Found Footage
& Social Media
Soziale Technologien des
Findens, Sammelns und Aneignens im Web 2.0
Geschichte (Historie) des Prairie Dogs als
Narrativ
„Es ist beim Sammeln das Entscheidende, daß der Gegenstand aus allen ursprünglichen Funktionen gelöst wird um in die denkbar engste Beziehung zu seinesgleichen zu treten. (...) "
"Diese ist der diametrale Gegensatz zum Nutzen und steht unter der merkwürdigen Kategorie der Vollständigkeit. Was soll diese ‚Vollständigkeit’<?> Sie ist ein großartiger Versuch, das völlig Irrationale seines bloßen Vorhandenseins durch Einordnung in ein neues eigenes geschaffenes historisches System, die Sammlung, zu überwinden. (...)"
"Und für den wahren Sammler wird in diesem Systeme jedwedes einzelnes Ding zu einer Enzyklopädie aller Wissenschaft von dem Zeitalter, der Landschaft, der Industrie, dem Besitzer von dem es herstammt. (...)"Walter Benjamin: Passagenwerk; Konvolut H.
http://encyclopediadramatica.com/Drama_Prairie_Dog
Populäres Archiv als
- Aneignungsform
- Fundgrube
„Die wahre Methode, die Dinge sich gegenwärtig zu machen, ist, sie in unsere<m> Raum (nicht uns in ihrem) vorzustellen. (So tut es der Sammler, so auch die Anekdote.) Die Dinge, so vorgestellt, dulden keine vermittelnden Konstruktionen aus ‚großen Zusammenhängen’. "
Passagenwerk; Konvolut H.
http://img.4chan.org/b/imgboard.html
Das Populäre und das Archiv
"Das Populäre und das Archiv sind zwei sich gegenseitig aufhebende Gegenstandsbereiche, wenn man ersteres mit den Kennzeichen Allgemeinverständlichkeit und Allgemeinzugänglichkeit bei gleichzeitiger affektiver Verankerung (Williams 1976) verbindet und letzteres in erster Linie als Selektionspraxis und normative Wissensformation versteht (Foucault 1969, Derrida 1995)."
Meike Wagner 2009, http://www.perfomap.de/current/iv.-digitale-archiv-szenarien/Das-Populaere-und-das-Archiv.-Social-Networking
"Würde man das allgemein Verständliche archivieren, dann verdoppelte sich nur das, was überall sowieso schon vorhanden ist. Das Archiv würde zum Double des Allgemeinen.
Die Tiefe und das Dunkel des Archivs würden der offenen Oberfläche weichen.
Wichtiger noch, ein Archiv-Effekt würde das unnötig Archivierte ‘entpopularisieren’: Das Populäre, das ehemals allgemein Zugängliche müsste sich einer spezifischen archivarischen Ordnung, einem Archiv-System, fügen.
Die Archivtechnik würde der zuvor hyperkonnektiven Kommunikation ihre Ordnung auferlegen und damit eine große Zahl von Anschlussmöglichkeiten ausschließen.
Das Populäre hätte zwar seinen Verwahrungsort gefunden – und damit auch gleichzeitig seine konstitutive Ortlosigkeit aufgegeben. [Stäheli 2002: 75]"
Zitiert nach Wagner 2009
Die Tiefe und das Dunkel des Archivs
(archivarische Ordnung)
Die offene Oberfläche des Populären
(hyperkonnektiv/anschlussfähig)
Diana Taylor versteht Praxis in erster Linie als Körper-Praxis und operiert in ihrer Gegenüberstellung von materiellem Archiv und performativer Körper-Praxis mit den Begriffen ‚archive’ und ‚repertoire’:
The rift, I submit, does not lie between the written and spoken word, but between the archive of supposedly enduring materials (i.e., texts, documents, buildings, bones) and the so-called ephemeral repertoire of embodied practice/knowledge (i.e., spoken language, dance, sports, ritual). [Taylor 2003: 19]
[...]
The repertoire requires presence: people participate in the production and reproduction of knowledge by ‚being there,’ being a part of the transmission. As opposed to the supposedly stable objects in the archive, the actions that are the repertoire do not remain the same. The repertoire both keeps and transforms choreographies of meaning. [Taylor 2003: 20]
Wagner 2009
The style changes, believe it or not, every day. Every day, the style changes. And if you haven'tdanced in two days... if you come to a krump session, we're gonna know."What did I miss?""You've been slacking off. Go home."
