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Prävention und Umgang mit Gewalt an Frauen mit Behinderung

Prävention und Umgang mit Gewalt an Frauen mit Behinderung
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Anita von Puttkamer

on 22 April 2012

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Transcript of Prävention und Umgang mit Gewalt an Frauen mit Behinderung

Prävention und Umgang mit Gewalt an Frauen mit geistiger Behinderung - Betrachtungsschwerpunkt Berlin Aus dem Gesetzesentwurf der Bundesregierung zur UN - Behindertenkonvention vom 8.11.2008:

"(...) in der Erkenntnis, dass Frauen und
Mädchen mit Behinderungen sowohl innerhalb
als auch außerhalb ihres häuslichen
Umfelds oft in stärkerem Maße durch Gewalt,
Verletzung oder Missbrauch, Nichtbeachtung
oder Vernachlässigung, Misshandlung
oder Ausbeutung gefährdet sind (...)"

...haben die Vertragsstaaten vereinbart, dass
Dörte Gregorschewski vom Vorstand des Weibernetz e.V. hielt zum Europäischen Protesttags für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen am 5. Mai 2010 eine Rede.
In dieser erinnerte sie daran, dass Frauen mit Behinderung, die in Behinderteneinrichtungen leben, noch häufiger Opfer sexualisierter Gewalt werden als Nichtbehinderte.


Statistiken


...aktuell.. Karte von Berlin mit Beratungsangeboten etc. Definitionen "geistiger Behinderung" Warum sind gerade Frauen mit geistiger Behinderung gefährdet Opfer sexueller Gewalt zu werden?

Körperliche Misshandlung



"Geistige behinderte Menschen lösen bei überforderten Bezugspersonen durch ihre Abhängigkeit, die Enttäuschung von Erwartungen und ihr auffälliges, oftmals unbequemes Verhalten viel Hilflosigkeit aus, die oft in Ablehnung oder Ärger und aggressives Verhalten umgemünzt wird. Außerdem eignen sie sich "als schwächstes Glied der Kette" gut zur Projektionsfläche für negative Gefühle und zum Sündenbock. Ihre behinderungsbedingte Wehrlosigkeit verführt zusätzlich dazu, die aggressiven Impulse an ihnen auszuleben. Denn man wiegt sich in weitgehender Sicherheit, ungestraft davonzukommen. So werden geistig behinderte Menschen überdurchschnittlich häufiger Opfer von Gewalt"

Barbara Senckel: Geistige Behinderung 3/08, 47 Jg., Wunden, die die Zeit nicht heilt



Sexueller Missbrauch



„In der täglichen Pflege sind sie auf Hilfe angewiesen und deshalb nicht gewohnt, einen Intimbereich für sich zu beanspruchen. Durch ihre Abhängigkeit vermögen sie auch kaum „nein“ zu sagen, besonders wenn die Täter, wie zumeist der Fall, aus dem Kreis er Bezugspersonen stammt. Hinzu kommt die Zwiespältigkeit der Situation: Denn einerseits gewährt ein Täter die oftmals schmerzlich entbehrte Nähe, vielleicht sogar Zärtlichkeit, anderseits missachtet er persönliche Grenzen. Der Übergriff, die Ausnutzung des Machtgefälles im Dienste der Selbstbefriedigung, wird zwar häufig nicht erkannt, wohl aber empfunden und als psychische Verletzung erlebt, insbesondere wenn zusätzlich Gewalt ins Spiel kommt. Doch bedingt durch ihre Kommunikationsschwierigkeiten, ihre emotionale Verwirrung, die schon erlittene Traumatisierung und die akuten oder latenten Existenzängste verschweigen sie zumeist den Übergriff. Versuchen sie dennoch, sich verbal mitzuteilen, so laufen sie Gefahr, dass man ihnen nicht glaubt, sondern ihre Äußerungen als sexuelle Fantasien abtut.“



Barbara Senckel: Geistige Behinderung 3/08, 47 Jg., Wunden, die die Zeit nicht heilt Definition von sexueller Gewalt und Missbrauch



Begriffsklärung

Gewalt

allgemein

Gewalt ist die Verwendung von Zwang (physisch, psychisch) um etwas durch zu setzten.

Gewalt ist das Vermögen zur Durchführung einer Handlung und beinhaltet kein Urteil über deren Rechtmäßigkeit

Als Gewaltformen werden physische, psychische, personale, strukturelle, kulturelle, statische und dynamische unterschieden

juristisch

„ Die juristische Defintion von Gewalt ist nach der heutigen Rechtsprechung zu definieren als körperliche wirkender Zwang durch die Entfaltung von Kraft oder sonstigen physischen Einwirkungen, die nach ihrer Intensität dazu geeignet ist, die freie Willensentschließung oder Willensbetätigung eines anderen zu beeinträchtigen“ (BGH NJW 1995, 2643)

Im Strafrecht ist Gewalt ein Zwangsmittel zur Einwirkung auf die Willensfreiheit eines anderen.


