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Das Verstehen

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by

Hans-Peter Griewatz

on 2 July 2014

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Transcript of Das Verstehen

Überblick über die Vorlesung
1. Was bedeutet "Verstehen"?
2. Phänomenologie des Verstehens
3. Hermeneutik als Methode des Verstehens
4. Sozialwissenschaftliches Verstehen
5. Pragmatik des Verstehens
6. Kritik am Verstehen

1. Was heißt Verstehen?
1. Unterscheidung von "logischem" Verstehen und "psychologisch" nacherlebendem Verstehen
2. Verstehen eines Menschen, einer Handlung, einer bzw. der Sprache, einer Maschine und gemeinsames Verstehen im Sinne eines Einverständnisses
3. Genese von Verstehen
4. Das "Spiegeln"/Reflexion/Das Bei-sich-sein im anderen
2. Phänomenologie des Verstehens
Nach Martin Heidegger steht der Mensch als Dasein immer schon in einem ursprünglichen Verstehen. Dies begründet er in „Sein und Zeit“ von 1927 mit dem In-der-Welt-sein des menschlichen Daseins. In seiner „Geworfenheit“ ist er von Beginn an in einen Bewandtniszusammenhang und Verweisungszusammenhang eingespannt. Als „In-der-Welt-sein“ ist der Mensch dieser Welt ausgesetzt, zwischen Vergangenheit und Zukunft, in die er sich entwerfen kann: das Dasein als „geworfener Entwurf“.

3. Hermeneutik als Methode des Verstehns
Das Verstehen
in der Beratung

Logisches Verstehen
„Verstehen in allgemeinster Bedeutung heißt: geistige Zusammenhänge in der Form objektiv gültiger Erkenntnis als sinnvoll auffassen. Wir verstehen nur sinnvolle Gebilde. Durch das Merkmal des sinnvollen Zusammenhangs unterscheidet sich die Erkenntnisleistung des Verstehens vom Begreifen und Erklären, z.B. von der Kausalerklärung aus Gesetzen nur äußeren Aufeinanderfolgens. Das Verstehen scheint in den inneren Zusammenhang einzudringen. Es erfaßt(!) immer einen Sinn, indem es etwas Geistiges gleichsam mit seinem Leben durchdringt und ausfüllt und erst auf diesen Totalakten die Erkenntnis des Aktsinnes aufbaut (Spranger 1924: 3)“.

Nacherleben
„Seelisches ‚geht‘ aus Seelischem in einer für uns verständlichen Weise ‚hervor‘… Dieses Auseinanderhervorgehen des Seelischen aus Seelischem verstehen wir genetisch (Jaspers 1948: 251)“.
Intuition als eine Summe von kleinen Wahrnehmungen
Empathie: sich auf die unaustauschbare Individualität des anderen einstellen
Genese von Verstehen
„Feinfühligkeit“ der Mutter: sie nimmt die Bedürfnisse des Kindes intuitiv wahr (D. Stern);
Der Säugling nimmt seinerseits Kontakt mit der Mutter auf – es ist keine einseitige Beziehung (Bowlby);
Nur sicher gebundene Kinder können Erfahrungen von Welt und Mitwelt machen (Ainthworth);
dies garantiert die „Matrix“, die schützende und nährende Mutter (Foulkes);
Tätigkeit des „Haltens“ als sichere Basis (Winnicott)

Das Spiegeln
Resonanzerfahrungen von Um- und Mitwelt
Projektive Identifizierung: in der Art und Weise, wie die Mutter das Verhalten des Säuglings spiegelt, erkennt sich der Säugling (Spiegeln)
Der Kind erkennt sich nicht als Ganzes: dies geschieht, wenn es sich im Spiegel sieht (Lacan)
In der ersten Ablösung erkennt das Kind seine Abhängigkeit

Phänomenologisches Denken
Das phänomenologische Denken unterscheidet sich vor allem vom empirisch-analytischen Denken, hier liegt die eigentliche wissenschaftstheoretische Spannung. Hypothesen, theoriegestützte Vorentscheidungen in Bezug auf einen Erkenntnisgegenstand werden abgelehnt. Husserl kritisiert die selbstverständlich angenommene Objektivität der kritisch-rationalen wissenschaftlichen Forschung. Dass Wissenschaft nicht wirklich objektiv sein kann, steht für Husserl deshalb außer Frage, weil der Wissenschaftler selbst ein Teil der subjektiven und damit relativen Lebenswelt ist.

