Die Umwelt von Bibliotheken:
2009 bis 2019
Wie ändert sich
die Umwelt von
Bibliotheken
bis 2019?
Die Zeitschriften
Die Bücher
Die Suche
Das Web
Die Bibliothek
Der Nutzer
Open Access löst das
Finanzproblem von Bibliotheken
Der Kurzschluß der Publikationskette
macht Bibliotheken obsolet
Der Artikel der Zukunft
ist vollkommen anders
Open Access wird zum Standard
des wissenschaftlichen Publizierens
Elektronische Lehrbücher sind in 10
Jahren nicht mehr wiederzuerkennen
Elektronische lösen gedruckte Lehrbücher ab
Bibliotheken geben e-Book-Reader aus anstatt Lehrbücher
Es werden keine Print-Monographien mehr gekauft
Der Bibliothekskatalog fristet ein Schattendasein
Die Zukunft der Suche heißt
Die Zukunft der Suche ist mobil
Die Suche kann alle Fragen beantworten,
die heute an der Auskunft gestellt werden
Der Nutzer wird zum Prosumenten
Nutzer-generierter Content ist wichtiger als Bibliotheks-generierter Content
Der Nutzer schafft sich seine eigene Informationszentrale (Lifestream)
Nutzer brauchen keine Bibliothek mehr (aber es ist so schön dort)
Drive-in Nutzer erwarten Drive-In Service
Augmented Reality: "SecondLife in RealLife" oder "Der Avatar bin ich"
Real Time Web: Alles jetzt und jederzeit haben können.
Nicht nur Musik, Videos und Bücher, sondern auch Wissen, Beziehung und Kommunikation.
Das "Internet of Things" entsteht, wenn alles, was wir herstellen, vernetzt ist.
"In the year 2020, the mobile device will be the primary connection tool to the internet for most people in the world" (Pew Internet & American Life Project Report)
Google: "Our dream is that people use
mobile search every day because it is"
Die Bibliothek wird Studentenbücherei hoch2
McBiblionald‘s bedient den Drive-in-Nutzer
Benutzer kommt zur Auskunft: “Ich hätte gerne das Buch XYZ.”
Auskunft (schlägt im Katalog nach): “Wir haben es nicht vorrätig. Hätten Sie vielleicht einen Moment Zeit, dann drucken wir es Ihnen aus?”
Benutzer: “Was kostet das denn?”
Auskunft: “Das kostet Sie gar nichts, außer 2,40€ für einen Latte Macchiato in unserem Coffee Shop.”
Benutzer: “?”
Auskunft: “Kleiner Scherz. Die meisten trinken einen Kaffee, um die Wartezeit von 10 Minuten zu überbrücken, bis das Buch ausgedruckt und verbucht ist.”
Szenario Espresso
Houston Public Library
Die Inhalte sind zentralisiert
Bibliothek schlägt Google??
PubMed schlägt Ovid
Google schlägt PubMed
Die Bibliothek wird zur Internetmarke „hilfreicher Lotse“, Kategorie „Bewährte Dienstleistung“
Klienten werden (auf)gesucht
Sie kommen in die Bibliothek und kennen sich nicht aus. An der Auskunft erhalten sie ein iPhone, das Sie durch die Bibliothek führt.
Es weiß, wo welches Buch steht.
Es weiß, wer Bibliothekar ist.
Es weiß, was jeder Bibliothekar weiß.
Szenario AR
Bücher senden Infos über Standort:
- Bin gerade zurückgegeben worden
- Verstaube unverbucht im Schließfach
- Werde gerade gelesen
- Bin verstellt
Bücher bloggen, Bücher twittern (in Echtzeit)
Bücher speichern Ausleih- und Leseverhalten.
Szenario Bücher
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
Die Präsentation finden Sie unter
www.oliverobst.de/?p=59
“It will soon be expected, that every intelligent person (and quite a few unintelligent ones) will have a media platform where they share what they care about with the world.”
(Seth Godin)
Open Access
Zeitschriftenkrise
Kurzschluß Autor-Leser
Artikel der Zukunft
Open Libraries
Openness-Bewegung
Kombi-Abonnements
Nationallizenzen
Konsortien
Elsevier
Price Freeze
NIH Policy
Hybridzeitschriften
Science Publishing
Technology driven
In welchem Kontext arbeiten wir und wie verändert
sich dieser in den nächsten 10 Jahren?
