stART09 Die Zerst. Kraft des Internet

description »
G H

The Economist, August 1st, 2009
Foto: Die Zeit, Internet Spezial 2008
http://mediaconvergence.economist.com/
“Das Netz hat unsere Welt in einem Maße revolutioniert wie die Erfindung des Buchdrucks oder die Spaltung des Atoms. Es ist das Treibrad der Globalisierung. (…) Das Internet ist das Betriebssystem unserer modernen Gesellschaft.”

Matthias Naß
Stellvertretender Chefredakteur
Die ZEIT
Matthias Naß: Vorwort zum Zeit Internet Spezial, 30.4. 2008, Seite 2
Die Welt ist eine Google.
Aber warum?
Die Zerstörerische Kraft des Internet: 
Woher nimmt das Internet seine Kraft und was folgt daraus?
Woher nimmt das Internet seine phänomenale Kraft der schumpeterschen »Kreativen Zerstörung«? 

Was kann hieraus abgeleitet werden, um potentiell erfolgreiche Geschäftsmodelle im Internet ex ante von nicht erfolgreichen zu unterscheiden? 

Welche Konsequenzen sollten Kultur, Gesellschaft und Politik aus diesen zu erwartenden Erfolgs-Kriterien für (kommerzielle) Angebote im Internet ziehen, um das Internet als positive Kraft der Veränderung weiterhin nutzen und von ihr profitieren zu können?
Video
Einleitung: ein paar Fakten
* Quelle: ARD/ZDF-Onlinestudie 1998 - 2009, regelmäßig = mindestens einmal im Monat im Internet, Verweildauer ist nicht gleich Nutzungsdauer
43% der 14-19 Jährigen sind täglich in einer Web 2.0 Community. Nur 26% nutzen keine Web 2.0 Netzwerke. 74% haben mindestens ein eigenes Community-Profil.*


Jugendliche zwischen 8 und 24 kennen nur ein Drittel ihrer Online Kontakte persönlich.
Weltweit gingen im Juli 2009 113 Mrd Suchanfragen bei Google und Konsorten ein - das sind 41% mehr als im Vorjahr. 

76,7 Mrd der Suchanfragen gingen an Google, der Search-Primus kommt damit auf einen Marktanteil von 67,5%. Der zweite Platz geht an die Yahoo-Suche mit 8,9 Mrd Anfragen (MA: 7,8%), gefolgt von der chinesischen Suchmaschine Baidu mit 8 Mrd Anfragen (MA: 7,0%). 

Nach Regionen betrachtet leben in Europa die meisten Suchmaschinen-Nutzer: 32,1% aller Suchanfragen stammen vom hiesigen Kontinent, Asien-Pazifik folgt mit 30,8%, dahinter die USA mit 22,1%. Die Latein-Amerikaner sind dafür die aktivsten Sucher: Durchschnittlich 130,4 Suchanfragen stellte ein dortiger Nutzer im Juli. Europäer fragten im Schnitt 116,9 Mal nach.** 


Früher hat man sich über den Gartenzaun unterhalten, um den Nachbarn kennen zu lernen. Heute geht man ins Internet.
72% der Onlinenutzer haben einen Breitband-Zugang. Durchschnittlich verbringt ein Onlinenutzer 136 Minuten am Tag im Internet, 14-29 Jährige 180 Minuten (Verweildauer). Bei den unter 19-Jährigen ist das Internet bereits zum Leitmedium geworden mit einer höheren täglichen Verweildauer als Fernsehen.*

82% nutzen Suchmaschinen, 65% waren schon bei Wikipedia  und jeder zweite Nutzer auf einem Videoportal.*
Über 42 Millionen Deutsche (65% der Gesamtbevölkerung) nutzen das Internet regelmäßig. In keiner Altersschicht zwischen 14-60 Jahre gibt es eine Gruppe, von der weniger als 2/3 das Internet regelmäßig nutzen. Unter den Berufstätigen nutzen 79% das Internet regelmäßig, bei den Auszubildenen sogar 95%. Nur bei den Rentnern und Nicht-Berufstätigen liegt die Internetnutzung bei relativ niedrigen 33%. Der Großteil der 'Offliner' ist nicht-berufstätig, über 60 Jahre alt, besitzt kein Abitur und ist weiblich.*
Während das Telefon 40 Jahre benötigte um 10 Millionen Nutzer zu verbinden, hat dies das Internet in lediglich 4 Jahren geschafft. Heute sind über eine Milliarde Menschen mit dem Internet verbunden.
* Quelle: ARD/ZDF-Onlinestudie 1998 - 2009, regelmäßig = mindestens einmal im Monat im Internet, Verweildauer ist nicht gleich Nutzungsdauer
* Quelle: ARD/ZDF-Onlinestudie 1998 - 2009, regelmäßig = mindestens einmal im Monat im Internet, Verweildauer ist nicht gleich Nutzungsdauer
Web 2.0:

Wikipedia: über 13 Millionen Artikel in 260 Sprachen, 65 Millionen Besucher pro Monat, zusammengestellt von 75.000 Autoren

YouTube: 200 Millionen Unique User pro Monat. Jede Minute werden zehn Stunden Videomaterial auf YouTube eingestellt.

Facebook: 300 Millionen Nutzer, Ziel: 1 Milliarde; im Sept09 zum ersten Mal positiven Cashflow; 
von April 2008 auf April 2009 hat sich der Zahl der auf Facebook verbrachten Minuten versiebenfacht: von 1,7 Mrd auf 13,9 Mrd. Minuten*

Studi-/Schüler-/Mein-VZ: 15 Millionen registrierte Nutzer
Quelle: Eigenangaben der jeweiligen Firmen, Stand Sept 2009; Mit Ausnahme von * von Nielsen (2. Juni 2009)
Konvergenz: 
Das Verschmelzen von bisher getrennten Märkten
Noch mehr Fakten
aber per
** Kressexpress 1. Sept. 2009 - basierend auf DIGITALkompakt. Die Daten stammen vom  US-Marktforschungsunternehmen ComScore.
Mehr als 1000 Werbebotschaften pro Tag pro Konsument

Werbeausgaben in den USA: -26,5% (Q1 2009 vs. Q1 2008) *
Quellen:
* Economist 1.08.09 (S. 55)
** Newspaper Association of America
*** Adweek, Aug 27, 2009
Das war allerdings nur der Anfang
Die Musikindustrie hat es schon erwischt
Die Print-Industrie durchlebt soeben den Umwandlungsprozess
Die Film- und Fernsehindustrie wird voraussichtlich als nächstes getroffen werden - möglicherweise gefolgt von der Buchindustrie
Deutsche Musikindustrie: Rückgang der Umsätze von 1997 auf 2008 von 2,75 Mrd. Euro auf 1,58 Mrd. Euro (oder inflationsbereinigt auf 1,33 Mrd. Euro), das entspricht einem Rückgang von -43% (-52%)

In 2001 soll Napster 2 Milliarden (illegale) Downloads erreicht haben.
Werberlöse der Zeitungen (inkl. deren Online-Erlöse) in den USA: -29% (Q2 2009 vs. Q2 2008) von 9,6 Mrd. auf 6,8 Mrd. US$; Kleinanzeigen waren am stärksten betroffen mit einem Rückgang von -40% **
Über 158 Millionen Amerikaner, oder 81 Prozent aller U.S. Internetnutzer, haben sich im Juli 21,4 Milliarden Videos per Internet angeschaut. Der durchschnittliche Zuschauer sah 8,3 Stunden Internet-Videos im Juli. Die durchschnittliche Länge eines Videos lag bei 3,7 Minuten. Die 38 Millionen Hulu-Nutzer allerdings sahen Videos mit einer Durchschnittslänge von 1 Stunde und 13 Minuten. *** 

Google kündigt an 1 Mio. E-Books (kostenlos) zur Verfügung zu stellen und will über 2 Millionen digitalisierte Bücher per Print-On-Demand vertreiben.
Eigenschaften des Internet:
On Demand
Verbindet Real-time und Archiv-Eigenschaften
Nicht geographisch eingeschränkt
Interaktiv
Kraft der Integration (und Aggregation)
Vernachlässigbare Grenzkosten
Integration/Aggregation:
Daten
Konvergenz 
Integration der Nutzer
Was folgt?

Welche Konsequenzen sollten Kultur, Gesellschaft und Politik aus diesen zu erwartenden Erfolgs-Kriterien für (kommerzielle) Angebote im Internet ziehen, um das Internet als positive Kraft der Veränderung weiterhin nutzen und von ihr profitieren zu können?
der (ITK-/Medien-)Märkte
der Technologie (IP-Standard)
Nutzer sind im (virtuellen) Netz viel offener sich auf Kommunikation einzulassen und sich zu vernetzen.

