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Parabelstücke

Parabelstücke
by

Joel Keilhauer

on 27 April 2010

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Transcript of Parabelstücke

Das Parabelstück Bildebene Sachebene Materielle Gestalt Gesagtes
Das Wörtliche
Vergleichsbereich Bedeutendes Chiffrierung Geistiger Inhalt Gemeintes
Das Eigentliche
Grundbereich Bedeutetes Entziffertes Tertium comparationis = Das Dritte, was die beiden
gemeinsam haben
Der literarische Begriff "Parabel" bezeichnet hier eine Art Gleichniserzählung. Die Parabel wird der lehrhaften Literatur zugerechnet: Es geht in ihr meist um die Darstellung und Kritik von Formen menschlichen Zusammenlebens.
Der Leser ist hierbei aufgefordert, die Erzählung, den Bildbereich der Parabel, durch Analogieschluss in ein Gemeintes, den Sachbereich zu übertragen. Ein Beispiel: DIE RINGPARABEL In ihr wird Nathan gefragt, welche der drei monotheistischen Religionen er für die wahre halte.

Um einer klaren Antwort auszuweichen antwortet er mit einem Gleichnis:

Darin besitzt ein Mann ein wertvolles Familienerbstück: einen Ring, der über die Eigenschaft verfügt, seinen Träger „vor Gott und den Menschen angenehm“ zu machen, wenn derselbe Träger ihn „in dieser Zuversicht trug“. Dieser Ring wurde über viele Generationen hinweg vom Vater an jenen Sohn vererbt, den der Vater am meisten liebte.

Doch nun tritt der Fall ein, dass der Vater drei Söhne hat und von ihnen keinen bevorzugen kann und möchte, sodass er von einem Künstler Duplikate des Ringes herstellen lässt. Er hinterlässt jedem Sohn einen Ring, wobei er jedem versichert, sein Ring sei der echte.

Nach dem Tode des Vaters ziehen die Söhne vor Gericht, um klären zu lassen, welcher von den drei Ringen der echte sei. Der Richter aber ist außerstande, dies zu ermitteln. So erinnert er die drei Männer daran, dass der echte Ring die Eigenschaft habe, den Träger bei allen anderen Menschen beliebt zu machen; wenn aber dieser Effekt bei keinem der drei eingetreten sei, dann könne das wohl nur heißen, dass der echte Ring verloren gegangen sein müsse. Daraufhin gibt der Richter den Söhnen den Rat, jeder von ihnen solle glauben, dass sein Ring der echte sei, dass sein Vater alle drei gleich geliebt habe und es deshalb nicht habe ertragen können, einen begünstigen und die beiden anderen kränken zu sollen, wie es die Tradition eigentlich erfordert hätte. Wenn einer der Ringe der echte sei, dann werde sich das in der Zukunft an der ihm nachgesagten Wirkung zeigen; jeder Ringträger solle sich bemühen, diese Wirkung herbeizuführen. Die Bildebene Die Sachebene Vergleichsbereich Bedeutendes Grundbereich Bedeutetes Bertolt Brechts "episches Theater" der durchgängige Bezug der Dramenhandlung zur außerästhetischen Wirklichkeit
die Verbindlichkeit einer Lehre, die Wissen begründet
die Verfremdungstechnik
die epische Darbietungsweise. Es sind vier Merkmale, die das epische Theater Brechts und die Parabel vergleichbar gestalten: Brecht als marxistischer Schriftsteller ergreift dabei Partei für die gesellschaftlich Schwachen Das Parabeltheater Dürrenmatts und Frischs Dürrenmatt Frisch Im Gegensatz zu Brecht geht Friedrich Dürrenmatt davon aus, dass eine nicht mehr nur widersprüchliche, sondern widersinnige Wirklichkeit nicht mehr zu verändern, sondern nur noch zu ertragen ist, und wendet sich mit einer Art Galgenhumor der Komödie zu, die als Groteske daherkommt Max Frisch bleibt in seinen beiden parabelhaften Stücken »Biedermann und die Brandstifter« und »Andorra« dem Formgesetz der Brecht'schen Parabeln noch vergleichsweise nahe. Während er in seiner Prosa zur Form der 'schwebenden Parabel' greift, tendieren die gesellschaftskritischen Komödien, die als Modelle konstruiert sind, zum Paradox. Die formale Analogie zwischen Parabel und Modell machte es möglich, dass Frisch die Dramaturgie des Brecht'schen Theaters weitgehend übernahm. Danke für die Aufmerksamkeit Joel Kh. Keilhauer noch Fragen?
Max Frisch bleibt in seinen beiden parabelhaften Stücken »Biedermann und die Brandstifter« und »Andorra« dem Formgesetz der Brecht'schen Parabeln noch vergleichsweise nahe.
Während die (Brecht'sche) Parabel von einer wirklichen historischen Situation ausgeht, die auf ihre beispielhaften Züge verdichtet wird, entwirft das (Frisch'sche) Modell eine soziologische Konstellation, die sich zur Wirklichkeit erweitern lässt. Dabei wird allerdings der bereits festgestellte Zirkelschluss-Charakter der Konzeption auch formal deutlich, indem sich als immer wiederkehrendes Grundmuster eine Kreisstruktur ergibt: Das Ende mündet in den Anfang. Für die gehaltliche Konsequenz dieses Musters hat Frisch die griffige Formel vom »Lehrstück ohne Lehre« (Untertitel von »Biedermann und die Brandstifter«) gefunden, die den Antityp zur Parabel verdeutlicht.
Während die Parabel von einer Frage ausgeht, endet das Modell bei der Frage, ohne dass sich die Möglichkeit einer Antwort abzeichnet - es erfüllt sich in einer Problematisierung und gerät damit in die Nähe der 'schwebenden Parabel'. Allerdings ermöglicht ein weltanschauliches Analogon, die Idee des "mutigen Menschen", eine vorläufige Lösung und rettet die Komödie. Spätestens mit den »Physikern« ist auch dieses Konzept verbraucht, so dass keine andere Perspektive bleibt, als die Ermutigung, dem Widersinn gefasst ins Auge zu blicken.
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