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Einführung Kommunikationswissenschaft Fall 2014

Prezi zum Kurs Einführung in kommunikationswissenschaftliche Fragestellungen, Zeppelin Universität, Spring Term 2014
by

Marian Adolf

on 5 December 2014

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Transcript of Einführung Kommunikationswissenschaft Fall 2014

Einführung
in
kommunikations-
wissenschaftliche
Fragestellungen

Marian Adolf
Juniorprofessur für Medienkultur
Zeppelin Universität
Fall Term 2014
Session 1
Was ist Kommunikation?
Session 3
Zentrale Begriffe
Soziales Handeln
Bedeutung
Zeichen
Kommunikatives Handeln
Teildisziplinen, Basistheorien & Heuristiken
Zum Verhältnis von Kommunikation und Massenkommunikation
Achtung:

Massenkommunikation ist ein terminus technicus, und bezeichnet nicht etwa die "Kommunikation der Masse" oder "mit der Masse" sondern ist eigentlich eine unglückliche Übernahme des amerikanischen "mass communication": Die Kommunikation mit einem unüberschaubaren, heterogenen und anonymen Publikum.

Frühe Definition bei Maletzke (1963):

"Unter Massenkommunikation verstehen wir jene Form der Kommunikation, bei der Aussagen öffentlich (also ohne begrenzte und personell definierte Empfängerschaft), durch technische Verbreitungsmittel (Medien) indirekt (also bei räumlicher oder zeitlicher oder raumzeitlicher Distanz zwischen den Kommunikationspartnern) und einseitig (also ohne Rollenwechsel zwischen Aussagendem und Aufnehmendem) an ein disperses Publikum [...] vermittelt werden."

Zwänge des Mediums: wirken auf K und R - erwachsen aus der Materialität und Organisation des Mediums (z.B. Zeitgebundenheit einer TV-Übertragung)
Zwänge der Öffentlichkeit: Rollen, Normen, Erwartungen an den Kommunikator
Kommunikator
: „Jede Person oder Personengruppe, die an der Produktion von öffentlichen, für die Verbreitung durch ein Massenmedium bestimmten Aussagen beteiligt ist, sei es schöpferisch-gestaltend oder kontrollierend.“

Medium:
Kommunikationsmittel

Rezipient:
Mitglied des dispersen Publikums, anonym, nicht näher bestimmbar - soziales Gebilde "sui generis"
Evolution der Kommunikations-
mittel und -medien
Gestik/Mimik
(Laut)Sprache
Schrift
Buchdruck
Flugblatt/Zeitung
Telegraph/Telephonie
Film
Hörfunk
Fernsehen
Digitale Multimedien
"Kontextsensitivität" von Zeichen
"Halt mich!"
1
2
3
...als Querschnitts- bzw. Integrationswissenschaft
Maletzkes Feldschema der Massenkommunikation
(voll berühmt!)
Wow,ein Pfeil!
Funktionen der
Massenkommunikation/
-medien
Burkart 2002: 382
"Mediating Factors" der Medienwirkung nach (Klapper 1960):
1. Prädispositionen der Rezipienten, insbesondere deren vorhandene Einstellungen; bestimmen wesentlich, welche Kommunikationen wir auswählen; interpretieren; und behalten: Selektive Zuwendung, selektive Wahrnehmung und selektives Behalten).
2. Soziale Einbettung der Rezipienten in Gruppen (Gruppennormen schlagen Medieninhalte)
3. Verbreitung von Medieninhalten durch interpersonale Kommunikation (vermittelnde Wirkung durch "peers")
The Six-Stage Model of Media Effects Theory (Neuman/Guggenheim 2011)
Geschichte und Ansätze der Kommunikationsforschung
4. Konkurrenz zu Medien durch "opinion leader" als "Relais-Stationen" der Inhalte; wirken meist stabilisierend bezüglich der bestehenden Meinungen ("Meinungsführerschaft")
5. Struktur der Massenmedien, insbesondere die Notwendigkeit zur Nutzer-Maximierung führt tendenziell zum "Mainstream"; abweichende Meinungen haben es schwer.
Laut Klapper führt dies dazu, dass "Massenkommunikation in der Regel jene Einstellungen, Meinungen und Verhaltensdispositionen verstärkt" welche bereits vorhanden sind; Medien führen also selten (radikale) Änderungen von Einstellungen herbei, sondern wirken zumeist eher verstärkend (vgl. Burkart 2002: 216f).
Grundannahmen des S R - Modells
(vgl. Stöber 2008: 146)

Die Medien wirken
(1) monokausal
(2) unidirektional
(3) proportional
(4) gleichförmig

D.h.: "Die Medieninhalte sind mithin in diesem Modell der einzige Faktor, der Wirkungen auslöst; die Wirkung betrifft ausschließlich die Rezipienten und ist bei allen gleich; die Stärke der Wirkungen hängt von der Stärke des Inputs ab." (ebd. 146)

Eine kleine Auswahl weiterer
klassischer Ansätze der Medien(wirkungs)forschung
"Idealtypisches Phasenmodell"
Das Phasenmodell entspricht nach jüngeren Erkenntnissen weniger der tatsächlichen Verlaufsgeschichte der Medien(wirkungs)forschung, sondern stellt vielmehr ein Narrativ zur Unterscheidung verschiedener theoretischer Strömungen dar (Katz 1987, Brosius/Esser 1998, Neuman/Guggenheim 2011).