Oliver Obst
Münster
Vortrag auf der Jahrestagung der AGMB in Hamburg 9. Sept. 2009
Generell gilt es,
"Services [to] design to engage 21st century library patrons"
als auch virtuell
sowohl in der realen Welt
oder Twitter oder ...
Espresso Book Machine
oder:
Ways to remain relevant in the iPhone era
Im folgenden möchte ich einige Thesen zu den bis 2019 zu erwartenden "Umweltveränderungen" vorstellen.
Mein Vortrag ist untergliedert in die Umgebungen Zeitschriften, Bücher, Suche (Datenbanken), Nutzer und Web. Schlußendlich geht es um die Bibliothek selber. Was wird sich hier ändern, was muß sich hier ändern.
Dazwischen gestreut finden Sie einige konkrete Anwendungsszenarien.
Kommen wir als erstes zu den Zeitschriften. Die Übergangsphase von gedruckten zu elektronischen Versionen ist abgeschlossen. Einzelne Bibliotheken bieten bereits seit längerem nur noch elektronische Abos an. Gedruckte Zeitschriften werden als notwendiges Übel (in Form von Kombiabos) noch abonniert – weil es preiswerter ist. Aber vielerorts werden die Hefte nicht mehr inventarisiert oder gar gebunden, sondern beim Eintreffen in die Bibliothek sofort entsorgt. Ablage P. Zeitgleich bieten Verlage nun zunehmend e-only-Subskriptionen an, die keine Printversion mehr enthalten. Diese werden entweder komplett eingespart oder zusätzlich vermarktet. Beides ist sehr lukrativ, ermöglicht den Verlagen einen weiteren Gewinnsprung und wird sich deshalb schnell durchsetzen. Bibliotheken freut dies nicht unbedingt: Durch die höhere E-Mehrwertsteuer sparen sie de facto nichts ein (da die Einsparungen nicht zu ihnen gelangen), zudem sind sie auf die Archivierung - an der ZB Med Köln - angewiesen.
1. OPEN ACCESS
Open Access wird weiter an Fahrt aufnehmen, aber Toll Access wird nicht verschwinden. Die Allmacht (Beharrungskraft) der Symbiose Verlag/Autor ist einfach zu groß, das kommerzielle Zeitschriftensystem einfach zu gut etabliert, die kommerziellen Zeitschriften einfach zu gut. Open Access und Toll Access gehen bereits jetzt eine friedliche Koexistenz ein. Und: Es ist nicht (mehr) die Sache/in der Hand der Bibliotheken. Bei Open Access bestimmen größere Organisationen die Richtung. Auf der einen Seite Parlamente und Forschungsinstitutionen wie die DFG, MPG, NIH, EU, USA. Auf der anderen Seite die Physiker oder einzelne Fakultäten wie Harvard. Hier wie dort gilt: Nur eins kann den Industrial-Scholarly-Complex aufbrechen: Masse oder Klasse. Beides haben Bibliotheken nicht. OA wird also kein Standard, auch wenn der Hunger der Wissenschaftler nach OA deutlich zunehmen wird (dazu später mehr).
2. FINANZPROBLEM
Aus dem oben gesagten wird klar, dass Open Access nichts mit Bibliotheken zu tun hat. Bibliotheken (und ich spreche hier von deutschen Universitätsbibliotheken) haben immer Finanzprobleme gehabt, aber sie haben auch immer wieder genug Geld gehabt, um hervorragende Zeitschriftenpakete anbieten zu können. Es ist also nicht das Finanzproblem, das Bibliotheken Probleme macht. Was ist es dann? Durch exzellente Nachweisinstrumente (Google, PubMed) und One-Stop-Shopping (Linkresolver) stehen unsere Kunden immer öfter vor verschlossenen Türen (pay walls). Angesichts der Möglichkeiten des Internets (Open Access, Weblogs) und der zunehmenden Attitude "Alles ist frei" wird dies immer unverständlicher und immer weniger so einfach hingenommen. Es ist ein Paradox: Es steht immer mehr zur Verfügung, aber der "Leidensdruck" wird größer. Dies bekommen wir Bibliotheken zu spüren. Unser Problem ist also weniger eine Finanzklemme sondern das typische Leiden des enagierten Dienstleisters, alles bieten zu wollen aber nicht zu können, daran gehindert zu werden.
