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Ethik & Soziale Arbeit

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by

Alexander Voigt

on 12 June 2014

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Transcript of Ethik & Soziale Arbeit

Ethik & Soziale Arbeit
Inhalte des Seminars Ethik und Soziale Arbeit:

1. Klärung philosophischer Grundlagen und Begriffsbestimmungen, Was ist Ethik? (Vortrag und Diskussion)

2. Soziale Arbeit und Ethik? Brauchen wir ethisches Orientierungswissen und ethisch reflektiertes Handeln? Warum ethische Kodexe für Soziale Arbeit?

3. Klärung der Frage, wie sich ethische Kompetenzen erwerben lassen. Einordnung von moralischen Gefühlen und Intuitionen. Ihre Bedeutung für moralische Urteile. Ethical Reasoning als Verfahren in Fallkonferenzen und Teambesprechungen.

4. Ethische Prämissen & Reflexionskategorien: Gerechtigkeit, Anerkennung, Verantwortung und Care.

5. Zusammenfassung und Ausblick
Mit Herz und gutem Willen
allein geht es nicht ...

-
Warum brauchen wir ethisches Orientierungswissen & ethisch reflektiertes Handeln in der Sozialen Arbeit?
Philosophie insistiert darauf, dass die Handlungen und Ziele der Menschen nicht das Produkt blinder Notwendigkeit sein müssen. Weder wissenschaftliche Begriffe noch die Form des gesellschaftlichen Lebens, weder die herrschende Denkweise noch herrschende Sitten sollen gewohnheitsmäßig übernommen und unkritisch praktiziert werden. Der Impuls der Philosophie richtet sich gegen bloße Tradition und Resignation in den entscheidenden Fragen der Existenz.“

(HORKHEIMER MAX, Die gesellschaftliche Funktion der Philosophie zit. In SCHILLER Hans Ernst 2011: Ethik in der Welt des Kapitals. Zu Klampen. Springe)
„Soziale Arbeit ... ist ein Reflex der Kräfte der Gesellschaft. Wenn diese Kräfte progressiv sind, dann ist es Soziale Arbeit auch. Und natürlich wird, wenn diese Kräfte nach innen und rückwärts gewandt sind, Soziale Arbeit als eine gesellschaftliche Institution ebenfalls diesem Zeitgeist folgen.“

( Silvia Staub-Bernasconi http://www.zpsa.de/pdf/artikel_vortraege/StaubBEthiklexikonUTB.pdf)
Definition Soziale Arbeit : „Soziale Arbeit als Beruf fördert den sozialen Wandel und die Lösung von Problemen in zwischenmenschlichen Beziehungen, und sie befähigt die Menschen, in freier Entscheidung ihr Leben besser zu gestalten. Gestützt auf wissenschaftliche Erkenntnisse über menschliches Verhalten und soziale Systeme greift soziale Arbeit dort ein, wo Menschen mit ihrer Umwelt in Interaktion treten. Grundlagen der Sozialen Arbeit sind die Prinzipien der Menschenrechte und der sozialen Gerechtigkeit.“

www.dbsh-bund.de/html/wasistsozialarbeit.html
Ethische Fragen sind in unserer Gesellschaft sehr präsent.

Welche Beispiele gibt es dafür?
Unsere Gesellschaft geprägt von:

sozial-gesellschaftlichen Ungleichheiten,
Diskriminierungen und Exklusionen

sowohl auf individueller als auch auf institutionell-struktureller Ebene.

Dem entgegen stehen:

Proklamationen von Menschen- und Bürgerrechten und Bestrebungen diese Rechte zu verwirklichen

Ethik bildet die Matrix sozialer Berufe, denn es geht in der Praxis immer auch um folgende Fragen:

Welche Prämissen (Grundlagen, Voraussetzungen) liegen einem professionellen moralischen Handeln zugrunde?
Wie werden ethisch reflektierte Entscheidungen getroffen?
Wie wird professionell moralisch gehandelt?

Aber ist man als als SozialarbeiterIn, ErzieherIn etc. per se gut, wissen wir nicht alle Bescheid über das was gut und richtig ist
?
Einspruch2:

Wir haben mehrere Mandate. Fachkräfte müssen ihr Handeln zudem begründen gegenüber:

den KlientInnen
den KollegInnen im Team
gegenüber anderen Berufsgruppen/Professionen (JuristInnen, MedizinerInnen, TherapeutInnen, Betriebs-und VolkswirtschaftlerInnen, PolitikerInnen etc.)
der Administration und Verwaltung
der eigenen Profession (Berufsgenossenschaft, Gewerkschaft, Forschung & Wissenschaft)
Einspruch 1:

Säkularisierte, pluralistischen und individualisierten Gesellschaft - unterschiedliche moralische Haltungen - ungleich verteilte Machtverhältnisse, unterschiedliche Interessen und Bedürfnisse

Es braucht Austausch, Argumentation, Begründung und letztendlich Vermittlung zwischen verschiedenen Positionen.
Wie sollten wir unser Handeln ethisch-moralisch begründen?