Tatsächlich gab es immer schon eine größere Vielfalt in der Wirkungsforschung; auch finden sich bis heute Studien, die relativ simple S-R-Wirkungszusammenhänge zugrunde legen.
Unterscheidung der Wirkung nach den drei kommunikativen Phasen:

1. Präkommunikative Phase:
Selektion des Kommunikats

2. Kommunikative Phase:
prozessuale Effekte

3. Postkommunikative Phase: verzögerte/anhaltende Effekte
Schweigespirale
(Noelle-Neumann 1980)
Da Menschen sich vor sozialer Isolation fürchten behalten sie ihre eigene (politische) Meinung für sich, sofern sie diese für minoritär halten. Dafür ausschlagebend sind die Massenmedien; sie beeinflussen das Meinungsklima (= jene Vorstellung der Menschen, welche Ansichten und Verhaltensweisen gebilligt, beziehungsweise abgelehnt werden) über die Darstellung von Meinungen als minoritär bzw. majoritär. Somit ist ein sich selbst verstärkendes Ungleichgewicht geschaffen ("Spirale des Schweigens"): diejenigen, die ihre Meinung im Aufwind sehen, kommunizieren nun mehr; diejenigen, die sich isoliert sehen, halten mit ihrer Meinung nun noch eher hinter dem Berg.
Agenda Setting-Ansatz

(McCombs/Shaw: 1972)
Die wirklich wichtige Wirkung der (publizistischen) Medien besteht nicht darin
was
die Menschen denken, sondern
worüber
sie nachdenken. Vergleich der Publikums- und der Medienagenda (bzw. weiterer spezifscher "Agenden") - untersucht den "Einfluss der Medien auf Thematisierung, Gewichtung, Strukturierung und Bedeutungseinschätzung" (Stöber 2008: 150).
Mood Management
(Zillmann/Bryant 1985)
Weiterentwicklung der UGT auf Basis der Theorie der kognitiven Dissonanz (Festinger 1957). Der Rezipient als letztlich hedonistisches Wesen strebt zur Maximierung des eignen Wohlgefühls und wählt auch Medieninhalte auf dieser Basis aus. Dieses nicht bewusstseinspflichtige Auswahlhandeln ("selection") wird insbesondere für den Bereich unterhaltender Medienangebote untersucht (Filme, Musik, u.a.).
Laut Stöber (2008: 146f) handelt es sich daher bei den diversen Ansätzen nicht um ein chronologisches Phasenmodell, sondern letztlich um drei parallel vorhandene "übergreifende Ansätze":

1. Stimulus-Response-Modell

2. Nutzen- und Belohnungsansatz

3. Dynamisch-transaktionaler Ansatz

S R
S O R
Allen verwandten Ansätzen der S/R-Tradition ist gemein, dass die "Wirkungsrichtung" vom Kommunikator zum Rezipienten gedacht wird. Im engeren Sinne ist das S/R-Modell weniger ein "Wirkungsmodell", sondern eher ein "Forschungsansatz" (vgl. Stöber 2008: 152).
"Uses & Gratification-Research" (UGT)

Nach Katz/Blumler/Gurevitch (1974) basiert die UGT auf fünf Grundannahmen, durch die sich dieser Zugang zur Massenkommunikationsforschung vom S/R-Denken unterscheidet:

1. Das Publikum spielt eine aktive Rolle im Massenkommunikationsprozess

2. Die durch die Medien erhaltene Gratifikation sind an den einzelnen Rezipienten gebunden

3. Die Medien stehen dabei in einem Konkurrenz-verhältnis zu anderen (belohnenden) Aktivitäten
Individualistische Ansätze: fragen letztlich nach der Wirkung auf das Individuum
Kollektivistische Ansätze: fragen nach der Wirkung auf die Gesellschaft als solche
"Uses & Gratification-Research" (UGT)

4. Die (auch empirisch) wichtigste Quelle betreffend die Rolle und Wirkung der Massenmedien liegt im Nutzungsverhalten

5. Exogene Werturteile hinsichtlich der Qualität der rezipierten Medienprogramme müssen hinter die zu untersuchende endogene Motivation der RezipientInnen zurückgestellt werden.
Bedürfnisse und Belohnungen des Medienkonsums

(a) kognitiv: Wissen und Information
(b) affektiv: Empathie und Emotion
(c) sozial: Orientierung und Identifikation

Aktives Rezeptionshandeln abhängig von drei Faktorenbündeln
(wer wendet sich welchen Medieninhalten zu?):

(i) Lebensform: Strukturfaktoren (Wohnort, Beruf)
(ii) Lebensweise: Stratifikationsfaktoren (Stellung)
(iii) Lebensstil: Individuell-biographische Faktoren
U S E S A N D G R A T I F I C A T I O N
L I M I T E D E F F E C T S P A R A D I G M
S T I M U L U S R E S P O N S E M O D E L L E
Das Problem daran: aufgrund dieses Mechanismus kann es passieren, dass eine tatsächliche Minderheit öffentlich als Mehrheit erscheint (es handelt sich dabei sodann um eine "mediale Fiktion"). Zu solchen Effekten kommt es vor allem im Zuge moralisch stark aufgeladener Debatten; die abweichende Meinung gilt dann nicht als (rational) falsch sondern als (moralisch) schlecht.
Dynamisch-transaktionaler Ansatz
(Früh/Schönbach 1982)