Strukturen der Lebenswelt
Zu den strukturalistischen Strömungen sind solche zu zählen, die sich vor allem auf das Lebensweltkonzept Husserls beziehen und die Strukturen der Lebenswelt objektivierbar machen wollen. Dazu ist neben Alfred Schütz, vor allem Hans Thiersch zu zählen. Pierre Bourdieu zählt zwar auch zu den Strukturalisten, ist jedoch durch eine kritische Theorie des Verstehens noch einmal zu differenzieren.

Alfred Schütz
So hat zum einen Alfred Schütz die Forschungen Husserls zu einer Theorie des Alltags und des alltäglichen Lebens weiter entwickelt. Im Mittelpunkt der Theorie von Schütz steht der Begriff des Milieus, als sozialer Schutzraum, der quasi wie ein Filter hin zur Gesellschaft wirkt.

Hans Thiersch
Für die Sozialpädagogik besonders verbreitet hat sich die Aufarbeitung des Lebensweltkonzeptes von Hans Thiersch, d er vor allem das Verhältnis von (traditionellen Lebenswelten und gesellschaftlichen Modernisierungsprozessen reflektiert hat und sowohl für den Bereich der Beratung als auch für den bereich der Sozialpädagogik konzeptionelle Entwürfe verfasst hat.

4. Sozialwissen-schaftliches Verstehen
5. Pragmatik
des Verstehens
6. Kritik des Verstehens
1. „Ich“ und „Du“ im Sinne von Martin Buber und Carl Rogers als Ebene der Person und der menschlichen Interaktion
2. Den Prozess der Erkenntnis über den Weg der Hermeneutik, d.h. die Rekonstruktion des Sinns der Erzählung
3. Sozialwissenschaftliche Objektivierung des Verstehens und des Erkennens durch Berücksichtigung der Institutionen und gesellschaftlichen Kontexte und Widersprüche
4. Die Reflexion des Beraters/der Beraterin
Verstehen in der Beratung umfasst vier Dimensionen:
1. Lebenswelt- bzw. Alltagsorientierung
2. Der Dienstleistungsdiskurs
3. Die gestalttheoretisch-biographische Orientierung
4. Der Habitus
„Ein erziehungswissenschaftlich fundiertes Verstehen muss sich durch die Schwierigkeiten der sozialwissenschaftlichen Erkenntnisse und Strömungen quasi hindurcharbeiten. Der Prozess des Verstehens umfasst in der pädagogischen Beratung nämlich mehr als Ich und Du, es geht gleichzeitig um den Prozess eines sozialwissenschaftlichen Erkennens und es geht beim Verstehen um Reflexion im wissenschaftlichen Sinn (Gröning 2012: 17)“.

Friebertshäuser, Barbara (Hg.) (2013):
Handbuch Qualitative Forschungsmethoden in der Erziehungswissenschaft.
4. Aufl. Weinheim, München: Beltz Juventa (Handbuch).
Lorenzer, Alfred (1995):
Sprachzerstörung und Rekonstruktion. Vorarbeiten zu einer Metatheorie der Psychoanalyse. 4. Auflage. Frankfur a. M: Suhrkamp Verlag.
Müller, Siegfried; Otto, Hans-Uwe (1984):
Verstehen oder Kolonialisieren? Grundprobleme sozialpädagogischen Handelns und Forschens.
Münch, Winfried (2011):
Tiefenhermeneutische Beratung und Supervision. Konzeptualisierung und Praxisreflexion. 1. Aufl. Frankfur a. M: Brandes & Apsel.







1. Verhältnis von Verstehen und Nicht-Verstehen
2. Die Sprache und das Unbewusste
3. Das szenische Verstehen
4. Ethnopsychoanalyse
5. Leuschners Fahrradklingel
6. Das biografische Verstehen nach Gabriele Rosenthal

Das Nicht-Verstehen ermöglicht erst das Verstehen.
 
ermöglicht
Nicht-Verstehen ---------------------> Verstehen

Medaille
Vorderseite Rückseite
---------------> () <------------------
Der Blick auf die Vorderseite kann nie gleichzeitig die Rückseite treffen. Diese Rückseite ist einerseits ein prinzipielles 'Nicht', verweist aber auch auf relatives 'Nicht', eine Möglichkeit, die das nächste Schaubild zeigt.