Noch zwei Gedanken:
- Long Tail: Diesen über Subskriptionen zur Verfügung zu stellen, ist hochgradig unwirtschaftlich.
- Hybridzeitschriften: Selbst wenn diese preiswerter werden (das machen nicht alle Verlage: Nature, aber nicht Springer o. Elsevier), löst dies keine Finanzprobleme.
Apropos Finanzen: Die im Zuge der Weltwirtschaftskrise explodierte Staatsverschuldung wird auch bei uns (wie in den USA) zu massiven Etateinsparungen führen müssen. Trotz aller (lippen)Bekenntnisse gilt der Bildungsbereich hier als Sparkandidat Nr.1 (siehe Arnold Schwarzenegger's Streichliste).
Fachgesellschaften und kleine Verlage helfen zwar vorübergehend durch einen Price Freeze, die Großen drehen aber weiter an der Preisschraube. Hier könnte es zu einer Abwärtsspirale mit "katastrophilen" Tendenzen kommen. Dann hätten wir ein wirkliches Horror-Szenario für 2019: Auf der einen Seite wenige, ganz wenige Verlage mit (vollkommen) überteuerten Titeln und Bibliotheken mit einem Bruchteil der jetzigen Abos und auf der anderen Seite ein Explodieren der Open Access-Publikationen und eines grauen OA-Markts (Jedes Geschäftsmodell hat seine Betrugsmasche: http://medinfo.netbib.de/archives/2008/04/25/2573).
3. KURZSCHLUSS
Es wird einen Kurzschluß der Publikationskette geben, für eine wachsende Anzahl von Artikeln, aber bei weitem nicht für alle Publikationen. Zum einen durch Open Access, zum anderen durch wissenschaftliche Weblogs u.ä. Tools für den unmittelbaren und sofortigen Austausch von Ideen und Forschungsergebnissen. Wie dem auch sei: Es sind weiterhin (und verstärkt) vielfältige Hilfestellungen für Nutzer notwendig, sei es im Auffinden, sei es im Nutzen der Artikel.
4. ARTIKEL DER ZUKUNFT
Werden Artikel 2019 in einer anderen, lesbareren, sozialeren Form publiziert? Jein. Ein „Artikel der Zukunft“ a la Elsevier‘s wird es nicht geben. Die heutige lineare Form wird nicht abgelöst werden - sie hat sich seit hunderten von Jahren bewährt.. ABER: Ob erzwungener oder bezahlter Open Access: Der Hunger der Wissenschaft nach frei zugänglichen und nachnutzbaren Publikationen ist unersättlich. Immer mehr Artikel werden der semantischen Analyse und dem Textmining zur Verfügung stehen. Dazu müssen die Daten (1) offen gelegt werden (auch die Rohdaten), (2) normalisiert werden und (3) der Weiterverarbeitung verfügbar gemacht werde. Dies wird einen Quantensprung in der wissenschaftlichen Informationsgewinnung bewirken, da neue Einsichten, Verbindungen, Erkenntnisse und Hypothesen automatisch generiert werden können (analog zur bereits heute möglichen automatisierten Umsetzung im Labor).
1. Zeitschriften
2. Bücher
1. ELEKTRONISCHE LEHRBÜCHER
Wir wissen, das Medizinstudenten nicht lernen, um bessere Ärzte zu werden, sondern um die nächste Prüfung zu bestehen. Und die wird – so wie ich das kenne - auch in 10 Jahren noch aus Multiple-Choice-Fragen bestehen. Alles, was das Bestehen dieser Prüfung (also das Beantworten von MC-Fragen) wesentlich erleichtert, wird einen Siegeszug antreten: Flashcards, Lehrbücher neuester Generation, mobile Texte, e-Learning, Lerntrainer, etc pp. Wir sehen erste Entwicklungen auf diesem Gebiet bei Smartphones (gute Flashcard-Programme zum Erlernen einer Sprache oder der Anatomie) bzw. bei interaktiven Fragensammlungen auf Lernportalen (Springer, Thieme).