So, dass es auch von Anderen als solches verstanden und ernst genommen wird.


Welche Richtschnur kann dabei behilflich sein, wie können wir einen Konsens herstellen?
?
?
Die Richtschnur zur Findung eines gemeinsamen Konsenses: die Grund- und Menschenrechte bzw. deren Kern die Würde des Menschen

Menschenrechte sind ein möglicher Minimalkonsens, sie müssen allerdings durch die handelnde Person interpretiert und begründet werden.
Menschenrechte
Soziale Arbeit
wird auch als Menschenrechts-
profession
bezeichnet.
Warum dieser Begriff?
Ist Soziale Arbeit etwa mehr als eine Dienstleistung?
Soziale Berufe
SozialarbeiterInnen/SozialpädagogInnen HeilpädagogInnen ErgotherapeutInnen FrühpädagogInnen BeraterInnen, Coaches SupervisorInnen MediatorInnen
viele Bereiche der Pflege

Sie sind Produkt
gesellschaftlicher
Transformationsprozesse
und haben sich ausdifferenziert.

viele historisch meist sehr junge Berufsgruppe
unterschiedliche fachliche Expertise
vielfältige Tätigkeitsbereiche

Das ist Ausdruck einer
ausdifferenzierten Gesellschaft.

Worin besteht ihre
Gemeinsamkeit?

in allen Bereichen wird mit Menschen interagiert

in allen Bereichen wird interveniert in soziale Beziehungen
Professionelles soziales Handeln braucht: ethische Reflektion, den Blick über den eigenen Tellerrand, den Durchblick in komplexen gesellschaftlichen Verhältnissen.
Die Philosophie nennt das:

Dialogisches Denken
Perspektivenvielfalt
Perspektivenwechsel

Wir setzen dies um im Alltag sozialer Arbeit bzw. sind wir gehalten dies umzusetzen.


Ethical Reasonig
Ethical Resoning (nach Perko und Großmann)

Gemeint ist: „ein Nachdenken über ethische Dimensionen der sozialen Praxis“ , sie plädieren „für ein moralisches Handeln, in dem Abstand davon genommen wird, ausschließlich das eigene Ich oder die eigenen kulturellen Werte ins Zentrum der Überlegungen und Handlungen zu stellen.“
(Großmaß/Perko, 2011, S. 8).

Dieses Einnehmen möglichst vieler Sichtweisen verknüpfe sich in der Praxis Sozialer Arbeit mit dem direkten Dialog. An erster Stelle stehen Fragen, reflektierendes und aktives Zuhören. (ebenda).
Dialog & Perspektivwechsel
Ethical Reasoning ist eine Methode ethische Entscheidungen zu diskutieren und zu begründen.

Es gibt keine fertigen „Werkzeugkisten“ bzw. einfach zu befolgende „Rezepte“. Wir wollen eher zum Nachdenken, zum Dialog und zur Kritik einladen.

Wichtiger Hinweis:
Und noch einmal der Einwand: Warum Dialog? Es gibt doch die Golden Regel?

Das einfache Befolgen der „Goldenen Regel“ reicht nicht aus, um zugunsten der Anderen zu handeln, denn woher weiß ich ob der Andere das gleiche will wie ich?

Ethical Reasonig rückt das Interesse am Anderen ins Zentrum – ohne das eigene Ich aufzugeben.
Warum Professions- bzw. Berufsethiken, warum eigene Berufskodizes?


Dazu begeben wir uns kurz in die Geschichte Sozialer Arbeit:


Heute: breites Spektrum an sozialen Diensten und Unterstützungsangeboten.

Historisch gesehen sind diese als spezifische bezahlte Berufesfelder aber relativ jung.

Die Geschichte der Sozialen Arbeit reicht zurück in die Antike und auch im europäischen Mittelalter gab es Vorformen der heutigen Sozialen Arbeit.

Aber selbst Krankenpflege wurde erst im 19. Jhr. zu einem Beruf mit eigener Ausbildung und der Möglichkeit und Notwendigkeit diesen als Erwerbsarbeit auszuüben.