Verstehen und Nichtverstehen bilden ein Kontinuum von mehr und weniger Verstehen.
 
Kontinuum
Verstehen Nichtverstehen
mehr + -------------------- - weniger

Verstehen als Kontinuum
Die Sprache und
das Unbewusste
Alles, was ich benennen und beschreiben kann und was mir dadurch als Gegenstand begegnet, erscheint mir im Medium der Sprache
"Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt (Wittgenstein)"
"Sprachspiele": verbindet das "logische Verstehen" mit dem "psychologischen Verstehen" - Sprache erschließt sich erst im Gebrauch, in seiner Pragmatik
das Unbewusste ist sprachlos - "Sprachzerstörung" (Lorenzer)
Das Szenische Verstehen
Unter Gegenübertragung wird die „Gesamtheit der unbewussten Reaktionen des Analytikers auf die Person des Analysanden und ganz besonders auf dessen Übertragung“ (Laplanche u. Pontalis, 1972) verstanden. Das Konzept hat eine große Variationsbreite.
Manche Autoren, wie z.B. Balint (1966), verstehen unter Gegenübertragung alle Reaktionen des Therapeuten gegenüber dem Patienten. Andere beschränken das Konzept auf unbewusste (pathologische) Prozesse im Analytiker, die durch die Übertragung des Patienten beim Analytiker induziert werden.
Die Gegenübertragung lässt die Wahrnehmung der eigenen Gefühle, Phantasien und Einfälle im Kontakt mit KlientInnen erkennen und damit Rückschlüsse auf deren Innenwelt zu.

Gegenübertragung
Übertragung
Übertragung: „Neuinszenierung verinnerlichter früher Erfahrungen in einer gegenwärtigen Beziehung, insbesondere in der Beziehung zum Analytiker (Müller-Pozzi)“
Der innere Konflikt wird im Übertragungskonflikt (re-)externalisiert. Das Geschehen in der psychoanalytischen Situation wird so zum äußeren Abbild der inneren, psychischen Wirklichkeit.
Das Unbewusste bildet die Rückseite unseres Bewusstseins Rückseite einer Medaille. Indem ich spreche, verschweige ich etwas anderes, aber das, was ich verschweige, kann ich prinzipiell ins Bewusstsein zurückholen. Dieses Verdeckte nun versucht das szenische Verstehen aufzuspüren. Es nimmt das logische Verstehen (des Gesprochenen) und das psychologischen Verstehen (des Spreches) in sich auf und versucht es zu übersteigen (s. Folie 96)
Und: Alles Verstehen ist immer zugleich ein Nicht-Verstehen (W. von Humboldt)"
Das szenische Verstehen
die aktuelle Situation bzw. den aktuellen Konflikt
die Übertragungssituation bzw. -konflikt un mögliche Gegenübertragungen des Beraters
die infantile Situation des Ratsuchenden
Bsp. Lorenzer S. 83 ff.
Psychoanalytisches Verstehen
Der Berater stellt dem Ratsuchenden seine Wahrnehmung zur Verfügung, indem er versucht, sich seiner Gegenübertragungen bewusst zu werden. Zwischen der Aktualität der Beratung und der Lebensgeschichte entsteht ein Bild, eine Gestalt, Zusammenhänge werden deutlich. Verstehen kann nur angetragen werden, der Berater begleitet den Ratsuchenden bei seinem Vortasten in das eigene unbekannte Land
Ethnopsychoanalyse
Kulturelle Gegenübertragungen: die latenten und unbewussten "kulturellen" Gegenübertragungen manifestieren sich im Berater als Phantasien. Durch das psychoanalytische Freilegen kommt er zu einem besseren Verständnis der fremden und der eigenen Kultur
Leuschners "Fahrradklingel"
Siehe biografisches Verstehen:

Aufsuchen sicherer Orte
Der alte Mann in "Oh Boy"
Mit den 4 Ohren hören (Friedemann Schulz von Thun)
Sachverhalt
Beziehungsebene
Selbstoffenbarung
Appell
Milieu und Alltag
Alfred Schütz (1899-1959) griff die Überlegungen Husserls auf und führte sie im Rahmen seiner Theorie einer verstehenden Soziologie weiter. Schütz´ Theorie wird heute als phänomenologische Sozialtheorie eingestuft. Im Gegensatz zu Husserl, der von einer transzendentalen Lebenswelt ausging untersuchte Schütz empirisch messbare Strukturen der Lebenswelt und diskutiert auf dieser Basis zwei Begriffe, die für seine Forschungen tragend sind: den Begriff des Alltags und den Begriff des Milieus.
Die Beschreibungen zur Lebenswelt und zum Alltag von Alfred Schütz sind in Bezug auf eine Theorie des sozial-pädagogischen Verstehens vor allem von Hans Thiersch aufgegriffen worden. Die Lebensweltorientierung ist vor allem in der Sozialpädagogik formuliert worden gegen die zuweilen strukturell gewaltförmige klinische und amtliche, aber auch die allgemeine normative Einvernahme der Lebenswelten zum Beispiel psychiatrische Patienten, Heimkinder, in der Beratung von Arbeitslosen und Alleinerziehenden oder im Kontext von Geschlecht, Kultur und Alter. Lebensweltliche Sozialpädagogik wendet sich gegen die Normalisierung und den Anspruch des Behaviorismus.

Lebensweltbezug als Kritik
Der hermeneutische Zirkel bzw. die Spirale als Grundlage aller methodischen Zugänge zum Verstehen:
Das Allgemeine
Das Einzelne/Individuelle
Verstehen bzw. Vorstellung des Ganzen als kohärente Gestalt
Neue Einzelheiten wirken zurück auf den Interpreten und und verändern damit wiederum den Blick auf das Ganze
Hermeneutik als qualitative Forschungsmethode
Die strukturale Interpretation
Die komparative Interpretation
Die experimentelle Interpretation
Die psychologische/mimetische Interpretation
Die kontextuelle Interpretation
Die kulturanalytische Interpretation
(Rittelmeyer.2013)
Unterscheidung:
Objekt in der Welt
Subjekt für die Welt
Was bedeutet es, ein Einzelner zu sein?
jeder Einzelne nimmt die aus einer, nämlich seiner Perspektive wahr;
niemand kann zwei Perspektiven zugleich einnehmen;
deshalb gibt es auch keine Symmetrie zwischen meiner Erfahrung bzw. Wahrnehmung des Anderen und der Erfahrung des Anderen von mir
"What is it like to be a Bat? (Nagel, Thomas)"
Das sozialwissenschaftliche Verstehen kann sowohl als "Methode" in der Beratung angewandt werden als auch als wissenschaftliche Methode der qualitativen Sozialforschung, z.B.:
das szenische Verstehen in der Tiefenhermeneutik (als Verstehen latenter gesellschaftlicher Sinnstrukturen)
das "heilsame" Gespräch in der Biografieforschung
das lebensweltliche Verstehen in wissenschaftlichen Interviews
Lebenswelt und Alltag
"Alltag und Lebenswelt lassen sich charakterisieren durch die Strukturiertheit der erlebten Zeit, des erlebten Raumes und der erlebten sozialen Bezüge; sie sind bestimmt durch Intersubjektivität und konkrete Verknüpfung von Pragmatismus und Routinen. Menschen werden nicht abstrakt als Funktionsträger gesehen, sondern in ihren alltäglichen Verhältnissen, von denen sie bestimmt und eprägt werden und die sie gleichzeitig durch ihr Handeln aktiv prägen und bestimmen, in denen sie immer auch die Möglichkeit des Handelns haben (Thiersch. 1996: 70f.)"
Theorie der Dienstleistung
Alltag ist in sich dialektisch:
in den konkreten Bezügen der Menschen zeigen sich die gesellschaftlichen Strukturen, die eine gewisse Beharrlichkeit besitzen und objektiv Einfluss auf die Lebensverhältnisse nehmen
Alltag befindet sich in der Spannung biografischer, sozialer und gesellschaftlicher Bezüge
Es geht Thiersch darum, Handlungs- und Deutungsmuster auf dem gesellschaftlichen Hintergrund besser zu verstehen
Ziel ist ein "gelingenderer Alltag"
Die gestalttheoretische
Betrachtung nach Gabriele Rosenthal.
Biografieforschung,
Gruppenanalyse
und Lebenswelt
(PPP: ab Folie 100)
Pierre Bourdieu
Habitus
Biografie
Szenisches Verstehen
Das Unbewusste
Alltag/
Lebenswelt
(PPP: ab Folie 108)
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