"E-textbooks as we currently know them will look drastically different five years from now" (Paul Klute von NWMSU in Decan Butler: Technology: The textbook of the future. Nature News 1.4.2009)
2. ELEKTRONISCHE UND GEDRUCKTE LEHRBÜCHER
Ob elektronische gedruckte Lehrbücher ablösen werden, scheint interessanterweise eher eine Kostenfrage als eine Formatfrage zu sein. Gedruckte Lehrbücher sind zwar (noch) bei den (meisten) Studenten beliebter, Zahlen aus den USA belegen aber, dass elektronische Lehrbücher bevorzugt werden, wenn diese preiswerter sind. So werden dort 1/3 aller Lehrbücher für 1/2 des Preises benutzt. Wir haben also bereits jetzt einen Nutzungsmix von elektronisch + print. Da man mit den eBooks der neuen Generation (die dann vielleicht keine "Bücher" mehr sind) besser lernen können wird, ist ein vollkommener Übergang zu e-Books nicht auszuschliessen. Auch von Regierungsseite spielt Geld eine wichtige Rolle: So wurde in Kalifornien aufgrund der Finanzkrise der Lehrbuchetat drastisch beschnitten und auf Open Access-Lehrbücher verwiesen: Geld treibt Nutzung in die ein oder andere Richtung.
Nicht unerheblich ist auch der Wegfall des Secondhand-Marktes: E-Books dürfen auch deshalb im Grunde nur die Hälfte kosten wie p-Books, da sie wegen DRM nicht wieder zu verkaufen sind.
3. KINDLES
Wird die Bibliothek in 2019 statt Lehrbücher nur noch e-Book-Reader ausgeben? In 10 Jahren hat bereits jeder Student einen solchen E-Bookreader oder bekommt ihn bei der Erstsemestereinführung. Es macht Sinn, wenn die Bibliothek – wie bisher – dann auch die Inhalte für die Semester organisiert/lizenziert. Zwei Bedingungen: (1) E-Books dürfen nur nicht teurer werden als bisher (Obacht bei neuen Geschäftsmodellen, die nach Nutzung oder Studentenzahlen berechnen) und (2) die "neuen" E-Books müssen wirklich innovativ sein. Ist beides nicht erfüllt, mag das gedruckte Buch noch der Goldstandard bleiben.
4. MONOGRAPHIEN
85% aller Ausleihen werden durch Studenten getätigt. Studenten brauchen Lehrbücher. 15% der Ausleihen sind auf Monographien. Die monographische Basisliteratur kommt sowieso durch die E-Book-Komplettpakete (Springer) bereits mehr oder weniger ins Haus. Was also bleibt ist der sehr spezielle Bedarf von Nichtwissenschaftlern, Wissenschaftlern und Laien. Wie haben hier also eine Schere zwischen einem sehr speziellen Bedarf einerseits und einem relativ geringer Etat andererseits vor uns. Das spricht für neue Erwerbungsmodelle:
1. Generell sind hier E-Books erste Wahl; sie bedienen Wissenschaftler besser, da diese nicht mehr in die Bibliothek kommen und die Nutzung von PDF-Texten gewohnt sind.
2. Lizenzierung statt Kauf: Es werden lediglich Desiderate bedient, die on-demand und just-in-time lizenziert werden oder (Pharma-Modell) als Verbrauchsmaterial in gedruckter Form ohne Katalogisierung direkt an den Arbeitsplatz geliefert werden.
3. Neue Player mit neuen Geschäftsmodellen werden hier eine weitere Dynamik in den Markt bringen, z.B. wird Google Books (demnächst größter Buchhändler vor Amazon) Mio. Bücher auf einen Schlag verfügbar machen.
3. Suche
1. BIBLIOTHEKSKATALOG
Der Bibliothekskatalog fristet ein Schattendasein und wird nur benutzt, wenn’s unbedingt nötig ist.
Bücher sind viel besser und viel mehr und viel vernetzter erschlossen in Google Books, Amazon, LibraryThing etc.
Die Benutzung ist öde, schwierig und unsozial.