Dies hängt mit der Industrialisierung , Verstädterung bzw. der Entstehung einer bürgerlich kapitalistischen Gesellschaft zusammen.

Die Frage nach Sozialer Gerechtigkeit, Bildung und Fürsorge wurde im Zuge der Proletarisierung und teilweiser Verelendung breiter Bevölkerungsschichten immer drängender.

Armenfürsorge, Volksbildung, mussten zunehmend gesellschaftlich bzw. staatlich organisiert werden.

„Die Bourgeoisie, wo sie zur Herrschaft gekommen, hat alle feudalen, patriarchalischen, idyllischen Verhältnisse zerstört. Sie hat die buntscheckigen Feudalbande, die den Menschen an seinen natürlichen Vorgesetzten knüpften, unbarmherzig zerrissen und kein anderes Band zwischen Mensch und Mensch übriggelassen als das nackte Interesse, als die gefühllose "bare Zahlung". Sie hat die heiligen Schauer der frommen Schwärmerei, der ritterlichen Begeisterung, der spießbürgerlichen Wehmut in dem eiskalten Wasser egoistischer Berechnung ertränkt. Sie hat die persönliche Würde in den Tauschwert aufgelöst und an die Stelle der zahllosen verbrieften und wohlerworbenen Freiheiten die eine gewissenlose Handelsfreiheit gesetzt. Sie hat, mit einem Wort, an die Stelle der mit religiösen und politischen Illusionen verhüllten Ausbeutung die offene, unverschämte, direkte, dürre Ausbeutung gesetzt. Die Bourgeoisie hat alle bisher ehrwürdigen und mit frommer Scheu betrachteten Tätigkeiten ihres Heiligenscheins entkleidet. Sie hat den Arzt, den Juristen, den Pfaffen, den Poeten, den Mann der Wissenschaft in ihre bezahlten Lohnarbeiter verwandelt. Die Bourgeoisie hat dem Familienverhältnis seinen rührend-sentimentalen Schleier abgerissen und es auf ein reines Geldverhältnis zurückgeführt.Die Bourgeoisie hat enthüllt, wie die brutale Kraftäußerung, die die Reaktion so sehr am Mittelalter bewundert, in der trägsten Bärenhäuterei ihre passende Ergänzung fand. Erst sie hat bewiesen, was die Tätigkeit der Menschen zustande bringen kann. Sie hat ganz andere Wunderwerke vollbracht als ägyptische Pyramiden, römische Wasserleitungen und gotische Kathedralen, sie hat ganz andere Züge ausgeführt als Völkerwanderungen und Kreuzzüge. Die Bourgeoisie kann nicht existieren, ohne die Produktionsinstrumente, also die Produktionsverhältnisse, also sämtliche gesellschaftlichen Verhältnisse fortwährend zu revolutionieren. Unveränderte Beibehaltung der alten Produktionsweise war dagegen die erste Existenzbedingung aller früheren industriellen Klassen. Die fortwährende Umwälzung der Produktion, die ununterbrochene Erschütterung aller gesellschaftlichen Zustände, die ewige Unsicherheit und Bewegung zeichnet die Bourgeoisepoche vor allen anderen aus. Alle festen eingerosteten Verhältnisse mit ihrem Gefolge von altehrwürdigen Vorstellungen und Anschauungen werden aufgelöst, alle neugebildeten veralten, ehe sie verknöchern können. Alles Ständische und Stehende verdampft, alles Heilige wird entweiht, und die Menschen sind endlich gezwungen, ihre Lebensstellung, ihre gegenseitigen Beziehungen mit nüchternen Augen anzusehen."
Dazu ein passendes Zitat:
(Karl Marx, Friedrich Engels (1848): Das Kommunistische Manifest. )

Vorher: Soziale Unterstützung vor allem Aufgabe: Kirchen, Klöster, reicher Adliger oder später auch „gutbetuchter“ BürgerInnen (Motiv: Nächstenliebe, aber auch Sicherung der Herrschaftsverhältnisse).