Li'l C in RIZE, David LaChapelle, USA 2005.
http://www.script-o-rama.com/movie_scripts/r/rize-script-transcript-david-lachappelle.html
Die Populärkultur wird in Social Networking Sites nicht in statuarischen Ordnungssystemen tot gestellt, sondern die Selektions- und Ordnungsprozesse werden dort performativ offen gehalten und eben genau als populäre Archiv-Praxis dargestellt.
Hier verschränkt sich das Bild eines ‚Archiv-Dunkels’ und einer offenen Oberfläche des Populären zu einem hybriden Konzept. Paradigmatisch hierfür steht YouTube, mediales Phänomen, hyperkonnektives Spielfeld, das als Bildarchiv bestimmte populäre Medienpraxen anbietet.
Wagner 2009
Herausforderung:
Repertoire erfordert die Praxis ("ephemeral knowledge")
Das Populäre Archiv:
Praxis und Ordnung zugleich
„Wer sich der eigenen verschütteten Vergangenheit zu nähern trachtet, muß sich verhalten wie ein Mann, der gräbt. Vor allem darf er sich nicht scheuen, immer wieder auf einen und denselben Sachverhalt zurückzukommen – ihn auszustreuen wie man Erde ausstreut, ihn umzuwühlen, wie man Erdreich umwühlt. Denn „Sachverhalte“ sind nicht mehr als Schichten, die erst der sorgsamen Durchforschung das ausliefern, um dessentwillen sich die Grabung lohnt. Die Bilder nämlich, welche, losgebrochen aus allen früheren Zusammenhängen, als Kostbarkeiten in den nüchternen Gemächern unserer späten Einsicht – wie Torsi in der Galerie des Sammlers –stehen. Und gewiß ist’s nützlich, bei Grabungen nach Plänen vorzugehen. Doch ebenso ist unerläßlich der behutsame, tastende Spatenstich in’s dunkle Erdreich. Und der betrügt sich selbst um das Beste, der nur das Inventar der Funde macht und nicht im heutigen Boden Ort und Stelle bezeichnen kann, an denen er das Alte aufbewahrt. So müssen wahrhafte Erinnerungen viel weniger berichtend verfahren als genau den Ort zu bezeichnen, an dem der Forscher ihrer habhaft wurde. Im strengsten Sinne episch und rhapsodisch muß daher wirkliche Erinnerung ein Bild zugleich von dem der sich erinnert geben, wie ein guter archäologischer Bericht nicht nur die Schichten angeben muß, aus denen seine Fundobjekte stammen, sondern jene andere vor allem, welche vorher zu durchstoßen waren.“
Walter Benjamin: Ausgraben und Erinnern. In: Gesammelte Schriften IV/400f.
„Wer sich der eigenen verschütteten Vergangenheit zu nähern trachtet, muß sich verhalten wie ein Mann, der gräbt. Vor allem darf er sich nicht scheuen, immer wieder auf einen und denselben Sachverhalt zurückzukommen – ihn auszustreuen wie man Erde ausstreut, ihn umzuwühlen, wie man Erdreich umwühlt. Denn „Sachverhalte“ sind nicht mehr als Schichten, die erst der sorgsamen Durchforschung das ausliefern, um dessentwillen sich die Grabung lohnt. "
DAS ABSTECKEN DES FELDES/SACHVERHALTS:
THEMEN und PERSONEN (die für Themen stehen)
"Die Bilder nämlich, welche, losgebrochen aus allen früheren Zusammenhängen, als Kostbarkeiten in den nüchternen Gemächern unserer späten Einsicht – wie Torsi in der Galerie des Sammlers –stehen. "
GALERIEN - SAMMLUNGEN - LISTEN
b3ta.com:
"Things that make you go aaah" – usually linking to photographs of baby animals. The newsletter itself describes it as its "great voyage to catalogue the cutest things in the world".
http://en.wikipedia.org/wiki/B3ta
"Und gewiß ist’s nützlich, bei Grabungen nach Plänen vorzugehen. Doch ebenso ist unerläßlich der behutsame, tastende Spatenstich in’s dunkle Erdreich. Und der betrügt sich selbst um das Beste, der nur das Inventar der Funde macht und nicht im heutigen Boden Ort und Stelle bezeichnen kann, an denen er das Alte aufbewahrt. "
"So müssen wahrhafte Erinnerungen viel weniger berichtend verfahren als genau den Ort zu bezeichnen, an dem der Forscher ihrer habhaft wurde.
Im strengsten Sinne episch und rhapsodisch muß daher wirkliche Erinnerung ein Bild zugleich von dem der sich erinnert geben, wie ein guter archäologischer Bericht nicht nur die Schichten angeben muß, aus denen seine Fundobjekte stammen, sondern jene andere vor allem, welche vorher zu durchstoßen waren.“
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