Wird nur benutzt, wenn’s unbedingt nötig ist, zu formalen Zwecken (Vormerkung, Ausleihe) aber nicht zur Suche, zum Browsen, zur Inspiration.
Wenn sowieso keine Monos mehr gekauft werden, und die Lehrbücher am Stand stehen – wozu ein Katalog?
Die Metadaten wollen nicht im Katalog eingezwängt sein, sondern hinaus in die Freiheit, wollen weitergenutzt und vernetzt werden in Nutzer-Communities.
2. ZUKUNFT DER SUCHE
Die Zukunft der Suche heißt Google oder Twitter oder Wolfram Alpha oder HealthSearch. Die “feinen” bibliothekarischen bibliographischen Datenbanken werden nicht benutzt, Google hat ihnen den Rang abgelaufen (und findet tatsächlich mehr). 88% aller Neurologen benutzen auch für Fachsuchen Google.
3. MOBILE SUCHE
Die Zukunft der Suche ist mobil. Es ist ...
easy: kein Aufwand zu suchen und Antworten zu kriegen (Spracherkennung)
mobil: es gibt nur 1 Mia. PCs, aber 4 Mia. Mobiltelephone, die mobile Suche wächst zudem sehr viel schneller
lokal: weiß wo ich bin und handelt entsprechend
real time: schnell wie der Blitz.
Bereits heute werden 1/3 aller Google-Suchen in Japan mit dem Mobiltelefon durchgeführt – ein Indikator, wo der Rest der Welt bald sein wird.
4. AUSKUNFT
Die Suche ist kann alle Fragen beantworten, die jetzt an der Auskunft gestellt werden. Was der heutigen Google-Suche noch sehr fehlt, ist Authorität, Lokalität, Personalisierung, Syntax, semantische Zusammenhänge erkennen, das Wissen um den Fragenden : All das, was heute die bibliothekarische Auskunft ausmacht. 2019 sind personalisierte Antworten möglich sein (Auch die Frage nach der Toilette!).
Dazu wird in die Suche einbezogen:
Nutzer-generierter Content: LibraryThing, Folksonomy, Kommentare, Empfehlungen, Wikipedia, Medpedia, Blogs, Twitter, etc.
Nutzer-Profile: Vom Nutzer selber angegebene Suchwünsche, Vorlieben, Optionen
Google-Profile: Google erstellt aus Cookies, Trackinganalysen und Nutzeranwendungen eigene Nutzer-Profile.
4. Nutzer
1. PROSUMENT
Der Terminus “Prosumer” wurde von Alvin Toffler 1980 in seinem Buch “Der Zukunftsshock” etabliert. Bei Wissenschaftlern haben wir bereits den Prosumenten Autor/Leser und damit den Kurzschluß in der Publikationskette, bei den Studenten fängt es gerade an. "Stop browsing. Start building" lautet der Wahlspruch von Yola.com (Free Website). Empfehlungen von Peers sind wichtiger als die der Bibliothek.
2. CONTENT
Nutzer-generierter Content ist wichtiger als Bibliotheks-generierter Content. Einzelne Nutzer sind bessere Informationsvermittler / bessere "Internetmarken" als die Bibliothek. Vielleicht jeweils nur auf sehr speziellen Gebieten und subjektiv gefärbt, aber die Summe macht's.
3. LIFESTREAM
Der Nutzer schafft sich seine eigene Informationszentrale (Lifestream). Ein Lifestream bündelt alle Aktivitäten einer Person im Internet auf einer einzelnen Seite. Alle Inhalte, die in Weblogs, Social-Media-Portalen und Foren geschrieben wurden, werden dort zusammengefasst. Der Lifestream ist somit nichts anderes als ein Spiegelbild aller Ideen eines Nutzers und seiner Community (Stefan Niemeyer www.tourzeichen.de). Der Nutzer erwartet, dass die Anbieter (die Bibliothek) Informationen so zur Verfügung stellt, dass er sie in seinem Lifestream einbetten kann. Nein, er erwartet es nicht: Es ist seine Attitude. Informationsanbieter, die das nicht können, existieren nicht. 600.000 deutsche Studenten haben bereits eine Facebook-Seite, 9 Mio. sind in StudiVZ. Diese sozialen, individuellen Seiten werden in Zukunft sehr viel mehr können als jetzt.