Bisher war jeder Kommunikationsbeginn ein Eingriff in die Privatsphäre des Adressaten, nicht so im Web 2.0. Zum ersten Mal kann der User so kommunizieren als sei er ein Medium, das nur dann vom Adressat konsumiert wird wenn dieser es will.

Im Netz kann der Nutzer bis zu 250 Kontakte bedienen (verwalten). Im realen Leben ist nur eine Führungsspanne von bis maximal 20 Personen möglich.
Durch das Internet erlauben wir uns einen Grad der Vernetzung, den wir so eigentlich gar nicht wollten. Aber durch die vermeintliche Virtualität, haben wir plötzlich kein Problem mehr damit.
Weitere Punkte zu Integration:
Verna Allee (2003): The Future of Knowledge; entwickelte den Spruch: „Less Collection – More Connection“ um den Internet Effekt innerhalb des Wissensmanagements zu beschreiben. Wir müssen nicht mehr sammeln sondern nur noch verbinden. Das Sammeln erfolgt dann automatisch. Die Wissenssammlung tritt zugunsten einer Vernetzung von Wissensträgern zurück. Beispiel: Brockhaus vs. Wikipedia
Michael Polanyi (1967): „Wir wissen mehr als wir zu sagen wissen.“

Das Internet ändert dies:

Bei Weitergabe wird das Wissen wieder zunächst zu Daten (Worte), danach bei erneuter Konsumierung zu Information und bei Verarbeitung zu (neuem) Wissen.

- Dieser Kreislauf wird aufgrund des Internets viel schneller.
- Schnellere Umwandlung von implizitem zu explizitem Wissen.
"Free - The Future of a 
Radical Price"
Vier ‚Kostenlos‘-Kategorien:
Werbefinanzierte Dienste: „Gral der Werbewirtschaft“ endlich Massen-Werbung ohne Streuverlust
Quer-Subventionen: das Geld wird mit einem Komplementärprodukt verdient, z.B. Verschenke den Rasierer, verkaufe die Klingen
Fremium: eine kleine Gruppe zahlender Mitglieder erhält einen Premium-Service und finanziert mit seinen Beiträgen das minderwertige aber kostenlose Angebot
Altruistische Märkte: Teilnehmer stellen Produkte zur Verfügung ohne einen monetären Anreiz
Facebook: erst nach 300 Mio. Nutzer positiver Cash Flow

Google: über US$ 5,5 Mrd. Umsatz und knapp US$ 1,5 Mrd. Net-Income im letzten Quartal - zum Großteil mittels Werbungeinnahmen basierend auf marktbeherrschender Position
Spotify: 6 Mio. Mitglieder, davon  zahlen
 40.000 für bessere Tonqualität

Xing: 8 Mio. Mitglieder, davon 635.000 Premium Mitglieder
Wiki: US$ 6 Mio Annual Budget
(Economist 1.8.09; p. 53)
Xing AG, Pressemitteilung zum Halbjahresergebnis 2009, 13. August 2009
Wikipedia Foundation Annual Report 2007/8
Open Source
Auch das Internet kann 
den Markt nicht neu erfinden
Google Inc., Pressemitteilung zu Second Quarter Results, 16. Juli 2009
The Economist
Chris Anderson
Regulation auf internationaler Ebene - mindestens auf EU-Ebene (Datenschutz, Marktdominanz, offene Standards)

Staatlich/gemeinschaftlich geförderte Angebote um Meinungsvielfalt und inhaltiche Sicherheit zu gewährleisten - wie bereits bei Rundfunkanstalten
GEZ: 7,26 Mrd. Euro pro Jahr, davon gehen z.B. alleine 1,73 Mrd. Euro an ZDF oder 42 Mio. Euro an Radio Bremen
Wikipedia hat ein Jahresbudget von 6 Mio. Euro, die DPA von 95 Mio Euro
Semantic Web
Die Kraft des Internet existierende Märkte aufzubrechen und neu zu ordnen wird auch zu seiner Schwäche: in perfekten Märkten mit vernachlässigbaren Grenzkosten kann man nur Geld verdienen, wenn man Marktmacht erreicht oder sein Produkt erfolgreich differenziert.
GEZ Geschäftsbericht 2008, S.41
Jahresberichte der Wikipedia Foundation und der dpa

Loading comments...

Please log in to add your comment.

Report abuse