Heinrich Popitz (Soziologe)

„ Gewalt ist eine Meachtaktion, die zur absichtlichen körperlichen Verletzung andere führt“

Gewalttypologie (Jan Philipp Reemtsam)

raptive Gewalt --> die sich einen anderen Körper bemächtigt (z.B. alle Formen sexueller Gewalt)

Sexuelle Gewalt

„Sexuelle Gewalt ist umfassender Begriff für sexuelle Nötigung, sexuelle Belästigung, sexuelle Ausbeutung, sexuellen Missbrauch und sexuelle Übergriffe.

Sexueller Missbrauch ist immer eine Gewalttat. Diese Form der Gewalt reicht von der Nichtachtung der persönlichen Integrität bis zur Versklavung... Persönliche Grenzen, der eigene Wille sowie die Würde und das Recht auf körperliche und seelische Unversehrtheit werden missachtet, Vertrauen und Sicherheit werden missachtet, Vertrauen und Sicherheit werden zerstört und das Gefühl der Zugehörigkeit zur Welt außer Kraft gesetzt. Sexueller Missbrauch ist damit ein zentraler Angriff auf die Identität (...) Sexueller Missbrauch ist immer Ausnützen von Macht und Autorität, von körperlicher oder beziehungsbedingter Überlegenheit“

Bundesministerium für Frauen und Jugend (1993) in :May (1997) : S. 224

„ Sexueller Missbrauch fängt da an, wo einem [Menschen] vermittelt wird, es sei normal, dass über seinen Körper und seine Seele verfügt wird, dass [er] sich den Bedürfnissen des [anderen] unterzuordnen hat und sein Körper für dessen Gebrauch bestimmt ist. Sexuelle Gewalt hat nichts mit einverständlich gelebter Sexualität zu tun, sondern es geht hierbei um körperliche und psychische Gewalt, wobei Verletzung mittels sexualisierter Handlungen zugefügt werden.“

Hrg. Wildwasser e.V.: Gegen sexuelle Gewalt an Mädchen und Frauen mit Körperbehunderung, Freiburg 2002

[M.S.]

Definitionsmacht

In feministischen Debatten um sexualisierte Gewalt ist Definitionsmacht das Recht von Betroffenen sexualisierter Gewalt zu definieren, was sexualisierte Gewalt ist. Es geht also darum, statt objektiver Kriterien das subjektive Erleben in den Mittelpunkt zu rücken. Das was als sexualisierte Gewalt empfunden wird, ist somit auch sexualisierte Gewalt. Dies soll zum einen verhindern, dass Frauen unter Rechtfertigungsdruck geraten, wenn sie von sexualisierter Gewalt ihnen gegenüber berichten. Zum anderen kommen damit auch Formen sexualisierter Gewalt in den Blick, die nicht durch das Recht definiert sind.



PRÄVENTION Fragebögen Frauenhäuser Beratungsstellen
Einrichtungen Fazit aus Fragebogenauswertung Einführung Wir dachten: Fragen wir mal nach... Prävention


Zusammenfassende Definition:

Prävention bedeutet Vorbeugung bzw. Verhütung. Man unterscheidet ein General- (allgemeine Vorbeugung) und eine Spezialprävention (den einzelnen Menschen betreffende Vorbeugung). Es wird ebenfalls zwischen einer primären (tatsächliche Vorbeugung), sekundären (Verminderung der Konsequenzen) und einer tertiären Prävention (Rehabilitation) unterschieden.

Generalprävention:

* Strafgesetze zur Abschreckung
* öffentliche Ächtung von Gewalt
* öffentliche Aufklärung und Sensibilisierung für die Thematik
* Erkennen (und verhindern) struktureller Bedingungen von Gewalt, Reflexion von Rollenbildern und Machtverhältnissen



Spezialprävention:

primär

* Die Reflexion der eigenen Normen und Werte, der Werthaltung und Vorurteile in Bezug auf Menschen mit Behinderung
* qualitative Fortbildung und Sensibilisierung der Fachkräfte zum Thema Sexualität und sexuelle Gewalt
* Sexualerziehung/ sexuelle Aufklärung (möglichst in Konzeptionen vorgeschrieben, bisher leider keine verbindlichen Vorgaben)
* gleichgeschlechtliche Pflegekräfte
* Akzeptieren von Grenzen
* die Unterstützung des Selbstwertgefühls und eines positiven Körpergefühls mit der Behinderung
* Kennenlernen von Anlauf- und Beratungsstellen und Möglichkeiten der Unterstützung für Betroffene (sowohl Fachkräfte als auch Klienten!)
* Selbstverteidigungskurse

sekundär:

* eine klare, möglichst schon konzeptionell festgelegte Vorgehensweise bei Verdacht/Kenntnis auf/von sexueller Gewalt

tertiär:

* Rehabilitation/Therapiemöglichkeiten (müssen an besondere Bedürfnisse der Frauen mit geistiger Behinderung angepasst sein)

Rechtliche Grundlagen

§179 StGB
Der sexuelle Missbrauch sogenannter widerstandsunfähiger Personen ist eine Straftat nach § 179 des deutschen Strafgesetzbuchs (StGB), die sich gegen das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung von psychisch Kranken, geistig Behinderten und Bewusstlosen richtet.