Der DTA vermittelt zwischen der kommunikator- und der rezipientenzentrierten Sichtweise. Bei Massenkommunikationsprozessen handelt es sich um ein zweiseitiges Geschehen, hier dargestellt über die Konzeption von "Transaktionen", bei denen Ursache und Wirkung nicht mehr klar getrennt werden können. Ein initialer Medien"reiz" weckt unsere Aufmerksamkeit, weshalb wir uns aktiv und (informations-)suchend einem Thema zuwenden; das resultierende Mehr an Wissen lässt uns wiederum neue Medienangebote entdecken, etc.
Der Prozess ist dynamisch (im Sinne der Abgrenzung von einer linearen, gleichförmigen Wirkungs-annahme) und zwar sowohl zeitlich als auch was die Intensität der Wirkung betrifft. Und der Austausch (die Transaktion) findet nicht nur auf manifeste Art und Weise zwischen K und R statt, sondern umfasst auch Intra-Transaktionen (also etwa die Wechselwirkung zwischen gewecktem Interesse uns aktiver Suche nach mehr Info). Auch auf der Seite der Kommunikatoren bestehen spezifische Annahmen über die Absichten, Fähigkeiten und die Motive auf der Rezipientenseite. Diese wechselseitigen An-nahmen fließen wiederum in den Kommunikations-prozess ein - der sich nun als dynamisch-transaktionale Wechselwirkung beschreiben lässt.
Journalismus, Öffentlichkeit
& Demokratie

Journalismus
Öffentlichkeit
Einflussfaktoren der Aussageentstehung im System Journalismus (vgl. Weischenberg 1990, 1992, 1994)
Baumert (1928) unterteilt die Entwicklung des modernen Journalismus in vier Phasen:

Präjournalistische Periode
(ab ca. 1500)
Nachrichtendienste für Adel und Hohe Stände, sporadische Angebote für den Rest

Phase des
korrespondierenden Journalismus
(16.-Mitte 18. Jhdt.)
Flugblätter und andere proto-periodischen Medien erscheinen mit vermischten Meldungen

Phase des
schriftstellerischen Journalismus
(ab dem 18 Jhdt. in der Hochblüte der Aufklärung)

Phase des
redaktionellen Journalismus
(ab ca. Mitte des 19. Jhdts.)
Phase der Professionalisierung der Berufsrollen und Organisation von Zeitungen, zentrale publizistische Persönlichkeiten selegieren und kommentieren zentrale Ereignisse von gesellschaftlicher Bedeutung.


"Massenmedien sind das Ergebnis der Institutionalisierung von Kommunikation.
Ihre Leistungsfähigkeit wird durch bestimmte Strukturen sichergestellt. Im System Journalismus werden dabei sowohl die ökonomischen und technologischen Bedingungen der Medienproduktion wirksam als auch die Folgen von Gruppenstrukturen, die für Organisationen allgemein kennzeichnend sind."
(Weischenberg 1994: 435f.)




Das Mediensystem, und somit auch der Journalismus, ist kein neutraler Mittler - der hier objektiv vorhandene Faktizität sammelt, und andernorts unverändert wiedergibt: "Redaktionen als soziale Systeme transportieren nicht Infor-mationen, sondern machen aus den Infor-mationsangeboten der sozialen Systeme etwas
Eigenes; sie konstruieren Wirklichkeit."
(Weischenberg 1994: 436).

"Mitglieder" von Redaktionen unterliegen verbindlichen Routineprogrammen die als Verhaltenserwartungen schlagend werden ("redaktionelles Entscheidungsprogramm", vgl. Rühl 1989: 46ff).


"Struktur- und Funktionswandel" der Presse im 19. Jahrhundert führt zu Veränderungen im Journalismus. Zwischen Selektion von Ereignissen und Publikation tritt nun die "Redaktion" als Instanz der Auswahl, und Verarbeitung der Information. Damit einher geht...

...die Institutionalisierung von Ressorts (Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport, Lokales/Chronik).

...die Ausdifferenzierung der Rollen und Arbeitsschritte (Informationsbeschaffung, Redaktion, Produktion, etc.); der Verleger ist nicht mehr zugleich auch Redakteur.

Von einer "Berufsrolle JournalistIn" als bezahlte Profession kann bereits ab dem 18. Jahrhundert gesprochen werden. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wird Journalismus zum individuellen Hauptberuf. Das Publikum sind zunehmend alle, und nicht mehr nur eine kulturelle Elite.



Gatekeeper Forschung
(White 1950)

Untersuchung der selektiven Barriere in der Auswahl von Ereignissen; der Redakteur wird als "Schleusenwärter" gesehen, der nach subjektiven Kriterien auswählt, welche Meldungen es in die Zeitung schaffen.