4. BIBLIOTHEK
Eigentlich brauchen Nutzer die Bibliothek nicht mehr (alles ist online und mobil), aber "es gehen ja alle hin" und "es ist so schön sich dort zu treffen". (Implikationen für die Bibliothek siehe dort)
5. DRIVE-IN NUTZER
Der Drive-in Nutzer erwartet Drive-in Service (in-time, effortless, comfortable, flexible -> siehe Houston Public Library & Szenario Espresso Book Machine)
5. Web
1. AUGMENTED REALITY
Augmented Reality (virtuelle Annotationen von realen Objekten) wird die Art wie wir Informationen aufnehmen fundamental verändern: Es sind keine Avatare, kein Second Life mehr nötig: Der Avatar bin ich, und ich bewege mich durch eine „enhanced reality“: "Just point your phone in any direction and it shows you the closest hospital, the closest emergency room, the closest automated external defibrillator."
2. REAL TIME WEB
Der Nutzer will alles dabei haben, nicht nur Kontakte, Musik und Videos, sondern auch Bücher. Nein, die ganze Bibliothek bitteschön. Die Erwartungshaltung, nein: die Attitude ist, dass man auf Fragen sofort eine Antwort haben will/muß. Man kann nicht warten, weil ja alles real-time ist und der Fluß, in dem ich bin (der Stream) nicht gestört und unterbrochen werden darf. Real-Time Web geht Hand in Hand mit einem mobilem Internet-Telephon und ein mobiles Internet-Telephon geht Hand in Hand mit dem Real-Time Web.
Eine Anwendung ist z.B. Google Wave („Email auf Speed“) mit Echtzeit-E-Mail, Echtzeit-Übersetzung, Echzeit-Zitatnachweis (Igor).
3. INTERNET OF THINGS
Alles, was wir produzieren, hat einen Chip und eine IP-Adresse. Sensoren werden in die Umwelt entlassen und registrieren jede Veränderung. Bücher registrieren ihre Nutzung. Health Care Sensoren dienen zum Gesundheitsmonitoring, z.B. des Kreislaufstatus von Feuerwehrmännern.
4. MOBILE EVERYTHING
Es gibt 3,5 Mia. Mobilfunkverträge weltweit, mehr interfähige Handys als PCs, 95% der Net Gen besitzt ein Mobiltelefon, wir haben eine Verdoppelung der mobilen Nutzung des Internet von 2008 auf 2009 und erwarten ein 300-faches Wachstum bis 2015. Datenraten werden immer schneller & günstiger. Der Pew Internet & American Life Project Report / The Future of the Internet III / Dec 14, 2008 sagt: "In the year 2020, the mobile device will be the primary connection tool to the internet for most people in the world" (http://www.pewinternet.org/Reports/ 2008/The-Future-of-the-Internet-III.aspx). Welches Gadget wird den Zugriffs auf‘s mobile Web ermöglichen? Es gibt wohl eine „convergent evolution among e-readers, laptops, portable music players and smart phones“mit dem Resultat, dass die Unterschiede zusehends verschwinden: Everyone is racing to be the ultimate multi-function device, sagt der Chef von Stanza (Decan Butler: Technology: The textbook of the future. Nature News 1.4.2009: http://www.nature.com/news/2009/090401/full/458568a.html).
6. Bibliothek
1. STUDENTENBÜCHEREI HOCH2
Keiner MUSS mehr in die Bibliothek kommen. Wir müssen also attraktiv werden/bleiben. Die Bibliothek entwickelt sich zur finalen Lernumgebung mit allen Zipp und Zapp. Cafe, komfortable Sitz- und Liegegelegenheiten, PC, e-Book-Reader, Wifi selbstverständlich, Massage, Wellness? Möglichkeiten und Unterstützung für alle nur denkbaren Arbeitsweisen - Einzel, Kleingruppen, Gruppenarbeit, Vorlesungen, Audio-Video, Virtuelle Realität, 3D, simulierte Operationen.