Vor allem aber: soziale Unterstützung, Bildung und die Vermittlung der „Kunst der Lebensgestaltung“ - in Familie und Verwandtschaft

Grund: es gab keine große geografische und soziale Mobilität im Feudalismus

Feudalismus - ländlich, relativ statisch, festgefügte, hierarchisch geordnete Herrschaftsverhältnisse, meist überschaubaren sozialen Einheiten (Dorf, Familie, Stand, religiöse Gemeinschaft) vorgegebene Autoritäten wie: Kirche, Lehnsherr, Pfarrer bzw. Priester
Unterschied zu Gesellschaften moderner Prägung:

Soziale Bildung findet heute in eigenen Institutionen von fachlich dafür ausgebildeten ExpertInnen statt

Wandel von einer konkreten Solidarität zu einer abstrakten Form der Solidarität

Wahrung des Sozialen Friedens bzw. Erkenntnis: eine komplexe Gesellschaft kann nur dann einigermaßen störungsfrei „funktionieren“, wenn (durch Krankheit und Not verursachte) Ausfälle abgesichert werden“ (durch Vorsorgesysteme und Soziale Einrichtungen)

Weiterhin gibt es seit der Moderne eine zunehmenden Ausdifferenzierung des Arbeitsmarktes (z.B. Entstehung des Ingenieursberufes).

Besonderheit Sozialer Berufen: nichts materielles wird produziert sondern „personenbezogene Dienstleistungen“ werden erbracht wird bzw. soziale Unterstützung geleistet wird.
Aufgabenfelder Sozialer Arbeit sind eng mit dem Begriff der Profession verbunden.

Modell dafür sind die „freien Berufe“ wie Ärzte und Anwälte, welche bereits im 19. Jhr. zu Professionen werden (Merkmale: eigenständige Fachlichkeit, wissenschaftliche Grundlagen, besondere Verantwortung gegenüber Staat und Gesellschaft)

Im 20. Jahrhundert entstehen zahlreiche „neue“ Professionen für soziale Tätigkeiten bzw professionalisieren sich diese Berufsfelder (Merkmale der Professionalisierung: Gründung eigener Berufsverbände, Fachzeitschriften, Akademisierung der Ausbildung, Ausarbeitung von Standards und Kodizes für die Berufsausübung)

An die Stelle von persönlicher Autorität und Bekanntsein mit Personen und Ritualen ist in der Moderne Expertise getreten – soziale Hilfe, Unterstützung und Bildung bieten Fremde Fremden an
Nachkriegszeit/ 2. Moderne:

weiterer Modernisierungsschub, Psychologisierung des Alltags, Bedeutendwerden persönlicher Identität, größer werdenden Anforderungen an persönliche Entscheidungen
All dies wird den Einzelnen als „freie Entscheidung“ zugerechnet – obwohl dies so frei gar nicht sind oftmals unter Druck stehen sich zu entscheiden und die Konsequenzen/die Risiken der Wahlmöglichkeiten kaum überblicken können
Folgen sind vielfältige kulturelle Veränderungen aber auch psychische Irritationen
Neue Unterstützungsbedarfe und neue spezifische Berufe entstehen: Supervision, Coaching, Mediation

Welche Bedeutung hat das für das Nachdenken über Ethik in den Sozialen Berufen?

- Soziale Berufe nichts überzeitlich Gegebenes
- sie sind historisch entstanden und entwickeln sich weiter
- vielfältigen Berufs- und Handlungsfelder entstammen unterschiedlichen Phasen der Moderne
- Professionalisierungsprozesse sind nicht abgeschlossen und unterschiedlich weit entwickelt
(akademische Ausbildung, Sozialwissenschaftliche Forschung, eigenständige fachliche Selbstkontrolle, Entwicklung eigener Fachorgane und Berufsverbände)
Bei Sozialer Arbeit handelt es sich um Interaktion zwischen Personen, welche sich fremd sind und in klar definierten Rollen aufeinander treffen (z.B. BeraterIn gestaltet eine Arbeitsbeziehung mit einem/r KlientIn).
Die Interaktionen sind strukturell asymetrisch, ExpertInnenwissen
und berufliche Kompetenz treffen auf Bedarf und meist auch auf die privat – intime Seite einer Person.

Fachkräfte der sozialen Berufe greifen in die persönlichen Lebensverhältnisse und die Privatsphäre ihrer Klientel ein.

Um dabei die Intimsphäre zu sichern und trotz der Asymetrie der Beziehung einen respektvollen Umgang zu sichern braucht es: die Einhaltung grundlegender Normen und Regeln durch die professionelle verantwortliche Fachkraft (z.B Vertrauensschutz, Schweigepflicht, Datenschutz, Transparenz von Methoden und Verfahren, Einhaltung von Abmachungen über die Arbeitsbeziehung).
Diese Anforderungen an die beruflich tätige Fachkraft gehen über die des persönlichen Taktgefühls bzw. der persönlichen Moral weiter hinaus, insbesondere weil in der Beziehung Methoden zur Anwendung kommen, die emotional berühren und das Verhältnis einer Person zu sich selbst beeinflussen (Techniken der Gesprächsführung, Verhaltenstrainings etc.).