Joch (1973) unterscheidet dabei ein individualistisches, ein institutionelles und ein kybernetisches Modell.
News Bias

Benennt zunächst den generellen Verdacht, dass spezifische Interessenlagen die umfassende Berücksichtigung journalistischer Qualitätskriterien verhindern, und somit zu einer verzerrten Wiedergabe tatsächlicher Ereignisse führen. Man unterscheidet zwischen politischem, ökonomischem und generischem bias (also etwa Sensationalismus, der spezifischen professionellen Nähe zwischen Journalisten und Politikern, etc.).
Nachrichtenwerttheorie
(Schulz 1976)

"News value" bezeichnet jene zugeschriebenen Eigenschaften eines Ereignisses die dessen Wahrscheinlichkeit erhöhen als Nachricht aufgenommen zu werden; dazu zählen:

Demokratie
Zeit (Dauer, Thematisierung)

Nähe (räumlich, politisch, kulturell, Relevanz)

Status (regionale + nationale Zentralität, persönlicher Einfluss, Prominenz)

Dynamik (Überraschung, Struktur)

Valenz (Konflikt, Kriminalität, Schaden, Erfolg)

Identifikation (Personalisierung, Ethnozentrismus)
Zum Verhältnis Medien und Welt

Das Mediensystem nimmt eine zentrale Rolle in der modernen Gesellschaft ein - und der Journalismus wiederum bildet den Kern der Medien
(-kommunikation). Aus systemtheoretischer Sicht ist der Journalismus ein eigenes, "wirklichkeits-erzeugendes" Teilsystem. Wesentliche Schaltzentrale ist die Redaktion: hier wird entschieden welche Ereignisse aus der Fülle aller tagtäglichen Geschehnisse ausgewählt, und wie über sie berichtet wird. Aus Daten werden Fakten: die scheinbare Abbildung der Wirklichkeit (der Welt) ist eigentlich eine Konstruktion der Wirklichkeit der Medien (der Welt).

Journalisten: Berufs- und Selbstbild

Wichtige demokratische Funktion des Journalismus
-> wichtige demokratische Rolle der JournalistInnen...

Hohe Anforderungen an journalistische Arbeit und die Einhaltung der qualitativen Standards für Recherche und Wiedergabe von Fakten.

Demgegenüber steht der freie Zugang (fehlende Kompetenzkontrolle) zum Journalismus als Beruf...

...sowie die oftmals aufreibenden Arbeitsverhältnisse ("profit center") von JournalistInnen.

in D allein ca. 50.000 JournalistInnen in insgesamt knapp 3000 journalistischen Medienorganisationen aktiv.
Unter Rollenselbstverständnis "sind die kommunikativen Ziele und Absichten
zu verstehen, mit denen Journalisten ihren Beruf ausüben." (Weischenberg et al. 2006: 355)
Zu den klassischen Debatten rund um den Berufsstand der JournalistInnen zählen neben freiem Berufszugang und der Frage der Qualität der JournalistInnenausbildung vor allem:

- die Frage der Nähe zur Macht ("Verbrüderung" der publizistischen mit der politischen und wirtschaftlichen Elite) auf personeller und organisationaler Ebene (Abhängigkeit von der Werbewirtschaft)
- die Frage der sozialen Distanz bzw. des jeweiligen Bildes von JournalistInnen und Publikum (Divergenz "Kommunikationsabsichten" und "Kommunikationserwartungen"; vgl. Glotz/Langenbucher 1969).



- die Frage der "Effizienz" bzw. Wirksamkeit der journalistisch-informierenden Arbeit. Rezeptionsstudien belegen immer wieder die katastrophale Erinnerungs- und Verarbeitungsleistung journalistischer Medieninhalte (bspw. der Tageszeitung oder der Fernsehnachrichten).

Die wichtigste Referenzgruppe, und somit der wichtigste Einfluss auf die eigene Arbeit sind die anderen JournalistInnen, insbesondere die leitenden Redakteure im eigenen Haus.


Das Weischenberg'sche Zwiebelmodell des
Journalismus
Geschichte und gesellschaftliche Verankerung
des Journalismus
Journalismus als Institution und Organisation
Öffentlichkeit

Die politische Willensbildung des demos liegt im Herzen der Theorie der Demokratie. Damit der Souverän ("das Volk") seiner politischen Selbstbestimmung gerecht werden kann, muss er vernünftig agieren. Dazu gehören die Kenntnis über die Belange des Volkes ("Information"), die Möglichkeit der Kundgebung der eigenen Meinung ("Meinungsfreiheit"), sowie das Zusammentreten der Gleichen und Freien zur Debatte der gemeinsamen Belange ("Forum"). Demokratie ist also an Kommunikation geknüpft - aber an eine besondere Form derselben:
öffentliche Kommunikation.

In der Antike hat die Öffentlichkeit noch einen (konkreten) Ort: die
Agora
- der Marktplatz der Polis.
Dort debattiert man über allen Belange die nicht privat (also ökonomischer oder intimer Natur) sind, und die Gemeinschaft betreffen. (Bürger die sich nicht beteiligen heißen "idiotes".) Diese Marktplätze sind gerade so groß, dass man sich der Anwesenheit aller persönlich gewahr ist.

In der Moderne geht das nicht mehr: zu groß, zu heterogen, zu komplex ist das soziale Gemeinwesen, als das
Ko-Präsenz
noch möglich wäre. Öffentlichkeit muss anders hergestellt werden.

Im Zuge der Entwicklung moderner Territorialstaaten (und der Idee der Nation bzw. des Nationalstaates) müssen neue Formen der (kommunikativen) Herstellung von Öffentlichkeit gefunden werden; die einzigen Institutionen die die Aufgabe funktional erfüllen können sind die Medien (a.k.a. Verbreitungs- oder Massenmedien).