Als widerstandsunfähig im Sinne des § 179 StGB gilt, wer aus den in Absatz 1 genannten Gründen keinen zur Abwehr ausreichenden Widerstandswillen bilden, äußern oder durchsetzen kann. Allein die Feststellung einer §20 StGB(Schuldunfähigkeit wegen seelischer Störungen) unterfallenden geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung reicht nicht, um die Annahme einer Widerstandsfähigkeit im Sinne des §179 StGB zu begründen

Es muss sachkundig (das heißt von Fachärzten) belegt sein, dass das Opfer keinen Widerstand leisten konnte. Der "persönliche Eindruck" vom Opfer während der Hauptverhandlung reicht nicht aus, um über dessen Widerstandsfähigkeit in sexuellen Angelegenheiten zu entscheiden.
§78b StGB
Die Verjährung von Strafanzeigen wie sexuellem Missbrauch oder Vergewaltigung gegen Täter aus stationären und teilstationären Einrichtungen verjährt erst im Alter von 18 Jahren. Das heißt, junge Frauen können eine Tat, die ihnen in der Kindheit oder Jugend in einer Einrichtung passiert ist, auch noch mit 18 Jahren zur Anzeige bringen § 174a StGB
Das Personal von teilstationären Einrichtungen (wie WfBM oder Tagesförderstätten) kann nun auch bestraft werden, wenn sie sexuelle Handlungen an Personen vorgenommen haben. Das galt bislang nur für vollstationäre Einrichtungen. Die Vergewaltigung von widerstandsunfähigen Frauen wird mit mindestens zwei Jahren Haftstrafe geahndet. Vorher war es nur ein Jahr (§ 179 StGB).
Bei anderen sexuellen Handlungen ("sexueller Missbrauch") an widerstandsunfähigen Personen gilt nach wie vor der Strafrahmen von sechs Monaten. Allerdings wurde die Möglichkeit der Bewertung eines "besonders schweren Falles" geschaffen. In diesem Fall liegt der Mindeststrafrahmen bei einem Jahr. Personen, die im Gerichtsverfahren ihre Interessen nicht so gut vertreten können, kann nun ein Rechtsanwalt/eine Rechtsanwältin zur Seite gestellt werden, auch wenn der Tatbestand nur ein Vergehen und kein Verbrechen ist. Dies ist besonders für Frauen mit sogenannter geistiger Behinderung wichtig, damit sie nicht als widerstandsunfähig eingestuft werden (§ 397a Strafprozessordnung).
WeiberZEIT
Zeitung des Projektes Ausgabe Nr. 02, Januar 2004
„Politische Interessenvertretung behinderter Frauen“ kostenlos des Weibernetz e.V.
2 WeiberZEIT Nr. 02 Januar 2004

Behindert heißt nicht widerstandsunfähig
Nach dieser Reform sind im Zusammenhang mit sexualisierter Gewalt insbesondere drei Punkte von großer Bedeutung:

1. Es muss klargestellt werden, dass Widerstandsunfähigkeit nicht mit Behinderung gleichgesetzt werden darf. Denn widerstandsunfähig sind lediglich Menschen, die keinen eigenen Willen entwickeln können, wie z.B. Wachkomapatientinnen und das trifft für die allermeisten Frauen mit Behinderung nicht zu.

2. In Einrichtungen, im Pflege- und Betreuungsverhältnis und im häuslichen Umfeld behinderter Frauen müssen weiterhin Präventionsmaßnahmen zum Schutz vor sexualisierter Gewalt getroffen werden. Dazu gehören Fortbildungen, Materialien (auch in einfacher Sprache) für behinderte Frauen, Schutzräume nur für Frauen, Frauenbeauftragte, Maßnahmen beim Erkennen sexualisierter Gewalt als ein Teil der Qualitätskontrolle, Stärkung behinderter Frauen, z.B. durch Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungskurse, etc.

3. Es muss verstärkte Kooperationen zwischen bestehenden Kontakt-, Beratungs- und Schutzstellen gegen sexualisierte Gewalt und Einrichtungen der Behindertenhilfe geben. Dazu müssen sich diese auf den Personenkreis behinderter Frauen einstellen und barrierefrei werden.


(http://www.weibernetz.de/wz02.pdf, 07.062010)
...Prävention und Umgang Ca. 60% der Frauen mit Behinderung, die in Einrichtungen leben, haben bereits sexualisierte Gewalt erfahren.
blablabla1
blablabla2
blablabla3 Sterilisation Skandalös sei es, dass sich die Bundesregierung ohne Vertreter von Behindertenorganisationen an den Runden Tisch setzte, um sich zu den zunehmend bekanntwerdendenden Missbrauchsfälle aus den 1960er/-70er Jahren zu beraten
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