"There was a 'Zen Zone', where students received free services such as yoga, guided meditation and massages. Other services included tutoring, reference help, resume help and a gaming room." (Library Helps Students Relax During Crunch Time http://tinyurl.com/lc2g9r)
2. MACBIB
Die MacBib bedient den Drive-in-Nutzer. Entsprechende Services sind bereits vorhalten (SZENARIO Espresso). Bei der Houston Public Library genügt ein Anruf und schon steht das Bücherpaket verbucht zum Abholen bereit. Keine Wartezeiten! (No parking? Librarians will deliver to your car. http://www.chron.com/disp/story.mpl/metro politan/6594373.html) Dieser Service ist auch mit e-Books vorstellbar. Dafür ist dann eine Lizenzierungsschaltstelle notwendig.
Der zweite Dienst der HPL ist auch wegweisend: "The van teams, reserved by churches, nursing homes, community centers and other neighborhood institutions, teach residents basic computer and resume writing skills." Ist das die Zukunft der Schulung?
3. ZENTRALISIERUNG
Die Inhalte kommen von anderswo. Zentralisierung der Inhalte macht Sinn und geschieht zunehmend. Ist effizienter, presiwerter und wird sich deshalb durchsetzen. Die Inhalte kommen von der DFG, Konsortien, Mutterorganisationen. Die lokale Bibliothek steuert nur noch ihren lokalen Etat bei, alles andere wird zentral organisiert.
4. KONKURRENZ
Die Konkurrenz ist besser (Monopol war gestern). "Everything we provide is now offered by some else" and better. PubMed schlägt Ovid, Google schlägt PubMed, Google schlägt Bibliothek. (Vergleich Webseite Google und Bibliothek: Was ist übersichtlicher? Wo finden Sie sich schneller zurecht?) Verlage, Google und Nutzer übernehmen Funktionen der Bibliothek. So verkauft Elsevier bereits Produkte unter Umgehung der Bibliothek direkt an Fakultäten und Klinika ("Beyond Library"-Projekt).
5. INTERNETMARKE
Die Komplexität wird enorm zunehmen. Voraussage: 2019 wird kaum ein Benutzer und nur wenige Bibliothekare durchblicken. Das ist aber wichtig auf dem Weg zum Erfolg. Die "Marke" Bibliothek wird deshalb immer wichtiger werden. Was sind Marken? Welche Rolle spielen sie im Internet? M.Meckel erklärt es uns: "Nutzer brauchen Marken, um Komplexität zu reduzieren in den Überangebot von Informationen, das wir im Internet finden. Eine Marke leitet mich also durch das Web. Im Internet kann alles zur Marke werden, auch Menschen können zur Marke werden." Das ist zur Zeit auf Twitter deutlich zu erleben. (www.youtube.com/watch?v= xE5fXx5iuZg)
These: Die Bibliothek wird zur Internetmarke „hilfreicher Lotse“, Kategorie „Bewährte Dienstleistung“. Bibliothek wird zurechtgeschnittene, technologisch passende Informationen liefern, die perfekt zum/in den Lifestream des Nutzer passen. Sie wird 2019 generell alle Informationen in einem sozial-nutzbaren Format anbieten. Zuerst natürlich RSS, dann aber auch (und warum nicht): Bilder, Audios, Videos, Schulungen.
6. KLIENTEN
Klienten verzweifelt (auf)gesucht. Die Bibliothek wird zunehmend auf die Suche nach Klienten gehen. Sie in IHREN Zusammenhängen aufsuchen. Dies wird zum einen physisch geschehen, wie bereits jetzt in Freiburg (Roadshow), Köln (Visiting Librarian) oder Münster (Hausbesuche). Zum anderen – und verstärkt – wird dies virtuell sein. Bibliothekare surfen im Web, suchen nach Klienten. Antworten auf dort/nicht gestellte Fragen. Binden sich in zentrale, weltweite Antwort-Netze ein (Chasing the Sun, InfoQuest www.myinfoquest.info, InfoQuest Mobil infoquestalliance.blogspot.com)
M.Meckel: Was sind Marken? Welche Role spielen sie im Internet?
Das Internet ist zu komplex geworden
http://media.www.nsucurrent.com/media/storage/paper779/news/2009/04/14/CurrentAffairs/Library.Helps.Students.Relax.During.crunch.Time-3708789.shtmlMore presentations by Oliver Obst
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