Diese werden zum Rückgrat der (jungen) Demokratie, verbreiten die Idee des Konstitutionalismus, des Republikanismus, der freien und gleichen Wahl, der sozialen Gerechtigkeit, u.v.m. Meinungs- und Pressefreiheit, Freiheit von politischer und ökonomischer Zensur müssen hart erkämpft werden.
Auch die jungen Parteien setzen auf die Kraft der Presse - jede Partei hat eine eigene Parteizeitung. Auf Jahrzehnte ist die Presselandschaft in den jungen Demokratien von der Parteinpresse geprägt. An die Stelle von "vermischten Meldungen" und Hofberichterstattung ("Was der Kaiser heute zu frühstücken plaisierte...!") tritt das öffentliche (weil für alle zugängliche) Räsonnement, die Debatte, die Auseinander-setzung mittels (politischer) Argumente. Die
bürgerliche Öffentlichkeit
entsteht; das Bürgertum emanzipiert sich von der Herrschaft der Monarchen. Der Ort des Politischen ist nun (wieder) die Öffentlichkeit - aber nicht als konkreter Platz, sondern
als (kommunikative) Sphäre.
Funktionen der Öffentlichkeit
(nach Neidhardt 1994)

(i) Transparenzfunktion
(ii) Validierungsfunktion
(iii) Orientierungsfunktion

Öffentlichkeit
bietet allen Themen und Meinungen platz - die macht die Verbreitung von Themen und Meinungen der in der Gesellschaft vertretenen Gruppen (i)
transparent
und weithin sichtbar.

Ebenen der Öffentlichkeit

Neidhardt (1994; siehe auch Gerhards/Neidhardt 1991, Neidhardt/Rucht 1993, Peters 1994) unterscheidet drei Ebenen von Öffentlichkeit:

1. Encounter-Öffentlichkeiten (Einfache Interaktionssysteme)
Bspw. spontane Kommunikation im Alltag (Zuhause, Arbeitsplatz, auf der Straße oder in der Kneipe). Kommunikation mit Rollenwechsel; breite Themenpalette;
Klar, macht Sinn, Alter!
Aber was hat das jetzt mit
Demokratie
zu tun?


2. Themen- oder Versammlungsöffentlichkeiten (Öffentliche Veranstaltungen)
thematisch-zentriert, etwa Veranstaltungen, Demonstrationen, etc. Hier sind die Rollen schon fester (seltener Wechsel Sprecher - Zuhörer; thematische Engführung der Debatte)

3. Medienöffentlichkeit (Massenmedienkommunikation)
auch "komplexe Öffentlichkeit", durch Medien auf Dauer gestellt (deshalb fallen die Selektionsmechanismen der Medien so stark ins Gewicht); die Rollen sind klar verteilt:
Sprecher - Vermittler (Medien) - Publikum
Erst die öffentliche Behandlung - der Diskurs - vermag gute von schlechten Argumenten zu unterscheiden; Öffentlichkeit (ii)
validiert
also politische Argumente, da sie gute obsiegen, und schlechte revidieren lässt.

Und schließlich entstehen "öffentliche Meinungen mit mehr oder weniger allgemeinen Einstellungen zu bestimmten Themen" (Gerhards/Neidhardt 1991: 41f) wodurch Öffentlichkeit auch (iii)
orientierend
wirkt.

Normative Strukturmerkmale der Öffentlichkeit
(vgl. Peters 1994)


a) "Gleichheit und Reziprozität"
Es sollte allen möglich sein, sich an der öffentlichen Kommunikation zu beteiligen - sowohl als Publikum als auch als Sprecher; es darf keiner ohne speziellen Grund ausgeschlossen werden.
b) "Offenheit und adäquate Kapazität"
Sofern ein Thema von allgemeinem Interesse ist, muss es behandelt werden können (thematische Offenheit). Dazu gehören umfassende Information, als auch die Kompetenz der sachlichen Behandlung der Materie (Bildung).
c) "Diskursivität"
Öffentliche Kommunikation ist diskursiv, d.h. das Auseinandersetzungen mit Argumenten ausgetragen werden. Ziel ist immer die (annähernde) Erreichung eines Konsens, also kollektiver Akzeptanz, welche zwanglos erzielt wird (vgl. hierzu Habermas' Kriterien der Idealen Sprechsituation).
Diskussion & Ausblick
Die Zukunft der Medienkommunikation?
Medien, Kultur & Gesellschaft:
zwei Perspektiven
Einführung in kommunikationswissenschaftliche
Fragestellungen | Fall Term 2014
Session 2
Warum Kommunikationsforschung?
Gegenstandsbereich
und Systematik des Faches

Session 4
Session 5
Session 6
The End
Session 7
Definition of Medium
nach S.J. Schmidt (2000):
Das, was man gemeinhin als Medium bezeichnet ("Kompaktbegriff") ist tatsächlich die je spezifische Verknüpfung von vier Dimensionen. Ein Medium ist

(1) Ein semiosefähiges Kommunikationsinstrument (also in der Lage Bedeutungen zu codieren). Beispiele: Zeichen, Bilder, Sprache, etc. Im Herzen eines Mediums liegt also seine Fähigkeit Bedeutung zu vermitteln.





























