung
Die prekäre Beschäftigung in Deutschland hat seit Anfang
der 90er Jahre deutlich zugenommen.

Eine Studie des Instituts für Arbeit und Qualifizierung aus dem
Jahr 2012 geht davon aus, dass nach den letzten Daten
23,1 Prozent aller Beschäftigten
2010 für Löhne
unter 9,15 € pro Stunde
gearbeitet haben.
Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung wies 2013 darauf hin, dass in Deutschland fast ein Viertel aller Beschäftigten
weniger als 2/3
des mittleren Lohns bekam.
Mittleres Einkommen in Deutschland:
979 € netto
monatlich (11.749 €/Jahr) für Alleinstehende
2.056 € netto
monatlich (24.673/Jahr) für zwei Erwachsene
mit zwei Kindern unter 14 Jahren


Die Diakonie setzt sich ein für eine existenzsichernde Grundsicherung, die ein menschenwürdiges Leben ermöglicht. Nach Diakonie-Berechnungen ist der Regelsatz um mindestens 70 € zu niedrig. Eine Grundsicherung sollte nicht nur eine fortdauernde finanzielle Unterstützung sein, sondern die soziale Teilhabe der Menschen verbessern und Perspektiven über den Leistungsbezug hinaus aufzeigen. Dazu gehört auch eine aktive Arbeitsmarktpolitik, die diesen Namen verdient.
Menschenwürdiges Leben ermöglichen
Die
Finanzierung der

kommunalen Daseinsfürsorge
muss dauerhaft gesichert werden. Weitere Steuersenkungen auf Kosten der sozialen Infrastruktur und der Kommunen, die diese anbieten, darf es nach Ansicht der Diakonie nicht geben. Wo den Kommunen nicht mehr ausreichend Mittel zur Verfügung stehen, um soziale Angebote und Hilfen, aber auch Schwimmbad, Bibliothek, Freizeitmöglichkeiten oder Kinderbetreuung gewährleisten zu können, kann auch kein Gutschein weiterhelfen, mit dem der kostenlose Zugang ermöglicht werden soll.
Kommunale Daseinsfürsorge sichern
Die Diakonie will Menschen, die arm oder davon bedroht sind, arm zu werden, unterstützen und ihnen helfen, einen Ausweg aus der Armut zu finden.
Ein zentraler Anspruch der Diakonie ist, dass alle Menschen für sich selbst und die eigene Familie sorgen und gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.
Der
Zugang zu Bildung
ist dafür eine entscheidende Voraussetzung. Kinder und Jugendliche brauchen gute Bildungs- und Betreuungsmöglichkeiten sowie pädagogische Angebote von Anfang an, damit sie gar nicht erst in den Kreislauf von Armut und Ausgrenzung geraten. Die Diakonie fordert daher, die Sozial- und Bildungsinfrastruktur auszubauen und weitgehend beitragsfrei zu gestalten.
Zugang zu Bildung

Aber auch
kirchliche Hilfen
müssen so gestaltet sein, dass sie Hilfebedürftigkeit überwinden helfen und weder abhängig machen noch entmündigen. Darum sind auch Angebote wie die Tafeln keine Dauerlösung und können den Sozialstaat und eine teilhabeorientierte Sozialpolitik nicht ersetzen.
Kirchliche Hilfen

Die Sozialwissenschaft unterscheidet zwischen absoluter und relativer Armut.
Absolute Armut bedeutet, dass Menschen ihre Grundbedürfnisse nicht decken können. Sie haben zum Beispiel nicht genug zu Essen, keine ausreichende Kleidung oder Wohnung oder ihre ärztliche Versorgung ist nicht gesichert.

Die Sicht auf relative Armut bezieht auch die Lebens- und Entwicklungschancen in einer Gesellschaft ein, es geht also um soziale Ungleichheit. Armut bedeutet letztlich, dass Personen nicht die Teilhabemöglichkeiten haben, die in einer Gesellschaft als normal gelten und zugleich materiellen Mangel erleiden. Wer relativ arm ist, hat beispielsweise schlechtere Bildungschancen, weniger soziale Kontakte und für ihn oder sie ist es schwerer als für Andere, beruflich aufzusteigen. Die Möglichkeit, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, das heißt die soziale und kulturelle Teilhabe, ist in vielerlei Hinsicht eingeschränkt.
60 %
Wer weniger als
des mittleren Einkommens
zum Leben hat, gilt nach der
EU-weit geltenden Definition
als armutsgefährdet.
Mittleres Einkommen in Deutschland:

979 € netto
monatlich (11.749 €/Jahr)
für Alleinstehende

2.056 €
netto monatlich (24.673/Jahr)
für zwei Erwachsene mit zwei Kindern
unter 14 Jahren
Das Statistische Bundesamt erhebt Daten nach der europäischen Gemeinschaftsstatistik EU-SILC.
Die Statistik legt die Armutsrisikoquote bei 60 % des mittleren Einkommens fest und gewichtet das Einkommen nach Haushaltsmitgliedern.
Armutsrisikoquote in Deutschland
16,1 %
20,3 %
16,1
Prozent aller in Deutschland Lebenden galten nach
der EU-weiten Vergleichsstatistik „Leben in Europa“
(EU-SILC) im Jahr 2013 als
armutsgefährdet.
Das Statistische Bundesamt ermittelt zudem die Zahl der von
sozialer Ausgrenzung und Armut Betroffenen. Hierbei werden
weitere Kriterien wie z. B. Zugang zu Konsumgütern, Ernährung
oder Wohnsituation berücksichtigt. 2013 waren in Deutschland
20,3

%
der Bevölkerung von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen.
Die Armutsrisikoquote lag 2007 bei 15,2 % und ist seit 2011 konstant (16,1 %). Das heißt: auch bei guter wirtschaftlicher Lage verringert sich in Deutschland das Armutsrisiko nicht, sondern bleibt gleich. Im konjunk-turellen Abschwung nimmt sie dagegen weiter zu.
Entwicklung der Armutsrisikoquote
Quelle: EU-SILC, Stand 2013
Besondere Armutsrisiken
Die Ursachen von Armut sind vielfältig. Häufig geraten Menschen
in Armut, weil sie ihren Job verlieren, krank werden oder sich von ihrem Partner trennen. Besonders gefährdet sind Alleinerziehende, Beschäftigte im Niedriglohnsektor, Frauen im Rentenalter sowie Familien mit mehr als zwei Kindern.
In den Statistiken zur Armutsgefährdung wird deutlich, dass gesellschaftliche Benachteiligungen das Armutsrisiko direkt erhöhen.
Viele
Mütter
leiden beispielsweise darunter, dass Betreuungs-möglichkeiten für ihre Kinder fehlen und die Angebote auf dem Arbeitsmarkt oft schlecht mit einer Familie zu vereinbaren sind. Dadurch geraten sie in eine Spirale von geringfügiger Beschäf-tigung. Dies führt in der Regel auch dazu, dass die Mütter auf-grund fehlender Rentenansprüche im Alter schlecht abgesichert sind.
Viele Menschen, die als
‚ausländisch‘
wahrgenommen werden, haben allein deswegen schlechtere Arbeits-, Wohn- und Bildungs-möglichkeiten und werden so diskriminiert. Diese Benachteiligungen werden beispielsweise im 4. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung an vielen Stellen erwähnt und von der Antidis-kriminierungsstelle des Bundes immer wieder aufgedeckt. So haben etwa Kinder mit türkischem Nachnamen bei gleicher Leistung wie andere Kinder eine deutlich geringere Chance, eine Gymnasial-empfehlung zu bekommen.
16,1 Prozent
aller in Deutschland Lebenden
galten im Jahr 2013 als armutsgefährdet.
Es gibt deutliche geschlechtsspezifische und familiär bedignte Unterschiede:
15 % aller Männer
17,2 % aller Frauen
14,7 % aller Kinder und Jugendlichen
17 % aller über 65-jährigen Frauen
12,7 % aller über 65-jährigen Männer
16,1 % durchschnittliches Armutsrisiko
69,3 % aller Arbeitslosen
13,7 % aller Familien mit mehr als zwei Kindern
8,5 % aller Familien mit zwei Kindern
35,2 % aller Alleinerziehenden
31,9 % aller Alleinlebenden
16,1 %
aller in Deutschland


Das sind über
13 Millionen
Stand 2013
armutsgefährdete Menschen in Deutschland
sicherungsleistungen?
der Diakonie
6,2 Millionen
Lebenden sind armutsgefährdet.
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