Dazu kommt, dass die AdressatInnen eigene individuelle Wert- und Normvorstellungen haben, eigene kulturelle, religiöse oder atheistische Hintergründe

Der Umgang mit Differenz ist bewusst zu gestalten, eigene Werte und Normen gilt es als persönlich Moral zu erkennen. Sie können nicht einfach auf den Gegenüber übertragen werden.

Und doch muss den Normen und Werten Geltung verschafft werden auf denen die helfende Beziehung basiert: Es bedarf also eigenständiger Begründungen, berufsfeldspezifischer Regelungen und der Reflexion von Praxisvollzügen, um der ethisch-moralischen Dimension des beruflichen Handelns gerecht zu werden.

In der Ethik werden Menschen als Subjekte bezeichnet: Sie haben Unterschiede und Gemeinsamkeiten, jeweilige Erfahrungen, Biografien, Bedürfnissen. Diese sind ernst zu nehmen und können ganz anders sein als wir annehmen.

Menschen sind zudem moralfähige Subjekte. Ziele, Folgen, Nebenfolgen müssen bedacht sein, wir müssen uns mit unseren eigenen moralischen Werten auseinandersetzen, aber auch mit denen der Anderen: Was heißt es für den anderen Glücklich zu sein, gut zu handeln?
Warum eigene ganz spezifische Kodexe?:

Pflegeberufe: haben besonders mit Eingriffe n in die körperliche Intimsphäre zu tun
Beratung, Supervision, Coaching: arbeiten mit der psychischen, pschosozialen Seite einer Person
PädagogInnen: Vergeben Bildungschancen, beeinflussen das Verhältnis einer Person zu sich und seiner Lebenswelt
SozialarbeiterInnen: greifen oft direkt in die Lebensverhältnisse der KlientInnen ein und können den Zugang zu materiellen Ressourcen beeinflussen

Der Beförderung (sozialer) Gerechtigkeit dem Einsatz für die Menschenrechte haben sich all diese Berufsgruppen zu stellen aber in der jeweils berufsspezifischen Ausgestaltung.

Wir wollen uns vor allem mit dem Kodex: „Ethics in Social Work, Statment of Prinzipals“ von 2004 beschäftigen. Erarbeitet wurde er von der International Association of Schools of Social Work (IASSW) und der International Federation of Social Workers (IFSW).
Welchen Status haben diese Richtlinien:

Sie sind vor allem Konventionen also Willenserklärungen der jeweiligen Verbände. Sie geben den Diskussionsstand zu einem bestimmten Zeitpunkt wieder und dokumentieren den Diskussionsstand bzw. zeigen sie das Bemühen um die Herstellung eines gemeinsamen Berufsethos.

Für die PraktikerInnen geben sie einen Orientierungsrahmen, für die Überprüfung der eigenen Arbeit und die Diskussion ethischer Themen im Team oder unter FachkollegInnen.

Die Regeln und Normen der Kodexe sind aber keine konkreten Handlungsanleitungen, sonderen eher „Wegweiser“. Um die Praxis zu gestalten/ ethisch zu reflektieren braucht es dazu noch theoretisches Wissen und fallbezogene Praxiskompetenz.

Theorie und Praxis im Verhältnis

- Soziale Berufe sind praktische Berufe
- Ethik ist eine Wissenschaft über moralisches Handeln, nur selten gibt sie konkrete Handlungsanweisungen
-Ethische Theorien wollen wegweisend sein für moralische Reflexionen, Entscheidungen und Handlungen, sie wollen Anregungen und Argumentationskraft geben, wollen selbständiges und kritisches Denken stärken

daraus ergibt sich ein Spannungsverhältnis
Wichtig: Theorie ohne Praxis bleibt leer, Praxis ohne Theorie bleibt handwerklich, Theorie sollte auf die Praxis hin orientiert sein, sich von der Praxis inspirieren und überprüfen lassen. Praxis kann von der Theorie profitieren, Argumentationskraft durch Theorie erhalten, sie aber mitgestalten.
Praktiker wenden ein: „Wir haben keine Zeit, nicht genug Ressourcen um uns schwierigen ethischen Theorien zu widmen, wir sind doch per se gut, weil wir eine sozialen Beruf ausüben. Die Theoretiker sitzen im Elfenbeinturm und haben keine Ahnung von der Praxis...“
Welche Erfahrungen haben Sie/habt ihr mit ethisch - moralischen Fragen in der Berufspraxis gemacht?

Wie wichtig waren/sind Leitbilder/Konzepte/Kodizes für Ihre/Eure Arbeit?
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