Und so erlangen wir folgende
Mediendefinition
(2) Ein technischer Kommunikationskanal, also eine spezifische materiell-technische Medientechnologie. Beispiele: Eine Filmkamera und ein passender Projektor/Display, Funkanlagen für Mobiltelefonie und ein passendes Endgerät welches in der Lage ist solche Signale zu empfangen und zu dekodieren, etc. Hier kommt die technische Ebene eines jeden Mediums zu tragen: ein Medium im kommunikations-wissenschaftlichen Sinne ist immer ein technisches Medium (ein Dispositiv).
(3) Ein Medium zeichnet sich in der Folge auch immer durch die spezifische sozial-systemische Organisation dieser materiellen/technologischen Mittel aus. Technik allein tut nichts, sie funktioniert letztlich in einem gesellschaftlichen Setting. So wird der Rundfunk zunächst in "öffentlich-rechtlichen" Anstalten organisiert. Das Medium Zeitung besteht u.a. aus dem Zusammenspiel von Recherche, Satz, Druck und Distribution des fertigen Produkts, etc. Diese Dimension verweist also auf die notwendige Einbettung der Mittel der Kommunikation in die sozialen Strukturen einer Gemeinschaft oder Gesellschaft.
Beispiel: Es macht etwa einen Unterschied, ob eine Medientechnologie privatwirtschaftlich oder öffentlich-rechtlich institutionalisiert ist. So waren die Rundfunkstationen in den USA traditionell privatwirtschaftlich organisiert, hingegen in Europa meist öffentlich-rechtlich organisiert. Beide Male handelt es sich um "dasselbe Medium", die konkrete Erscheinung von Fernsehen und Radio war jedoch aufgrund der unterschiedlichen sozialen Einbettung sehr verschieden.
(4) Die drei oben beschriebenen Merkmale vereinigen sich nun auf einer vierten Ebene zu einem konkreten Medienangebot (Artikel, Spielfilm, Blogpost, Tweet, Buch, etc.). Dieses wird durch das Zusammenspiel der drei Dimensionen wesentlich mitbestimmt, und hat zudem einen bestimmten Inhalt. Auf dieser Ebene ist die Vielfalt der möglichen Formen am größten, weil auch die Varianz am höchsten ist.
Beispiel: Die "selbe" Botschaft kann mithilfe von Schrift ("An der roten Ampel halten!") oder als Zeichen (als Signal, etwa "rotes rundes Lampe") ausgedrückt werden. Zur Umsetzung der sozialen Konventionen, die den Straßenverkehr regeln bedarf es aber nun wieder einer komplexen Infrastruktur von Ampelanlagen, z.B. an einer Kreuzung. Diese können nicht von jedem bedient werden, sondern werden technisch aus einer Verkehrsleitzentrale gesteuert. Dafür braucht man Personal, Gebäude, technische Anlagen, und somit auch Gesetze, Verordnungen und Durchführungsbestimmungen, etc.
Der beschleunigt ablaufende Medienwandel der Gegenwart führt dazu, dass die Definition von "Medium" noch problematischer geworden ist. Neue Technologien der (a) Produktion von Medienbotschaften, der (b) Verteilung und (c) Rezeption derselben untergraben traditionelle Klassifikationen von Medialität und Kommunikation. Es bedarf daher eines heuristischen und integrativen Medienbegriffs, der es schafft, die vielfältigen Aspekte der Medienkommunikation zusammenzuschauen.
Hinter dem Begriff "Medium" verbirgt sich eine Fülle von Bedeutungen. Es bestehen zumindest drei gängige sozial- und kulturwissenschaftliche Medienbegriffe:

(1) der Tradition von Georg Simmel und Talcott Parsons entstammt eine i.e.S. soziologische Definition, die ein Medium als (sozial akzeptierte) Form der Bedeutungsvermittlung zwischen sozialen Entitäten definiert; üblicherweise mit Blick auf das gesellschaftliche Ganze. So ist (etwa in der Systemtheorie) Geld ebenso ein Medium wie etwa Vertrauen, oder die Liebe. Ein Medium kann hier verstanden werden als ein gemeinsame Nenner der Kommunikation und somit Verständigung ermöglicht, bzw. wahrscheinlich macht).
Luhmann nennt dies sodann folgerichtig "symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien". Zu den wichtigsten zählen Macht, Geld, Liebe, Wahrheit, Kunst. Sie vereinfachen die Anschlussfähigkeit sozialer Interaktion und bilden die Grundlage allen sozialen Verhaltens. Für eine kommunikations-wissenschaftliche Verwendung erweist sich diese Definition von Medium jedoch als zu breit und unspezifisch.
(2) Aus einer philologisch-geisteswissenschaftlichen Tradition geht ein Verständnis von Medium hervor, welches auf die (i.w.S.) materiellen Grundlagen der Wahrnehmung abzielt. Die Idee dahinter ist eine klassische: es sind die Medien, die uns überhaupt erst erlauben die Welt um uns wahrzunehmen - auf jeweils spezifische Weise. Die "dispositiven" Eigenschaften einer jeden Medientechnologie privilegieren bestimmte Formen der Wahrnehmung und benachteiligen andere. Da Medien unsere wesentliche Verbindung zur Realität darstellen, kann der Einfluss ihrer Medialität gar nicht hoch genug bewertet werden: denn alle menschliche Erfahrung ist mediatisierte Erfahrung.
In dieser Tradition steht auch das Werk von Marshall McLuhan, und seine Vorstellung, dass die (technischen) Medien Erweiterungen des menschlichen Körpers, bzw. unserer "Sinne" darstellen. Medien sind nicht einfach Mittel zum Zweck, wie etwa in der soziologischen Tradition, sondern ganz fundamentale Zugangsportale der Wahrnehmung und somit unserer Erfahrung.
(3) Aus einer dritten Perspektive erscheinen Medien als "technologische Mittel" menschlicher Kommunikation. Medien sind "Verbreitungsmedien" mit denen Botschaften übermittelt und Beziehungen hergestellt werden. Es stehen hier also die funktionalen Aspekte der medialen Kommunikation im Mittelpunkt. Ein Medium ist ein
Mittel
der Kommunikation. Im Kontext modernen, entwickelter Gesellschaften versteht man unter einem Medium sodann ein (a) technisches Instrument zur (b) Ermöglichung sozialer Kommunikation. "Technisch" meint dabei avancierte Technologien der Sammlung, Verarbeitung und Verbreitung von Botschaften welches erst gemeinsam mit dem Voranschreiten komplexer Formen der sozialen Organisation entstehen.
Das bedeutet auch, dass bestimmte Kommunikationsmittel aus diesem Verständnis ausgeschlossen werden, so etwa die menschliche Sprache. Fokussiert werden all jene Mittel, die helfen die ehemals eng umschriebenen Grenzen der (ko-präsenten) menschlichen Interaktion aus ihrer Beschränkung von Zeit und Raum herauszulösen: die Druckerpresse, das Radio, das Telefon, später Fernsehen und Internet. Diese Definition schließt aber auch Schallplatten, CDs und DVDs mit ein.
Verschiedene
Medienbegriffe
In der kommunikationswissenschaftlichen Tradition liegt der Fokus auf all jenen "Mitteln der Kommunikation" die es erlauben ein großes Publikum zu erreichen, kurz: den Medien der Massenkommunikation. So werden Medien hier als Mittel betrachtet, die es vermögen Botschaften ("Kommunikate") über zeitliche und räumliche Grenzen hinweg, von "wenigen" zu "vielen" zu transportieren. Dies führt bisweilen zu einem sehr "instrumentellen" Medienverständnis der Kommunikationswissenschaft (und brachte ihr den Vorwurf ein, keinen eigenen Medienbegriff zu besitzen).
Medium?
Kritische Medienkulturforschung:
Ein Vorschlag
Angesichts der (a) Bedeutung von Kommunikation für zwischenmenschliche Interaktion und ihrer Rolle in der Herstellung von Sozialität & Individualität sowie (b) der zentralen Funktionalität des Mediensystems (d.h. die Summe aller Medien-strukturen, -organisationen und -inhalte) kommen wir zu folgenden Schlussfolgerungen: (1) Ohne Berücksichtigung der Rolle der Kommunikation ist die menschliche Natur nicht zu verstehen. (2) In der modernen Gesellschaft sind Medien und Kommuni-kation untrennbar verbunden. Die Art und Weise wie Medien produziert, organisiert und angeeignet werden, formt unsere sozialen Beziehungen.
Anstatt diesen Phänomenzusammenhang in künstliche Einzelteile zu zerlegen, muss Kommuni-kation in ihrer Kontinuität als Prozess untersucht werden. Medienkommunikation ist nur ein Teil des umfassenderen gesellschaftlichen Diskurses. Sie iniziiert, verwendet, verändert, dramatisiert, vereinfacht, formt und popularisiert bestimmte Themen einer größeren gesellschaftlichen Debatte. Die Suche nach "Medienwirkungen" muss alle diese Schnittpunkte des Mediensystems der sie umgebenden Gesellschaft berücksichtigen.
Alle Medienforschung ist Beforschung gesellschaftlicher Kommunikation.
Eine umfassende Perspektivierung medialer Kommunikation muss über traditionsreichen "Narrative" der Medien(forschung) hinausgehen:

(1)
Die Medien als zentrale Akteure der gesellschaftlichen Kommunikation, als die Speerspitze einer aufgeklärten, demokratischen Politik. Beginnend mit der historischen Forderung nach Meinungsäußerungsfreiheit etabliert sich das Ideal unabhängiger Information über das soziale und politische Geschehen als Basis aller politischen Willensbildung des demokratischen Souveräns. Die Medien informieren die Menschen, bieten ein öffentliches Forum des Meinungsaustausches und bringen die Ansichten des Volkes zu Gehör.
Dazu quer liegt ein Zugang zu Medien, der vor allem auf ihre materielle und technologische Form und Funktionalität abstellt. Da ist zunächst
(3)
ein instrumentelles Verständnis der Medien als Kommunikationsmittel, welches die strukturellen, institutionellen, sensorischen Eigenschaften, als auch die je unterschiedlichen Rezeptions- und Aneignungsweisen höchstens als Randbedingungen erwähnt. Die Medien werden hier allein als Mittel zur Verbreitung von Information von A nach B gesehen, wobei B die Absicht von A zweifelsfrei erkennt bzw. die Eigenschaften der Botschaft x eindeutig identifizierbare Auswirkungen als Rezeption y zeitigen.
(2)
Eine kritische Tradition, die ebenso aus dem Erbe der Aufklärung hevorgeht, thematisiert die Rolle der Medien vor allem als eine Beharrungskraft zur Zementierung des gesellschaftlichen Status Quo: aufgrund der Institutionalisierung der Medien als (a) abhängig von der Nähe zu Machtzentren, und/oder ihrer (b) privilegierten Position hinsichtlich der Produktion öffentlicher Aussagen, und/oder (c) der zunehmenden Verdinglichung/Warenförmigkeit der Kulturproduktion, verhindern die Medien effektiv gesellschaftlichen Wandel. Sie sind letztlich eine konservative Kraft die Menschen/Organisationen/Ideen kleinhält durch (i) die Verbreitung eines falschen Bewusstseins, (ii) die Naturalisierung ideologischer Botschaften, (iii) die Ablenkung von den wirklich wichtigen Fragen und die Betäubung couragierter Initiative.
Ein solch instrumenteller Zugang zu den Medien als "Mittel" der zweckhaften Zielerreichung wird von den Vertretern der
(4)
Mediumtheorie abgelehnt. Denn da jede Medientechnologie dem Inhalt (Botschaft) bzw. dem Kommunikationsprozess eine spezifische Form oktroyiert, können "die Medien" nie neutral sein. Im Gegenteil sind die Medien immer schon "zwischen" uns und unserer Umwelt. Sie vermitteln nicht nur Kommunikation, sie vermitteln die Welt als solche. Die jeweils dominanten Medien/Medientechnologien einer Epoche sind daher prägend für die historische Formierung der entsprechenden Gesellschaft.
Bis heute repräsentieren diese vier idealtypischen Perspektiven auf "die Medien" unter einander relativ unverbundene Forschungstraditionen: (1) Die Medien als Agenturen der Aufklärung, (2) die Medien als Machtapparat und Manipulatoren, (3) die Medien als Kommunikationsinstrumente, sowie die (4) Medien als Wirklichkeitsgeneratoren - stehen jeweils für paradigmatische Verständnisse der Natur der Medien.

Von allen Sichtweisen kann eine Theorie der Medienkultur lernen: über die materiellen und kulturellen Grundlagen der Medienkommunikation, den Nutzen und den Missbrauch der Medien als Antrieb der gesellschaftlichen Kommunikation; eine theoretisch-konzeptionelle Verbindung jedoch wurde bislang nicht unternommen.
Ein
MEDIENKULTURELLER
Zugang versucht diese theoretischen Traditionen und ihren Fundus an theoretischen und empirischen Einsichten der letzten 100 Jahre zu verbinden. Ein solcher Zugang bedient sich dieser Erkenntnisse, und wendet diese auf konkrete Instanzen (medialer) Kommunikation an - und zwar je nach den medialen Eigenschaften des verwendeten Mediums, der sozialen Handlung, des gesellschaftlichen Kontextes und des jeweiligen Kommunikationsinteresses. Medienkulturforschung betrachtet die umfassenden Implikationen von Kommunikationshandlungen, die Eigenschaften der Botschaft und die Beschaffenheit der Wirkung.
Dabei betont die Medienkulturforschung den Prozess und die Verbundenheit der Kommunikation als mit kulturellen und sozialen Prozessen verwoben, und beschränkt sich nicht auf künstliche Unterscheidungen in Mikro-, Meso- und Makroprozesse - und zwar weil diese Ebenen alle verbunden sind, verbunden durch Kommunikation.
[B] Die epistemiologische Dimension
Wir kreieren unsere soziale und natürliche Umwelt im sozialen Verbund, durch Lernen, Aushandlung und die Sedimentation von Bedeutung (die Theorien des Symbolischen Interaktionismus, u.a. beschreiben diese Prozesse). Kommunikation beruht immer auf, und produziert zugleich, Kultur; in und durch Kommunikation (re-)produzieren wir unsere Welt. Auf dieser Analyseebene untersucht die Medienkulturforschung jene Mechanismen die an der Erschaffung einer bestimmten Wirklichkeit beteiligt sind (Situationsdefinitionen, Geltung von Normen/Normierungen, Tabus, strukturelle Machtungleichheiten, uvm.) im jeweiligen kommunikativen Setting.
Vor diesem Hintergrund kombiniert die Untersuchung (medialer) Kommunikation immer drei Dimensionen:

[A] Die Phänomenebene
Auf diese Ebene geht es darum, die vielen Erscheinungsformen der Medienkommunikation zu beschreiben und systematisieren, die Verbindungen von Bedeutungen, Handlungen, Emotionen und Praktiken zu erfassen. Medienkommunikation als heute alles durchdringende Kultur nimmt zahllose Formen an. Bisweilen ist ihre Rolle offensichtlich, manchmal muss man diese erst vorsichtig ergründen; manche Praktiken erschließen sich unmittelbar, andere sind subtil oder bleiben verbrogen. Ein jedes Phänomen muss zunächst hinreichend klar beschrieben und erfasst werden (Deskription).
[C] Die Normative Dimension
Die moderne Gesellschaft ist eine diverse und pluralistische Gesellschaft. Zu jedem erdenklichen Zeitpunkt spielen ökonomische Interessen, kulturelle Identitäten, soziale Rollen, kulturelle Werte, biographische Erfahungen, und viele andere - letztlich normative - Zusammenhänge eine Rolle in der-, und für die Kommunikation. Es wird kaum jemals möglich sein, sich auf die "ideale Gesellschaft", die Details eines "guten Lebens", oder den Inhalt einer transzendentalen Bestimmung allen Lebens zu einigen. So ist beinahe jede Kommunikationshandlung von normativen Aspekten beeinflusst - manchmal explizit, zumeist implizit. Anstatt zu versuchen diese normative Dimension aus unserer Analyse von Kommunikationen herauszuhalten, sollten diese Werte, Normen und Normalvorstellungen herausgearbeitet und als intrinsischer Bestandteil des Kommunikationsprozesses diskutiert werden.
Medienkultur als Forschungsprogramm
Neidhardt, Friedhelm (1994): Öffentlichkeit, öffentliche Meinung, soziale Bewegungen. in: Neidhardt, Friedhelm (Hrsg.). Öffentlichkeit, öffentliche Meinung, soziale Bewegungen, Opladen, S.7–41.
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